Gesamtwertung8/10 |
Die ersten Stunden mit Viva Piñata: Chaos im Paradies werden Euch vertraut erscheinen. So vertraut, dass Ihr Euch fragen werdet, wo denn eigentlich per Definition das Update aufhört und ein wirklich neues Spiel beginnt. Springt Ihr gleich in einen neuen, ungemachten Garten und legt los mit dem Beackern, Anpflanzen und Anlocken der Pinatas, werdet Ihr vielleicht sogar auf die Packung schielen, nur um Euch zu vergewissern, dass hier nicht etwas doch Teil eins aus Versehen in der Xbox liegt.
Ihr sitzt auf einem kleinen Strecken Land, ein stellenweise etwas zu hilfreiches Tutorial weißt Euch in die grundlegenden Aufgaben der Bepflanzung des Ackers ein und nach und nach trollt eines der inzwischen berühmten Papier-Bonbon-Monsterchen durch die Landschaft. Habt Ihr die richtigen Früchte angebaut, werden sie verputzt und Ihr seid um einen neuen Bewohner reicher. Niedlich. Zwanglos. Harmlos. Schön.
Die Kunst des Gameplays liegt immer noch im Spieltempo und daran hat sich nichts geändert. Es liegt wie eh und je in Eurem Ermessen, ob Ihr die Aufgaben und Herausforderungen verfolgt, neue Piñatas lockt, bestimmte Exemplare per Frachtpost zu Parties schickt – wo sie ohne Zweifel verputzt werden –, Euch halt richtig reinhängt. Oder Ihr lehnt Euch einfach nach hinten, kümmert Euch ein wenig um die Verschönerung der Landschaft, beobachtet Eure Tierchen und genießt die immer noch hinreißende, wenn auch praktisch gegenüber Teil eins nur minimal aufgehübschte Optik.
Die Freiheit der Spielweise, das „können, aber ganz selten nur müssen“ blieb erhalten. Der Plot beginnt düster genug damit, dass die Piñata-Daten zerstört werden und all den Papierviechern Unterjochung droht – es macht alles auf irgendeine Weise Sinn, glaubt mir –, nur merkt Ihr ab der ersten Spielminute praktisch nichts mehr davon. Alles ist so hübsch, bunt und kindgerecht wie eh und je. Sollte Rare irgendwelche Zweifel an seinem Spielprinzip gehabt haben, sie behielten sie für sich.
Glücklicherweise räumten sie bei der Benutzerführung ein wenig auf und nur der Einkauf geriet noch immer etwas umständlich. Nach wie vor gibt es kein Inventar, aus dem heraus Ihr einfach neue Pflanzen und Gegenstände verteilt. Jedes mal werdet Ihr in den Shop zurückgeschickt. Nervig. Das Pflanzen neuer Sträucher und Blumen geriet zügiger, Eure Schützling in Garten aufzustöbern fällt leichter, hier und da ein paar kleine Feinheiten, die das grundsätzliche Interface unberührt ließen. Es mag nicht viel sein, aber die ein wenig griffigere Bedienung wirkt ein kleines Wunder bei einem Spiel mit diesem Grad an Mikromanagement. Einfach gesagt spielt sich Chaos schlicht zügiger als der in diesem Bereich etwas holprige Vorgänger, Raum für Verbesserungen lies sich Rare aber leider immer noch offen.
Die Zahl der neuen Pinatas fällt dabei relativ wenig ins Gewicht. Sicher, es ist immer toll, irgendeine Ausgeburt des absolut Niedlichem aus den Büschen turnen zu sehen, die Umgebung zu erkunden und schließlich ein anderes Schnuffig zu verspeisen, bevor es sich heimisch niederlässt. Solltet Ihr aber auf eine komplett neue Menagerie gehofft haben, könntet Ihr im Angesicht der gerade mal ca. 30 frischen Viecher ein wenig enttäuscht werden. Die Gesamtzahl stieg damit auf etwa 100 und lediglich die Tatsache, das Ihr ein paar davon in Großwildjägerart in fernen Ländern fangen müsst, bringt einen Hauch von Eigenständigkeit.
Auch wenn es der Idee, ganz friedlich kleinen Tieren einen Lebensraum anzubieten und sie zu überzeugen statt zu zwingen, zuwiderläuft. Ein Arktis- und Wüstenareal, ganz ohne die Möglichkeit der Gartenarbeit, lässt sich besuchen und die dort heimischen Pinatas mittels einer Falle in Euren Garten entführen. Sofern sie dort dann geeignete Lebensbedingungen vorfinden, werden sie heimisch, anderenfalls wandern sie orientierungslos durch den Garten. Zurück in ihre eigene Heimat können sie nicht. Was wohl Tierschützer zu diesen Entführungen sagen würden?
Egal, das „Catch em all“-Prinzip zieht immer und ein klein wenig Abwechslung bringen die Ausflüge. Und zwei neue Bodenarten, Eis und Sand, sorgen ebenfalls für optische Aufhellung in den sonst so immergrünen Gärten. Die Möglichkeit, zwei weitere Gärten in fremden Klimazonen anzulegen und parallel laufen zu lassen, hätte ich aber weit spannender gefunden. Vielleicht nächstes Mal.
