Resistance 2

Review
Plattform
PS3
Genre
Shooter
PS3: Resistance 2

Gesamtwertung

9/10

PS3: Resistance 2

Update: Lest auch unsere Resistance 2-Lösung mit allen Trophäen (eurogamer.de).

Es scheint unheimlich schwierig zu sein, das große Chaos und Drama hinzukriegen und gleichzeitig noch die Kleinigkeiten einer Geschichte zu erzählen. Sicher, Charakterentwicklung und interessante Nebenpersönlichkeiten sind schwerlich die Primärziele eines Ego-Shooters, aber der Sieg wäre so viel befriedigender, wenn ich meine Figur leiden oder wenigstens kennen würde.

Schon Resistance: Fall of Man wartete zum Start der PS3-Ära mit einem Soldaten auf, der es einem nicht leicht machte, einen Bezug zu ihm aufzubauen. Und auch in Resistance 2 bleibt Sergeant Nathan Hale sehr viel blasser als es eigentlich sein müsste. Wir sehen ihn in ein paar Zwischensequenzen und er redet am liebsten in kurzen Onelinern. Kurz gesagt: Er bleibt ein weißes Blatt mit ein paar aufgedrückten Klischees.

Die über weite Strecken präsenten Begleiter kommen sogar noch dreister daher. Sie füttern Euch mit kleinen Brocken möglicherweise interessanter Häppchen an inhaltlicher Tiefe, werfen hier einen Satz ein, dort eine Erinnerung. Nur damit diese nie wieder Erwähnung findet. Und als sie starben, war es egal. Einfach nur ein paar weitere, unbekannte Verluste am Wegesrand. Aber so ist das im Krieg halt manchmal.

Und dass Krieg herrscht, daran lässt Resistance 2 keine Zweifel aufkommen. Fühlte sich England noch ein wenig grau, trist und klein an, erfüllt Amerika – mit einem kleinen Zwischenstopp in Island – alle Klischees im positivsten Sinne: Größer. Schöner. Besser. Und zwar mit Großbuchstaben.

Vielleicht liegt es daran, dass die Programmierer aus den USA kommen und England nur von Postkarten des zweiten Weltkriegs kannten, aber Resistance 2 entfernt sich einen deutlichen und absolut positiven Schritt von „Zweiter Weltkrieg mit Mutanten“ weg.

Seien es ein waldiges Tal, eine Zombie-verseuchte Kleinstadt im Mittelwesten, die traurigen Reste von Chicago, ein Canyon in Utah oder die Sümpfe Lousianas. Lediglich der obligatorische Ausflug auf ein Mutanten-Mutterschiff bricht die dichte Atmosphäre, da Insomniac Games wieder einmal ihr angestammtes Terrain verließen und diesmal nicht einmal Postkarten als Vorlage hatten. Von dem Ausrutscher auf das erzgenerische Pseudoraumschiff abgesehen, überzeugt die Stimmung in allen Lokalitäten absolut und nimmt Euch trotz der Abwesenheit von persönlichen Bindungen zu den Protagonisten gefangen.

Euer grob geschätzt zwölfstündiger Trip durch ein Amerika, dessen Ende nahe ist - und das der Menschheit, wie wir sie kannten, auch –, führt durch epische Kulissen mit einigen wirklich turmhohen Gegnern. Schon der Einstiegslevel präsentiert Euch einen echten Behemoth, um den Ihr ameisengleich herumhuscht. Später steigert es sich zu urgewaltigen Monstrositäten. Und Resistance 2 geizt an keiner Stelle seiner Kampagne mit denkwürdigen Momenten.

Ein Kinosaal, in dem die schiere Masse heranstürmender Zombiemutanten Euch zu erdrücken droht oder die verzweifelte Flucht vor einem (beinahe) unzerstörbarem schwarzem Schwarm leiden aber trotz aller Intensität an einem häufigen gemeinsamen Problem. Resistance 2 schickt Euch gern und oft durch einen Trial-and-Error–Lernprozess.

Habt Ihr die falsche Waffe im Anschlag: Pech gehabt. Wagt Ihr Euch zu weit aus der Deckung vor, weil Ihr nicht wisst, dass irgendwo kurz dahinter 20 Feinde auf einmal getriggert werden: Pech gehabt. Überhört Ihr den praktisch unsichtbaren Chamäleongegner mit seinem billigen One-Hit-Kill: Pech gehabt. Zahlreiche und sehr faire Rücksetzpunkte mildern das Problem. Die innerhalb weniger Sekunden in Deckung erfolgende Heilung schwächt es ab und sehr vorsichtige Naturen können ihm auch größtenteils entgehen. Leicht reizbare und ungeduldige Spieler wird es trotzdem zu massiven Kraftausdrücken hinreißen.

Und umgehen dürft Ihr solche Passagen schon gar nicht. Persönlich habe ich kein Problem mit linearen und gradlinigen Shootern, die mir den Weg vorzeichnen und mich durch ein sauber geskriptetes Epos führen. Es garantiert den dramaturgisch gelungenen Aufbau und vermeidet jede Art von Leerlauf - für Resistance 2 übrigens ein Fremdwort.

