Fallout 3

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Bethesda Softworks
Entwickler
Bethesda Softworks
Genre
Andere
PC: Fallout 3

Gesamtwertung

10/10

PC: Fallout 3

Update: Inzwischen haben wir Fallout 3 auf Konsole und PC durchgespielt. Der Testevent mit 16 Stunden Spielzeit hat uns nicht genügt, um ein fundiertes Urteil zu fällen. Nun, über 40 Stunden Spielzeit später, wagen wir uns an eine Wertung. Wer nur unsere Erfahrungen aus dem zweiten Durchgang lesen möchte, kann die ersten drei Seiten überspringen und sich zum zweiten Teil des Fallout 3 Tests (eurogamer.de)bugsieren. Lest auch unsere Tipps und Lösung zu Fallout 3 (eurogamer.de).

Wie jede große Geschichte beginnt auch Fallout 3 mit einer Geburt. Weißes, grelles Licht, dann der Blickwinkel der Mutter. Sie liegt Beine gespreizt in einer schäbigen Krankenstation. Gemeinsam mit dem Vater wird das spätere Erscheinungsbild des Kindes in Augenschein genommen. Haarfarbe, Größe, Gesichtspartien und Frisur, kein Parameter ist in Stein gemeißelt.

Der Charakter-Editor erfüllt damit den Traum fehlgeleiteter Eltern, die selbst bestimmen wollen, mit wem sie die nächsten 18 Jahre ihres Lebens verbringen. Für Euch ist es die Möglichkeit, dies für die nächsten 30-70 Stunden zu tun. Nicht ungewöhnlich für ein Rollenspiel dieses Ausmaßes, aber eine hervorragende Einleitung für das wohl außergewöhnlichste Tutorial der Videospielgeschichte.

Etwas geht schief. Krämpfe schütteln den Körper der Mutter. Kindergeschrei und das beunruhigende Piepsen des Herzmonitors untermalen die hektischen Rettungsversuche des Klinik-Personals. Dann wieder das weiße Licht. Nur kurze Momente später befördert Euch der Titel ein paar Jahre in die Zukunft. Unter den wachsamen des Vaters tappt Ihr in einer kleine Koje herum. Bewegung, Blickrichtung und Interaktion werden Euch im wahrsten Sinne des Wortes spielend beigebracht. Auf Knopfdruck wechselt Ihr entspannt von der Ego- in die Third-Person-Perspektive.

Ein Ball erweckt Eure Aufmerksamkeit. Ein Kopfdruck genügt und Euer kleiner Körper bringt den Luftsack unter Kontrolle. Einmal den Abzug aktiviert und die Kugel springt physikalisch-korrekt durch den kleinen Raum. Statt Worte hört Ihr lustiges Baby-Geplapper aus Eurem Mund kommen. Ihr seid ein Kleinkind, das seine ersten Schritte in einer gewaltigen Welt wagt.

Um Euch zu zeigen, dass Ihr etwas ganz Besonders seid, drückt Euch Euer Vater ein Buch in die Hand. „Du bist S.P.E.C.I.A.L.“ (Strength, Perception, Endurance, Charisma, Intelligence, Acrobatics, Luck) steht auf dem Einband und klingt wie ein Mantra. Mit lustigen Zeichnungen wird Euch das Charaktersystem erklärt. Ihr verteilt Punkte in die entsprechenden, klassischen Rollenspiel-Attribute und bestimmt damit die Grundausrichtung Eures Charakter. Mit mehr Stärke steigt die Maximallast und der Nahkampfangriffsschaden. Setzt Ihr auf Charisma stehen Euch bei Gesprächen mehr Optionen offen. Und investiert Ihr in Euer Glück, steigt die Zahl der kritischen Treffer. Doch Euer Weg ist noch nicht zu Ende. Einen Zeitsprung später feiert Euer Alter Ego seinen zehnten Geburtstag. Ihr lernt Eure Umgebung kennen, schließt Freundschaft und tragt Eure ersten Kämpfe aus.

