Gesamtwertung9/10 |
Die Sims – per Definition ein Spiel aus dem Hause Maxis, in dem man sein selbst erschaffenes Alter-Ego durch das Leben bugsiert, die Karriereleiter hochkrabbelt, diverse Beziehungen festigt.
Die Sims – per Definition der meisten Spieler, die ich kenne: Das wohl spaßigste und gleichzeitig günstigste Architekturprogramm der Welt. Denn was gibt es in Die Sims Schöneres, als stundenlang Häuser zu kreieren und diese einzurichten?
Nun, ich kann natürlich nicht vorhersagen, ob sich für jeden von Euch dieses „ich kaufe mir ein Spiel, beschäftige mich aber hauptsächlich damit, Gebäude hochzuziehen“ mit dem jüngsten Spross der Sims-Familie maßgeblich ändert. Tatsache ist allerdings, dass Die Sims 3 es Euch schwer machen wird, Euch voll und ganz der Baukunst hinzugeben.
Weil es mit so vielen kleinen und großen Details rund um Euer virtuelles Ich aufwartet. Euch so viele Möglichkeiten der Entfaltung an die Hand gibt, dass Ihr nur selten den Wunsch verspürt, Eure hart verdienten Simoleons in Fußböden, Fenster und zusätzliche Stockwerke zu investieren.
Um es noch genauer auszudrücken: Es nicht länger alle Elemente in den Vordergrund rückt und sich der Spieler aussuchen darf, was ihm davon am besten gefällt. Wie etwa das besagte Bau-Tool. Sondern sich auf das fokussiert, was Die Sims ausmachen sollte. Das Leben. Mit all seinen Hochs und Tiefs, all den Wünschen, Hoffnungen und Bedürfnissen. All dem Tumult.
Wackere Sims-Veteranen werden nun vermutlich aufhorchen und entrüstet feststellen, „Ja, aber das hatte es doch schon mit Die Sims 2 getan“. Hatte es das? Wirklich? Zugegeben, es kratze das Thema schon nett an, begrenzte sich aber weiterhin selber in seinen Optionen. Es fanden sich lediglich fünf vorgegebene Lebenswege ein, von Reichtum, Wissen und Romantik, bis hin zu Beliebtheit oder Familie. Man achtete auf die Wünsche und Ängste seiner Figuren. Verbesserte ihre Fähigkeiten. Vererbte die recht dürftig bedachten Charakteristika (Logik, Charisma, etc.) an seine Kinder weiter.
Und man versuchte, wie schon im ersten Ausläufer seiner Gattung, möglichst viele Freunde an Land zu ziehen, um sich in seinem Job zu mausern. Tête-à-tête's mit den Nachbarn, etwaige Sporteleien und Vergnügungen inklusive. Das war im Vergleich zu dem Vorgänger selbstverständlich schon ein stattlicher Sprung und äußerst unterhaltsam. Dennoch: Eine wirkliche Persönlichkeit, die eigenständig agiert, sich mehr und mehr zu einem Pixel-Menschlein entwickelt, von anderen lernt und der vielleicht irgendwann in der Hälfte ihres Lebens auffällt, dass sie gar nicht so rechthaberisch sein muss, wie sie von Haus aus ist – nein, das konnte man in Die Sims 2 nicht erleben.
Bevor gleich Vermutungen die Runde machen: Völlig eigenständig handeln die Männlein und Weiblein auch in Die Sims 3 nicht. Sie werden beispielsweise nie ihr Portemonnaie leeren und sich eines der Autos kaufen, die man sich hier freudig in seine Garage beziehungsweise auf den Stellplatz hieven kann. Und sie werden auch nie dazu übergehen, kurzerhand ihre Arbeitsstelle zu kündigen und sich nach einem neuen Tätigkeitsfeld umsehen. Solche Angelegenheiten müsst Ihr nach wie vor von Hand regeln.
Wie jedoch ein kleiner 1-Stunden-Testlauf zeigte, in dem ich nicht einen Finger rührte, sind sie durchaus dazu imstande, ihr Leben ohne Einwirkung „von Außerhalb“ zu genießen und sich selbst zu versorgen – sofern Ihr sie nicht per Regler im Menü zu Marionetten avancieren lasst. Sie essen, schlafen, duschen, treffen sich mit Freunden, gehen zum Angeln an den See, hegen und pflegen ihr Gemüsegärtchen. Setzen sich stundenlang an den Computer und chatten, spielen irgendwelche EA-Titel (Skate etwa) oder arbeiten ein Ründchen von Daheim, um ihren Job-Level nach oben zu hieven. Und was all die anderen Punkte anbelangt, das stete Weiterentwickeln, das Lernen von anderen Sims, die spätere Umgestaltung der Charakteristika – ja, in der Tat, das alles offeriert Die Sims 3.
