Phoenix Wright Ace Attorney: Trials and Tribulations

Review
Plattform
Nintendo DS
Genre
Andere
DS: Phoenix Wright Ace Attorney: Trials and Tribulations

Gesamtwertung

9/10

DS: Phoenix Wright Ace Attorney: Trials and Tribulations

"Nick! Are you going to let him get away with making fun of your hair!?" - Maya, Spirit Medium

Es kann kein gewöhnliches Review sein. Es ist nicht möglich.

Klar. Ich könnte Euch das Gameplay schildern. Aber dann müsste ich genau das Gleiche schreiben wie beim Vorgänger, denn der grundsätzliche Ablauf und sämtliche Features sind absolut identisch. Ihr hört von einem Verbrechen oder erlebt es gleich mit, untersucht den Tatort, sammelt Spuren, befragt Zeugen. Dann vertretet Ihr den vermeintlich Schuldigen vor Gericht, sucht Widersprüche in Aussagen und findet schließlich den wahren Täter. Aber das will ich nicht bis ins kleinste Detail wieder ausführen, denn das könnt Ihr ebenso gut im Test von Justice for All lesen.

Klar. Ich könnte Euch die Story verraten. Aber dann würde ich Euch all die Überraschungen, die Spannung, den Witz rauben, der gerade den Abschluss der Trilogie so auszeichnet. Und auch das will ich selbstverständlich nicht.

Was bleibt also übrig?

Nun, ich könnte Euch erzählen, warum Phoenix Wright: Trials and Tribulations der beste Teil der Reihe ist. Warum es so ein einzigartiges Spiel ist, obwohl es oberflächlich gesehen nichts Neues bietet. Warum es mit seiner Geschichte, seinen Charakteren für mich jeden anderen Titel dieses Jahres in seine Schranken verweist.

"Zvarri! The truth has once again been elegantly revealed to me." - Luke Atmey, Ace Detective

Wie oft heißt es: "Ihr müsst die Vorgänger nicht gespielt haben, um mit der jüngsten Ausgabe Spaß zu haben." Viele würden sagen, das trifft auch auf das dritte Abenteuer von Phoenix Wright zu. Wahrscheinlich hätten sie recht. Aber ich sage es trotzdem nicht. Denn um die Geschichte zu verstehen, die Wendungen, die Charakter-Entwicklungen, die Hintergründe, müsst Ihr die Vorgänger definitiv gespielt haben.

Genau genommen solltet Ihr zumindest die wichtigsten Storyelemente sogar verinnerlicht haben, denn nur dann werdet Ihr richtig genießen können, was Euch erwartet. Trials and Tribulations ist ein Spiel für die Fans. Es lässt Euch Dinge tun, von denen Ihr bislang nur träumen konntet. Es schafft Konstellationen, die Ihr so nie für möglich gehalten hättet.

Ich spreche in Rätseln. Ich entschuldige mich dafür. Schuld ist allein das Spiel, das mich in Gedanken gefangen hält, obwohl ich es vor über zwei Wochen beendet habe.

Konkreter. Ihr werdet alte Bekannte wiedersehen: Einige wirken, als sei die Zeit stehen geblieben, andere haben sich äußerlich verändert, sind im Herzen oder im Geiste aber die Alten, andere verfolgen eine gänzlich neue Agenda. Ihr trefft auf Freunde, die Euch - vielleicht unwillentlich - in den Rücken fallen, und auf Feinde, die sich Euch plötzlich und vollkommen unerwartet anschließen. Aber nie unbegründet: Alles ist nachvollziehbar, jeder Charakterzug, jede Handlung, jedes noch so kleine Detail.

"This is getting us nowhere... Our destination for the day, it seems." - Miles Edgeworth, Prosecutor

Anders als im etwas schwächeren zweiten Teil gibt es dabei wieder mehrere große Themen und Motive, die über allen Fällen des Spiels stehen. Es geht um Liebe, um Hass, um Gier, um Manipulation, aber in erster Linie - wie so oft - um Rache. Es geht darum, wer ein Mensch wirklich ist, und nicht einmal Phoenix selbst bleibt von verschiedensten Anschuldigungen verschont.

Doch mit jedem Fall verschwimmen die Grenzen zwischen schwarz und weiß, zwischen gut und böse, zwischen nett gedacht und schlecht gemeint mehr und mehr. Je weiter Ihr im Spiel kommt, desto häufiger werdet Ihr Euch fragen, ob es überhaupt richtig ist, was Ihr tut. Ob Ihr die Wahrheit überhaupt herausfinden wollt. Beziehungsweise ob Ihr sie der Welt offenbaren wollt, denn wenn Ihr Euch das fragt, habt Ihr die Wahrheit vermutlich schon erkannt.

