NHL 08

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Electronic Arts
Entwickler
Electronic Arts
Genre
Strategie
X360: NHL 08

Gesamtwertung

8/10

X360: NHL 08

Über 15 Jahre hat die NHL-Reihe von Electronic Arts mittlerweile auf dem Buckel und eigentlich sollte man annehmen, in dieser Zeit jedes nur erdenkliche Feature gesehen zu haben. Eigentlich. Denn tatsächlich wurden zwar immer mal neue Spielelemente hinzugefügt, dann aber auch häufig wieder entfernt, um wenig später als vermeintliche Innovation leicht verändert erneut eingeführt zu werden. Vielleicht lässt sich so erklären, dass es eben doch noch Features gibt, die es nie ins Spiel geschafft haben, obwohl sie Saison für Saison sehnlich erwartet werden.

Aber in diesem Jahr ist bei EA Sports erfreulicherweise alles ein bisschen anders: FIFA hat seinen Tiefpunkt endgültig überwunden, Madden ist sogar wieder richtig gut - und Eishockey-Fans bekommen in NHL 08 gleich zwei echte Neuerungen spendiert, die man schon fast als bahnbrechend bezeichnen kann.

Neuerung Nummer eins ist ein ganz schlichter Editor, mit dem Ihr eigene Spielzüge kreieren könnt, was kompliziert erscheint, sich aber als unglaublich simpel herausstellt: Ihr wählt einen Spieler aus, skatet mit ihm ein paar Sekunden lang über das Eis, während das Spiel Eure grobe Laufbahn aufzeichnet und mit Hilfe eines Pfeils visualisiert. Dann wechselt Ihr den Spieler und weist einem anderen Akteur seinen Weg zu.

Der bereits programmierte Spieler wird währenddessen vom Spiel selbst gesteuert, so dass Ihr Timing und Bewegung perfekt aufeinander abstimmen könnt. Nicht, dass es später zu Kollisionen kommt. Falls trotzdem Unstimmigkeiten auftreten, dürft Ihr jederzeit Veränderungen an der Bahn jedes Spielers vornehmen. Seid Ihr letztendlich nach mehreren Probeläufen zufrieden, benennt Ihr den Spielzug und könnt Ihn später in richtigen Partien problemlos aufrufen.

Selbstverständlich bedarf es im Voraus einer gewissen Überlegung, schließlich will so ein Spielzug wohl durchdacht sein - versucht Ihr es allein auf gut Glück, hält sich der Erfolg in Grenzen. Aber die Gestaltung an sich könnte wirklich einfacher nicht sein und lässt dennoch kaum Wünsche offen. Höchstens, dass ich dieses Feature liebend gerne auch in allen anderen 08er-Sportspielen gesehen hätte. Naja, sicher nächstes Jahr.

Die zweite Neuerung zielt ebenso in erster Linie auf Spieler ab, die richtig viel Zeit mit NHL 08 verbringen und sich tief in den Spielablauf einarbeiten wollen: Die künstliche Intelligenz der Gegner passt ihr Verhalten in diesem Jahr nämlich erstmals richtig Eurer Spielweise an. Setzt Ihr im Angriff vor allem auf Schlagschüsse aus der Distanz, nimmt das andere Team nach einer Weile davon Notiz und wird mit mehr Druck versuchen, Euch vom Schießen abzuhalten. Baut Ihr hingegen verstärkt auf Onetimer, machen Sie irgendwann die Passwege komplett zu. In der Defensive funktioniert's ähnlich, hat man dort doch endlich das Gefühl, die Angreifer würden tatsächlich versuchen, etwaige Lücken in der Verteidigung auszugucken.

Damit angesichts der starken KI Erfolge jedoch nicht zu schwierig werden, informiert Euch das Spiel auf verschiedene Weisen, dass Ihr mal ein bisschen Kreativität reinbringen solltet: So genannte Scouting-Berichte fassen nach einem Drittel zusammen, was Ihr richtig gemacht habt und woran es hakt. Außerdem lassen die allgemein übrigens sehr guten, treffsicheren und sich recht selten wiederholenden Kommentatoren hin und wieder ähnliche Hinweise in diese Richtung fallen.