Wenn Ihr zum Beispiel den Gaumenkünsten frönt, sei es auch nur als Hobby, und Freundschaft mit einem angesehenen Koch schließt, könnt Ihr während einer Unterhaltung Euren Fertigkeiten-Level nach oben bugsieren. Oder Ihr setzt in den Gesprächsoptionen auf Eure charismatische Seite und entlockt ihm geheime Rezepte, die Ihr dann – die nötigen Lebensmittel vorausgesetzt – am heimischen Herd nachkochen dürft. Schlägt Euer Herz im Gegenzug für die Logik, sucht Ihr eben einen bekannten Schachmeister auf und erlernt neue Tricks und Kniffe, um Eure Konkurrenten während des nächsten Turniers auszuhebeln.
Die Sims 3 lässt Euch hinsichtlich der Aufwertung der obligatorischen Fertigkeiten – sprich: Logik, Gartenarbeit, Kochen, Angeln, Gitarre, Geschicklichkeit, Athletik, Charisma und Sammeln – beinahe so etwas wie Narrenfreiheit. Stockt Euer Wissen durch Romane und Magazine aus der Bücherhandlung auf, redet mit den Leuten, nehmt an angebotenen Kursen teil. Übt Euch in der Praxis, in dem Ihr jeden Tag eine Stunde lang die Angel auswerft, die Saiten der Gitarre zupft oder durch die Gegend spaziert und Käfer, Schmetterlinge und sonstige Insekten einfangt (die man im Übrigen der Wissenschaft für ein nettes Sümmchen überlässt).
Und je mehr Ihr Euch mit den Fertigkeiten beschäftigt – Level 10 ist wieder einmal das Maximum -, umso schneller könnt Ihr in den zugehörigen Fähigkeitentagebüchern erste Herausforderungen meisten. Sei es die Errungenschaft „Edelstein-Sammler“, die Aufschluss darüber gibt, dass jede verfügbare Edelsteinsorte einmal in Euer Inventar wanderte (ja, ein richtiges Inventar gibt es nun ebenfalls). Oder „Sternekoch“ dafür, dass Ihr mindestens 50 Speisen zubereitet habt.
Im Grunde genommen sind diese Herausforderungen, und davon gibt es pro Fertigkeit eine ganze Reihe, nicht viel mehr als ein zusätzlicher Anreiz, sich auch nach Ablauf seines Lebensziels weiterhin mit seinem Sim zu beschäftigen. Ihn in seinen Fähigkeiten nach vorne zu treiben. Versteht es also als eine Art integriertes Achievement-System a la Xbox. Und selbiges greift ebenso bei der Erfüllung der Wünsche und des Lebenstraums. Nur geht es hier einen ganzen Deut tiefer, bewegt sich in eine etwas andere Richtung, hinterlässt eine bleibende Veränderung.
Um das zu erklären, sollte man vielleicht zunächst einmal erwähnen, dass Ihr Euren Sim aus fünf von sage und schreibe 75 Eigenschaften zusammensetzt. Etwa „Böse“, „Guter Küsser“, „Grüner Daumen“, „Genie“, „Draufgänger“, und „Perfektionist“, um einige wenige zu nennen. Daraus resultieren wiederum fünf Vorschläge bezüglich Eures Lebenstraums. Eine Kombination aus Computerfreak, Ehrgeizig, Charismatisch, Geschickt und Workaholic könnte Euch mitunter den Lebenstraum „Chef eines Mega-Konzerns“ nahe legen, bei dem Ihr eine Wirtschaftslaufbahn einschlagt. Eine andere Alternative wäre die kuriose Idee, einen Roboter anzufertigen. Abseits der Pfade, auf denen Eure Karriere wandelt, beeinflussen die Eigenschaften erwartungsgemäß, welche Vorlieben Ihr nach Außen tragt, wie schnell respektive langsam Ihr Euch entwickelt, wie Ihr generell im Leben steht.
