Gesamtwertung7/10 |
Als wir zum nun fünf Wochen zurückliegenden Start von Age of Conan vor der Entscheidung standen, eine Note zu vergeben, entschlossen wir uns dagegen. Wir wollten zum einen Entwickler Funcom die Zeit geben, Fehler zu beheben. Zum anderen wollten wir selbst noch deutlich tiefer in die Welt Hyboriens eintauchen. Schließlich bietet ein MMOG deutlich mehr Spielzeit als ein herkömmlicher Titel.
Das norwegische Entwicklerstudio, das bereits mit Anarchy Online Erfahrung in diesem Genre sammeln konnte, war auch alles andere als faul und versorgte die Kundschaft regelmäßig mit neuen Updates. Trotzdem wird man auch heute den Eindruck noch nicht los, einen unfertigen Flickenteppich vorgesetzt bekommen zu haben.
Dabei beginnt alles so gut und Ihr werdet mithilfe der so genannten Destiny Quest von Beginn an in eine spannende Geschichte verwickelt, die sich für die verschiedenen Charakterklassen zumindest teilweise unterschiedlich abspielt. Die ersten Levels Eures Abenteuers in Conans Reich erlebt ihr auf diese Weise fein durchchoreografiert und erreicht binnen kurzer Zeit die Startstadt Tortage, in der Ihr Euch bis etwa Stufe 20 aufhaltet.
Hier entscheidet Ihr auch selbst, ob Ihr lieber mit anderen Mitspielern auf Monsterjagd geht und/oder Quests erledigt, oder lieber die persönliche Singleplayer-Schicksalsquest weiterverfolgt. Bis dahin funktioniert vieles wie am Schnürchen und die gelegentlich auftretenden Probleme und Fehler (einsehbar in unserem ersten Test zu Age of Conan (eurogamer.de)), stören den Spielspaß eher gelegentlich als regelmäßig.
Zu Beginn überwiegen also eher die positiven Eindrücke. Man ist mit der Erkundung der Online-Welt beschäftigt und macht sich mit den vielen Features von Age of Conan vertraut. Auffällig ist natürlich die tolle Optik: Satte Farben, hochdetaillierte Spielfiguren, flüssige Animationen. Dann schöne Kampfeffekte und Zauber, authentisches Wasser, wunderschöne Licht- und Schatteneffekte, nahezu epische Architektur und nicht zuletzt eine hervorragende Weitsicht verwöhnen das Auge und reißen Euch in ihren Bann. Im Zusammenspiel mit der abwechslungsreichen und für jedes Gebiet maßgeschneiderten Hintergrundmusik entsteht eine derart stimmungsvolle Atmosphäre, an die derzeit wohl nur Der Herr der Ringe Online heran reicht.
Age of Conan bietet vor allem auch Neueinsteigern gute Argumente, Abenteuer in Hyborien zu erleben. Damit Ihr nicht sinnlos herumirrt und nach Questgebern, Missionszielen oder anderweitigen wichtigen Landmarken sucht, hat Funcom ein "idiotensicheres" Kartensystem eingebaut. Es markiert alle bedeutenden Wegpunkte auf der Minimap und führt Euch so auf Wunsch durch die noch unbekannten Gebiete. Frustmomente der Marke "Wo ist denn nun NPC XYZ?" gehören damit zumeist der Vergangenheit an.
Ein wichtiger Aspekt hinsichtlich der Spielerfreundlichkeit ist darüber hinaus der praktisch nicht vorhandene Todesmalus. Lediglich ein minimaler Abzug der Angriffseffizienz beim virtuellen Ableben dient als Bestrafung. Diese hat jedoch keine Auswirkung auf das Spielerlebnis, zumal man den Effekt durch Anklicken des eigenen Grabsteins auch wieder los wird.
Spannend ist zudem das neuartige, wenn auch nicht innovative Kombo-Kampfsystem. Nahkampfklassen drücken nicht einfach stur die eine oder andere Fertigkeitstaste, sondern verwenden für ihre Attacken Kombos. Bei ihrer Aktivierung werden auf dem Bildschirm die Richtungstasten angezeigt, die für einen erfolgreichen Angriff benötigt werden. Bis Level 40 verfügt Ihr über drei dieser Richtungsattacken, danach sind es fünf.
Der Knackpunkt ist jedoch, dass auch dieses System in sich geschlossen ist und Ihr letztendlich trotzdem immer wieder dieselben Tastenkombinationen eingebt. Wirklich herausfordernd wäre es, wenn die Kombo-Kombinationen zufällig wären und man sich so in jedem Kampf auf eine neue Situation einstellen müsste.
