FaceBreaker

Review
Plattform
PS3
Vertrieb
Electronic Arts
Entwickler
Electronic Arts
Genre
Andere
PS3: FaceBreaker

Gesamtwertung

6/10

PS3: FaceBreaker

“Lets get ready to rumble“ sagt Electronic Arts mittlerweile gleich zweimal. Einerseits hat man die realistische Fight Night-Reihe im Angebot, die mit ihren knallharten Kämpfen die Box-Fans begeistert. Neu im Sortiment ist FaceBreaker. Klingt schon vom Namen her eher weniger realistisch. Und das ist es auch nicht, schließlich hauen sich hier im Comic-Stil gehaltene und zugleich völlig überzeichnete Recken gegenseitig in die Fresse.

Überzeichnet beschreibt sie aber keineswegs ausreichend genug. Sie sind zudem recht klischeehaft gestaltet worden und unterscheiden sich deutlich voneinander. Der Brite Spin trägt beispielsweise Hose sowie Boxhandschuhe mit der Flagge des Vereinigten Königreichs – könnte glatt aus einem Bond-Film stammen – und einen Kopfhöhrer um seinen Hals. Ganz im Gegensatz dazu steht Molotov, ein muskelbepackter und riesiger Russe, der obendrein einen Gürtel mitsamt Granaten um seine Hüften befestigt hat. Noch mehr Skurillitäten gefällig? Dann steigt doch mit einem ebenso muskulösen Voodoo-Priester oder einem Affen in den Ring.

Gesetz dem Fall, dass Euch keiner dieser vorgefertigen Kämpfer ansprechen sollte, müsst Ihr nicht gleich den Kauf abschreiben. Man darf nämlich nach Belieben seinen eigenen Boxer wunschgemäß formen. Dafür sorgen neben mehr als 60 Schiebereglern, einer vollen Farbpalette und diversen Kostümen auch die Fotos, die man via Xbox Live Vision Kamera oder PlayStation Eye einscannt und somit ein virtuelles Ebenbild von sich erstellt. Das hat zum Beispiel EA Sports' Chef Peter Moore getan, mit dem man die Konkurrenz aufmischen darf.

Was den Spielablauf angeht, hat sich im Vergleich zu unserer Vorschau (eurogamer.de)vom August kaum etwas getan. FaceBreaker lässt sich nach wie vor am besten mit Spielen vom Schlag eines Street Fighter oder Soul Calibur vergleichen und legt dabei ein rasantes Tempo vor. Wer die Steuerung nicht genau beherrscht und die Schwächen seines Gegners herausfindet, liegt schneller auf dem Boden als ihm lieb ist.

Hat man jedoch herausgefunden, wo die Kontrahenten verletzlich sind, haut man sie recht schnell von den Beinen. Und das ist gleichzeitig einer der Schwachpunkte von FaceBreaker. Die namensgebenden FaceBreaker beenden eine Partie sofort, wenn man diesen Spezialangriff erfolgreich durchführt. Dummerweise kann das teilweise schon nach gerade mal 15 Sekunden passieren. Aber auch nur dann, wenn man zuvor seine Energieleiste am unteren Bildschirmrand durch erfolgreiche Schläge aufgefüllt hat. Dabei ist vor allem Eile, Vorsicht und Präzision geboten. Steckt man seinerseits einen Treffer ein oder wartet einen kurzen Augenblick zu viel, löst sich die gesammelte Energie sofort wieder in Luft auf.

Das funktioniert übrigens recht einfach, wenn der Gegner kurzzeitig benommen ist und man im Zuge dessen ungehindert auf ihn einschlägt. Sobald man wieder aktiv am Geschehen teilnimmt, bleiben einem in dem Fall meist nur noch ein bis zwei Abwehrversuche, um das Schlimmste zu verhindern.

Generell steuert sich FaceBreaker wie ein typisches Beat'em'up – blocken, schlagen, blocken, schlagen, ausweichen und so weiter. So viele verschiedene Moves wie im aktuellen Soul Calibur hat man allerdings leider nicht im Angebot, was die Kämpfe auf Dauer ein wenig zur Eintönigkeit verkommen lässt.

Immerhin haben sich die Entwickler einer Sache angenommen, die wir in der Preview-Version noch bemängelt hatten. Verlor man im Spielmodus „Schlag dich durch“ einen „Bosskampf“ um einen Gürtel, musste man sämtliche Vorkämpfe direkt wieder von vorne beginnen. Das ist jetzt erfreulicherweise nicht mehr notwendig. Stattdessen hat man die Möglichkeit, nach jeder Niederlage pro Widersacher bis zu dreimal eine Revanche einzufordern. Erst, wenn man diese drei Chancen vergeigt, geht es wieder mit dem ersten Gegner los.

