PS3: Fracture
Schaut man sich die Mehrspieler-Modi nahezu aller Shooter an, dann fällt eines auf. Sie laufen allesamt mehr oder weniger gleich ab. Hier einen Gegner wegpusten. Da einen Kontrollpunkt erobern. Andernorts eine Flagge klauen. Das ist prinzipiell auch in Fracture nicht anders, und jetzt kommt das große Aber, sieht man mal von einer entscheidenden Ausnahme ab: Terrain-Deformation.
Während in anderen Spielen die Spielwelt ständig gleich aussieht, verändert sie sich in Fracture dynamisch. Genau davon konnten wir uns anhand eines Multiplayer-Events auf der Games Convention – wie im letzten Jahr – selbst überzeugen. Diesmal jedoch deutlich länger als nur acht Minuten.
Kommen wir gleich zur Sache. Im Hinblick auf die Spielmodi hebt sich der Titel von LucasArts und den Day 1 Studios eher weniger von der Konkurrenz ab. Neben altbekannten Varianten á la Team Deathmatch oder Capture the Flag darf man auch in Domination aufs Schlachtfeld ziehen, um verschiedene, durch leuchtende Markierungen dargestellte Punkte auf der Karte zu erobern.
So weit, so gut. Lustig wird das Ganze besonders dank der Terrain-Deformation. Jeder Teilnehmer der Partien kann auf Knopfduck den Boden ein Stück anheben oder absacken lassen. Das eröffnet einerseits neue taktische Möglichkeiten, verschafft man sich so doch mitunter eine lebensrettende Deckung oder behindert Gegner bei ihren Aktionen. Andererseits sorgt es für ein abwechslungsreicheres Gameplay, da sich der Boden stets verändert und hinter jedem Hügel ein Gegner lauern könnte.
Selbiges gilt logischerweise im Einzelspieler-Part, der obendrein mit einer geschickt ausgearbeiteten Geschichte überzeugen will. Genauer gesagt geht es um den Kampf zwischen der Atlantischen Allianz und der Allianz von Pazifika. Das sind im Wesentlichen die Überreste der Vereinigten Staaten von Amerika, die sich nach dem Schmelzen der Polkappen und der Überflutung des Mississippi gebildet haben. Die Atlantische Allianz baut dabei auf Europa als Verbündeten und nutzt Kybernetik zur Verbesserung ihrer Kämpfer, während die Allianz von Pazifika auf DNA-Restrukturierung setzt und mit Asien ebenfalls einen starken Partner an seiner Seite weiß. Irgendwann im Jahr 2161 tritt schließlich das ein, was quasi unausweichlich war – ein großer Konflikt bricht aus.
Und man selbst steckt natürlich mittendrin. Wäre ja sonst auch langweilig. Neben dem Multiplayer-Part konnten wir auch in der Kampagne selbst Hand anlegen und ein paar Gärten umgraben. Der gespielte Level stammte aus dem späteren Spielverlauf, weswegen Held Jet Brody bereits über einige kybernetische Verbesserungen verfügte.
Zum Beispiel den „Supersprung“, den man durch doppelte Betätigung des A-Buttons auslöst. Er dient aber nicht nur dazu, höhere Stellen zu erreichen. Drückt man im Flug die Taste für einen Nahkampfangriff, rast Jet regelrecht auf den Boden zu und erledigt mit einer AoE-Attacke (Area of Effect) nahe Feinde. Stärkere Gegner überleben diese zwar, allerdings haut es sie dabei von den Füßen. Je höher man diese Fähigkeit auslöst, desto stärker fällt ihre Wirkung aus.
Das Ziel des gespielten Abschnitts bestand darin, drei Energiegeneratoren des Feindes auszuschalten, um anschließend in den nächsten Bereich vorzustoßen. Dabei stehen natürlich allerlei Widersacher im Weg. Zur Sprengung der Stromversorger genügt es einfach, eine Granate in ihr Inneres zu befördern. Ein Kinderspiel. Hilfreich sind hier neben der Terrain-Deformation per Schießeisen vor allem die vier verschiedenen Granatentypen. Zwei davon sorgen dafür, dass der Grund absackt oder nach oben ausbricht. Viel effektiver als die normalen Schüsse aus der Waffe, dafür durch die Zahl der Sprengsätze begrenzt. Ebenso ist es möglich, eine besonders hohe Felssäule aus dem Boden schießen zu lassen, die Jet an scheinbar unerreichbare Positionen befördert.
