Ninja Gaiden Sigma

Review
Plattform
PS3
Vertrieb
Tecmo
Entwickler
Tecmo
Genre
Andere

Gesamtwertung

8/10

PS3: Ninja Gaiden Sigma

1985: Die guten alten Achtziger. Das Jahrzehnt der hässlichen Klamotten, schlechten Musik und sinnentleerter Martial Arts-Filme. Japanische Kampfkunst war damals total in und es gab kaum einen Mitschüler, der nicht Karate oder Judo machte. Ich selbst war klein, pummelig und vollkommen ungelenkig. So schaffte ich es als einziger von 15 jungen Anwärtern durch die Prüfung zum weißen Gürtel zu rasseln. Am Boden zerstört, beendete ich sofort meine Karriere als Kämpfer und schwelgte stattdessen in meinen Lieblingsfilmen American Fighter, American Fighter 2 und American Fighter 3. Dort konnten die Kämpfer fünf Meter hoch springen, zwanzig Gegner auf einmal niedermetzeln und mit einem Shuriken – ein Wurfstern, total verboten, hatte trotzdem jeder – einer Fliege ein Auge auswerfen. Material zum Träumen. Von einer Perfektion, die ich nie erreichen würde.

2004: Erneut dreht sich alles um japanische Kampfkunst und wieder versage ich. Ich sitze vor dem Xbox-Remake des Klassikers von 1991 Ninja Gaiden und beiße mir am ersten Endgegner die Zähne aus. Gerade mal 20 Minuten gespielt und ich bin verzweifelt. Alte Versagensängste kommen hoch und ich muss den Selbstversuch nach eine Stunde frustriert abbrechen. Nachdem ich schon in der Realität scheiterte, werde ich nun auch noch in der Virtualität geschlagen. Während ich jeden Shooter blind und mit einer Hand auf dem Rücken in Bestzeit beende, scheinen die Martial Arts meine Achillesferse zu sein. Ich gebe auf und schließe dieses dunkle Kapitel scheinbar für immer.

2007: Auf der Playstation 3 herrscht Software-Ebbe. Seit dem Release sind nur wenige erstklassige Titel heraus gekommen und die Fangemeinde lechzt nach Nachschub. Da taucht aus der Versenkung meine Nemesis auf, das einzige Spiel, das mich jemals so vernichtend geschlagen hat. Eidos bringt das Playstation 3-Remake Ninja Gaiden Sigma nach Europa und ich stehe vor der Wahl: Streiche ich die Segel und gebe den Titel ab oder stelle ich mich der Herausforderung und beweise, dass ich mich zumindest virtuell nicht kleinkriegen lasse. Chuck Norris oder Dieter Bohlen, AC/DC oder Boney M.? Eine Entscheidung ist gefallen. Man wird älter, reifer und stellt sich einer Herausforderung. Also schnappe ich mir Ryu Hayabusa und kämpfe, um seine und meine Ehre wieder herzustellen.

Der Weg des Kriegers

Wer das erste Ninja Gaiden nicht kennt, muss sich das als eine Art Super-Hardcore God of War vorstellen. Der Hauptdarsteller ist ein moderner Ninja, der mit seiner Move-Palette jeden Prügel-Fan glücklich machen würde. Neben diversen Angriffen kann Ryu Hayabusa – Dead or Alive-Fans dürfte der Name bekannt vorkommen – an Wänden entlang laufen und wahnwitzige Sprünge vollführen. Diese Fähigkeiten benötigt er nicht nur für die vertrackte Level-Struktur, sondern vor allem für die knallharten Feinde. Die Gegner sind nämlich kein dummes Schlachtvieh, sondern gerissene Hunde, die unaufmerksame Kämpfer innerhalb von Sekunden aufs Kreuz legen. Ohne Blocken und Ausweichbewegungen sieht man noch nicht mal den ersten Endgegner, bei dem ich 2004 so kläglich scheiterte.

