PC: World in Conflict - Singleplayer
Wir haben in den letzten Wochen und Monaten schon viel über den gelungenen Mehrspieler-Modus von World in Conflict berichtet (http://www.eurogamer.de/game.php?game_id=5982)
, die schwedischen Entwickler von Massive wollen jedoch auch im Einzelspieler-Modus das Strategie-Genre im Sturm erobern. Bisher blieben sie uns den Beweis dafür aber schuldig. Außer einer recht unfertigen Mission gab es kaum etwas zu sehen. Jetzt hat das Warten ein Ende und wir bekamen eine umfangreiche Vorabversion zur Verfügung gestellt, in der wir fünf komplette Levels spielen konnten. Natürlich haben wir uns sofort dahinter geklemmt und liefern Euch mit dieser Vorschau einen Einblick in die spannende Kampagne, mit der die Entwickler auch die Offline-Front von ihrer Sache überzeugen möchten.
Spielbar waren die Missionen 6 bis 10 von insgesamt vierzehn Szenarien, die uns um die gesamte Welt führen. Man übernimmt die Rolle des West-Point-Absolventen Leutnant Parker, der mitten in die Auseinandersetzung zwischen der Nato und der Sowjetunion gezogen wird. Kommandiert von dem aus dem Ruhestand geholten Colonel Sawyer setzen die Amerikaner alles daran, die Russen wieder aus Europa zu vertreiben. Denn kurz vor dem Zusammenbruch der UDSSR versuchen die Funktionäre der kommunistischen Partei, mit einem gewaltigen Militärschlag das eigene Ende abzuwenden und lösen damit den Dritten Weltkrieg aus.
Nachdem wir die ersten fünf Level überspringen mussten, landen wir im sechsten Akt gleich mitten im Geschehen. Zwei Monate nach dem Beginn der Attacke sind die Truppen des Warschauer Paktes bis nach Südfrankreich vorgedrungen. Kurz vor Marseille wird uns in einer Zwischensequenz von Colonel Sawyer die Lage erklärt. Zusammen mit unserem Offizierskollegen Bannon sollen wir einen Nato-Trupp gegen eine russische Stellung führen.
Überraschend ist dabei die optische Qualität der Figuren. In Nahaufnahme können die Charaktere selbst mit einigen aktuellen Shootern mithalten. Normal-Mapping und hochaufgelöste Texturen gehen mit den gelungenen Animationen eine perfekte Symbiose ein. Während der Kämpfe bekommt man eine solche Perspektive natürlich nicht zu sehen, doch es ist faszinierend, was die Engine von Massive hier auf den Bildschirm zaubert.
Nach einem stimmungsvollen Ladescreen samt dramatischem Telefongespräch mit den Lieben daheim befinden wir uns endlich auf dem Schlachtfeld. Wie vom Multiplayer-Modus gewohnt, blicken wir mit einer sehr niedrig eingestellten Kamera über das Schlachtfeld. Auch der Nachschub wird wie bei der Mehrspieler-Fassung per Luftfracht angeliefert. Bei der Einheiten-Auswahl werden dagegen die unterschiedlichen Klassen bunt gemixt. So darf man in Mission 6 schwere Panzer, Reparaturfahrzeuge, Hubschrauber und Truppentransporter einsetzen, ohne die sonst üblichen finanziellen Einbußen hin zu nehmen.
Das erste Ziel ist ein von Russen besetztes Weingut. Mit einer gemischten Truppe aus Kampfhubschraubern, Panzern und vor allem den extrem starken Reparatur-Fahrzeugen rollen wir langsam auf die feindliche Stellung zu. Die ersten Panzerfahrzeuge werden schnell auseinander genommen und Schäden sofort repariert. Das Landhaus selbst wird zwar von Fußsoldaten gehalten, doch mit den erkämpften Taktik-Punkten und einem Bunker-Buster sind sie schnell Geschichte und die folglich die erste Teilaufgabe erfüllt.
Im weiteren Verlauf müssen wir weitere Positionen einnehmen, geklaute Fahrzeuge zurückholen und abschließend eine kleine Hafenstadt verteidigen. Abwechslung steht bei den Missionen auf dem Plan. Der Computer-Gegner setzt dabei auf große Gegnermassen statt auf intelligente Taktiken. Trotzdem darf man ihn nicht unterschätzen, den Lücken in der Verteidigung werden gnadenlos ausgenutzt und auch mal schnell ein strategischer Punkt geklaut. Bis zum Release sollte Massive aber ruhig noch etwas an seiner Einheitenpalette arbeiten. In den meisten Missionen gibt es fast unschlagbare Kombinationen, die dank ein bis zwei Reparatur-Fahrzeugen aus jeder Angriffswelle Altmetall machen.