Es wird Zeit, die nächste Säule von Fallout 3 einzuführen: Moralische Entscheidungen. Noch bevor Ihr in die kalte Welt des zerstörten Washington entlassen werdet, bleibt es Euch überlassen, ob Ihr den Widrigkeiten nachgebt oder Euren Mann steht. Dazu stellt Euch Fallout 3 in Dialogen verschiedene Antworten zur Verfügung, die oft dramatische Auswirkungen haben. Gutes und böses Karma wird Euch das ganze Spiel hinweg begleiten. Definiert durch Eure Handlungen bestimmt Ihr selbst, wie die Leute auf Euch reagieren.

Als weiteren Baustein für Eure zukünftige Entwicklung bekommt Ihr zur Feier des Tages den Pipboy 3000 überreicht. Ein Handgelenkscomputer, der Karten, Missionsziele, Status-Anzeigen und Euer Inventar beinhaltet. Etwas schwierig zu navigieren, wird er mit der Zeit zu Eurem treuen Begleiter. Außerdem seid Ihr alt genug, das Kampfsystem kennenzulernen. Mit dem Luftgewehr jagt Ihr Ratten. Entscheidet selbst, ob Ihr sie in Echtzeit oder mit dem V.A.T.S.-System (Vault-Tec-assistiertes Zielsystem) zuschlagt.

Hinter dieser neuerlichen Abkürzung steckt ein komplexer Modus, der das Geschehen extrem verlangsamt und Euch Zeit lässt, in Ruhe die einzelnen Körperpartien des Ziels anzuvisieren. Über Armen, Köpfen, Beinen und Rümpfen zeigt eine Prozentzahl die Wahrscheinlichkeit eines Treffers und ein grüner Balken ihre Lebensenergie. Erreicht diese Anzeige Null, ist die Extremität verkrüppelt. Ist es ein Arm, kann die entsprechende Waffe nicht eingesetzt werden. Ist es ein Bein, wird Euer Gegenüber abgebremst. Erledigt Ihr den Kopf, wird Euer Opfer blind oder fällt kopflos ins Grab.

In der internationalen Fassung wird dieses Ergebnis mit einem satten Splattereffekt quittiert, in Deutschland muss eine nüchterne Meldung reichen. Für diese Aktionen stehen Euch Punkte zur Verfügung, die Ihr für Schüsse, das Nachladen oder Nahkampfattacken nutzen könnt. Spieler mit einer ausgeprägten Action-Allergie kommen so ganz ohne Ausschlag über die Runden.

Ein weiterer Zeitsprung führt Euch immer tiefer in die Geschichte. Bilder aus dem Vorspann steigen nach oben, vermischen sich mit anderen Informationen und konstruieren das Bild Eurer aktuellen Lage. Ihr lebt als 16-jähriger im Vault 101. Ein Bunker, der ein paar Privilegierte vor der atomaren Katastrophe gerettet hat, die im Jahr 2077 die Erde in eine verstrahlte Wüste verwandelte.

China und die USA haben sich gegenseitig in die Steinzeit gebombt. Und selbst jetzt, 200 Jahre später, ist es der Zivilisation kaum gelungen, ihre Höhlen zu verlassen. Allein Euer Vater glaubt an eine Zukunft außerhalb der massiven Metalltüren. Probleme, die Euch als 16-jähriger natürlich weniger bewegen als erste zaghafte Liebschaften und Euer bevorstehender G.O.A.T.-Test.

Die simple Prüfung, die herrlich erfrischend formuliert ist und bei der man nichts falsch machen kann, soll Eure spielerische Ausrichtung erkunden. Je nachdem wie Ihr auf die oft lächerlichen Fragen reagiert, werden Eure Sekundär-Fähigkeiten ausgewählt, die Euch weiter spezialisieren. Aggressive Antworten steigern Euer Talent mit Waffen, zurückhaltende stärken Verhandlungstaktik und die Gabe Schlösser zu knacken. Entpuppt Ihr Euch dagegen als Hardcore-Nerd, werdet Ihr in Zukunft besser mit Technik umgehen und Computer hacken. Mit jedem weiteren Level, den Ihr durch Kämpfe und gelöste Quests erhaltet, könnt Ihr diese Talente ausbauen oder auf neue setzen, um zum Beispiel Defizite auszugleichen.

Wenige Tage nach dieser einschneidenden Erfahrung bricht Eure Welt zusammen. Euer Vater hat, ohne Euch zu informieren, den Vault verlassen. Der Leiter des Bunkers ist außer sich und die Situation eskaliert. Es gibt kein Zurück mehr und Ihr müsst harte Entscheidungen treffen.

