Metroid Prime Trilogy

Review
Plattform
WII
Vertrieb
Nintendo
Entwickler
Retro Studios
WII: Metroid Prime Trilogy

Gesamtwertung

9/10

WII: Metroid Prime Trilogy

Liebe Samus Aran,

ich weiß, dass ich mich in den letzten Jahren nur wenig um dich gekümmert habe. Du musst aber verstehen, dass ich mit deiner neuen Art einfach nie so wirklich klar kam. Weißt du noch, damals? Wir beide alleine und in 2D? Es war eine schöne Zeit. Ich gebe offen zu, dass es Liebe auf den dritten Blick war, denn bei deinen ersten beiden Versuchen war ich blind und habe sie nur am Rande wahrgenommen. Doch 1994, als du plötzlich „super“ wurdest, bin ich deinem Charme sofort verfallen. Du warst das, was heute Tina Fey für mich ist: Hübsch, witzig, charmant, agil, selbstbewusst und entschlossen.

Ich erinnere mich noch gut an unser erstes Date. Als ich in deine Augen sah, da wusste ich sofort: Wir beide sind füreinander geschaffen. Es ist einer dieser Momente, der im Kopf ein Ereignis auslöst, dir klar macht, dass da eine außergewöhnliche Verbindung besteht. Man darf so etwas nicht ignorieren, schon gar nicht dabei zögern. Und das haben wir auch nicht. Hand in Hand begleitete ich dich. Zunächst etwas erschrocken, denn du wusstest, wie man jemanden wie mich vorsichtig werden lässt.

Es war düster, die Welt schien verlassen. Du wirktest angespannt, wusstest nicht so recht, was passiert ist. Gerade als du mich einer merkwürdigen Lebensform vorstellen wolltest, griff dich ein Wesen aus der Urzeit an. Fasziniert von der Statur dieses Drachen gelang uns dennoch die Flucht. „Das wird keine leichte Reise. Bist du dir auch ganz sicher?“ fragtest du mich. Ich überlegte erst gar nicht und umklammerte deine Schulter, als sich dein Raumschiff in Bewegung setzte. Auch wenn man dein Gesicht nur schwer durch das Visier deines Helms sehen konnte, so vernahm ich doch ein erleichtertes Lächeln.

Was hinterher die Leute als Super Metroid kennenlernten, war unser ganz persönlicher Augenblick. Ein Moment, der niemals hätte enden dürfen. Doch du verließt mich, ohne ein Sterbenswörtchen zu sagen. Samus, du hattest mich alleine gelassen. Alleine in einer Welt, in der Personen wie der Master Chief sich mit mir anfreunden wollten. Er trug zwar auch eine Rüstung, aber er war eben nicht du. Und außerdem... nun ja... er war ein Kerl.

Es war im November 2002, als du plötzlich vor meiner Tür standest. Du kamst direkt aus den USA, wolltest mich sehen. Du hast mir nie erklärt, wieso du ohne etwas zu sagen abgehauen bist. Du warst einfach da – und ich sollte dich erneut so lieben wie früher. Aber es ging nicht. Ehrlich gesagt kann ich noch immer nicht erklären, weshalb ich dir damals nicht nach Talon IV folgen konnte. Trotz der Kulisse, deines sexy Verstands sowie deiner charmanten Art wirkte alles so angsteinflößend anders. Du warst plötzlich 3D. Ich sollte das sehen, was du sahst. Irgendetwas in meinem Kopf blockierte diese Befriedigung, dieses Erlebnis, das in den Aufzeichnungen unter dem Namen Metroid Prime geführt wird. Damals habe ich dich links liegen lassen und mich wie ein Idiot benommen. Dafür möchte ich mich entschuldigen.

Samus, es tut mir leid, dass wir die letzten Jahre nicht miteinander verbracht haben. Eine gute Kollegin meinerseits gab mir auf Wunsch das, was Historiker die Metroid Prime Trilogy nennen. Man kann sie nur auf der Nintendo Wii abspielen, einem weißen Gerät, dessen Eingabemöglichkeit auf einer Fernbedienung beruht.

