WII: House of the Dead: Overkill
Sega hätte keine bessere Plattform als Nintendos Wii für die erste House of the Dead-Heimkonsolen-Variante wählen können, schließlich wirkte das „Non-Gamer“-Spielzeug (Selbstdarstellung Nintendo) in den letzten Monaten auf viele Core Gamer selbst wie ein Untoter. Ständig neue Verkaufsrekorde, aber kaum vernünftige Spiele. Solch eine Bilanz sorgt für genauso viel Schrecken wie die Hunderten Zombies, die sich schleichend, schlurfend und beißend durch Overkill kämpfen.
Umso trauriger ist es, dass Sega wie bei ihrem zweiten, sehr umstrittenen Wii-Titel MadWorld auf eine Veröffentlichung in Deutschland verzichten muss. Die USK hat schlicht die Freigabe verweigert, wodurch der Titel stark indizierungsgefährdet ist und in kürzester Zeit aus den Regalen verschwinden würde. Doch wird sich der der Import lohnen? Eine erste Bestandsaufnahme.
Zwei Elemente fallen gleich nach dem Einlegen der Demoversion positiv ins Auge: Dem Entwicklerteam ist es wirklich gelungen, eine Optik auf die Beine zu stellen, die in dieser Form auf dem Gamecube nicht möglich gewesen wäre. Overkill begeistert gleich mit mehreren stimmungsvollen Next-Generation-Effekten und einem Detailgrad, der den schlechten Ruf der Konsole Lügen straft.
Unterstützt wird die optische Brillanz durch den Einsatz eines Grindhouse-Filters, der die trashige Inszenierung auf den Punkt bringt. Wie auf einer alten Filmrolle wirkt das Bild ausgeblichen und voller Kratzer. Etwa so, als hätte Regie-Virtuose und Grindhouse-Wiederentdecker Quentin Tarantino selbst den Pinsel geschwungen, taucht Ihr in die Welt eines billigen B-Movies ein und fühlt Euch schon nach wenigen Minuten wie zu Hause.
Die Story ist so banal wie unwichtig. Die Helden der anderen House of the Dead-Teile sind zurückgekehrt, um der gewaltigen Zombie-Bedrohung durch die Verteilung jeder Menge Blei Herr zu werden. Mit markigen Sprüchen quasseln sich Detective Washington und sein cooler Partner Agent G gleich in den ersten Minuten in die Herzen der Pulp-Fans. Während um sie herum die Hölle ausbricht und die zuckenden Leichen nach ihrem Hirn streben, sorgen sie mit derben One-Linern für Stimmung.
Um sich das untote Volk vom Leibe zu halten, besitzen beide Agenten zwei Waffen, jede Menge Mumm und unendlich viel Munition. Als Standard-Schießprügel muss ein dicker Revolver herhalten, der mit wenigen, satten Schüssen die Gegner in Leichenmus verwandelt. Detective Washington hat außerdem Zugriff auf eine Schrotflinte, während sein Kompagnon lieber auf eine Maschinenpistole setzt.
Während Ihr Euch allein oder gemeinsam mit einem Kumpel auf Schienen durch die Level bewegt, stolpert Ihr immer wieder über Upgrades, Verbandskästen und schicke Slowmotion-Specials, die Eure Metzelarbeit erleichtern. Im fertigen Spiel sollt Ihr sogar zwischen den Levels Eure Waffen verbessern können, um etwas Taktik ins Spiel zu bringen.
In unserer Demo konnten wir aber nur einen einzelnen Abschnitt unsicher machen - ein heruntergekommenes Krankenhaus, in dem jede Operation mit einer Lobotomisierung endete. Im Laufe der spaßigen 15 Minuten trafen wir so vor allem auf Pfleger, Krankenschwestern und Ärzte, die sich zuckend, kriechend und kratzend auf das Agenten-Duo stürzten. Allerdings nur, um im folgenden Kugelhagel Arme, Beine und Köpfe zu verlieren.
Illustriert durch schön schaurige Animationen, zum Beispiel der verzweifelte Versuch des untoten Packs, die Blutfontainen aus ihren Armstümpfen mit der freien Hand zu stoppen, wird der Titel seinem arcadigen Trash-Charme gerecht. Andere Gameplay-Neuerungen wie die dezente Veränderung des Blickwinkels funktionieren noch nicht ganz so gut, da man durch diese Aktionen an Zielgenauigkeit einbüßt.
Dafür macht es einfach einen Heidenspaß, die Menschenfresser in Zeitlupe in ihre Einzelteile zu zerlegen. Von den Endgegnern konnten wir uns leider noch keinen Eindruck machen, die Bilder sahen aber sehr viel versprechend aus. Aufgelockert wird das blutige Handwerk durch die Rettung unschuldiger Zivilisten und einen schicken Kombo-Meter, der den Wettlauf um den besten Highscore gehörig anheizt.
Bei einem Titel wie House of the Dead: Overkill verstehe ich die Jugendschützer nicht. Das Spiel ist so trashig und überzogen gemacht, dass man es gar nicht ernstnehmen könnte. Selbst wenn da Arme, Beine und Köpfe durch die Gegend fliegen. Natürlich sollten Kinder die Finger davon lassen, was daran aber wirklich jugendgefährdend ist, kann ich nicht verstehen. Da gab es in der letzten Zeit ganz andere Beispiele, die deutlich härter ausfielen und trotzdem ihren Segen bekamen.
Rein spielerisch bietet House of the Dead: Overkill keine großen Überraschungen. Fans der Thematik werden begeistert zugreifen und mit ihren Freunden jede Menge Splatter-Spaß haben. Vielen Spielern wird das Gameplay aber schlicht zu simpel sein, schließlich ist bei solchen Schlachtplatten oft nach wenigen Stunden das Ende der Metzelstange erreicht. Trotzdem schade, dass diese Trash-Perle ihren Weg nicht nach Deutschland findet. Schließlich ist sie ein Positivbeispiel für die grafischen Fähigkeiten der Konsole, die dank eines simplen Filters noch besser zum Tragen kommen. Overkill bietet inhaltlich alles, was Zombie-Liebhaber glücklich macht.
House of the Dead: Overkill wird von Sega nicht in Deutschland veröffentlicht. Im Rest Europas erscheint der Titel im Februar 2009.