Weichen für ein gewaltiges Abenteuer werden gestellt. Wut, Verzweiflung und Trauer führen Euch auf die Suche nach Eurem Vater. Eine Geschichte, so spannend, dass Ihr sie selbst erleben müsst. Nur Beispiele, Ausschnitte und Höhepunkte sollen Euch ein Bild dieser Welt und ihrer Möglichkeiten vermitteln. Details zur Tragweite Eurer Handlungen und der Entwicklung der Geschichte sind hier fehl am Platz, könnten wir Euch ohne abgeschlossene Kampagne aber sowieso nicht präsentieren.

Der erste Schritt aus dem Bunker ist der erste Schritt auf dem Weg in ein sehr aufregendes, sehr individuelles Leben. Eure zweite Geburt. Mit einem Paukenschlag wirft Euch Fallout 3 in die optische und erzählerische Leere. Am anderen Ende der massiven Bunker-Tür zieren Trümmer die vernarbte Erde, die früher einmal die blühenden Gärten der Vorstädte darstellten. Eine Organisation namens Enklave regiert die Überbleibsel der menschlichen Zivilisation. Mutanten, veränderte Tiere und ruchlose Banditen verwandeln jede Reise in ein halsbrecherisches Selbstmord-Kommando.

Nur ein einsamer Strich auf dem ungenauen Kompass liefert Euch einen Hinweis auf das weitere Vorgehen. Von jetzt an lässt Euch der Titel die Freiheit, tun und lassen zu können, was Ihr wollt. Ihr könnt selbst entscheiden, ob Ihr Eurer großen Aufgabe hinterher jagt oder Euch stundenlang mit den ausufernden Neben-Quests beschäftigt.

Als kleiner Wermutstropfen in der bisher einmaligen Vorstellung fällt die veraltete Technik ins Auge. Das ungewöhnliche Fünziger-Jahre-Design und die engen Räume konnten zu Beginn über die Defizite der Gamebryo-Engine noch hinwegtäuschen. Doch ohne die Vegetation eines Oblivion fallen die schwachen Texturen, die mageren Effekte und die rauen Polygon-Kanten der von uns gespielten Konsolen-Versionen negativ ins Gewicht. Auf einem starken PC wirkt der Titel deutlich stimmiger, dafür kam es laut Aussage der Kollegen auf den entsprechenden Test-Systemen immer wieder zu Abstürzen.

Bis zu einem gewissen Grad ist die Tristess natürlich dem nuklearen Holocaust geschuldet. Das brutale Licht der Atombomben hat der Erde die Farben entzogen und die Landstriche mit grauem Staub überzogen. Nur klägliche Bäume wagen es, ihre verdorrten Äste in den Himmel zu strecken. Ohne Landmarken mutet die Ebene wie eine undefinierbare Masse an. Zu Beginn fühlt Ihr Euch von der Trostlosigkeit übermannt. Erst im Laufe der Geschichte entsteht Raum für aufregende Bilder und Szenarien.

Das bedeutet nicht, dass Euch in den ersten Stunden langweilig wird. Gleich mit Eurem ersten Level-Aufstieg kommt ein weiteres Gameplay-Element hinzu. So genannte Perks erhöhen die Komplexität und verstärken ganz gezielt einzelne Bereiche.

Wer sich mit seinem ersten Punkt zum Beispiel in einen „Ladykiller“ (als Mann) oder in eine „Schwarze Witwe“ (als Frau) verwandelt, macht beim anderen Geschlecht nicht nur mehr Schaden, sondern bekommt bei jedem Schwatz einen Charisma-Bonus und damit mehr Gesprächs-Optionen. Wer zum Beispiel in die Rolle eines „Little-League-Spielers“ schlüpft, kann in Zukunft härter zuschlagen und besser mit Sprengstoff umgehen.

Hinter den meisten Perks stecken also starke Verbesserungen anderer Gaben, es gibt aber auch Ausnahmen. Wie etwa die Fähigkeit „Kannibale“, die Euch tote Gegner gegen Lebenspunkte verspeisen lässt (Euch bei Zuschauern aber Karma kostet). Oder das Level 20-Talent „Entdecker“, das alle Orte auf der Karte sichtbar macht. Letztere ist übrigens ein Muss für echte Abenteurer, denn dank der Oblivion-Schnellreise-Funktion könnt Ihr innerhalb kürzester Zeit die mehrere Quadratkilometer große Karte erkunden.