Hast du von diesem Gerät schon mal was gehört? Hier in Europa hat man die Trilogie leider nur in einen Pappschuber gepackt. In den USA, so sagt man, spendierten sie deinen Abenteuern hingegen ein Metal Case. Das wirkt gleich viel edler. Immerhin liegt neben den Aufzeichnungen auf nur einer DVD ein kleines Heftchen bei, das Unwissenden alles über deine Eskapaden erzählt. Lesen sollte man das aber vielleicht erst, wenn man durch die Trilogie durch ist, ansonsten wird bereits alles vorweg genommen.

Deine drei letzten Abenteuer, bestehend aus Metroid Prime, Metroid Prime 2: Echoes und Metroid Prime 3: Corruption, lassen sich allesamt aus einem recht hübsch gestalteten Hauptmenü anwählen. Auch dieser von vier Leuten simultan nutzbarer Kampfsimulator, den du immer zum Üben verwendet hast, wurde integriert. Nett, oder? Bedauerlicherweise entfällt so die tolle Menümusik und der organische Hintergrund, den ich so sehr mochte.

Die Idee hinter der Trilogie liegt nahe: Leuten wie mir, oder Leuten, die dich noch gar nicht kennen, drei deiner Abenteuer näher bringen. Man sagt den Entwicklern dieser Aufzeichnungen nach, dass es eine Art Liebeserklärung an dich sein soll. Ehrlich gesagt fühle ich mich dabei ein wenig unwohl, so waren es doch wir beide, die etwas verspürten, was man durchaus Liebe nennen darf.

Ich schlug mich durch alle drei Abenteuer. Heute weiß ich, dass ich dir damals unrecht tat. Nur weil du urplötzlich wieder in mein Lebens tratest, in der dritten Dimension daherkamst und ich alles aus deinem Blickwinkel erleben sollte, bedeutet es nicht, dass es nicht funktioniert. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Vielleicht nicht mit dem gleichen Charme wie früher, aber es funktioniert.

Zugegeben, in allen drei Teilen muss die Umgebung mitunter penibel genau gescannt werden, um beispielsweise Rätsel zu lösen oder die Schwachstellen deiner Widersacher zu finden. Netterweise speichert dein Anzug alle Objekte in einer umfassenden Datenbank ab. All' die Einträge ergeben ein perfektes Bild der Planeten, die du bereist hast. Es sind keine Umgebungen, die erschaffen wurden. Es sind Welten, die einfach da sind. Welten mit ihren eigenen Geschichten, ihren eigenen Lebewesen.

Die Liebe steckt wahrlich im Detail. Und auch wenn viele der einzelnen Gegenden öfters abgeklappert werden müssen und deine Feinde wie auf wundersame Weise auferstehen, so wirkt alles wie aus einem Guss. Die Power-Ups für deinen Anzug? Sie kommen immer zur richtigen Zeit. Egal ob der Morph Ball, der Doppelsprung oder der Speed Boost – alle Upgrades werden intelligent genutzt.

Immerhin hat man die Schwierigkeit der Kämpfe angepasst, für dich muss es damals in der GameCube-Galaxie deutlich härter gewesen sein. Aber das ist etwas, was mich schon immer fasziniert hat: Dein eiserner Wille. Vielleicht weißt du es ja, aber wer denkt, er sei noch bissiger als du, der kann den Veteranenmodus aktivieren, in dem die Kämpfe noch herausfordernder sind.

Die Möglichkeit, deine Abenteuer mit Wii-Fernbedienung und Nunchuk zu erleben, tragen einiges zum intensiven Erlebnis bei. Feinde werden so bequem aus dem Handgelenk anvisiert; ich als Spieler kann deutlich flotter reagieren. Auch dein Sichtfeld wurde etwas verbreitet. Techniker nennen das 16:9. Eines musst du mir aber erklären: Warum hat man an deiner Schönheit herumgespielt? Die etwas schärfere Umgebungsdarstellung im intergalaktischen 480p-Modus ist einleuchtend und lässt die vergangenen Tage auch heute noch recht hübsch aussehen.