Während NHL 08 in Sachen Taktik und Gegnerintelligenz also auftrumpft, gibt es in anderen Bereichen nur marginale Optimierungen zu verzeichnen. Die Steuerung beispielsweise gleicht im Wesentlichen der des Vorgängers: Mit dem linken Analogstick kontrolliert Ihr den Spieler, mit dem rechten lenkt Ihr den Schläger bzw. führt Bodychecks aus. Dazu gibt's eine Taste zum Passen, eine zum Schlenzen und eine - Achtung, neu! - für Körpertäuschungen. So dürft Ihr etwa den Puck rechts an Verteidiger vorbeiführen, ihm nach links ausweichen und Euch dann wieder den freien Puck schnappen. Ist in 1-gegen-1-Situationen ganz hilfreich, aber natürlich nichts, was das ganze Spiel umkrempeln würde.

Leider bedeutet die im Vergleich zur 07er-Version nahezu identische Steuerung auch, dass einige kleine Macken nicht behoben wurden: Im Eifer des Gefechts wird deshalb zum Beispiel aus einem Schlagschuss schnell mal lediglich eine Täuschung, wenn man nicht genau aufpasst.

Spürbar verbessert hat EA Sports immerhin die Skating-Engine, also das Laufen auf dem Eis, das sich wirklichkeitsnäher denn je anfühlt. Damit einher geht eine leichte Reduzierung der Spielgeschwindigkeit; ein weiterer Baustein zu dem bis dato wahrscheinlich taktiklastigsten Spielgefühl der Serie. Leider haben die Entwickler dabei allerdings ein wenig vergessen, dass Eishockey durchaus eine sehr schnelle und vor allem körperbetonte Sportart sein kann.

So ist es zwar ein Fortschritt, dass Euch die Gegner anders als in früheren Teilen nicht mehr ständig auf Teufel komm raus zu Boden checken wollen, sondern sich in der Defensive artig postieren - aber fast kontaktlos sollte das Spiel nun nicht sein. Ist es aber selbst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad, was sich logischerweise zudem in einer enorm geringen Anzahl an Strafen niederschlägt. Ihr werdet häufig ganze Partien erleben, in denen bestenfalls ein Spieler mal auf die Bank geschickt wird, wenn überhaupt. Keine große Schwäche, aber definitiv nicht der Weisheit letzter Schluss.

Ebenfalls geteilter Meinung kann man über die Spielmodi von NHL 08 sein. Oder den Spielmodus, denn abgesehen von der bekannten "Dynasty" befindet sich nichts Nennenswertes im Angebot - Training, Freundschaftsspiele, ein Weltmeisterschaftsturnier, das war's. FIFA mit "Be a Pro" und Madden mit "Superstar" zeigen, dass es mindestens eine weitere Alternative geben sollte. Aber sogar der Dynasty-Modus selbst, in dem Ihr ein Team als Trainer und Manager begleitet, lässt manche Feinheiten vermissen. Dazu zählt unter anderem ein Fantasy Draft, den man früher doch schon gesehen hat. Da wären wir wohl wieder beim anfangs erwähnten "Feature rein, Feature raus" angekommen.

Bestens stellt sich dafür die Präsentation des Spiels dar, denn neben der Soundkulisse inklusive besagter, gut aufgelegter Kommentatoren, ist die Grafik verdammt stark. Abseits der sehr detaillierten Spielermodelle mitsamt ihren butterweichen Animationen sind es vor allem die Hallen, die beeindrucken. Nicht zuletzt, weil hier statt der üblichen Matschtexturen oder vereinzelten 3D-Männchen ein richtig lebendiges Publikum auf den Tribünen sitzt und steht. Das ist zwar natürlich nicht so schön rund wie die Figuren auf dem Eis selbst, aber polygonreich genug, um nicht albern zu wirken.

Schade nur: Insbesondere von den ungemein realitätsnahen Spielern sieht man aus der üblichen Draufsicht herzlich wenig, aber - klar - dafür kann das Spiel nichts. Nah ran geht's dafür bei Zeitlupen und die gibt's glücklicherweise zur Genüge.

NHL 08 macht also nicht alles ganz richtig; bei einigen Elementen besteht leichter Verbesserungsbedarf, doch das große Gesamtpaket stimmt. Vor allem ist es schön, endlich mal wieder etwas komplett Neues in der Reihe zu sehen - das dann auch noch auf Anhieb richtig ordentlich funktioniert. Von einer Offenbarung zu sprechen, wäre vermutlich zuviel des Guten, aber vor allem den langjährigen Fans werden die Neuerungen eine Menge Spaß bereiten. Für das nächste Jahr gucken sich dann bitte die Eishockey-Jungs ein paar Spielmodi von den Kollegen ab, die wiederum dürfen KI sowie Spielzugeditor kopieren, und alle sind glücklich!

 

 

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