Lost Planet: Extreme Condition

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Capcom
Entwickler
Capcom
Genre
Shooter

Gesamtwertung

8/10

PC: Lost Planet: Extreme Condition

Herzlich Willkommen auf E.D.N. 3! Wir freuen uns, Sie auch diesen Monat wieder begrüßen zu dürfen und schwelgen noch in Erinnerungen an den wirklich gelungenen Ausflug zu Anfang des Jahres. Um Ihnen noch mehr Komfort zu bieten, wurden wichtige Details geändert. Die Koordination mit Maus und Tastatur sollte nun für Sie wesentlich einfacher sein und auch für Touristen, die einfach nicht loslassen können, haben wir eine Lösung gefunden: Xbox 360-Gamepad anschließen und schon kehren noch gar nicht mal so alte, aber herrlich kalte Flashbacks zurück.

Leider erreichten uns nach Ihrem Besuch auf unserem Planeten zahlreiche Beschwerden wegen Insektenbefalls in unseren Suiten. Wahrscheinlich haben Sie diese uns bereits bekannten Probleme selbst gelöst, denn das hierzulande als Akriden bezeichnete Ungeziefer war nur noch teils aufzufinden. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt: Auch in dieser Saison ist wieder mit extremen Insektenangriffen zu rechnen, Sie sollten das Schutz gewährende Spray also immer parat haben.

Aber auch wir müssen uns beschweren und zwar bei Ihnen: Was um alles in der Welt haben Sie hier angestellt? Überall wimmelt es nur so von Einschuss- und Detonationslöchern, hinzu kommt ein herber Unrat durch verkrustete Akriden-Rückstände sowie nicht beseitigte Patronenhülsen. Da wir Ihnen diesen Fall des Vandalismus wahrscheinlich nicht nachweisen können, belassen wir es bei einer Verwarnung.

Ansonsten bleibt alles beim Alten: Thermalanzüge zur kontinuierlichen Erhaltung des Lebens erhalten Sie an unserer Rezeption, Klettertouren sind dank Greifhaken nach wie vor kein Ding, frische Luft darf hingegen mit den allseits bekannten Vital Suits, also unseren „gut ausgestatteten“ Mechs, getankt werden. Die Einheimischen sollten allerdings wie gehabt ein kleines Problem darstellen, da diese von einer extremen Besessenheit gepackt und der Überzeugung sind, E.D.N. 3 würde ihnen gehören. Zu Ihrem eigenen Schutz erhalten Sie in der Hoteleigenen Waffenkammer natürlich ausreichend Ausrüstung, um eventuellen Schwierigkeiten vorzubeugen.

Wir können zum Schluss noch etwas Positives neben dem bereits erwähnten, größeren Komfort vermelden: Anfang des Jahres gab es am Aussehen unserer Szenarien noch etwas Verbesserungsbedarf. Die Restaurierungsarbeiten waren seit diesem Zeitpunkt in vollem Gange und wir dürfen nun voller Stolz verkünden, dass der so genannte „Lost Planet“ nun noch einen Tick besser aussieht, als es vor einigen Monaten noch der Fall war.

Nun hoffen wir, dass auch Sie uns wieder beehren werden!

Mit freundlichen Grüßen, Ihr Reise-Team.

Die Expedition in die Eiswüste

Keine Frage, unsere kleine Reise-Tour deutete bereits an, dass wir uns im Review mit der Konsolenumsetzung Lost Planet: Extreme Condition beschäftigen. Und nicht nur auf den ersten, sondern auch auf den zweiten Blick ist alles beim Alten geblieben: Nach wie vor liegt es mal wieder am Spieler, E.D.N. 3 von der schrecklichen Herrschaft der so genannten NEVEC zu befreien und nebenbei den im Prolog getöteten Vater zu rächen.

Dabei bedient sich der Spieler eines reichhaltigen Waffenarsenals, das vom normalen Maschinengewehr, über die durchschlagkräftige Shotgun bis zur Laserwaffe oder den Raketenwerfer reicht. Eines haben alle Schießprügel gemeinsam: Sie verarbeiten Akriden und Schneepiraten gleichermaßen zu „kaltem Buffét“. Und das in solch bombastischer Optik, dass man sich im wohl schwelgend im Traumland wiegt. Wer erst einmal Dutzenden Missiles ausgewichen ist, ehe man dazu kommt, selbst einen ruhigen Schuss abzufeuern, nur um danach alles in Schutt und Asche zu legen und nachfolgend wabernde Rauchschwaden zu durchstreifen, wird wissen, wovon die Rede ist.

Das ist ganz großes Kino auf dem PC – und das wird ausgerechnet über eine Konsolenumsetzung gesagt! Fast vergessen scheinen Ausrutscher wie Resident Evil 4, wenn man die Arbeit bedenkt, die in die Konvertierung des 360-Tiefkühlers gesteckt wurde. Ja, natürlich darf man mit Maus und Tastatur ran und wen wundert es da schon, dass sich das Ganze nun noch besser steuert als auf Microsofts Next Gen-Konsole. Alles klappt so wunderbar präzise: Nachladen, in Deckung gehen, der rettende Granatenwurf und Kletteraktionen mit dem Greifhaken. Bei Lost Planet auf dem PC alles kein Problem mehr.

