Stormrise

Review
Plattform
PS3
Vertrieb
SEGA Europe
Entwickler
Creative Assembly
Genre
Strategie
PS3: Stormrise

Gesamtwertung

4/10

PS3: Stormrise

“Zukunft des Konsolen-RTS“, „Besser als Maus und Tastatur“, „Von Esportlern für Esportler entworfen“ – Alles Bockmist. Ganz ehrlich? Ich habe mich von Stormrise-Producer Vispi Bhopti zur GC 2008 gehörig auf die Schippe nehmen lassen und ihm nach langen Diskussionen die Story vom ersten Konsolen-RTS-Hit abgekauft. Das Endergebnis ist leider ein totaler Reinfall, auch wenn das als innovativ angepriesene, definierende Feature wirklich funktioniert.

Mit der Peitschen-Steuerung kann man trotz massiver Höhenunterschieden und riesiger Entfernungen innerhalb von Sekunden zwischen den Einheiten hin und her wechseln. Einfach den rechten Analog-Stick in die Richtung des entsprechenden Symbols drücken und schon springt die Kamera hinter den Panzer, den Mech oder das entsprechende Squad. Das Spiel gewinnt dadurch eine Dynamik, die den meisten anderen Konsolen-Echtzeitstrategie-Varianten abgeht. Jederzeit könnt Ihr Basis, Fronteinheiten oder den Commander auswählen. Habt Zugriff auf frische Taktiken und ungewöhnliche Perspektiven.

Leider hören die positiven Nachrichten mit diesem Faktor auf. Wie schon bei Viking – Battle for Asgard – Creative Assembly letztem Beinah-Fehltritt und ersten Konsolen-Ausflug – gehen Stormrise noch Monate Feintuning, ein paar sinnvolle Steuerungs-Lösungen, die die gekonnte Auswahl sinnvoll ergänzen, und vor allem der brachiale Charme des Wikinger-Action-Adventures ab. Denn um einen erfolgreichen Strategie-Titel zu produzieren, braucht es mehr, als eine schnelle Aktivierung der Einheiten. Ihr braucht Übersicht, taktische Möglichkeiten und eine einfache Gruppierungs-Funktion, die nicht an der hakeligen Kamera und der schwachen Tastenbelegung scheitern.

Doch die Probleme von Stormrise hören nicht bei der schwachen Steuerung auf. Story, Zwischen-Sequenzen und Feintuning sind eine Katastrophe. Der Humor erreicht höchstens Pennäler-Niveau, Skript-Fehler sorgen für unfreiwillige Lacher und Clipping-Probleme für eine unansehnliche Grafik. Gerade angesichts der erstklassigen Empire: Total War-Fortsetzung ist es fast beschämend, was Creative Assembly Australien für SEGA da aus dem Hut gezau...nein, nennen wir es gerupft hat.

Bei der Hintergrundgeschichte kann man noch Gnade vor Recht ergehen lassen. Die Geschichte um die aus den Fugen geratene Umwelt und die zwei unterschiedlichen Gruppierungen, die auf der post-apokalyptischen Welt ums Überleben kämpfen, ist zwar nicht originell, aber noch ganz spaßig. Als Retter der Echelon, die sich vor dem Untergang in die Tiefe geflüchtet haben, müsst Ihr mit den Sai fertig werden, die den Holocaust an der Oberfläche erlebten.

Das Endergebnis: Während die Echelon Truppen in erster Linie auf High Tech setzen, haben sich die Sai die mutierte Fauna zum Untertan gemacht und durch kontrollierte Mutation psionische Fähigkeiten entwickelt. Da der Lebensraum auch Jahre nach der Katastrophe rar ist, heißt es, die oder wir. So müsst Ihr gemeinsam mit Kampfrobotern, Panzern und Cybernetik-Scharfschützen gegen Riesenspinnen, Psioniker und Rift-Drachen antreten.

Die Perspektive wurde bei Stormrise bewusst nicht erhaben gewählt, sondern direkt hinter Euren Truppen. Wollt Ihr das Geschehen aus dem Himmel betrachten, müsst Ihr ein Fluggerät nach oben schicken oder eine Eurer Spezialeinheiteten auf ein Hochhaus. Das Gameplay wurde im Gegensatz zur Konkurrenz nämlich komplett vertikal umgesetzt. Nahezu jeder Level besitzt versteckte Ebenen und Tunnel. Oder besteht aus gewaltigen, mehrstöckigen Lagerhallen, die Euer dreidimensionales Vorstellungsvermögen bis aufs Äußerste strapazieren.

Bei den Missionen gibt es wenige Überraschungen. Meist müsst Ihr einfach alle Sai Gebäude aus dem Weg räumen. Dazu erledigt Ihr den ständig nachproduzierten Widerstand, zerstört das entsprechende Gebäude und errichtet einen eigenen Turm samt Maschinengewehr, Energieschild und Raffinerie. Die KI der Gegner kann man höchstens als rudimentär bezeichnen. Allein durch ihre Übermacht sorgen sie für Kopfzerbrechen. Angesichts der Gruppierungs- und Steuerungs-Probleme, hat sich das Spaming als beste Taktik erwiesen. Schlicht von der Basis aus eine kontinuierliche Masse Kämpfer in Richtung feindlicher Außenstation schicken, bis diese einknickt. Langweilig, aber effektiv.