Doch Vorsicht: Im Gegensatz zum Quasi-Vorgänger leveln Eure Gegner nicht mit. Wer zum Beispiel zu Beginn den Fehler macht und versucht, eine Feuer-Ameisen Siedlung auszurotten, wird eine böse Überraschung erleben. Die unscheinbaren Ameisen sind auf den ersten Leveln nämlich kaum zu schlagen. Erst viel später im Spiel habt Ihr eine Chance.

Besonders viel Wert hat Bethesda auf die Waffen gelegt. Von heruntergekommenen Maschinengewehren über Laser-Pistolen, bis hin zum Mini-Atombomben-Werfer erfüllt jeder Schießprügel eine bestimmte Rolle. Feuerrate, Durchschlagskraft und Munitions-Menge sind vor allem bei den V.A.T.S.-Kämpfen von entscheidender Bedeutung.

Zusätzlich könnt Ihr Schrott-Schleudern, Mini-Guns, massive Flammenwerfer und dicke Plasma-Kanonen finden. Da die Munition knapp ist, müsst Ihr stets eine Alternative dabei haben oder auf eine Nahkampfwaffe zurückgreifen. Selbst hier greift Bethesda viele Ideen aus den Vorgänger auf. Ihr findet eine hydraulisch verstärkte Metall-Faust, einen mächtigen pneumatischen Hammer und ein simples, aber effektives Samurai-Schwert.

Entscheidet Ihr Euch der Geschichte zu folgen, führt Euch Euer Weg in Richtung Megaton. Als einziges Lebenszeichen menschlicher Besiedlung ragt die Schrott-Stadt aus der Einöde empor. Hier macht Ihr auch zum ersten Mal Bekanntschaft mit der vielfältigen Bevölkerung dieser Welt. Im Zentrum der armseligen Siedlung lauert ein atomarer Blindgänger, der von religiösen Fanatikern angebetet wird und Euch schon nach kurzer Zeit vor eine weitere folgenschwere Entscheidung stellt. Unterschiedliche Parteien treten an Euch heran, von denen eine verlangt, dass Ihr die Bombe in die Luft jagt, die andere, dass Ihr sie entschärft.

Zu diesem Zeitpunkt beginnt sich die Struktur von Fallout 3 zu entfalten. Verschiedene Wege stehen offen, um Eure erste Aufgabe zu bestehen. Ihr selbst entscheidet, welchen davon Ihr beschreitet. Ein kleines Beispiel:

Alternative 1: Ihr kümmert Euch nicht um die Wünsche der Megaton-Bewohner und holt Euch nur die Informationen über den Aufenthaltsort Eures Vaters. Wie bei einer Zwiebel-Schale verbergen sich aber auch hinter dieser Entscheidung unterschiedliche Lösungswege. Ihr könnt den Informanten entweder überreden, bezahlen oder schlicht bestehlen. Für das Überreden braucht Ihr einen hohen Charisma-Wert, für die Bezahlung müsst Ihr Kronkorken sammeln, die als Währung fungieren. Und nach dem Diebstahl kommt es zu einem knallharten Kampf, der Euch zu Beginn gleich das Leben kosten kann.

Alternative 2: Ihr helft den dubiosen Kräften, die Bombe zu sprengen. Befördert dazu Euren Sprengstoff-Level auf eine bestimmte Stufe und seht Euch von einem Aussichtspunkt die beeindruckende Explosion an. Als Belohnung erhaltet Ihr nicht nur die benötigten Informationen, sondern auch ein eigenes Apartment in einem der letzten Hochhäuser. Alle Einwohner und ihre Neben-Quests sind damit aber Geschichte. Der Spielverlauf wurde durch Eure Handlung unwiderruflich verändert. Außerdem steigt Euer negatives Karma-Konto beträchtlich an und Ihr werdet es deutlich schwerer haben, in Zukunft Verbündete zu finden.

Alternative 3: Ihr verpfeift die Bösen, entschärft die Bombe mit dem entsprechenden Technik-Wert und bekommt nach einem unschönen Zwischenfall die Waffen des Sheriffs und eine schäbige Wohnung in Megaton zugewiesen. Die dortigen Shops und Vergnügungsstätten bleiben Euch weiter erhalten, nur auf das hübsche Apartment müsst Ihr erst einmal verzichten.

