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DIW-Studie

Donnerstag 4. September 2008, 11:38 Uhr DIW-Studie

Eine Forschergruppe von Professor Christian Wey, Leiter der Abteilung Informationsgesellschaft und Wettbewerb des DIW diw.de in Berlin, hat die Industriepolitik in der Telekommunikation in ausgewählten EU-Ländern unter die Lupe genommen und einen speziellen Indikator für den Telekommunikationssektor entwickelt. Danach erhalten Frankreich und Großbritannien die besten Bewertungen. Frankreich setzt konsequent auf die Unterstützung etablierter Unternehmen durch die Regierung, Großbritannien auf sehr liberale Arbeitsmarktbedingungen und hohe öffentliche Nachfrage nach Kommunikationsdienstleistungen. Im Gegensatz dazu fällt die Bewertung der Industriepolitik in Deutschland deutlich schlechter aus, hervorgerufen durch eine verhaltene öffentliche Nachfrage und eine unklare Ausrichtung der Wettbewerbspolitik. Auch Spanien und Italien schneiden besser ab als Deutschland. In Italien spielt nach der DIW-Studie die Infrastrukturhilfe eine große Rolle.

"Die Ära der Kupfernetze nähert sich ihrem Ende; für die neue Generation schneller Internetanschlüsse werden moderne Glasfaseranschlussnetze benötigt. In Großstädten ist es vergleichsweise billig, Haushalte an Glasfasernetze anzuschließen. Bereits heute verlegen City-Carrier wie NetCologne Hochleistungs-Glasfasernetze in Innenstadtlagen deutscher Großstädte. Experten bezweifeln nicht, dass sich in den Metropolen lebhafter Wettbewerb entwickeln wird. Was jedoch in der übrigen Republik passieren wird, ist derzeit völlig offen: Die großen Netzbetreiber wie die Deutsche Telekom halten sich zurück", so die DIW-Studie, die im Auftrag der Deutschen Telekom erstellt wurde.

Anders die Situation in den USA: "Die Amerikaner haben das Problem verminderter Investitionsanreize erkannt und durch schrittweise Deregulierung seit 2003 den Hebel umgelegt: Die Stoßrichtung der Politik in den USA liegt jetzt eindeutig auf Förderung von Innovationen und Investitionen", weiß der Österreicher Johannes Bauer, Professor an der Michigan State University Diese neuen Rahmenbedingungen würden Wirkung zeigen: "Die Branchenriesen Verizon und AT&T haben milliardenschwere Investitionsprogramme aufgelegt, um den Aufbau von Glasfasernetzen voranzutreiben. Sie lassen sich auch nicht von der konjunkturellen Eintrübung von ihrem Wachstumskurs abbringen. Hierzu gibt es auch keinen Grund: Beide Unternehmen haben kürzlich in ihren Halbjahresbilanzen solides Umsatz- und Gewinnwachstum vorgelegt", schreibt das DIW.

Der neue Regulierungsrahmen in den USA finde auch in Europa erste Nachahmer: Anfang August entschied die spanische Regulierungsbehörde CMT Branchenprimus Telefónica von der Verpflichtung zu befreien, ihr Glasfasernetz für Wettbewerber zu öffnen. Damit erfüllte die CMT eine wesentliche Forderung Telefónicas, die, wie andere Betreiber auch, Investitionen in Glasfasernetze von verlässlichen, investitionsfreundlichen Regulierungsbedingungen abhängig gemacht hat.

Auch Arnulf Heuermann, Managing Director bei der auf Telekommunikation spezialisierten Beratungsfirma Detecon www.detecon.com/de, plädiert dafür, alle Möglichkeiten zu nutzen, um Anreize für Investitionen zu schaffen: "Der Appetit auf Bandbreite wird weiter zunehmen, wer nicht über schnelle Internetzugänge verfügt, verpasst den Anschluss". Heuermann zeigt auf, dass es eine ganze Reihe von Möglichkeiten gibt, den Aufbau von Glasfaserinfrastruktur zu fördern: Ein Vorbild könne die Reform des Regulierungsrahmens in den USA sein.

Zudem sollten die Kommunen in die Pflicht genommen werden: Die Kosten für den Ausbau von Glasfasernetzen könnten deutlich gesenkt werden, wenn Telekommunikationsunternehmen bestehende Rohrkapazitäten von Wasser, Abwasser, Strom oder Gas nutzen könnten. Auch Mobilfunk-Technologien könnten insbesondere in ländlichen Regionen genutzt werden, um Breitbandversorgung sicherzustellen. Dies setzt allerdings voraus, dass Rundfunkanstalten Frequenzen an die Mobilfunker abtreten.

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