X360: The Chronicles of Riddick: Assault on Dark Athena
Mit sonorer Stimme und einem markigen "Am Ende blutet jeder gleich" gibt Richard B. Riddick gleich zu Beginn die Marschrichtung von Assault on Dark Athena vor. Der Hybride aus Fortsetzung und Neuauflage besticht durch die gleichen intimen Nahkämpfe wie der Klassiker Escape from Butcher Bay. Mit allerlei Mordwerkzeug wird geschnitten, gestochen und durchbohrt. Blutige Striemen zeichnen sich an jeder Einstichstelle ab, mit einem satten Geräusch graben sich die gebogenen Dolche, das Kampfmesser und der Schraubenzieher in die Körper der Feinde. Auch 2008 sollten empfindliche Personen lieber einen dicken Bogen um das klaustrophobische Action-Spektakel machen.
Mit doppelt so viel Spielzeit, einer frischen Kampagne und einem umfangreichen Multiplayer-Modus empfiehlt sich die Quasi-Fortsetzung als packendes Blockbuster-Kino für den kleinen Bildschirm. In seiner wohl besten Rolle überzeugt der zynische Kopfgeldjäger mit seinem trockenen Humor und seiner "Fuck off"-Attitüde. Grafik-Engine und die erste Kampagne wurden zwar komplett recycelt, aber dank viel Liebe zum Detail und einer dichten Atmosphäre scheint der Titel seinem berühmten Vorgänger alle Ehre zu machen.
Und tatsächlich hinterlässt Assault on Dark Athena nach dem Durchspielen einer fünf Level umfassenden Preview-Version einen viel versprechenden Eindruck. Schauplatz der neuen Kampagne ist die namensgebende Dark Athena, ein Söldnerschiff. Die Mädels und Jungs kümmern sich allerdings nicht ausschließlich um entflohene Sträflinge wie Riddick, sie verwandeln auch Sklaven in willenlose Dronen. Fast wie die Borg, nur ohne kollektives Bewusstsein.
Riddick kann diese speziellen Widersacher an einem bestimmten Punkt selbst lenken, indem er sich auf den dafür vorgesehenen Kontrollapparat setzt und die Fernsteuerung aktiviert. Nach kurzem „Bootvorgang“ stapft man als Drone durch die Gänge und mäht etwaige Gegner nieder. Kippt die eigene Drone aus den Schuhen, schnappt man sich einfach die nächste – solange eben der Vorrat reicht.
Solche Szenen sorgen für Abwechslung im restlichen Spielablauf, der alles andere als eine wilde Ballerei darstellt. Riddicks Gesundheitsreserven sind nicht gerade die größten, weswegen ein heimliches Vorgehen oftmals eine sichere und sinnvolle Alternative darstellt. Kniet man sich hin, wird man im Schatten nahezu unsichtbar. Aus dieser Position heraus schleicht man sich unbemerkt von hinten an die Fieslinge heran und lässt seine Messerchen den Rest erledigen. Nun schnell wieder zurück in die Deckung gehuscht und dem nächsten Opfer auflauern. Bei dieser Stealthaction darf die besondere Fähigkeit seiner Augen natürlich nicht fehlen. Mit ihnen sieht Riddick in dunklen Abschnitten praktisch einwandfrei (vom lilafarbenen Schimmern mal abgesehen), muss sich im Umkehrschluss allerdings vom Licht fernhalten. Andernfalls blendet es extrem und macht ihn quasi blind. Daher einfach schnell wieder die Brille aufsetzen.
Wer will, kann es selbstverständlich auch mit der Haudrauf-Methode versuchen. Hier und da klaubt Riddick allerlei Waffen aus Waffenschränken, von Tischen oder dem Boden. Von der einfachen Haarnadel über Rohre und Messer, bis hin zu Maschinenpistole, Schrotflinte und Sturmgewehr. Haucht ein Kontrahent sein Leben aus, lässt sich die Leiche indirekt plündern. Munition und Schießprügel liegen dann wie auf dem Servierteller neben den kalten Knochen.