Ein weiteres Problem von FaceBreaker ist, dass es alleine vor einem Bildschirm nicht sonderlich lange begeistert. Ein Wettstreit über Internet oder gemeinsam vor einem Fernseher sorgt da schon für mehr Freude. Dafür hat sich Electronic Arts sogar einen neuen Spielmodus namens „Couch Royal“ einfallen lassen. Hier können sechs menschliche Teilnehmer vor einer Konsole gegeneinander antreten – mit nur zwei Gamepads. Je nachdem, wer gerade der Herausforderer ist, wechselt der Controller den Besitzer. Der Sieger einer Runde bleibt indest stets im Ring stehen, bis sich der erste Kämpfer eine zuvor festgelegt Zahl an Köpfen verdient hat.

Was FaceBreaker wirklich von der Konkurrenz abhebt, ist der Stil des Titels. Charaktere und Schauplätze erstrahlen in bunten, poppigen Farben, während das Nummerngirl mit tiefem Ausschnitt und äh.. großen Augen vor dem Start einer jeden Runde die Blicke auf sich zieht. Ebenfalls recht interessant anzusehen ist die Deformation der Gesichter. Dicke Lippen, geschwollene Augen, schiefe Kiefer und Blutergüsse sind keine Seltenheit, kommen aber leider nur in Nahaufnahmen und am Ende einer Runde richtig zur Geltung. Spielerische Auswirkungen ergeben sich dadurch keine.

Überhaupt geht es in FaceBreaker härter zur Sache, als es der Comic-Stil anfänglich vermuten lässt. Das merkt man insbesondere, wenn bestimmte Charaktere zu ihrem Finishing Move ansetzen. Während manche hier einfach nur zuschlagen, springen andere Kämpfer gerne mal aus zwei Metern Höhe auf das Gesicht eines am Boden liegenden Kontrahenten. Der bleibt dann garantiert am Boden liegen.

Nichtsdestotrotz wirkt alles wie aus einem Guss. Egal, ob es nun Charaktere, Schauplätze, die Action an sich oder die Menüs sind. Electronic Arts hat es geschafft, das Geschehen in einer in sich stimmigen Umgebung zu realisieren, bei der man zu keinem Zeitpunkt den Eindruck erhält, dass sie sich vielleicht zu ernst nehmen könnte. Denn genau das will FaceBreaker mit Sicherheit nicht. Wie schon vor gut einem Monat gesagt, ist das Spiel einfach eine Alternative für diejenigen, die es etwas lockerer, unbeschwerter angehen lassen wollen. Setzt man hingegen auf Realismus, wirft man seinen Blick wohl lieber wieder in Richtung Fight Night.

Es dauert eine gewisse Zeit, bis man sich in FaceBreaker eingearbeitet hat, die Aktionen der Gegner quasi voraussehen kann und sie ohne große Mühen auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Dennoch gibt es einige Kritikpunkte, die mich doch recht deutlich stören. Etwa die FaceBreaker, die meiner Meinung nach einfach zu mächtig und zu schnell erreichbar sind. Irgendwie ist es doch auch langweilig, wenn man nach einer halben Minute bereits als Sieger aus dem Ring steigt. In Kombination mit den wenigen Angriffsmanövern stellt sich nach kurzer Zeit schon eine gewisse Routine ein. Soul Calibur IV bietet da deutlich mehr Abwechslung.

Des Weiteren hat man für Solo-Kämpfer nur recht wenige Inhalte im Angebot. Es lassen sich zwar neue Arenen oder weitere Boxer freischalten, spannender werden die Kämpfe um den Gürtel dadurch jedoch nicht. Und zu guter Letzt ist die Geschwindigkeit der Kämpfe für meinen Geschmack fast schon einen Tick zu schnell ausgefallen. Selbst auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad bekommt man manchmal mehrere Treffer am Stück reingewürgt, ohne angemessen reagieren zu können.

Vor allem Einsteiger werden somit ernsthafte Probleme bekommen. Zumindest so lange, bis sie alle Kniffe beherrschen und sich dann über die mangelnde taktische Tiefe beschweren.

FaceBreaker ist seit heute für Xbox 360 und PlayStation 3 erhältlich. Eine Wii-Version namens FaceBreaker K.O. Party folgt im November. Eine Demo der 360- und PS3-Fassungen wartet auf dem Xbox Live Marktplatz und im PlayStation Network auf Euren Download.

 

 

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