Gesamtwertung4/10 |
Ach damals, als Matt Hazard noch richtig gut war. Als Kracher wie Hazard 3D oder Murder Force unser Ballerleben versüßten. Und nun ist es soweit, dass man sich glatt ein Haz-Matt Karts zurückwünscht und das will so einiges heißen.
Ok, zurück auf Null.
Vicious Cycle hatte den eigentlich brillanten Gedanken, dass es höchste Zeit wäre, Spiele im Allgemeinen und das Actiongenre im Speziellen durch die Butter zu ziehen und so richtig auf die Schippe zu nehmen. Von noch mehr Brillanz zeugte der Gedanke, die ganzen kleinen Anspielungen und Witzchen in einen richtig heftig rockenden Shooter zu packen, der Euch Adrenalinausschüttungen und Lachkrämpfe im gleichen Maß bietet.
Da man keine Lust hatte, sich sofort mit Abmahnungen herumzuschlagen, erfand man kurzerhand den Super-Stud Matt Hazard und eine fiktive Spielehistorie gleich noch dazu. Wie alles andere wichtige auf der Welt auch, startete Matt in den 80ern mit „The Adventures of Matt in Hazard Land“ und streifte im Anschluss jedes Genre, in dem sich harte Kerle und Knarren unterbringen ließen. Erst als Marketing den Brandvalue des Franchises raisen wollte, und nicht nur ein Kartspielchen, sondern auch noch einen kindgerechten Wasserpistolenshooter auf die Welt losließ, versank Matts Stern. Wenn das doch nur das Ende gewesen wäre.
Plötzlich und scheinbar aus dem Nichts erhält er eine zweite Chance, als der neue CEO seiner alten Firma ihn in das härteste Geballer überhaupt schicken will. Soweit stimmt dieses Angebot auch, nur hat niemand Matt gesagt, dass er eigentlich nur als kleiner Aufhänger in Level eins herhalten und den Rest der Rolle als virtuelle Leiche verbringen soll. Ausgelöscht für immer durch einen cooleren Nachfolger. So leicht lässt sich ein 80s-Hero aber natürlich nicht abservieren. It´s Hazard Time, wie der Held selber bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit verkündet.
Mit dieser wundervollen Ausrede eines Plots hätte man wirklich alles machen können und tausend Elemente einbauen, jedes Genre streifen und die ultimative Parodie landen können. Dem kommt leider in die Quere, dass Ihr Euch ein wenig zu oft fragen müsst, ob das jetzt gerade witzig sein soll oder doch nur mies programmiert wurde.
Soll das so aussehen, als würde es auch einer alten Xbox laufen? Ist es eine Anspielung, dass sich Scheiben und auch sonst die meisten Objekte in der Umgebung nicht zerstören lassen? Oder dass Matt nicht in der Lage ist eine Tür zu öffnen, die Gegner dafür aus allen Richtungen fröhlich hereingespawnt kommen? Vielleicht soll die hirntote KI der Bösewichter ja auch eine komplexe Anspielung auf die gesamte Spielebranche der 90er sein und nur ich verstehe es nicht. Glaubwürdiger scheint allerdings die einfache Lösung all dieser Rätsel: Matt Hazard ist einfach kein guter Shooter.
Der Versuch, sich über etwas lustig zu machen, an dem man selbst hoffnungslos scheitert, setzt einen in eine sehr traurige Rolle. Selbst solche Basics, wie den Spieler ein großzügiges Blickfeld zu gewähren, funktionieren hier nicht. Viel zu nah krabbelt die Kamera an Matts Rücken heran und spätestens in etwas engeren Gängen und voll gestellten Räumen habt Ihr oft genug keine Vorstellung, was Euch denn gerade unter Beschuss nimmt. Die Anzeige der Richtung aus der das Feuer kommt, bewahrt vor dem Schlimmsten, nur setzt das böswillige Spawning oft genug Feinde hinter oder auch schon mal direkt in Euch aus und sorgt so für ein paar billige Tode.