Auf überraschende Inhalte dürft Ihr Euch bei Age of Conan zumindest gelegentlich einstellen. So erscheint beispielsweise im "Feld der Toten", einem Gebiet für Level 35 bis 45, an zufälligen Orten ein Totem, das Euch in eine Arena teleportiert, in der Ihr in einem 1vs1-Kampf gegen einen Bossgegner nette Gegenstände abgreifen könnt. Insgesamt wirkt die Spielwelt überhaupt sehr lebendig, es wimmelt nur so vor Getier, das durch die Landschaft hoppelt, fliegt oder stampft. Kinder rennen in Städten spielend durch die Straßen, Pferdeäpfel werden von Fliegen umflogen und so weiter.
Doch je weiter man im Spiel fortschreitet und je länger man in der von Funcom kreierten, beziehungsweise den Büchern und Filmen nachempfundenen Welt verweilt, desto mehr beginnt die negative Seite von Age of Conan durchzuscheinen. Die Norweger haben auch fünf Wochen nach Spielstart viele Fehler nicht in den Griff bekommen - oder sogar durch Patches neue Probleme verursacht. Die Liste der Bugs ist lang und wir wollen nur die wichtigsten Problemfelder beleuchten.
Problematisch ist zum einen der dramaturgische Bruch, der nach Level 20 einsetzt. Bis dahin hält die Destiny Quest die Hintergrundstory zusammen und zieht sich wie ein roter Faden durch das MMOG. Leider wird sie erst mit Stufe 30, danach mit 50 wieder aufgenommen und auch dann nur im Abstand von jeweils zehn Levels fortgesetzt. Zwar bietet Age of Conan auch abseits dieser Hauptquest zumindest bis Level 60 jede Menge Inhalte, ersetzen können diese die spannende Hauptquest jedoch nicht. Doch das ist eine wohl freiwillige Entscheidung des Spieldesigns.
Im Gegensatz dazu stehen die vielen Fehler, die den Spielablauf teilweise grob, manchmal nur marginal beeinträchtigen. Kaum hinnehmbar sind zum jetzigen Zeitpunkt die immer noch nicht vollständig funktionierenden Skills vieler Klassen. Teilweise ist ihre Funktionalität nicht implementiert oder es fehlen schlicht die Tooltipps, die sie erklären würden.
Häufig erkennt das Spiel zudem die Eingaben nicht. Sei es durch Mausklicks oder Tastaturshortcuts, Skills werden nicht ausgeführt und beeinträchtigen dadurch den Kampfablauf. Äußerst nervig sind auch die regelmäßig auftretenden Lagspikes, die bei allen Spielern vorkommen und nicht auf lahme oder gestörte Internetverbindungen zurückzuführen sind. Teilweise kommt es dabei zu "Freezes" von bis zu zehn Sekunden Länge, in denen das Geschehen stillsteht.
Nahezu Stillstand herrscht auch in einem für viele Spieler wichtigen Gebiet: dem Gegenstands-System. Auf den ersten Blick unterscheiden sich beispielsweise zwei Spieler der gleichen Klasse höchstens marginal, und das auch nur dann, wenn 40 oder 50 Level zwischen ihnen liegen. Obwohl es 1500 unterschiedliche Rüstungssets im Spiel geben soll, ist bisher davon kaum etwas zu sehen und eine wahre Klonarmee durchstreift die Landschaften.
Schlimmer ist jedoch, dass die "Stats", also die mit den Waffen und Kleidungsstücken verbundenen Werte, kaum bis gar keinen Effekt auf die Spielfigur haben. Damit wird die Item-Sammellleidenschaft ad absurdum geführt. Wenig amüsant ist auch das eher miese Transportsystem, das für zeitaufwendige, aber unnötige Reisen sorgt.
Um von Alt-Tarantia, dem Zentrum des Spiels, in das Eiglophianische Gebirge oder "Atzel's Burg" zu gelangen, benötigt man selbst mit einem Pferd (das man sich erst ab ca. Stufe 55 leisten kann) eine geschlagene Viertelstunde. Dabei durchquert man immer wieder dieselben Gebiete, die zu diesem Zeitpunkt aufgrund des niedrigen Levels bedeutungslos geworden sind und somit sinnlose Zeitverschwendung verursachen.
