Legends of Wrestlemania

Review
Plattform
PS3
Vertrieb
THQ
Entwickler
JAKKS Interactive
Genre
Strategie
PS3: WWE - Legends of Wrestlemania

Gesamtwertung

5/10

PS3: WWE - Legends of Wrestlemania

Für gewöhnlich drücke ich mich ja um Muster zu Wrestlingspielen herum, zu lange her ist meine Leidenschaft für Spandex, Vokuhilas und schweißnasse Männermuskeln, als dass ich noch etwas zum Thema zu sagen hätte. Allerdings gab es mal eine Zeit, in der ich ziemlich verrückt nach dem WWF-Zirkus war. Das muss so zwischen 1989 und 1994 gewesen sein, als mir der Ultimate Warrior trotz seiner beschränkten Wrestlingskills wie der König der Welt vorkam. Für Leute wie mich ist nun dieses Spiel erschienen. Denn so fern mir der Smackdown-Kram heute auch ist, so kribbelig wird mir beim Anblick der Legends of Wrestlmania-Packung.

Nicht dass sie ein Meisterwerk des Cover-Designs wäre – denn das ist sie ganz bestimmt nicht. Es liegt eher daran, dass einen die Riesenpranken von Andre the Giant von der Plastikschachtel herunter in Nullkommanichts wieder in die Kindheit zurückzerren. Legends of Wrestlemania beherrscht diese Nostalgie-Betankung wirklich sehr gut. Das hat schon etwas Magisches – wenn man zur Zielgruppe gehört.

Man ist auf einmal wieder 15 Jahre jünger und freut sich darauf, all die Matches von damals nachzuspielen. Leider hält sich diese Begeisterung aber nur über wenige Fights, denn das Kampfsystem von Legends of Wrestlemania ist viel zu eintönig und unflexibel. Das Spiel nimmt etwas zu verbissen Rücksicht auf die Leute, die dem Schausport lange ferngeblieben sind. Hersteller THQ versucht das damit zu erklären, dass Smackdown Vs. Raw eine Wrestlingsimulation ist, während Legends dagegen ein Arcade-Prügler sein soll.

In der Praxis läuft das darauf hinaus, dass man in Legends mit den vier Hauptbuttons auf der Vorderseite des Pads schon mehr als ausreichend bedient ist: Eine Taste für Schläge, eine für Grapples und je eine für Block, beziehungsweise Reversals, und Pins. Eigentlich nur logisch und lobenswert, wenn Entwickler Yuke‘s für Legends „Arcade“ nicht mit fehlendem Tiefgang gleichsetzen würde.

Dieser zeigt sich vor allem in dem knappen Move-Repertoire. Welches Manöver Ihr Euren Gegner aus dem Grapple heraus spüren lasst, hängt zusätzlich zu Eurer Position zum Gegner (lediglich vorne oder hinten) von zwei Faktoren ab. Zum einen davon, wie oft Ihr die Grapple-Taste drückt (einmal, zweimal oder einmal halten) und zum anderen von Eurem „Momentum“. Für erfolgreiche Treffer füllt sich nämlich unter Eurer Energieanzeige ein Balken auf, der den „Schwung“ Eures Wrestlers von der ersten bis zur dritten Stufe dokumentiert und bestimmt.

Pro Stufe stehen immer die gleichen Moves zur Verfügung, was dazu führt, dass jeder Wrestler seine Kämpfe fast immer nach demselben Schema schlägt. Anstatt den Fight wirklich selbst in der Hand zu haben, arbeitet man hier auf dem Weg zum Pinfall also eher müde eine arg begrenzte Liste möglicher Aktionen ab. Man schafft keine eigene Kampf-Dramaturgie, sondern folgt einem immer gleichen Skript. Dabei ist die große Stärke des Wrestlings doch eigentlich, dass rein theoretisch alles passieren kann. In Legends kann aber eher wenig passieren. Aktionen vom Turnbuckle und aus den Seilen heraus sind dünn gesät, Halte- und Aufgabegriffe werden nur von einigen wenigen Kämpfern beherrscht und sind nur gezielt ausführbar, wenn man sich gerade auf der passenden Momentum-Stufe befindet.

Nicht einmal die Begegnungen versierter Techniker der Marke Bret Hart oder Shawn Michaels versprühen dieses Gefühl von unberechenbarem Spektakel, das ihre Kämpfe so aufregend machte. Stattdessen kommt es einem so vor, als spiele man hier mit anderen Charakter-Skins, schneller abgespielten Animationen und einigen wenigen gewichtsklassenspezifischen Moves. Klar gibt es hier Dropkicks vom oberen Seil und einige ansehnliche Reversals, doch der Großteil der Action unterscheidet sich von Kämpfer zu Kämpfer nicht großartig.

Dazu kommt noch, dass das Spiel seine spektakulärsten Aktionen, die „Chains“ genannten Move-Ketten, mitsamt ihren Reversals in wiederholungsanfälligen Quick-Time-Event-Folgen verschenkt und Eure Beteiligung am Geschehen damit viel zu oft auf die Zuschauerrolle reduziert. Und auch mit der Kampflogik ist es nicht allzu weit her: Weil der eigene Finisher ebenfalls an die aktuelle Momentum-Strähne gebunden ist, ist der Zustand Eures Gegenübers vollkommen egal. Selbst wenn Ihr Jake „The Snake“ Roberts [Anm.Chefred: Bester Wrestler ever!] schon so weich geklopft habt, dass man ihn für den menschlichen Pfannkuchen Yokozuna (der hier in einer stark clippenden Variante enthalten ist) halten könnte, muss immer noch Euer Momentum-Level stimmen, wenn Ihr den Kampf mit Eurem charakteristischen Beender in die Geschichtsbücher hinein klecksen wollt. Und das stinkt einfach.