Eine Lebensanzeige sucht Ihr vergeblich und würde bei dem wenigen, was der große Held abkann, auch nicht viel bringen. Auf Distanz scheint fast jeder an Euch vorbeizuschießen, was ganz gut zu der Eleganz der Bewegungsmuster der Bösen passt. Einmal nah genug, verfärbt sich der Bildschirm in Sekundenbruchteilen grau und dann fällt Matt auch schon um. Gut, dass es viele Rücksetzpunkte gibt und Ihr schnell erneut das Vergnügen haben werdet, Euch von Zombies, 2D-Nazis, Wasserpistolen-Commandos, Russen, Cowboys oder Schlägern in Anzügen massakrieren zu lassen.
Die auf die Figuren aufgepappten Tapeten mögen sich drastisch unterscheiden, die kopflosen Taktiken tun es nicht. Sie tauchen aus dem Nichts auf, verstecken sich mehr oder weniger geschickt – meist weniger, sehr viel weniger – und warten auf Euren Header. So ergibt sich über die gesamten acht bis zehn Stunden ein immer wiederkehrendes Muster. Vor Euch liegt ein Raum, Deckung und Feinde tauchen aus dem Nichts auf. Jetzt springt Ihr Eurerseits in Deckung und habt so Gelegenheit, das einzige wirklich gut gelungene Feature von Matt Hazard zu ergründen.
Per Knopfdruck schmiegt sich Matt an alles, was Kugeln standhalten könnte, und feuert recht elegant um Ecken zurück. Ein Hauch von Gears in trüber Kulisse. Wollt Ihr jetzt weiter vorrutschen, müsst Ihr normalerweise Euch aus der Deckung lösen und selber neue suchen. Matt nimmt Euch das ab, indem Ihr einfach nur auf die nächste sichere Position zeigt und er einschätzt, ob er das schafft. Falls ja, wird die Taste für den Wechsel angezeigt und nach einem kurzen Sprint geht es aus neuer Position sicher und munter weiter. Brillant. Wenn es in einem besseren Shooter stecken würde. So rettet es den Spielspaß aber zumindest für ein Weile vor dem Untergang, Euch aber nicht vor der Erkenntnis, dass der Ablauf von Raum zu Raum niemals variiert. Rein, in Deckung alles abballern und weiter. Eat Lead gibt sich nicht einmal das Minimum an Mühe, dieses Etwas zu verschleiern, mit dem andere Shooter halbwegs über die Runden kommen.
Selbst die Waffen reißen wirklich nichts und fühlen sich einfach nicht wirklich mächtig an, egal wie effektiv sie sind. Nichts davon hat das wunderbare Feeling von F.E.A.R. 2-Schießprügeln. Einfallreichtum sucht man ebenfalls vergeblich. Sturmgewehre, einige davon als Wasserpistolen, ein Raketenwerfer, Pistolen, weckt mich, wenn vorbei ist.
Zumindest lädt die Prämisse, dass ja alles nur ein Spiel und Realismus für Anfänger sei, zu ein paar wirklich surrealen Szenen ein. Wolltet Ihr Euch schon mal durch einen Stripclub ballern, in dem es schneit und moderne Russen zusammen mit alten Cowboys aus allen Rohren auf Euch draufhalten, dann ist hier Eure wahrscheinlich einzige Chance. Diese wirklich seltsam-verworrenen wie gleichzeitig spaßigen Tapetenwechsel sind ein echtes Highlight. Und ein Tennisplatz an der Riviera, der von einer Sekunde auf die andere mit Gräbern und Zombies zugepflastert wird, hat was.
