Gesamtwertung8/10 |
Boah, sieht das gut aus!
Das ist wahrscheinlich der erste Gedanke, der Euch durch den Kopf schießt, wenn Ihr Perry Rhodan seht. Es war zumindest mein erster Gedanke. Nicht, dass Adventures sonst generell schrecklich aussähen, im Gegenteil: Allein von dem Stil und Design vieler Adventures könnten sich manch anderer Titel gerne eine Scheibe abschneiden. Aber Perry Rhodan ist wirklich... wow!
Die gerenderten Hintergründe an sich wären ja schon traumhaft schön, aber noch dazu sind sie perfekt animiert, so dass an wirklich jeder Ecke irgendetwas los, richtig viel Bewegung drin ist. Das Flair des Perryversums wurde großartig eingefangen und auch Perry selbst hinterlässt einen richtig starken Eindruck. Genauso wie all die anderen 3D-Charaktere, auf die Ihr im Spiel trefft. Einige davon sind sogar nur Statisten, um die Umgebung lebendiger erscheinen zu lassen, und das funktioniert durchweg perfekt. Die Welt atmet regelrecht, man kann jederzeit spüren, dass sich hier jemand richtig Mühe mit der Umsetzung der Romanvorlage gegeben hat.
Perry Rhodan sieht nicht einfach aus wie ein gewöhnliches Computerspiel und schon gar nicht wie eine gewöhnliche Lizenz-Versoftung. Es wirkt viel mehr wie der Traum eines Fans, der sich vorstellt, wie es wohl in Perrys Reich aussehen mag. Wie es sich anfühlen muss, der legendäre Held selbst zu sein. Es ist atemberaubend.
Aber nicht nur, was die Grafik angeht: In jeder Hinsicht ist das Spiel viel mehr als nur ein weiteres, mit geringem Budget produziertes Adventure. Jedes Element fühlt sich auf seine Weise schick und durchdacht an, als wäre es mit verdammt viel Aufwand entwickelt worden.
Das beginnt mit der Geschichte, die aus der Feder des derzeitigen Chefautors der Romanserie stammt. Sehr spannend, glaubwürdig und mit einer kleinen Prise Witz wird von einem Angriff auf die solare Residenz erzählt, bei dem die Angreifer Perrys Freundin Mondra Diamond mit sich nehmen. Seltsamerweise soll sich Perry aber anfangs nicht auf die Suche nach ihr und dem mysteriösen Feind begeben, sondern wird mehr oder weniger gefangen gehalten.
Warum, das ist eine der vielen Fragen, die Euch im Laufe des Spiels begegnen. Denn schnell findet Ihr Hinweise auf eine Verschwörung, die irgendwie in Verbindung mit einer geheimnisvollen, außerirdischen Rasse steht. Was genau es damit auf sich hat, müsst Ihr schon selbst herausfinden!
Auf der Suche nach Mondra besucht Perry jedenfalls mehrere bekannte Schauplätze und - Ihr werdet es bereits geahnt haben - löst zahlreiche verzwickte Rätsel. Die fügen sich überwiegend sehr schön in die Story ein, ergeben im Kontext also Sinn und wirken nicht konstruiert oder völlig aus der Luft gegriffen. Zu Beginn etwa, unmittelbar nach dem Angriff, muss sich unser Held als erstes einen Überblick über die Lage verschaffen: Was ist passiert, was wurde in Mitleidenschaft gezogen, wer ist überhaupt noch da und wie komme ich hier weg?
"Aufklärung" lautet also das erste Ziel, was allerdings schwieriger ist, als es klingt. Denn die Angreifer haben der solaren Residenz ganz schön zugesetzt; viele Türen sind verriegelt, einige Geräte funktionieren nicht und ausgerechnet der einzige Fluchtgleiter wird für Mondra bereit gehalten.