Besonders interessant ist die Vortex-Granate, die eine Art Schwarzes Loch erzeugt. Der Wirbel saugt wiederum alle Objekte und Gegner in der Nähe auf und schleudert sie herum. „Es schluckt alles im Umkreis. Je mehr Physik-Objekte vorhanden sind, desto verrückter wird es. Und es explodieren Dinge darin“, so die Entwickler während der Präsentation. Man sollte es jedoch möglichst nicht auslösen, wenn man in unmittlerbarer Nähe steht. Ansonsten macht man selbst Bekanntschaft damit.
Während im Eifer des Gefechts rundherum Kugeln einschlagen, Granaten explodieren und der Boden neue Formen annimmt, trifft man logischerweise auf diverse Gegner. Einige davon stellten die Macher ein wenig näher vor. Dazu zählt neben ganz gewöhnlichen, mit einem Maschinengewehr bewaffneten Soldaten beispielsweise der Sherman. Er verschießt grüne „sticky bombs“ – Granaten, die Jet schweren Schaden zufügen können. Zugleich stecken sie mehr ein als die üblichen Kontrahenten. Ihre einzige Schwachstelle ist ihr Radius. Bleibt man außerhalb ihrer Waffenreichweite und hat einen Raketenwerfer in der Handtasche, kann man sie bequem eliminieren.
Ein wenig kniffliger gestaltet sich diese Angelegenheit, wenn ein paar Invader zum Angriff ansetzen. Mit ihren Schrotflinten müssen sie entsprechend nah an einen herankommen. Und wenn sie das tun, schaltet man sie am besten schnell aus. Eine Ladung Schrot im Hintern tut nicht nur weh, sondern lässt auch die Gesundheitsanzeige merklich absinken.
Zu guter Letzt hätten wir da noch die Creeper. Diese gefährlichen Viecher – „Im Prinzip genetische Fehlschläge von Pazifika“, erklären die Entwickler – vergraben sich im Boden und kommen erst dann plötzlich nach oben, wenn sie schon direkt neben einem sind und zuschlagen können. Eine effektive Methode, um sich diese Biester vom Hals zu halten, stellt der „Supersprung“ in Verbindung mit dem Nahkampfangriff dar. Das haut sie garantiert von den Socken.
Optisch überzeugt Fracture mit seinen Effekten und Animationen nach wie vor, in Sachen Texturen allerdings nicht mehr ganz so sehr wie noch vor einem Jahr. Die auf der letzten Games Convention bemängelten Framerate-Einbrüche während der Manipulation des Bodens sind erfreulicherweise verschwunden. Mittlerweile läuft soweit alles einwandfrei, selbst bei Nutzung der Vortex-Granate. Sollte es aber auch, schließlich ist die Entwicklung fast am Ende angelangt.
Die Musik in Fracture wird übrigens von Michael Giacchino beigesteuert, der in der Spiele-, Film- und TV-Branche ein alles andere als unbekanntes Gesicht ist. Immerhin beglückte er bereits Serien (Alias, Lost), Videospiele (Call of Duty, Medal of Honor) und Kinostreifen (Cloverfield, Mission: Impossible 3) mit seinen Soundtracks. Für Qualität ist hier also gesorgt.
Für mich persönlich hat Fracture im letzten Jahr kaum etwas von seiner Faszination verloren. Die Terrain-Deformation fügt sich einwandfrei ins Spiel ein und kommt obendrein keineswegs nur in der Kampagne zum Einsatz, sondern verleiht ebenso dem Mehrspieler-Part eine einzigartige Dynamik. Es ist also weit mehr als nur ein schmuckes Beiwerk und dürfte dem Spiel wohl einige Fans bescheren.
Die einzig offene Frage bleibt bis auf Weiteres: Wie gut ist Fracture wirklich? Spielerisch muss man sich wohl keine Sorgen machen. Das Gameplay geht flüssig von der Hand und ist einfach verständlich gehalten. Die Story macht letztendlich einen großen Teil des Vergnügens aus. Und wie die am Ende ausfällt beziehungsweise inszeniert wird, kann man bisher nur sehr schwer abschätzen. In knapp einem Monat wissen wir allerdings schon mehr.
Fracture soll am 7. Oktober für Xbox 360 und PlayStation 3 auf den Markt kommen.