Das ist eigentlich ziemlich traurig, weil der zentrale Wrestlemania-Tour-Modus einfach wunderbar zum Thema des Spiels passt. Hier habt Ihr die Gelegenheit für Relive-, Rewrite- und Redefine-Fights. Alle drei Kampfvarianten werden von tollen Original-Zusammenschnitten der entsprechenden Fehden, wie zum Beispiel Ultimate Warrior gegen Hulk Hogan, Hogan gegen Andre the Giant oder The Rock gegen Stone Cold Steve Austin, eingeläutet. Diese Einspieler sind nicht nur vorzüglich gemacht, sie dienen auch als Auffrischer verblasster Erinnerungen und sorgen für genau die richtige Kampflaune. Wenn man hinterher aber hüftsteif zwischen den Seilen herumsakst, wünscht man sich ziemlich schnell in einen Extended-Cut des einleitenden Films zurück.

Im „Relive“-Modus erspielt Ihr Euch Medallien, indem Ihr den Kampf genauso nachspielt, wie er damals geschehen ist. In der Praxis erfüllt Ihr also bestimmte Missionsziele innerhalb eines Bouts, wie etwa Andre the Giant zu slammen. Auch in „Rewrite“, wo Ihr den Ausgang des Kampfes ändern dürft, und in „Redefine“, wo Ihr die Rahmenbedingungen und Regeln der Kämpfe modifiziert, wollen bestimmte Etappenziele gegen digitales Gold von Euch erfüllt werden. Insgesamt eine interessante Idee, die lediglich etwas daran krankt, dass man bei den bis zu zehn Missionszielen oft das Spiel pausieren muss, um nachzusehen, was man noch nicht geschafft hat.

Eine naheliegende Stärke von Legends of Wrestlemania ist natürlich das mit 40 Fightern durchaus üppige Roster. Und das liest sich erst einmal unglaublich gut: The Ultimate Warrior, Hulk Hogan, Ric Flair, Brutus „The Barber“ Beefcake, Jake „The Snake“ Roberts, Mr. Perfect, Junkyard Dog, Hawk und Animal von der Legion of Doom, der Ultimate Warrior, „Hacksaw“ Jim Duggan, Andre the Giant, Bam Bam Bigelow, Bret Hart und der Ultimate Warrior (), um nur einige zu nennen.

Erst wenn die Freude über das Wiedersehen mit den eigenen Favorites verflogen ist, merkt man, dass der Kader zugleich auch eine Schwäche von Legends of Wrestlemania ist. Denn es fehlen auch sehr viele Ikonen: Razor Ramon, Diesel, Big Van Vader, 1, 2, 3 Kid, Tatanka, Rick „The Model“ Martel, Jeff Jarrett, Lex Luger, Marty Janetty, The IRS, Sid Justice, Owen Hart, Giant Gonzales, „Macho Man“ Randy Savage, die Bushwhackers, Tito Santana, Adam Bomb, Mankind und Bob Backlund.

Und jeder Einzelne tut ein bisschen mehr weh als der Vorherige – je nachdem in welcher Reihenfolge man ihr Fehlen selbst bemerkt. Einige dieser Leerstellen im Kader lassen sich immerhin durch den wirklich lobenswerten und einfachen Import aller Smackdown vs. Raw 2009-Kämpfer auffüllen. Ein desillusionierter Nostalgiker, wie ich nun mal einer bin, hat das aber eben nicht im Regal stehen.

Davon abgesehen ist rein technisch bei diesem WWE-Klassentreffen eigentlich alles in Ordnung: Die Gesichter und Details aller anwesenden Fighter sind mit wenigen Ausnahmen recht gut gelungen, allerdings sehen die Proportionen der aufgepumpten Brustkörbe und Arme viel zu sehr nach Action-Figur aus. Hier ist der Muskelfetisch eindeutig mit den Designern durchgegangen, was schade ist, weil einem die Realfilm-Zusammenschnitte direkt vor den Kämpfen ja zeigen, wie die Jungs wirklich ausgesehen haben. Und dann ist da noch das Publikum, das problemlos auch aus einem fünf Jahre alten NBA Live stammen könnte. Da man den Kampf nur selten aus dem Ring herausträgt, ist das allerdings noch zu verschmerzen.

Legends of Wrestlemania ist in Sachen Umfang und Spielmodi durchaus in Ordnung und weiß mit seinem Nostalgie-Bonus recht geschickt umzugehen. Allerdings macht es auch nur ungefähr so lange Spaß, bis man jeden Move seiner Lieblings-Athleten gesehen hat. Und das kann schon am ersten Abend passieren. Für Spieler mit Wettbewerbs- und Multiplayer-Ambitionen sind die Kämpfe zu platt, zu gleich und - dank QTE-Versessenheit - auch oft zu willkürlich in ihrem Ausgang. „Easy to learn, nothing to master“ – das ist nicht der Stoff aus dem Legenden sind.

„Ehemalige“ können sich ihre Dröhnung 80er & 90er Catchen also auch auf Youtube oder mit einer der zahllosen Wrestlemania-DVDs besorgen, während aktuelle Wrestlingfans mit Smackdown Vs. Raw das deutlich bessere Kampfspiel bekommen dürften.

WWE – Legends of Wrestlemania ist für Playstation 3 und Xbox 360 erhältlich.

 

 

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