Die ersten Gespräche führt Perry daher logischerweise mit Technikern, die ihm bei der Wiederherstellung der Infrastruktur behilflich sein müssen. Mal reicht ein simpler Hinweis, mal benötigt er ein Item, mal legt er selbst Hand an, um beispielsweise eine verschlüsselte Zahlenkombination zu knacken, die ihm den Zugang zu den Büros seiner Freunde ermöglicht.
Dort wollen Passwörter geknackt, Modellflieger zusammen gebaut und fleischfressende Pflanzen besänftigt, später Wachen abgelenkt werden. Im Wesentlichen genau das, was man von einem klassischen Adventure eben erwartet. Auf echte Überraschungen solltet Ihr nicht hoffen, außerdem erfordern einige Puzzles einen Tick zuviel Herumgerenne, bei wieder anderen müsst Ihr schon arg um die Ecke denken.
Aber im Großen und Ganzen ist die Auswahl gut gelungen, der Schwierigkeitsgrad nicht zu hoch und nicht zu niedrig. Dank einer praktischen Auflistung der aktuellen und bewältigten Aufgaben behaltet Ihr alles im Überblick, kleine Tipps zur Lösung des jeweiligen Problems inklusive.
Ohnehin passen sich Interface und Steuerung blendend ins Spiel ein. Besonders das Inventar, das gleichermaßen Gegenstände wie Gesprächsthemen beinhaltet, ist den Entwicklern bestens gelungen.
Stößt Perry auf eine neue Information, die ihm auf der Suche nach Mondra behilflich sein könnte, legt er diese genauso in der unteren Leiste auf dem Bildschirm ab wie ein Objekt, das er aufsammelt. Das macht insbesondere die Dialoge sehr bequem, da Ihr einen Charakter ohne Umwege direkt auf alle relevanten Dinge ansprechen könnt.
Die altbekannten und häufig leidigen Multiple-Choice-Gespräche, bei denen man sich meistens sowieso mühseelig durch alle Optionen klickt, entfallen daher zum Glück. Nach einer knappen Begrüßung wählt Ihr einfach ein Thema aus, könnt den Dialog aber auch jederzeit wieder abbrechen. Dass Perry per Mausklick schneller laufen und direkt den jeweiligen Ort verlassen kann, sollte obligatorisch sein, aber zur Sicherheit erwähne ich es trotzdem lieber mal, da das erwähnte Herumgerenne so immerhin relativ zügig von statten geht.
Auch sonst gibt es keinen Grund zum Meckern. Die Sprachausgabe - sogar lippensynchron - hört sich ohne Ausnahme bestens an, gerade die Stimme von Mr. Rhodan selbst ist sehr angenehm. Die Zwischensequenzen sind ähnlich hübsch wie die normale Spielgrafik, Sound-Effekte und Hintergrundmusik kann man nur als stimmig bezeichnen, und sogar beim Umfang sind Klagen fehlangebracht: Um die 15 Stunden dürftet Ihr schon brauchen, bevor Ihr die fünf Welten des Spiels komplett besucht und gelöst habt. Eine sinnige Unterteilung im Rahmen der Geschichte ist das übrigens.
Zurück zum Start. Perry Rhodan sieht verdammt gut aus, keine Frage. Aber es bietet viel mehr als das. Natürlich ist die Spielwelt, diese lebendig gewordene Fantasie eines Universums zunächst das Beeindruckenste. Das, was förmlich ins Auge sticht. Aber Perry Rhodan sieht auch verdammt gut aus, wenn Ihr hinter diese brillante Verpackung blickt. Von der Story über die Rätsel bis hin zu Details wie der Steuerung macht schlichtweg alles wirklich Spaß.
Nein, es versucht nichts Neues und, klar, in ein, zwei Situationen hätten sich die Entwickler eine bessere Lösung einfallen lassen können. Aber das Gesamtpaket ist absolut überzeugend, weshalb ich Euch Perrys Abenteuer nur ans Herz legen kann.
Perry Rhodan im Test.
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