Und zum Teil sogar, welche regulären Wünsche Euer Sim äußert. Ähnlich Sims 2 findet sich im Menü eine Rubrik ein, die Euch genau aufzeigt, was sich Euer Sim aktuell für sein Wohlbefinden wünscht. Das kann etwas lapidares sein, wie zum Beispiel den Lieferdienst des Pizzeria anzurufen, einen neuen Fernseher zu kaufen, mit einem Freund zu plaudern oder Unkraut jäten. Vier der Wünsche könnt Ihr auf einmal versprechen. Erfüllt Ihr die Wünsche, erhaltet Ihr mal mehr, mal weniger Lebenszeitpunkte.
Ein schlichtes „in die Stadt gehen“ bringt Euch über den Daumen gepeilt 175 Pünktchen ein, ein „Über 50.000 Simoelons besitzen“ 2.250 Punkte und der Lebenstraum ab 29.000 Zähler aufwärts. Nebst diesen „Aufgaben“, die in Hülle und Fülle auftauchen, schießen Eure Lebenszielpunkte automatisch in die Höhe, ist Euer Sim gut gelaunt bis glücklich. Mit den erwirtschafteten Punkten erkauft Ihr Euch schließlich passive Boni, die Euch das Leben etwas erleichtern.
Und hier kommt das angesprochene „Charakteristika verändern“ zum Zuge. Für schlappe 20.000 Lebenszeitpunkte dürft Ihr die „Midlifecrisis“ erwerben, die es möglich macht, einfach alle genetischen Merkmale Eures Sim über Bord zu werfen und neue auszuwählen. Darüber hinaus könnt Ihr Euch eine stählerne Blase aneignen, das Talent, alles schneller zu erlernen oder besonders ordentlich zu sein. Bis hin zur Teleportationsmatte (75.000), die Euch, wenn sie funktioniert, blitzartig dorthin trägt, wo Ihr gerade sein möchtet.
Ein weiteres, ebenfalls in Sims 2 angeschnittenes Element sind die Gelegenheiten, die hier und da aufpoppen und Euch Ruhm und Geld einbringen. Und wie alles in Die Sims 3 darauf abzielen, was Ihr in Sachen Fähigkeiten mitbringt und in welche Richtung Euch die Arbeit führt. Habt Ihr Euch der medizinischen Laufbahn verschrieben und könnt Euch aufgrund der Erfahrungstufe als praktizierender Arzt ausweisen, passiert es gelegentlich, dass Euch das Krankenhaus bittet, in der Gemeinschaftsschule für Hochbegabte eine Impfung durchzuführen. Oder Ihr sollt in einem Notfall einspringen und eine Eurer Nieren spenden.
In den wirtschaftlichen Gefilden heißt es indes, die lukrative Akquisition eines Unternehmens zu regeln, einen anderen Geschäftsmann durch Schmeicheleinheiten von einer Investition zu überzeugen und zig Meetings abzuhalten, um der Öffentlichkeit zu demonstrieren, wie geschäftig, wie energisch Ihr Euren Aufgaben nachgeht. Nicht selten tritt der Fall ein, dass Ihr an drei Gelegenheiten zur selben Zeit hantiert. Eine aus jedem Sektor – dem geschäftlichen, dem an Fähigkeiten angelehnten und dem spezialen. Da sie allesamt bestimmten Zeitvorgaben unterliegen, mal lediglich einen Tag, mal eine komplette Woche laufen, artet das Ganze aber nie in Hektik oder Arbeit aus.
Von all diesen weniger bis gänzlichen neuen Faktoren und dem gewohnten Gameplay abgesehen, wartet Die Sims 3 zudem mit jeder Menge kleinen Details und Verfeinerungen auf, die einem entweder sofort ins Auge springen oder sich erst nach und nach bei einer Erkundungstour durch Sunset Valley - beziehungsweise Riverside, der zweiten Stadt, die Ihr am Releasetag kostenlos im Die Sims 3-Store herunterladen dürft - erschließen.
Das erwähnte Sammeln von Insekten, Edelsteinen, Meteroiten und Metallen etwa, das, sofern es Euch wie mir Freude macht, die Umgebung zu durchsuchen, einen halben Nachmittag kosten kann. Und es begnügt sich nicht mit dem Sammeln: es ist darüber hinaus gegeben, die Rohedelsteine schleifen, die Metalle einschmelzen zu lassen. Je höher die Fertigkeit, je mehr dürft Ihr damit anstellen.