Begleitet von Zwischensequenzen ziehen wir nach unserem Sieg in die nächste Schlacht. Der Angriff auf ein lauschiges Bergdörfchen dürfte den Beta-Spielern erneut bekannt vorkommen. Schon in der Testphase durfte man sich hier im Assault Modus die Köpfe einschlagen.
Auch Offline muss man die Siedlung erst erobern und hinterher verteidigen. Unterschiede zur Mehrspieler-Version muss man hier übrigens mit der Lupe suchen, bei anderen Karte wurden ein paar Besonderheiten eingebaut, um die Örtlichkeiten interessanter zu gestalten. Außerdem wird es einige Levels speziell für die Singleplayer-Variante geben, um fleißigen Online-Kriegern nicht die Spannung zu verderben.
Auf der zweiten Karte wurde die Einheiten-Auswahl verständlicherweise in Richtung Infanterie verschoben. Trotzdem kann es Sinn machen, auch ein paar mittelschwere Panzer einzupacken, um mit den viele Feindfahrzeugen fertig zu werden. Wirklich hilfreich ist zudem die Erfüllung einer Nebenmission, bei der es zwei Artillerie-Geschütze zu erobern gilt. Damit lassen sich nämlich nicht nur hervorragend die eingebunkerten Rotarmisten vertreiben, sondern auch der darauf folgende Gegenangriff zurückschlagen. Gerade da man sonst nur leichte Geschütze anfordern kann, ist man für die Raketenunterstützung sehr dankbar.
Im Laufe der Missionen stellt es sich schnell heraus, dass der Kollege Bannon eine absolute Flasche ist und Euch immer wieder in die Bredouille bringt. Colonel Sawyer staucht ihn zwar regelmäßig zusammen, aber zumindest in den spielbaren Missionen muss man mit sich seiner Unterstützung zufrieden geben.
Nach viel Sonne und Strandpromenade führt uns der nächste Auftrag direkt in die Höhle des Löwen. Denn in der Nähe des Flottenstützpunktes von Murmansk ist ein Stealth-Prototype abgestürzt und die Russen drohen, dessen Technologie zu klauen. Passend zu dieser Spezialmission ist man anfangs nur mit Luftlandetruppen ausgerüstet, mit denen man aber im Handumdrehen das kleine, feindliche Kontingent an der Absturzstelle aus dem Weg räumt.
Der abgestürzte Vogel entpuppt sich übrigens als B2-Bomber, der sich damals wirklich noch in der Erprobungsphase befand. Danach müsst Ihr nur noch das Flugzeug in die Luft jagen und die Piloten finden. Dank des recht schwachbrüstigen Materials keine leichte Aufgabe, doch mit einem ausgiebigen Ranger-Einsatz und den gepanzerten Transportern durchaus lösbar. Härter wird es dagegen in Mission 9, wo Ihr in einem russischen Hafen Atom-UBoote am Auslaufen hindern müsst. Dazu steuert Ihr Eure schwere Panzertruppe zu den schwer befestigten Stellungen und sichert einen Landeplatz für die Sprengmeister.
In den offenen Gebieten ist es nahezu unmöglich, andere Einheiten als die schweren Panzer einzusetzen. Der ständige Nachschub an feindlichem Material erfordert viel Feuerkraft und eine dicke Panzerung. Durch die weiten Wege und die überall platzierten Sniper erweisen sich die zusätzlich angebotenen Infanterie-Einheiten als nahezu nutzlos. Sollte es Euch nicht gelingen, eine Hubschrauber-Staffel am Starten zu hindern, müsst Ihr schnell ein paar Fußsoldaten mit Stinger herbei zitieren, sonst werden die mühsam aufgerüsteten Panzer schnell in ihre Einzelteile zerlegt.
Beeindruckend sind in diesem Level vor allem die vielen zerstörbaren Gebäude und die prächtige Inszenierung der Schlachten. Überall explodiert etwas und jeder Schuss wird mit beeindruckenden Effekten unterlegt. Wie schon im Multiplayer ist die Atmosphäre enorm dicht und die Gefechte wirken im Gegensatz zur Konkurrenz deutlich „echter“.