Die allermeisten Begegnungen und Situation gerieten spannend und funktionieren auch nur, wenn Ihr kontrolliert zu ihnen geführt werdet. Anhänger der Open-World-Philosophien, die sich gerne beschweren, wenn die Häuser von GTA IV nicht betretbar sind, dürfen sich als gewarnt betrachten. Der Rest genießt einfach eine epische und actiongeladene Kampagne, die mehr als nur ein wenig für die trübe erste Runde von vor zwei Jahren entschädigt. Einen gelungenen Beitrag dazu leistet speziell das Waffensortiment.

Fällt die Auswahl eher mäßig aus, kann es trotzdem noch für ein gutes Spiel reichen. Für einen brillanten Shooter bedarf es allerdings eines besonders elaborierten Tötungsarsenals. Und selbiges bietet Resistance 2 auf jedem denkbaren Level. Über ein Dutzend Schusswaffen werden durch eine Handvoll Granaten abgerundet und jede einzelne lässt es richtig krachen. Ihr dürft zwar nur zwei gleichzeitig mitnehmen, aber es gibt praktisch keine Stelle, an der Ihr Euch nur schweren Herzens von etwas trennt. Schließlich wird das nächste Schießeisen mindestens genauso viel Laune mitbringen.

Jede Waffe verfügt über einen teilweise sehr geschickt ergänzenden Sekundärmodus, der beispielsweise schon die einfache Magnum in ein echtes Schmuckstück verwandelt. Die Kugel an sich sorgt schon für ordentlichen Schaden und wird eine normale Chimera niederstrecken. Und sie steckt auch immer noch im Leichnam, wenn zwei weitere Feinde vorbeihasten. Der alternative Feuermodus lässt das Geschoss explodieren und durch geschicktes Timing habt Ihr drei Gegner mit nur einem Schuss erledigt.

Andere Waffen stehen dem in nichts nach, während sie getimte Granaten verschießen, einen Energieschild aufbauen, beim Zielen die Zeit verlangsamen oder eine kleine stationäre Drohne aussenden. Selbst, wenn einiges aus dem Vorgänger bekannt ist – Bullseye, ich vermisste dich –, ist jede dieser Waffen doch ein Gewinner. Und das lässt sich nicht von vielen Shootern behaupten.

Genug Ziele für das stolze Arsenal finden sich an jedem Punkt. Die Variation der Feinde kann man zwar nur schwer über Gebühr loben. Die grob geschätzt zehn verschiedenen Sorten und Größen mit ein paar Texturabwandlungen entsprechen den Standards und auch die KI reißt nicht mehr als unbedingt nötig. Sicher, die Chimera hasten ganz gern von Deckung zu Deckung, echte Gruppentaktiken oder komplexe Umzingelungsmanöver scheinen Ihnen jedoch fremd. Dabei würde es sich doch bei Ihrer stets präsenten Überzahl geradezu anbieten.

Nicht selten stürmen mehr als zwei Dutzend Gegner auf Euch und Eure oft präsenten Mitstreiter ein. Die Größe der Schlachten reißt Euch mit und jedes Schlachtfeld wird mit Bewegungen, Dauerfeuer und Chaos erfüllt. Erstaunlich nur, dass die Chimera stets zu wissen scheinen, dass es nur einen wichtigen Menschen auf dem Platz gibt. Atmosphäre und Glaubwürdigkeit leiden ein wenig in solchen Momenten, in denen die Masse des Packs an den NPCs vorbeistürmt und direkt auf Euch zurennt. Insgesamt sind dies aber Kleinigkeiten, die wenig im Vergleich zu der generell und durchgehend hohen Qualität der Solokampagne wiegen.

Und dabei ist die Kampagne in Resistance 2 nur der (geringfügig) schwächere von zwei, bei diesem Titel praktisch gleichwertigen Teilen. Die Zeiten, in denen CoOp stiefmütterlich behandelt wird, sind glücklicherweise weitestgehend vorbei. Insomniac hebt es aber auf einen neuen Level, indem sie Euch keineswegs einfach nur die bekannte Solokampagne mit einem Freund an der Seite ein zweites Mal abwandern lassen.

Stattdessen warten auf Euch eine ganze Reihe eigenständige Abschnitte mit wechselnden Aufgaben, die offensichtlich auf Nebenschauplätzen des großen Kampfs des Helden ablaufen. In der Kleingruppe mit bis zu acht Spielern zieht es Euch in die gleichen Gegenden, nur schießt Ihr auf andere Sachen in einer komplett anderen Konstellation. In bester Squad-Shooter-Manier kann nicht jeder alles. Auf drei Klassen verteilt Resistance 2 das Werkzeug zum Überleben. Helfende Naturen nehmen den etwas schwächlichen Medic, über den sich jeder freut, sobald er von ihm wiederbelebt oder schneller geheilt wird.