Diesmal konnte ich ihn übrigens schon beim zweiten Anlauf besiegen. Dank mehr Energie-Tränken, geschenkten Wiederbelebungsrollen und vor allem einer leicht verbesserte Kamera, gelang es mir, den Nunchaku-Kämpfer endlich zu überwinden. Damals musst man sich nämlich nicht nur mit den gewieften Kontrahenten, sondern auch mit einer fiesen Kamera herumschlagen, die selten das eigentliche Geschehen zeigte. Auch heute muss man zwar ständig nachjustieren, doch totale Verwirrung stellt sich deutlich seltener ein.

Diese Verbesserung ist aber nicht der Playstation 3 Fassung, sondern dem ersten Remake Ninja Gaiden Black zu verdanken. Die Neuauflage der Xbox-Version besaß neben ein paar neuen Abschnitten und einer besseren Übersicht auch ein komplexeres Waffensystem und gilt für Fans heute als bestes Beat'em'Up für Microsofts 'Last-Gen'-Konsole. Doch Tecmo musste zur Next Generation-Premiere noch einen drauf legen und verpasste Ninja Gaiden Sigma einen frischen Charakter mit zwei herausstechenden Merkmalen.

Ihr dürft in die Haut der Dämonen-Jägerin Rachel schlüpfen, die sich wahrscheinlich durch ihre enormen Brüste deutlich behäbiger als unser Ninja-Meister spielt. Im Gegenzug besitzt sie eine mächtige Sense, die das Dämonenvolk gleich reihenweise platt macht. Optisch machen die drei Abschnitte mit dem Silikon-Monster zwar wenig her, doch spielerisch liefern sie einen kleinen Tapetenwechsel für zwischendurch.

Story-Brei mit Dämonen, Ninjas und Soldaten

Vor lauter sekundären Geschlechtsmerkmalen habe ich glatt die Story vergessen. Ähnlich primitiv wie das Frauenbild von Tecmo liefert die Geschichte nur einen simplen Rache-Plot um eine tote Familie und einen Dämonen-Fürsten. Schon mal gehört, gesehen und gespielt. Immerhin bewegt sich der Titel nicht die ganze Zeit im feudalen Japan, sondern in der Gegenwart, was neben japanischen Schnetzelmeistern auch Spezialeinsatzkommandos und Gen-Monster auf den Plan ruft.

So wird bei den Schauplätzen, bei den Gegnern und ihren Taktiken jede Menge Abwechslung geboten, die das Spiel nie langweilig werden lassen. Eingestreut gibt es ein paar Rätsel und Jump'n'Run-Sequenzen, aber nichts, was man nicht mit ein wenig Übung auf die Reihe bekommt. Leider tauchen besiegte Gegner wieder auf, was bei den harten Kämpfen für Frust sorgen kann.

Das Spiel wurde beim Schwierigkeitsgrad zwar deutlich entschärft, Anfänger werden sich aber trotzdem die Zähne ausbeißen. Dutzende Moves und intelligente Gegner erfordern Euer ganzes Geschick und eine dicke Portion Durchhaltevermögen. Meinen persönlichen Sieg über das Spiel habe ich mir mit Dutzenden Restarts erkauft, die durch die sporadischen Speicherstationen nicht gerade Nerven schonend ausfallen. Doch nach ein paar Stunden erreicht man einen Punkt, wo man mit den Kämpfen immer weniger Probleme hat und sich eher an den Rätseln die Zähne ausbeisst.

Als weiteren Pluspunkt sollte man das komplexe Waffensystem erwähnen, das für Nahkampfwaffen eine eigene Move-Palette bereit hält. Mit Hilfe von gesammelten Seelen kann man das Schnetzelwerkzeug in drei Stufen aufrüsten und mit speziellen Zauberattacken gleich den ganzen Bildschirm leer fegen. Die Gameplay-Elemente greifen so perfekt ineinander und werden Fans der Serie erneut an das Joypad fesseln.