Die Liste der Ärgernisse wird mit zunehmender Spielzeit immer länger. Viele Quests sind mit Übersetzungsfehlern durchsetzt, kommen gleich in Englisch daher oder sind verbugged. Das Chat- und Gruppensystem ist immer noch unübersichtlich und unergonomisch. Ess gibt gelegentliche Clippingfehler, die auch dazu führen, dass man durch den Boden fällt und im Daten-Nirwana landet. Wer dann auf Hilfe von Game Mastern baut, setzt auf das falsche Pferd. Der Support ist völlig überlastet und reagiert, wenn überhaupt, mit unglaublicher Verzögerung. Bisweilen werden "Tickets" einfach gelöscht oder mit Standardantworten abgespeist. Problematisch sind auch Memory Leaks, die zu Abstürzen des Game Clients führen.
Während gelegentliche technische Pannen beim Betrieb eines Online-Rollenspiels vielleicht noch erduldetet werden können, verhält es sich mit versprochenen, aber nicht gelieferten Inhalten ganz anders. Der PvP-Anteil von Age of Conan ist derzeit kaum existent: Es gibt eigentlich nur die Minispiele, jedoch ohne Belohnungen wie Punktesystem. Häufig werden allerdings die Gruppen nicht voll und das Gameplay artet ohnehin meist in unübersichtliches Chaos aus. Auch die versprochenen Gildenkriege und das Open PvP in den Grenzländern und epische Belagerungsschlachten (bei denen die Teilnehmerzahl aufgrund von Performance-Problemen ohnehin bereits zusammengestrichen wurden) sind bisher nur teilweise integriert.
Das auf Ende August verschobene DirectX10-Feature lässt sich sicherlich noch verschmerzen, der akute Mangel an Endgame-Inhalten ist jedoch alles andere als nebensächlich. Spielern, die den höchsten Level - 80 - erreicht haben, bleibt derzeit nicht viel zu tun. Viele lungern eher rum und kloppen sinnlos Monster, als das es spannende Inhalte gäbe. Das liegt auch daran, dass potenzielle Ersatzbeschäftigungen wie Handwerksberufe derzeit noch nicht vollständig implementiert sind (mit der Folge eines eher unterentwickelten Wirtschaftssystems) und auch noch fehlerbehaftet sind beziehungsweise die Alternative im PvP fehlt.
Ich kann sie einfach nicht mehr hören. Diese Sätze wie "Jedes MMO hat beim Start mit Fehlern zu kämpfen". Natürlich sind Online-Rollenspiele komplex, aber das ist noch lange kein Grund, nicht aus der Vergangenheit zu lernen und seine Hausaufgaben zu machen. Funcom hat mit Age of Conan wahrlich einen Pfund, mit dem man wuchern kann und doch leisten sich die Norweger einfach zu viele Versäumnisse. Da wartet man einerseits mit optischen Schmankerln auf, die das Spiel zum Genrevorreiter machen. Man bietet stimmungsvolle Musikberieselung vom Feinsten, eine lebendige Spielwelt, tolle Atmosphäre, ein interessantes Kampfsystem sowie einsteigerfreundliches Kartensystem. Und reißt andererseits einen Teil davon mit dem Hintern wieder ein.
Denn an Pannen und Fehlern mangelt es wahrlich nicht: jede Menge verbuggte Quests, Übersetzungsfehler, mieses Transportsystem, nicht funktionierende Fertigkeiten, ein Itemsystem ohne Wert, Clipping-Fehler, rudimentäres Wirtschafts- und Craftingsystem, ständige Lagspikes und Freezes, Client-Abstürze, nur ansatzweise existierendes PvP und kaum vorhandene Endgame-Inhalte. Gewiss, nicht alle Probleme haben tatsächlich große Auswirkungen auf den zweifellos vorhandenen Spielspaß. In der Summe sind es jedoch einfach zu viele Verfehlungen, die letztendlich den Eindruck erwecken, Age of Conan wäre zu früh veröffentlicht worden. Selbst jetzt noch. Wenn in einigen Monaten alle Bugs entfernt worden sind, entfaltet das Spiel sicher sein volles Potenzial. Dummerweise müsst Ihr schon jetzt 15 Euro pro Monat blechen.
Age of Conan: Hyborian Adventures ist bereits erhältlich. Pro Monat verlangt das MMOG eine Gebühr von 15 Euro.
Du bist Gladiator, der Held der Spiele im Kolosseum. Besiege Deine Gegner und erkämpfe Dir die Cance auf 10.000 €. zum Spiel...
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