Immerhin gewinnt die Story nach den ersten Missionen, trotz ihrer zum Teil katastrophalen Dialoge, etwas an Fahrt. Die Differenzen zwischen den Fraktionen sind auf einmal nicht mehr so groß, wie es den Anschein hat. Auch unser Held wird nicht nur von den Echelon sehnsüchtig erwartet. Es entspinnt sich ein Netz von Intriegen, das zumindest ein wenig Spannung erzeugt. Auch gibt es immer wieder kurze Momente, in denen die Bestandteile an die richtige Stelle fallen und so etwas wie Spielspaß entsteht. Die Kampfpanzer und Mechs gewinnen zwar keinen Orginalitätspreis, können durch ihr martialisches Auftreten für kurze Momente begeistern.

Auch das Level-Design bietet im Vergleich doch ein paar erfreuliche Momente. In den zwölf umfangreichen Szenarien gilt es, zerstörte Städte, verwüstete Landschaften und unterirdische Komplexe zu durchstreifen. Es gibt immer eine zweite Ebene, eine andere Vorgehensweise und eine unverbrauchte Tatktik, die etwas Spielspaß entstehen lässt, der aber immer wieder auf den Boden der Tatsachen geholt wird. Insbesondere zum Ende hin, wenn Ihr mit ganzen Horden durch die Level zieht, stellt sich die Peitschen-Steuerung auch noch selbst ein Bein. Sind nämlich zu viele Einheiten auf dem Bildschirm, geht eine Anwahl schnell mal daneben. Ihr landet Hunderte Meter von Eurem Ziel entfernt und verliert jede Form von Übersicht.

Etwas Abwechslung kommt durch die unterschiedlichen Spezialfähigkeiten auf, die Ihr ab und an nutzen müsst. Ihr verschanzt Maschinengewehrtruppen, setzt die Infrarotsicht Eurer Infiltratoren ein, oder aktiviert per gigantischem Luftschiff einen Orbital-Laser. Das biomechanische Design der Einheiten ist wie die restliche Grafik nichtssagend. Schwache Texturen sorgen stets für optische Rückschläge. Es fehlt wie bei der Story die Seele, der Sinn für das große Ganze. Die Objekte wirken getreu Musik, Soundeffekte und unterirdischer Sprachausgabe oft lustlos zusammengeklatscht. Ein Debakel für wirklich alle Sinne.

Ein wenig besser, zumindest theoretisch, sieht es beim Multiplayer aus. Statt einfach nur einen Vs.-Modus hin zu klatschen, hat Creative Assembly ein paar recht interessante Karten abgeliefert und zwei individuell angepassbare Commander hinzugefügt. Vor dem Spiel könnt Ihr auswählen, welche Gegenstände Eure Hauptfigur mit in den Kampf nimmt.

Je nach Ausrichtung ist der Mech (Echelon) beziehungsweise die Psionikerin (Sai) gut für normale Fußsoldaten, Panzer oder als Luftabwehr geeignet. Beide Seiten spielen sich grundlegend anders und würden so viele schöne Multiplayer-Stunden garantieren, wenn nicht die Spiel-Struktur so unfertig und verkorkst wäre. Trotzdem wagen sich ein paar unverdrossene ins Gefecht und versuchen so herauszubekommen, wer am besten mit der Krüppelsteuerung zurecht kommt.

PC Besitzer bekommen mit Abstand die hübscheste spendiert geliefert. Dank hoher Auflösung, grenzenloser Weitsicht und scharfer Texturen sieht der Titel fast gut aus, wird seinem Direct X 10 Anspruch aber kaum gerecht. Doof auch, dass die Entwickler fast keine Optimierungsarbeit geleistet haben. Selbst auf einem Quad Core PC mit moderner Grafikkarte kommt es immer wieder zu Ruckeleinlagen. Außerdem seid Ihr auch hier mit Games for Windows Live gestraft, das bei Stormrise noch mehr Probleme bereitet, als bei Dawn of War II. Dafür sehen Xbox 360 und PS3 ähnlich mittelmäßig aus und dürfen sich gemeinsam über die miese Behandlung ärgern.

Gratulation Creative Assembly. Das zweite Spiel mit guten Ansätzen in den Sand gesetzt. Man bekommt langsam das Gefühl, dass außer Total War alles in die Hose geht. Vor allem angesichts der großen Sprüche, die bei der Ankündigung des Spiels geklopft wurden, ein ziemlich peinliches Ergebnis. Lediglich die Peitschen-Steuerung entpuppt sich tatsächlich als intelligente Lösung, um Einheiten bei einem Konsolen-RTS auszuwählen. Vielleicht nehmen sich andere ein Beispiel und befreien die gute Idee von der katastrophalen Umsetzung.

Nahezu der komplette Rest samt KI, Story, Grafik und Steuerung fallen dagegen mittelmäßig bis mies aus. So kann man den Titel nur echten Masochisten empfehlen, die auch schon bei Iron Man oder Hulk ihren Spaß hatten. Die Qualitätskontrolle sollte sich für solch ein Machwerk schämen. Ja, es ist hart, noch mehr Zeit/Geld in den Sand zu setzen, aber für Creative Assembly ist so ein Gameplay-Desaster fast rufschädigend. Kein Wunder, dass die Testversion erst nach dem Launch kam. Ich für meinen Teil werde in Zukunft noch kritischer auf die Versprechungen der Producer reagieren, auf solch einen Mist fall ich nur einmal rein.

Stormrise ist bereits erhältlich für Xbox 360, PS3 und PC.

 

 

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