Bei der Optik gibt es neben höheren Auflösungen nur wenig Verbesserungen zu vermelden. Dort mal ein neuer Effekt, hier eine hübschere Textur, unterm Strich bleibt alles beim alten, was für die letzte Generation fantastisch war, auf der Playstation 3 aber nur mittelmäßig daherkommt. Gerade Rachels-Abschnitte wirken mit ihren schwachen Level-Texturen deutlich schlechter, als die Ninja Abschnitte, dafür gibt’s im Gegenzug die bemerkenswerten Silikon-Berge und einen etwas anderen Gameplay-Ansatz.

Ich habe es allen gezeigt: Meinem Karate-Trainer, Ninja Gaiden und vor allem mir selbst. Man braucht keine übermenschlichen Kräfte, um dieses Ausnahme-Beat'em'Up zu bezwingen, sondern nur starke Nerven und den Willen sich auf das Gameplay einzulassen. Im Gegenzug bekommt man ein motivierendes Erlebnis geliefert, das vor allem Fans von God of War glücklich machen und die Zeit bis Heavenly Sword verkürzen sollte.

Die doof gesetzten Speicherpunkte, die immer noch hektische Kamera und die Last-Gen-Optik verbauen dem Titel den Weg zu noch höheren Wertungs-Sphären. Sonst präsentiert Tecmo auch auf der Playstation 3 einen erstklassigen Prügler, der als Remake zwar Neueinsteiger begeistern wird, Veteranen aber kaum Neues bietet. Die drei neuen Abschnitte und der HD-Support sind kein echter Kaufgrund, nur Hardcore-Fans werden hier vermutlich zugreifen wollen. Wer genug Talent mitbringt, das Original nicht kennt und das Genre liebt, bekommt dagegen ein hervorragendes Paket geliefert, das jeden Euro wert ist.

Seit dem 27. Juni darf man bei Ninja Gaiden Sigma auf der PS3 fröhlich Dämonen schnetzeln.

 

 

Ist der Artikel hilfreich? Dann bookmarken Sie ihn bei:

Hilfe?

 

 

Yahoo! Highlights:

Filmblog
Spiele Highlights
Video Suche
DFB Pokal
Autonews
Reiseplaner
Mehr...

 

Aktuelle Videospiele News:

PS3: Peter Moore: 'Sony hielt nicht das,...
PC: SDK für Crysis Warhead kommt bald
PS3: Konamis Murphy: Mehrheit hält Pro E...
PS2: God of War: Brett Ratner macht den ...
A Vampyre Story
PS3: Eidos kündigt Shellshock II an
PC: Penny Arcade: Episode 2 wird günstig...
Resistance 2
PC: Dead Space & Mirror's Edge: Spec...
PC: Fallout 3: Bethesda über Kopierschut...
PS3: Resistance 2 ist so gut wie fertig
Fracture
Duke Nukem 3D
PC: Age of Conan: Server-Zusammenschluss
X360: Chronicles of Riddick weiter in Ar...

Weitere Spiele Reviews:

Turok [PC , looki.de]
DS: Guitar Hero: On Tour
X360: Braid
Dungeon Explorer: Warriors of Ancient Ar...
WII: Bust-A-Move
Teenage Zombies [DS , looki.de]
Mercenaries 2: World in Flames [PS3 , lo...
Nitrobike [WII , Mag64]
Spore Labor [PC , looki.de]
Okami [WII , looki.de]
Das Bourne Komplott [X360 , looki.de]
PS3: Robert Ludlum's Das Bourne Komplott
PS3: Siren: Blood Curse Chpt. 1-3
DS: Know-How der Zauberkunst
Nights: Journey of Dreams [WII , Mag64]

Vorschau auf neue Spiele:

PSP: Everybody's Golf 2
Die Siedler: Aufbruch der Kulturen [PC ,...
PS3: Heavenly Sword
X360: Prototype
X360: Fable 2
The Chronicles of Spellborn [PC , looki....
PS3: Grand Theft Auto IV
PC: The Witcher
DS: Final Fantasy XII: Revenant Wings
GC 07 First Look: Tom Clancy's EndWar [X...
X360: Bayonetta
Prince of Persia [PC , looki.de]
PS3: Alone in the Dark
PS3: Beijing 2008
PS3: LittleBigPlanet