Den Vogel schießt Massive aber mit der letzten spielbaren Mission ab. Die Russen sind nämlich inzwischen in den USA angekommen und haben mit ein paar Spetznaz-Fallschirmspringern die Freiheitsstatur und Ellis Island eingenommen. Das symbolträchtige Wahrzeichen besitzt zwar keinen strategischen Wert, dafür aber einen ideellen, den Ihr mit Eurem Leben verteidigen müsst. Außerdem hat Colonel Sawyer angedroht, im Notfall die Feinde mit einem gewaltigen Luftschlag von der Insel zu drängen, ganz egal, ob dann die wunderschön nachgebaute Statue in die Brüche geht oder nicht. Noch mehr Dramatik gewinnt dieses Szenario durch die bombastische Skyline von Manhatten, die sich in der Ferne aus dem Nebel schält. Man kann zwar nicht bis zu den Gebäuden fliegen, doch die Wolkenkratzer mitsamt einem historisch, aber vielleicht nicht politisch korrekten World Trade Center geben auch als Hintergrund eine hervorragende Figur ab.
Natürlich machen Panzertruppen auf den großen Wasserflächen keinen Sinn. Stattdessen übernehmt Ihr die Luftunterstützung und jagt mit schweren Kampfhubschraubern die Russen von der ersten Insel. Der inkompetente Bannon unterstützt Euch dabei mit Amphibien-Truppentransportern, die aber gegen die verschanzten Truppen wenig ausrichten können. Vorsichtig müsst Ihr mit Euren fliegenden Stahlrössern eine Salve nach der anderen Abfeuern, ohne den Luftabwehrgeschützen zu Nahe zu kommen. Auf der zweiten Insel warten danach Harpoon-Raketenwerfer, die mit ihren Schiffsraketen die Atlantik-Flotte bedrohen. Dank ein paar verbündeten Reparatur-Panzern, die Eure angeschlagenen Hubschrauber immer wieder auf Vordermann bringen, gelingt es trotz des massiven Feindaufkommens diese Gefahr aus dem Weg zu räumen.
Doch kaum geben die Russen Ruhe, droht uns Sawyer mit einem alles vernichtenden Angriff, wenn wir nicht Liberty Island säubern. Ein Wettlauf gegen die Uhr beginnt, der uns durch die Luftabwehrgeschütze jede Menge Einheiten kostet.
Nach zähem Ringen gelingt es kurz vor dem Ablauf des Ultimatums den letzten Soldaten zu töten, woraufhin in einer dramatischen Zwischensequenz die bombenbepackten Flugzeuge gerade noch rechtzeitig abdrehen. Die letzten feindlichen Truppen sind danach nur noch eine Formsache und wir müssen begleitet von einer dramatischen Ansprache von Colonel Sawyer, der Bannon diesmal scheinbar endgültig aus der Armee wirft, von World in Conflict Abschied nehmen.
Mission Accomplished! Massive hat es in diesen fünf Missionen wirklich geschafft, das recht Multiplayer-lastige Gameplay auch für Offline-Spieler interessant zu gestalten. Durch stimmige Zwischensequenzen und ständig wechselnde Missionsziele steht man die ganze Zeit unter Strom und muss blitzschnell reagieren. Unterstützt durch ein grafisches Effekt-Feuerwerk wird die Hektik des „realen“ Schlachtfelds perfekt auf den Bildschirm gebannt und als schrecklich-schöne Zerstörungsorgie zelebriert. Diese packende Atmosphäre trägt das Spiel über weite Strecken und macht Hoffnung auf eine durchgehend geniale Einzelspielerkampagne.
Trotzdem muss sich Massive auch ein wenig Kritik gefallen lassen. Da wäre zum einen die recht schwache Gegner-KI, die nur durch massive Truppenverbände unsere Verteidigung durchbrechen kann. Zu selten passt der Computer seine eigenen Einheiten an die Auswahl des Spielers an. Außerdem ähneln sich die Einheiten der einzelnen Kriegsparteien momentan noch zu stark. Es fehlen einfach ein paar Spezialeinheiten für den Single-Player. Schon in der sechsten Mission hat man jeden Truppentyp einmal in die Schlacht geschickt. Auch der Video-Ram-Overload auf unserer 256 Mbyte Grafikkarte mit hohen Details ist suboptimal, hier muss noch an der Performance geschraubt werden.
Doch selbst wenn Massive diese Kritik nicht beherzigen sollte, wird der Titel mit aller Wahrscheinlichkeit wie eine Bombe einschlagen. Schon jetzt kann ich es kaum abwarten, wie die Geschichte weitergeht und wie Sawyer am Ende die Russen aus den USA vertreibt. Fünf Missionen haben ausgereicht, um eine Sucht aus zu lösen, die nur die Vollversion stillen kann.
World in Conflict schickt Euch Ende September auf dem PC in den Dritten Weltkrieg, Xbox 360-Besitzer müssen sich etwas länger gedulden.