Dazu gesellen sich die aufgebohrten Gesprächs– und Handlungsoptionen bei den Einwohnern, die in ihrer Ausarbeitung stark an Fable II erinnern. Ihr könnt knuddeln, knutschen, nach dem Tag fragen, kokette Witze erzählen, ein „Baby machen“, gar furchtbar gemeine Aktionen starten. Die Unterhaltung mit Euren Fertigkeiten aufpeppen, einen Sim zu Eurem Feind erklären, wenn es Euch gegen den Strich geht, wie er Euch und andere behandelt. Oder mit wem er/sie gerade liiert ist. Ein überarbeitetes Baumenü, mit dessen Werkzeugen Ihr unter anderem eigene Stile für Eure Wände, Böden und Möbel kreieren könnt.
Plus das Berufssystem, bei dem Ihr ab sofort einstellen könnt, auf welche Weise Euer Sim seine Arbeit verfolgt, und das sich entsprechend des Berufs anders aufteilt. Wollt Ihr Euch bei dem Boss einschleimen? Setzt auf „Ablage des Chefs machen“. Ist es Euer Anliegen, tüchtig und mit vollem Einsatz die gestellten Aufgaben zu erledigen? Nur zu, achtet lediglich auf den Stresspegel, sonst geht die Laune den Bach hinunter. Wie wäre es stattdessen, sich ein, zwei Stündchen mit den Kollegen auszutauschen? Ebenfalls möglich. Eine vorgegebene Anzahl an Freunden benötigt Ihr für den Aufstieg nun auch nicht mehr. Ihr müsst bloß die Laune im grünen Bereich einpendeln – Euer Sim reagiert positiv auf schöne Dekorationen, erfüllte Wünsche, Ausgeschlafen sein etc., negativ auf die Vernachlässigung seiner Bedürfnisse (Hunger, Sozial, Hygiene, Harndrang, Energie, Spaß) sowie Stress etc. - und Ihr rast die Laufbahn nach oben.
Und dann wäre da noch die nahtlose Verbindung der gesamten Stadt mitsamt ihren Außenbezirken, die Ihr wahlweise mit dem Taxi, dem Geschäftswagen, Eurem eigenen Vehikel oder zu Fuß erforschen könnt. Einer Stadt, in der jedes Geschäft, jedes Gebäude, jeder Platz diverse Aktionen mit sich führt. Allerlei Kurse, an denen Ihr teilnehmen könnt, ein Lebensmittelladen, der Euch mit neuen Rezepten und Nahrungsmitteln ausstaffiert. Ein Theater, ein Stadion, ein Fitnesscenter, ein Rathaus, und und und. Definitiv genug, um Euch laaaaange vor den Bildschirm zu bannen...
Ich muss gestehen, ich bin einer dieser Spieler, die ich anfangs erwähnte. Jene, die Sims 1 sowie 2 einmal durchspielten - soweit das möglich ist. Es dann jedoch hauptsächlich dazu missbrauchten, tagein- tagaus ein neues Haus aus dem Boden zu stampfen oder ein bestehendes in die Größe eines halben Schlosses zu verwandeln. Und Überraschung: Diesen Wunsch verspürte ich selbst nach über 40 Stunden mit Die Sims 3 nicht ein einziges Mal. Dafür ist es zu reich an kleinen und großen Details beschenkt, zu konzentriert auf die tatsächliche Lebensgestaltung des Sims.
Und auch wenn ich meinen Kollegen Harald dahingehend Recht zusprechen muss, dass sich Die Sims 3 trotz der gelungenen Neuerungen in vielerlei Hinsicht auf Altbewährtes verlässt, der Umfang im Vergleich zu Die Sims 2 inklusive aller Erweiterungen deutlich knapper ausfällt, ist es für mich das unterhaltsamste, weil tiefgehendste Die Sims. Wie schon ein weiser Mann namens Dickens einmal sagte: „Kleinigkeiten machen die Summe des Lebens aus“. Ein Satz, der sich fürwahr auf die Sims 3 anwenden lässt.
Die Sims 3 ist ab dem 4. Juni für Euren PC erhältlich. Mit zum Kauf gehört eine kostenlose zweite Stadt sowie ein 12 Euro-Gutschein, den Ihr im Sims 3-Store gegen schmucke Gegenstände eintauschen könnt.
Du bist Gladiator, der Held der Spiele im Kolosseum. Besiege Deine Gegner und erkämpfe Dir die Cance auf 10.000 €. zum Spiel...
Die Sims 3 im Test.
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