Später im Spiel bekommt Ihr die Gelegenheit, Euch an den Drahtziehern zu rächen. Für den Moment müsst Ihr aber mit der Rettung zufrieden sein. Immerhin sorgt der gute Karma-Schub für freundliche Mitmenschen und ein zufriedenes Gewissen. Kein Ersatz für das hübsche Feuerwerk, aber besser als nichts.

Nahezu jede Neben-Quest, aber auch ein großer Teil der Kampagne, liefert diese ganz unterschiedlichen Vorgehensweisen. Immer wieder trefft Ihr Entscheidungen, löst damit Reaktionen aus und beeinflusst so den weiteren Spielverlauf. Ihr könnt Euch Organisationen anschließen, einem Gigolo die Frauen ausspannen, Räuber-Lager ausräuchern, Androiden suchen, eine Ghoul-Stadt unsicher machen und sogar den berühmten Vault 112 betreten. Mit vielen Anspielungen an die ersten beiden Teile wird so eine dichte Atmosphäre aufgebaut, ohne die Freiheit einzuschränken. Ihr formt geradezu eine eigene Geschichte, die parallel zur Main-Quest vorangetrieben wird.

Der zweite Durchgang

Endlich die Vollversion in den Händen. Diesmal ohne die Argusaugen der PR-Leute und die tickende Uhr im Nacken zu spüren. Nochmal über 40 Stunden spannende Geschichten, packende Kämpfe und eine Welt zum Verlieben. Nochmal der geniale Einstieg und die etwas zähen ersten Schritte. Dann aber begleitet von einer Endphase, die sich ständig mit Superlativen übertrifft. Eines schon mal vorweg: Fallout 3 ist auf allen Plattformen ein Paradebeispiel für geniale Computer- und Videospiel-Unterhaltung. Und mein ganz persönlicher Favorit für das Spiel des Jahres 2008.

Im direkten Vergleich mag der Endzeit-Epos auf einem Windows-Rechner durch die direkte Steuerung auf höheren Leveln etwas zu einfach ausfallen (Tipp: Schwierigkeitsgrad der Kämpfe nach oben stellen), dafür bekommt Ihr mit entsprechender Maschine eine deutlich detailliertere und vor allem hübschere Grafik serviert. Mag bei solch einem Gameplay-Monster die Optik noch so zweitrangig sein, die Windows-Version liefert, was Atmosphäre und Steuerung angeht, mit Abstand das beste Gesamtpaket.

Etwas schlechter sieht es bei der Sony-Fassung aus. Unser Langzeit-Test attestiert nicht nur eine minimal schlechtere Grafik gegenüber der Xbox 360 (Kantenglättung), sondern vor allem einige Fehlerquellen. Auf dem PC kam es zu insgesamt vier Abstürzen, die Xbox 360-Version lief fehlerlos bis zum Ende und bei der PlayStation 3-Fassung musste die Konsole zweimal in den Neustart getrieben werden.

Hinzu kommen kleinere Physik-Fehler, hier und da Clippings, mittelmäßge Gesichtsanimationen und KI-Bugs, die alle Versionen plagen. Nichts, was einem den Spaß vertreibt, zumal es wirklich sehr, sehr selten in Erscheinung tritt. Aber es sind dennoch unnötige Mängel in solch einem phänomenalen Produkt. Auch die eingeschränkten Aufstiegsmöglichkeiten, die Eurem Forscherdrang nach 20 Leveln zumindest in diesem Punkt ein jähes Ende setzen, gehört nicht zu den Highlights dieses Meisterwerks. Vielleicht finden sich ein paar talentierte Modder, die diesen unnötigen Gameplay-Kniff auf dem PC aus der Welt schaffen. Spaß macht die Erkundung der abwechslungsreichen Welt natürlich auch ohne neue Fähigkeiten. Ein Levelcap, das bereits nach ca. 20 Stunden und gerade einmal 30 Prozent erforschtem Areal seinen Auftritt feiern kann, ist allerdings mehr als unsinnig.