Es wird Euch Leid tun, einen Täter verurteilt zu sehen, und es wird Euch Schmerzen bereiten, einen "Unschuldigen" in die Freiheit zu entlassen. Mehr denn je stellt Phoenix Wright 3 Fragen, die an die Substanz gehen, Euch alles anzweifeln lassen. Es ist der düsterste Teil der Reihe, mit großem Abstand. Und gleichzeitig ist er mindestens so lustig wie der Erstling.

"Yes. A one-way ticket to guilty-ville! Population: the defendant!" - Godot, Prosecutor

So lustig, dass ich wirklich jeden Dialog aus jedem Charakter heraus gequetscht habe - selbst wenn ich die Lösung längst kannte. Denn neben den schon erwähnten Rückkehrern stecken auch die neuen Figuren voller Witz und Geheimnisse. Da ist beispielsweise der neue Staatsanwalt, der sich selbst "Godot" nennt, was allein schon viel über ihn aussagt. Er hat bisher keinen Fall verloren, weil er noch nie als Ankläger vor Gericht stand, und doch beherrscht er seinen Beruf nahezu perfekt.

Nebenbei liebt er schwülstige Metaphern, bei denen sich jeder im Gerichtssaal nur fragend am Kopf kratzen kann. Er trinkt einen Becher Kaffee nach dem anderen, aber nie mehr als 17 pro Prozess. Und er hasst Phoenix aus irgendwelchem Grund auf den Tod und weigert sich beharrlich, seinen richtigen Namen auszusprechen.

Warum, das ist eines der vielen Mysterien, die Euch im Spiel erwarten. Und das ist zugleich wirklich alles, das ich über die Geschichte verraten möchte.

"Not surprising. Some people spend their entire lives idly waiting for his appearance." - Luke Atmey über Godot

Bei all diesem Lob sei ein wenig Kritik erlaubt: Die englische Übersetzung wirkt in der getesteten japanischen Version stellenweise ein wenig gehetzt. Über ein paar Rechtschreibfehler, die in der US- und EU-Fassung übrigens behoben sein sollen, kann man problemlos hinwegsehen - dass man bei einem Charakter allerdings seine Catchphrase aus den Vorgängern vergessen hat, ist schon ein bisschen ärgerlich. Auch dass Phoenix an ein, zwei Stellen eine andere Person, die er eigentlich gut kennen sollte, nicht sofort zuordnen kann, wirkt irritierend. Auf der anderen Seite: Würden sich all die Figuren nicht sonst so echt, so lebendig anfühlen, fiele es wahrscheinlich gar nicht auf.

Dennoch muss man sich natürlich eines bewusst sein: Phoenix Wright 3 ist, wie ich anfangs geschrieben habe, aus so vielen Gründen ein Spiel für die Fans. Einer dieser Gründe ist, dass es eben nichts anders macht als die ersten beiden Teile. Wenn Ihr Euch schon bei denen mit der eigenwilligen Logik nicht anfreunden konntet, dass die Schuld das Angeklagten zunächst einmal angenommen wird, stört Euch das ebenso in Trials & Tribulations. Habt Ihr Euch bereits früher über den gemächlichen Spielablauf geärgert, erhofft Euch hier nicht das Gegenteil. Gleichermaßen wird es wieder vorkommen, dass Ihr Phoenix' Gedankengang manchmal einen Schritt voraus seid und das Spiel Eurer schlüssigen Erklärung nicht folgt.

"We're so luvey-wuvey we literally make people sick! It's just jealousy, I think..." - Phoenix Wright, Ace Attorney

Letztendlich ist aber all das nur Jammern auf hohem Niveau, denn die Phoenix-Trilogie zählt fraglos zu dem Besten, was der Nintendo DS bislang beheimaten durfte. Und Trials & Tribulations, falls das bis jetzt nicht deutlich geworden sein sollte, ist ein wahrlich krönender Abschluss dieser Trilogie. Es ist ein Spiel mit viel Charme und noch mehr Liebe zum Detail. Ein Spiel, das Euch allein mit seiner Geschichte und seinen Dialogen fesseln kann und Euch lange, lange im Gedächtnis bleiben wird.

In den USA erschien PW: T&T am 23.

Oktober 2007, in Japan (der seinerzeit von uns getesteten Version) noch etwas früher und in Europa ist es ab sofort erhältlich.

 

 

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