Chrono Trigger

Review
Plattform
Nintendo DS
Vertrieb
Square Enix
Entwickler
Square Enix
Genre
Andere
DS: Chrono Trigger

Gesamtwertung

9/10

DS: Chrono Trigger

Eigentlich kann man einen Retro-Rerelease ja gar nicht mit modernen Titeln vergleichen. Letztere entstehen auf Konsolen, deren Hardware das NASA-Rechenzentrum der frühen 90er in den Schatten stellte. Daraus folgen wesentlich bessere Grafik, mehr Sound und überhaupt von allem mehr eben. Was in Blue Dragon, Enchanted Arms und Last Remnant resultiert. Oder in Lost Odyssey und Infinite Undiscovery, wenn es mal gut läuft. Sie sind hübscher, das gewähre ich ihnen.

Aber mal ehrlich und Hände hoch: Glaubt Ihr, dass eines dieser Spiele in 15 Jahren noch in irgendwelchen All-Time-Bestenlisten auftaucht? Chrono Trigger schafft genau das in regelmäßigen Abständen mit Leichtigkeit. Und eine mehr als gelungenen Eigenschaft, warum dieses Spiel immer noch ein Lehrstück für alle RPG-Designer sein sollte, lässt sich leicht benennen: Tempo und Timing.

Oft fühlt sich das durchschnittliche J-RPG über lange Strecken eher nach Arbeit als Vergnügen an. Weite Wege wollen beschritten, Millionen von Zufallskämpfen bestanden und endlose Wüsten redundanter Monologe weiter gedrückt sein. Nicht so hier. Die Geschichte von Chrono Trigger verliert sich trotz eleganter Nebenplots nie auf Abwegen, die Kämpfe bleiben dort, wo sie der Zierde dienen, zügig und an den wichtigen Stellen knackig. Nirgendwo drängt sich der Trieb japanischer Rollenspiele auf, Euch um der Level Willen ermüdend und sinnfrei auf Monsterjagt zu schicken.

Die Story selbst beginnt dabei harmlos und unspektakulär und zwar zu einem Grad, der leicht dazu verleitet, das Spiel nach einer halben Stunde auf den „für später“-Stapel zu verfrachten. Eine Prinzessin wird entführt. Weckt mich, wenn es vorbei ist. Das Kidnapping erledigt sich aber sehr schnell und geht in eine Zeitreise durch die verschiedenen Epochen des Planeten über, um, natürlich, den Untergang der Welt aufzuhalten.

Nach und nach deckt Ihr einen über nicht weniger als 65 Millionen Jahre gespannten Plot auf. Ein roter Faden zieht sich zielstrebig und mit steigender Spannungskurve durch die gesamte Reise und bugsiert Euch elegant in jedem Zeitalter, in das es Euch verschlägt, zu den Verknüpfungen, die an das Ende der Welt führen.

Auf dieser wahrlich epischen Zeitreise sammelt Ihr einen die Jahrmillionen übergreifenden, bunt gewürfelten Cast aus Mitstreitern zusammen, ein jeder mit seiner eigenen kleinen Geschichte. Ein Frosch, der fechtet, mag anfangs komisch erscheinen, sobald Ihr die Hintergründe erfahrt, schleichen sich Tragik und Rache ein. Ein dunkler Magier spinnt sich hier ein, eine Prinzessin aus der Steinzeit führt man auch nicht jeden Tag durch ferne Zukunftsvisionen. Bunt und denkwürdig präsentiert sich eine Gruppe lohnender Figuren, an die man noch eine ganze Weile gern zurückdenkt.

Bei der Unterstützung der Entwicklung der Streiter sekundiert der Plot Chrono Triggers hervorragend, indem er besten Eifer dabei zeigt, dem Großen Ganzen zu folgen, statt sich ständig in inhaltlichen Belanglosigkeiten zu verlieren. Auf das Hochleveln dürft Ihr praktisch verzichten. Jeder Dungeon genügt für sich, um Eure Helden für den Endboss aufzubauen und diesen in einem fairen Duell zu besiegen. Fair in dem Sinne, dass Ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit ein- bis zweimal das Zeitliche segnet und innerhalb dieser Lernphase die richtige Taktik ausknobelt. Aber es gibt halt keine Siege ohne Verluste.

Die richtigen Strategien zu entwickeln, gestaltet sich angesichts der zahlreichen Möglichkeiten bei der Besetzung der Runde als gar nicht so simpel. Eure Truppe besteht über die weiteste Strecke aus drei Charakteren, die alle miteinander zusammen Kombos ausführen können. Dabei ergänzen sie ihre individuellen Eigenschaften je nach Zusammensetzung neu.

Schwertkämpfer Chrono erhält zusätzliche Unterstützung durch ein ihm unvertrautes Feuerelement von Lucca und zusammen rösten sie ihre Feinde. Im Verbund mit der magieunbegabten Urzeitprinzessin Ayla sieht der Move anders aus. Sie wirft ihn, Schwert voran, und Chrono landet einen wirkungsvollen Airstrike. Die eher friedliche Marle nutzt seinen Schwertwirbelangriff, um ihren Heilzauber auf das ganze Feld zu verteilen. Und bedenkt Ihr, dass es sieben spielbare Charaktere gibt, ergeben sich wirklich eine stattliche Zahl solcher Moves, an denen teilweise sogar alle drei Figuren teilhaben.