Ein Stolperstein auf dem Weg zum Kindererfolg des ersten Teils mag es gewesen sein, dass die Vertreibung böser Piñatas stets ein waches Auge erforderte und die Münzen für ungehemmte Bautriebe immer ein wenig zu knapp waren. Jüngere Spieler wurden von der Optik angelockt, aber vom alles andere als leichten Verdienen der Schokomünzen abgehalten. Diesen Fehler begeht Chaos im Paradies nicht. Neben dem Story-Modus mit stellenweise recht knackigen Aufgaben und der immer knappen Geldbörse steht der freie Modus zu Auswahl.
Praktisch unbegrenzte Ressourcen, Pinatas wie und wo Ihr wollt, Euer Kontrolle ist absolut. Ihr mögt kein sauren Piñatas? Fein, setzt keine aus. Tausend Apfelbäume sind Euer Traum? Ihr seid Freaks, aber kein Problem. Wenn man dieser Spielweise etwas vorhalten kann, dann höchstens, dass sie ein wenig den Spaß an den Entdeckungen im Hauptspiel verderben kann. Warum sich alles hart erarbeiten, wenn es um die Ecke alles umsonst gibt. Trotzdem und gerade für ganz Junge oder ganz Ungeduldige stellt das freie Spiel einen wunderbaren Zeitvertreib dar.
Einer, den Ihr endlich nicht nur allein genießen könnt. CoOp ist das Zauberwort, denn ein Gegeneinander wäre wohl doch zu abwegig gewesen. Obwohl, Echtzeitstrategie mit Pinatas... Nein, CoOp gibt es, On- und Offline. Wobei Ihr letzteren Modus am besten schnell wieder vergesst oder höchstens nutzt, damit ein Gast nicht ganz beleidigt herumsitzt, während Ihr am Garten schraubt. Ihr spielt beide zwangsläufig auf dem gleichen Screen und kommt Euch permanent ins Gehege.
Online sieht die Welt ganz anders aus. Einer kümmert sich um die Scholle, während der andere als Großwildjäger neue Piñatas herbeischafft. Einer pflanzt, der andere hantiert mit den Streithähnen. Viel der Arbeit lässt sich teilen und weit schneller als alleine wird Euer Garten zu schönster Pracht erstrahlen. Solltet Ihr nur auf dieses Feature gewartet haben, reicht man es Euch solide und ohne große Umschweife. Funktioniert. Klasse.
Die mageren Onlinefunktionen des Vorgängers blieben natürlich ebenfalls erhalten. Wie gehabt könnt Ihr Pinatas eintüten und über den Globus an Freunde verteilen. Sie werden Euch für die Pakete mit raren Papiertierchen ewig danken und können Euch nun im Gegenzug ein wenig bei der Gartenarbeit helfen.
Über ein komplett neues Feature, die Piñata Vision Cards, kann ich leider nichts sagen. Ich habe keine. Der liebe Publisher wählte den knauserigen Weg, schickte uns einen beschrifteten Rohling mit dem Label „Review-Version“ und das war's. Es soll in der richtigen Packung und später auch im Einzelhandel Karten geben, die Ihr über die Live Vision Kamera lesen könnt und dann... tja, keine Ahnung, Ihr sollt die Gegenstände und Pinatas auf der Karte auslesen und in Euren Garten importieren können. Ihr braucht nicht viel Vorstellungskraft, um zu erahnen, dass es hier ein paar super-rare Viecher geben wird, die sich nur in jedem geschätzten tausendsten Pack finden. Testen konnte ich es nicht, es wird wohl funktionieren.
Die Wertung von Viva Piñata: Chaos im Paradies fällt höher aus, als Ihr es vielleicht nach dem Text erwartet habt. Die Zeit konnte dem Spielprinzip praktisch nichts anhaben, technische Alterserscheinungen zeigen sich – noch – nicht und ich kann es Rare eigentlich nicht einmal verübeln, dass sie einen zweiten Versuch starten, ihren begrenzt erfolgreichen Underdog in den verdienten Hit zu verwandeln. Multiplayer und Feinschliff an allen Ecken könnten dabei vielleicht helfen. Wart Ihr also noch nie auf Piñata Island, dies ist die ultimative Version.
...wenn Ihr ignoriert, dass die nicht so wahnsinnig andere Erfahrung des ersten Teils Euch praktisch hinterhergeworfen wird. Der CoOp-Modus kann nur Online überzeugen, das Fangen der Pinatas bringt nichts Essentielles auf die Waage. Mehr Pinatas und Items sind toll, aber wir reden hier schließlich von einem Vollpreis-“Update“. Es bleibt eine phantastische Spielerfahrung – besonders und dank des Freien Spiels für die Kleineren –, aber irgendwie kann und will ich meine Enttäuschung nicht verbergen: Viva Pinata gehörte zu den innovativsten und überraschendsten Spielen dieser Generation. Chaos im Paradies dagegen ruht sich auf seinen Lorbeeren aus.
Viva Piñata: Chaos im Paradies ist ab dem 5. September für Xbox 360 zu haben.
Bei XBlaster ist die Welt, wie wir sie kennen, Vergangen- heit. Als Mechpilot kämpfst Du zur Belustigung der Menge und monatlich 10.000 € zum Spiel...
Viva Piñata: Trouble in Paradise im Test.
Was halten Sie vom neuen Spiel von Rare?
Teilen Sie Ihre Meinung mit anderen Yahoo!-Usern.