Nur schade, dass Portierungen in den meisten Fällen auch alte Schwächen beinhalten. Diese liegen hier weniger bei der technischen Seite, sondern im Fluss der Geschichte. Ehe man sich erst einmal wirklich motiviert fühlt, Vater und Unterdrückung zu rächen, dauert es ein bisschen. Neue Figuren wie der von Anfang an unseriös wirkende Yuri Solotov werden eingeführt und bringen weitere Nebenstränge mit sich, die den anfangs noch überschaubaren Storyfaden unnötig verkomplizieren. Aber keine Angst, das erfrischend flotte Gameplay des Spiels fesselt für sich genommen schon genug. Flott deshalb, weil Euer Kälteschutzanzug regelmäßig Energieschübe in Form von Thermalenergie benötigt. Diese gibt es an über die Levels verstreuten Konsolen, kleinen Silos oder eben durch erledigte Gegner. Sinkt die Energieanzeige Eures Anzugs gen Null, ist der Kältetod nicht fern.

In den Eislandschaften des Spiels könnte es gar nicht wuchtiger knallen, so atemberaubend sind die Feuergefechte in Lost Planet. Ob nun zu Fuß oder im Vital Suit: Die Szenerien wirken überfüllt mit hochexplosiven Tonnen, Gegnern und Power-Ups. Verständlich also, dass jede Mission für sich ein kleiner Krieg mitsamt Schlachtfeld ist. Passend dazu treten Euch auch vereinzelt riesige Endgegner gegenüber. Enttäuschend ist allerdings, dass man sich bei Capcom hier zu sehr auf bloße Waffengewalt verlässt, anstatt herausfordernde Denkaufgaben walten zu lassen, um den Boss zu knacken.

So reicht leider einzig allein nur der schnelle Finger am Abzug und das richtige Timing. Absolutes Highlight ist aber dennoch der Kampf gegen den „Green Eye“, ein übergroßes Akridenmonster, dem man mit Daddy's Vitual Suit (ein Roboterkampfanzug) ordentlich Saures geben muss, dabei aber aufpassen sollte, vom extrem voluminösen, aber nichtsdestotrotz tierisch flinken Vieh nicht auf die Hörner genommen zu werden.

Bei all der Opulenz der Grafik solltet Ihr über einen mächtigen Rechner verfügen: Wirklich flüssig läuft Lost Planet mit hohen Details bei Euch nur, wenn Ihr einen flotten Dual-Core-Prozessor Euer Eigen nennen könnt. Gerade bei den oft meterhohen Bossgegnern ist ausreichend Rechenleistung vonnöten, da sich die minutenlangen Fights über teils große Areale erstrecken. Ein wirklicher Hingucker sind die Explosionen: Selten gab es in einem Spiel solch feurige Detonationen! Wer es richtig knackig will, spielt Lost Planet per DirectX 10 auf allerhöchstem Genuss, nur wenige Rechner können momentan jedoch dieses Leistungspotential erfüllen.

Überhaupt spielt Lost Planet optisch in der ersten Liga: Eine riesige Weitsicht, gelungene Animationen und...äh leider hier und da etwas matschige Texturen. Angesichts der restlichen Pracht kann man dieses Manko aber durchaus verzeihen. Und sobald man sich den Bombast-Sound von Lost Planet zu Gemüte führt, ist eh alles vergessen. Wer da kein Surround-System besitzt, verpasst einiges: Ständig kracht es irgendwo, über Euren Köpfen krabbeln Akriden an der Decke, Schneepiraten ballern aus allen Rohren auf unsere Position und inmitten dieses Gefechts befinden sich viele, viele gefährliche Fässer, die bei Beschuss explodieren.

Da Monogamie langweilig ist, dürft Ihr natürlich auch im Mehrspieler-Modus von Lost Planet ran – sofern Ihr passende Mitspieler findet. Bisher herrscht regelrecht Mangelware an Servern. Für einen solchen Top-Titel eigentlich ein trauriges Bild. Rutscht Ihr dann doch endlich in ein Match, ist aber eine satte Portion Spaß angesagt. Vor allem der Wechsel zwischen Kämpfen zu Fuß und Vital Suit-Duellen kann überzeugen. Darüber hinaus profitiert die PC-Version vornherein von zusätzlichen Bonuskarten, die es für Konsoleros nur als nachträglichen Download gab. Wenn sich jetzt nur mehr Spieler zu Online-Gefechten überreden lassen würden....

Das ist sie also, die optimale Umsetzung? Leider falsch gedacht. Auch Lost Planet: Extreme Condition hat die Portierungszeit nicht genutzt, alte Wogen zu glätten. Story und Handlung präsentieren sich nach wie vor einfacher, als sie es durch eingestreute Nebenstränge tatsächlich sind und auch kleine optische Patzer wie teils vorhandene Wischiwaschi-Texturen muss man hinnehmen. Und dann noch der Hardware-Hunger: Liebe Entwickler, nicht jeder Spieler hat einen topmodernen Rechenknecht zu Hause! Hohe Details bleiben daher Dual-Core-exklusiv.

Abseits dieser Mankos ist Lost Planet eine astreine Konsolenumsetzung geworden: Eine vorbildliche Maus- und Tastatursteuerung, verbesserte Grafikeffekte – vor allem Einschüsse und Lichteffekte sehen nun noch besser aus – sowie das, was schon vorher drin war, münden in einem umfangreichen Action-Spektakel, das seines Gleichen sucht. Aufgrund einiger kleinerer und größerer Mängel reicht es jedoch nicht für die Bestnote. Vor allem dem Multiplayer-Modus fehlen bislang einfach genug Spieler.

Leute mit einer Vorliebe für Gewalt an Insekten dürfen in den Laden schlendern: Die PC-Version von Lost Planet ist seit dem 27. Juni im Handel erhältlich.

 

 

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