Doch manche Effekte deines Blasters hat man einfach wegrationalisiert. Einschusslöcher fehlen, der Ice Beam hinterlässt keine Gefrierspuren und plätscherndes Wasser gibt es ebenfalls nicht. Hast du etwa den falschen Schönheitschirurgen beauftragt? Ebenfalls erklären musst du mir die Welt von Metroid Prime 3: Corruption. Es tut gut, endlich Stimmen zu hören, doch scheinbar sind nur ein paar Wesen in dieser Galaxis der sprachbasierenden Kommunikation mächtig. Bei den anderen erscheinen auf wundersame Weise oftmals kleine Textboxen. Dein Gegenüber bewegt zwar den Mund, doch hören tut man ihn nicht. Samus, ich dachte, deine Galaxie sei meiner weit überlegen? Und trotzdem gibt es Lebewesen, die ohne Stimme daherkommen? Wie wäre es mit einem Stimmenemulator, der Lippenbewegungen in Schallwellen anstatt Texttafeln umwandelt?

Ich war dumm. Ich ignorierte dich in den letzten Jahren. Vielleicht war es dein plötzliches Verschwinden, das mich so erzürnen und deine Rückkehr eher als Qual empfinden ließ. Ich bin froh, dass ich deine letzten Jahre Revue passieren ließ. Zwar kann ich mich noch immer nicht mit der First-Person anfreunden, doch ich gestehe, dass deine Prime-Trilogie genau das ist, was uns beide früher verband. Nur eben in 3D und aus der First-Person-Sicht. Es tut gut zu wissen, dass du im Jahre 2010 auf eine neue Mission mit dem Codenamen „Other M“ geschickt wirst. Auf eine Mission, die schon jetzt ähnlich unserer gemeinsamer Vergangenheit klingt. Und ich hoffe, dass ich dich dann begleiten darf. Bis dahin: Vergib mir für meine Sturheit.

In Liebe,

Dein Jens

Ok ok, genug mit dem Geschnulze. Es stimmt tatsächlich, dass ich anno 2002 kein großer Fan von Metroid Prime war. Ich wollte es lieben, konnte es aber nicht. Selbst jetzt, auf der Wii, hinterlassen alle drei Teile einen leicht komischen Nachgeschmack bei mir. Die Prime-Trilogie ist handwerklich sauber gemacht. Die Planeten sind nicht einfach entworfen, sie sind ausgestattet mit ihrer eigenen Vergangenheit, ihrem eigenem biologischen System.

In Verbindung mit der passenden Musik sorgt dies für eine perfekte Atmosphäre. Dank Wiimote und Nunchuk werden Feinde nun auch nicht mehr per Lock-on anvisiert, was dem Spielfluss zu gute kommt. Der Rest ist bekannt: Ihr untersucht die Gegend, scannt wie die Weltmeister und erledigt ein paar Feinde. Anschließend wird ein neues Item für den Anzug aufgenommen, bis es in weitere, unerforschte Gebiete geht. Die Erfolgsformel der Metroid-Reihe funktioniert auch in 3D, wenn man sich darauf einlässt. Für eine Liebeserklärung seitens der Retro Studios ist die Ausstattung dieser – Achtung! – Sammleredition aber eher mau: Pappschuber statt Metal Case, ein kleines Booklet statt einem richtigen Artbook.

Sei's drum: Die Metroid Prime Trilogy ist die perfekte Möglichkeit, zwei der besten GameCube- und einen der besten Wii-Titel nachzuholen. Drei Spielen zum Preis von einem? Worauf wartet ihr denn noch? Auf die Marktschreier? Die hätten wahrlich ihre helle Freude an diesem Angebot: DREI ZUM PREIS VON EINEMDREI ZUM PREIS VON EINEM DREI ZUM PREIS VON EINEM!!

Metroid Prime Trilogy ist für Nintendo Wii zum Preis von knapp 50 Euro erhältlich. Das sind drei Spiele zum Preis von einem.

 

 

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