Diese Momente bergen auch den größten Witz. Alles andere, was Matt Hazard an echter Parodie im eigentlichen Sinne auffährt, schwankt zwischen meh und kurz gelacht, dann vergessen. Humor ist immer etwas persönliches, nur bin ich eigentlich recht leicht zu unterhalten. Lasse ich jedoch die Szenen im Nachhinein Revue passieren, dann ist da nicht viel, über das ich noch einmal schmunzeln würde. Zumal ich einige der Jokes einfach nicht verstanden habe.
Die Mario Anspielungen, der JRPG-Endboss, die lange Fahrstuhlfahrt, das ist ok und passt alles zur Idee der Spieleparodie. Dies sind aber nur seltene Momente. Die meisten anderen Elemente scheinen eher willkürlich irgendwas zu parodieren, nur wisst Ihr nie so genau, was und warum. Das beste Beispiel dafür dürfte Euer ewiger Superfeind mit österreichischem Akzent sein. Klar, das ist Arnie und seine Zeilen wären in einer Parodie des 80er-Actionkinos nicht mal fehl am Platz. Nur was soll das hier? Es geht nahtlos weiter mit allen Endbossen und Freunden Matts, die seiner eigenen, imaginären Historie entnommen wurden und nun in neuen, angeblich lustigen Situationen wiederfinden.
Ein Zauberer ohne Zauber, den Ihr mit einem Sniper-Gewehr vor Company-Schlägern schützen sollt. Die Tentakelbestie hat Matt früher mit einem Speer besiegt, jetzt plättet Ihr sie mit der Wumme. Oooookayyy... warum ist das jetzt lustig? Eat Lead verschwendet hier endloses Potential in viel zu kleinen, unausgereiften Andeutungen, wie zum Beispiel einer Fabrik, in der Items für Spiele hergestellt werden, dann aber nur wenige wieder erkennbare Elemente bietet. Scheinbar war man der Meinung, dass alles schon irgendwie lustig sein wird. Fragmeee Industries? Was haben wir gelacht. Und so was gehört schon zum Bessern. Hier liegt, wie schon erwähnt, unglaublich viel Potential brach. Das Einzige, was Matt Hazard letztlich wirklich schafft ist, dass Ihr Euch ärgert. Verstrichene Chancen ärgern halt immer.
Als denkbar schlechter Scherz lassen sich jedoch die meisten Bosskämpfe abtun. Der größte Teil findet als reiner Quicktime-Event statt, und zwar von der Sorte, in der Ihr neu starten dürft, sobald Ihr auch nur einen Tastendruck aus der langen Reihe verfehlt. Wozu Matt hierbei einen eigenen Lebensbalken hat, bleibt etwas unklar. In den gerade mal drei „richtigen“ Bossbattles kommt dann aber mehr Spannung, stellenweise sogar richtiger Spaß auf, da sich das Game endlich mal aus dem üblichen Schema herauswagt und zeigt, dass es ein klitzekleines bisschen mehr kann.
Ein paar Witze über Spiele und Will Arnets passende Stimme für die Rolle des Hazard reichen kaum aus, um zu übertünchen, dass Eat Lead: The Return of Matt Hazard alle Fehler, die es zu parodieren versucht, selber begeht. Endlose langweilige und immer gleich ablaufenden Level, schlicht und ergreifend dumme Feinde, trübe Optik und eine Handlung, die nach dem Intro als abgeschlossen betrachtet werden darf.
Es tut einem um die gelungene Deckungsmechanik weh, aber sie allein reißt es nicht heraus. Hätte sich Hazard nicht nur mit sich selbst und seiner etwas obskuren Hommage an die Action der 80er und 90er beschäftigt, wäre vielleicht etwas mehr beim Spielefan hängen geblieben. So werdet Ihr schon direkt nach dem Abspann kaum noch an irgendeine Szene dieses belanglosen Langweilers erinnern. Sei sie nun spielerischer oder humoristischer Natur.
Eat Lead: The Return of Matt Hazard ist ab sofort für Xbox 360 und PS3 zu haben.
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Eat Lead: The Return of Matt Hazard im Test.
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