Solltet Ihr trotz der Qualitäten des tiefgängigen, spaßigen und dank Verzichtes auf Endlosanimationen sehr zügigen Kampfsystems mal einfach nur ein Gebiet durchqueren wollen, könnt Ihr Euch freuen. Beinahe alle Gegner wandern gut sicht- und ausweichbar umher, womit das Spiel einen meiner persönlichen Lieblings-Genrekritikpunkte aus dem Feld räumt. Auf der Weltkarte verzichtet man dann sogar gänzlich auf Kämpfe. Die Wege dort bleiben erfreulich kurz, was nicht bedeutet, dass die Weltkarte klein wäre. Na gut, sie IST klein, aber streckt sich schließlich in die vierte Dimension und verändert sich um Laufe der Jahrmillionen drastisch. Euer Entdeckungsdrang wird durch dieses Spiel garantiert nicht unterdrückt.

Inhaltlich und in punkto Spieldesign muss sich Chrono Trigger also schon mal in keinem Zeitalter verstecken. Die Technik steht natürlich auf einem andren Blatt. Es handelt sich um einen liebevollen Port, kein 3D-Remake. Persönlich bin ich absolut dafür, da ich nicht sehe, wie eine auf dem DS sowieso eher minderwertige Anpassung an die dritte Dimension den Spielspaß hätte steigern können. Im Gegenteil, in jedem Pixel brachte man liebevolle Kleinigkeiten unter und trotz der winzigen Größe zeigen die Heldenanimation mehr Charakter als alles, was es in den letzten Jahren auf kleinen – und auch vielen großen – Screens zu sehen gab.

Das auch in der „deutschen“ Version ausschließlich englische Skript wurde minimal und zu seinen Gunsten überarbeitet, womit es einige sowieso schon gelungene Texte noch einmal sprachlich optimierte. Auf dem DS bekommt Ihr damit fürs erste die ultimative Version einer gelungenen Vorlage. Sofern Ihr eben der englischen Sprache mächtig seid.

Die Steuerung verbindet das Beste aus beiden Welten. Die meiste Zeit werdet Ihr gewohnt mit dem Steuerkreuz umher wandern, per Knopf ein Menü aufrufen und es so spielen, wie schon unsere Vorväter auf dem SNES. In den Bosskämpfen macht sich dann die Möglichkeit bezahlt, per Stylus weit schneller die Angriffe zu dirigieren. Dass die Schwierigkeit durch die neue Steuerungseleganz ein wenig sinkt, dürfte man dem Spiel nur schwer als Nachteil auslegen. Andere Neuerungen stoßen dagegen eher auf verhaltenes Echo.

Das dreizehnte oder je nach Zählweise vierzehnte Ende reißt sicher nur sehr beharrliche Fans vom Hocker. Zumal es nicht wirklich viel Neues bietet und einen weiteren Durchgang im nach der ersten Beendigung freigeschalteten Game Plus erfordert. Zwei umfangreiche, glücklicherweise optionale Zusatzdungeons klingen nur solange gut, bis man dort ein wenig seiner wertvollen Lebenszeit vergeudete. Hochlevel-Sammel-Wander-Questen widersprechen dem eigentlichen Stil von Chrono Trigger so sehr, dass man sich schon fragt, ob die Designer vorher einen Blick auf das eigentliche Game werfen durften.

Und das heutzutage wohl unumgängliche Monster-Zücht-Trainier-Arena-Spielchen für den Mehrspielermodus hinterlässt ebenfalls den unerfreulichen Eindruck des Halbgaren. Nicht ganz Pokemon, etwas mehr als Tamagotchi. Was es soll, das bleibt Square Enix Geheimnis und dummerweise die einzige Art, mit- oder vielmehr gegeneinander zu spielen. Ein echter Dreier-CoOp dagegen wäre natürlich ein Traum, aber etwas muss ja für die nächste Neuauflage bleiben.

Ich wiederhole einfach mal das, was ich in meinem Eindruck des ersten Blicks auf das US-Modul kurz vor Weihnachten von mir gab: Es stellt sich nicht die Frage, ob Chrono Trigger sich gut gehalten hat. Sondern warum es in den letzten anderthalb Jahrzehnten und egal auf welchem System nur die allerwenigsten Rollenspiele aus Fernost schafften, perfektes Tempo, erzählerische Kunstfertigkeit und elegante Kämpfe mit solchem Geschick zu verbinden.

Lediglich die neuen Ergänzungen glänzen nicht durch die Bank so hell wie das Ursprungsmaterial. Die Steuerung fügt sich nahtlos ein, aber Bonus-Dungeons und Chrono-Pokemon versuchen vergeblich, ein phänomenales Spiel, das längst beendet wurde, unnötig über seine Zeit hinaus zu retten. Am Besten, Ihr ignoriert dieses Zeugs einfach. Das Leben ist zu kurz für sinnlose Dungeons. Aber nie zu kurz, um nicht wenigstens einmal Chrono Trigger gespielt zu haben.

Chrono Trigger erscheint zum allerersten Mal am 4. Februar offiziell in Deutschland. Auf dem DS und nur in Englisch.

 

 

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