Abseits dieser eher unschönen Details entfaltet sich der Titel mit jeder Stunde wie eine wunderschöne Blüte. Egal ob man der wirklich einfallsreichen Geschichte folgt oder die Weiten des Ödlands durchforstet, ständig wird man durch neue Ideen, wahnwitzige Charaktere und ungewöhnliche Aufgaben überrascht. Die Suche nach Eurem Vater verwandelt sich schnell in ein Kampf um die Zukunft, bei dem Ihr selbst die Hauptrolle spielt. Geschickt gibt Euch der Titel Werkzeuge an die Hand, um Euer eigenes Spielerlebnis zu formen, bietet aber im Gegensatz zu Oblivion einen stringenten Storyfaden, der von der ersten bis zur letzten Minute fesselt. Fallout 3 verliert sich so trotz seines Open-World-Charakters nie in seiner oft grauen, aber doch lebendigen Welt, sondern führt Euch immer wieder sanft zur Geschichte zurück.

Am Ende sind es aber die leisen Töne, die schweren, moralischen Entscheidungen, die Fallout 3 zum Leben erwecken. Nichts ist eindimensional. Für jede Entscheidung gibt es gute und schlechte Gründe. Und noch einige darum herum. Oft müssen Schuldige und Unschuldige gleichermaßen leiden.

Ein kleines Beispiel: In einer Nebenmission sollt Ihr einer grausligen Gruppe dabei helfen, ihre Ansprüche zu sichern. Sie möchten in einem schicken Gebäude hausen, zu dem ihnen der Zutritt momentan verwehrt wird. Um die Aufgabe abzuschließen, könnt Ihr entweder die starrköpfigen Bewohner überzeugen oder aber die Sicherheitsmaßnahmen umgehen und so ein Massaker auslösen. Selbstverständlich sind nicht alle Mieter böse. Einige sind nur unwissend oder ängstlich. Wenn Ihr Euch für die Gewalt entscheidet, müssen auch sie leiden und sterben.

Selbst kurz vor Schluss, bei Eurer letzten Aktion, müsst Ihr eine Entscheidung fällen, die wie all Eure Handlungen die Gestalt der Endsequenz bestimmen. Maßgeschneidert auf Eure Spielweise, Euer Karma und Eure Figur liefert Bethesda zum traurigen Ende das richtige Crescendo für diese brillante Symphonie. Aber tut Euch selbst einen Gefallen: Wagt Euch hinaus, verbringt Stunden mit der Suche nach besonderen Waffen, Fähigkeiten und Bauplänen. Seht Euch die Ruinen von Bethesda an, macht eine Tour durch die Ghoulstadt Underworld, holt Euch einen Hund als ständigen Begleiter und kämpft mit Mutanten um das Capitol. Ihr werdet diese Momente nie vergessen.

Man kommt sich fast kleinlich vor, wenn man solch einem epischen Titel seine Fehler vorhält. Eine Handvoll Abstürze, minimale Ki-Bugs und Clipping-Fehler lassen sich natürlich nicht wegdiskutieren. Trotzdem ändern sie nichts an dem Spaß, der an jeder Ecke aus dem Bildschirm sprüht. Egal welche Version Ihr einlegt, die Macken, grafischen Defizite und Steuerungs-Probleme werden von der unglaublichen Welt, der pointierten Story und ihren liebevollen Charakteren gnadenlos hinweg gefegt. Könnt Ihr Euch entscheiden, solltet Ihr der PC Fassung den Vorzug geben.

Wer sich auf das Szenario einlässt und mit der ungewöhnlichen Mischung aus Rollenspiel und Ego-Shooter zurechtkommt, die sich übrigens mittels Schwierigkeitsgrad und V.A.T.S.-System Eurer Genre-Vorliebe anpasst, wird die nächsten Wochen also alles andere stehen und liegen lassen. Und da es Fallout 3 nicht nur gelingt, das fantastische Niveau der ersten Stunden zu halten, sondern zum Ende hin noch deutlich zu erhöhen, hat der Titel wie kaum ein anderer die Höchstnote verdient. Er mag trotz seiner Qualitäten nicht perfekt sein, doch er ist verdammt nah dran. Meine Weihnachtsferien sind auf jeden Fall ausgebucht: Fallout 3, Fallout3 und noch mehr Fallout 3.

Fallout 3 erscheint am 31. Oktober für die Xbox 360, die PS3 und den PC.

 

 

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