An die vorderste Front gehört der Soldier mit seiner Minigun und deren Energieschild, zumal er unter Beschuss länger durchhält als die anderen Klassen. Der Spec Op mit seinem Marksman-Gewehr hält dagegen zwar nicht ganz so viel aus, verursacht in geschickten Händen jedoch den mit Abstand höchsten Schaden. Solltet Ihr Euch nicht so sicher sein, dürft Ihr jederzeit, sogar innerhalb einer Runde, den Beruf wechseln.

Das Erfahrungspunktesystem sorgt dafür, dass Ihr motiviert seid und charaktergerecht spielt. Punkte gibt es praktisch für alles. Spielt Ihr jedoch so, wie die Klasse es anbietet und setzt den Medic beispielsweise wirklich zum Heilen der Kollegen ein, staubt Ihr weit mehr ab als für Verzweiflungstaten mit seiner Handwaffe.

Die Punkte schalten die Berserk-Fähigkeiten frei, die wiederum je nach Klasse für eigene Spezialfertigkeiten sorgen. Heilung in einem großen Umkreis, eine Predator-artige Unsichtbarkeit oder ein Röntgenblick machen sich in jeder Lage gut. Besonders dann, wenn das Spiel seinen Schwierigkeitsgrad gemäß Eurer Gruppengröße und Fähigkeit anpasst.

Auf ein und derselben Map werdet Ihr schnell bemerken, dass aus der Handvoll Chimera, auf die Ihr zu zweit traft, schnell ein paar Raketen spuckende Titans wurden. Und alles nur, weil Ihr diesmal zu siebt da seid. Ausgesprochen geschickt sorgt Resistance 2 so stets für eine gute, faire Herausforderung und jede Runde variierte durch die neuen Faktoren ein wenig. Teamplay und Zugänglichkeit schließen sich hier nie aus, einen besser implementierten Modus für zwei bis acht Spieler müsst Ihr schon wirklich suchen.

In Bezug auf den großen Maßstab versprach Insomniac sogar noch mehr. Riesige Karten mit 60 Spielern gleichzeitig. Haben sie es geliefert? Ja. Absolut. Nicht unbedingt in den eher konventionellen Deathmatch-Modi und auch zum Start des 60-Spieler-Skirmish-Modus werdet Ihr es nicht immer gleich bemerken. Das liegt weniger an der schieren Größe der Karten, sondern daran, dass das Spiel Euch in kleine Gruppen packt und die Teams bestimmte Aufgaben erfüllen lässt.

Entweder auf Seite der Menschen oder der Chimera – die drei Klassen aus dem CoOp gibt es hier nicht – sollt Ihr bestimmte Punkte verteidigen oder angreifen. Ein Team auf der Gegenseite bekommt natürlich genau das Gegenteil als Auftrag. Im Verlauf des Gefechts bewegen sich diese Zielpunkte immer weiter an einen gemeinsamen heran, an dem sich dann schließlich alle treffen und die große Schlacht um alles anbricht. Und zwar wirklich mit 60 Leuten - ohne nennenswerte Hänger und Lags.

Auch sonst kann sich Resistance 2 technisch gut halten, ohne jedoch in die absolute Oberliga aufzusteigen. Nicht jeder Technikeffekt der letzten Jahre wurde hier ausgereizt und harte Techlover werden sicher eine Freude haben, die zum Beispiel nur mäßigen Motion-Blur-Effekte zu bekritteln.

Den Spieler aber stört so etwas herzlich wenig, wenn hoher Detailgrad, maximale Sichtweiten, riesenhafte Gegner und eine felsenfeste Framerate eine so schön anzuschauende Gesamtheit ergeben. Selbst, wenn es da draußen noch mehr an optischen Spielereien geben mag, mit Resistance 2 führt trotzdem jeder gerne seine PS3 vor.

Resistance 2 wurde das Spiel, dass Fall of Man hätte sein sollen. Ein Exklusivtitel, der Spieler zu einer neuen Konsole hinzieht. Der Solomodus allein wird dabei die Welt nicht verändern, dazu reicht es nicht, einfach nur sehr gut und sehr groß das zu machen, was andere davor schon taten - obwohl es trotz ein paar billiger Tode so viel Spaß macht wie hier. Es ist der Multiplayer, insbesondere der genial designte CoOp, mit dem sich Resistance 2 absetzt und zu wahrer Größe aufschwingt. Ob zu zweit, fünft oder mit den vollen 60 Spielern: Keine Runde ist wie die andere, jede macht Spaß und fordert stets auf Neue und Angenehmste.

Und diese Kombination aus sehr guter Kampagne zum Start und bewundernswertem Online-Modus für die folgenden Monate lässt sich ganz einfach zusammenfassen: Resistance 2 rockt!

Resistance 2 ist ab dem 3. Dezember exklusiv für PS3 und ungeschnitten in Deutschland zu haben.

 

 

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