Selbst gefallene Dronen kann man nach ihrem Kurzschluss noch verwenden - als Schutz und Schießeisen zugleich. Da sie mit ihrem Gerät verbunden sind, packt sich Riddick den Körper mit der linken Hand und zielt mit der rechten. Kurzfristig eine gute Lösung, allerdings dauert es eine kleine Ewigkeit, bis man die Leiche zu einer anderen Position gezerrt hat.
Abseits der Schusswechsel ist sich der Furianer auch für einen Nahkampf nicht zu schade. Das geht ähnlich simpel von der Hand wie das Rumballern. Mit dem linken Trigger blockt man Schläge ab - wenn einem nicht gerade ein Muskelprotz gegenübersteht -, während der rechte Trigger einen Angriff auslöst. Die sicherste Methode ist, ruhig zu bleiben und auf den passenden Moment zu warten. Dieser ergibt sich stets kurz vor einer gegnerischen Attacke. Glänzt die eigene Waffe für einen kurzen Augenblick, sollte man zum Gegenangriff ansetzen und schaltet so die Wegversperrer oftmals mit einem einzigen Treffer aus.
Die Kopf-an-Kopf-Auseinandersetzungen geraten dabei zum besonderes intensiven Erlebnis. Kaum ein anderes Spiel setzt den Nahkampf so realistisch, so brutal um. In manchen Momenten fühlt man sogar ein wenig mit dem Gegner, wenn sich eine oder mehrere Schnittwunden von Riddicks Klingen nach einem Angriff über ihre Körper erstrecken. Aufgrund Riddicks Bewegungen wird dieses Feeling noch intensiviert. Riddick packt zum Beispiel seine Gegner, rammt ihnen die Klinge in die Brust und zieht sie noch ein Stück nach oben, bevor das Opfer leblos gen Boden sackt. Nicht so prickelnd: Aktuell hinterlassen noch einige abgehackte Animationen, im Speziellen Riddicks Hände, sobald dieser nach einem eigenen Schlag wieder blocken will, einen störenden Eindruck.
Prinzipiell wird man weitgehend dazu ermutigt, den stilleren Pfad zu beschreiten. Einerseits ist Riddicks bereits angesprochene und nicht gerade im Überfluss vorhandene Gesundheit ein guter Grund dafür. Andererseits zielen die Gegner recht gut und zwingen Riddick in einer Gruppe ratzfatz in die Knie. Die Munition der Waffen sollte man sich daher gut einteilen, da sie ebenso flott wieder verbraucht ist. Fair: Scheitert man mit wenig Lebenspunkten an einer bestimmten Stelle, füllt das Spiel diese nach einigen Versuchen nach und nach wieder bis zum Maximum auf. Reguläre Regeneration ist sonst nur an medizinischen Stationen möglich. Eine interessante Lösung, die im Wiederholungsfall zu unterschiedlichen Vorgehensweisen in identischer Situation ermutigt und letztendlich trotzdem nicht frustrierend ausfällt. Ein Kinderspiel ist Riddick dadurch dennoch zu keinem Zeitpunkt.
Wenn Riddick sich nicht gerade prügelt oder feindliche Soldaten über den Haufen schießt, klettert er durch die Gegend. Der (Anti-)Held mit der tiefen Stimme erklimmt so hin und wieder mal Kisten, Leitern oder Vorsprünge, an denen er sich für kurze Zeit á la Lara Croft entlanghangelt. Für weitere Auflockerung sorgen viele kleinere, aber auch größere Zwischensequenzen, die die Story rund um Riddicks Flucht voranbringen.
Optisch zeigt die verwendete Engine in Sachen Texturschärfe zwar öfter mal ein paar graue Haare, doch das stimmungsvolle Licht- und Schattenspiel macht diesen Schönheitsmakel wieder wett. Assault on Dark Athena hat einfach das gewisse Etwas, setzt zugleich stark auf Bump Mapping und erzeugt so realistisch anmutende Schauplätze. Insgesamt erscheinen die Umgebung und die Figuren dadurch glaubhafter und plastischer als in vielen anderen SciFi-Shootern, was der Atmosphäre sehr zugute kommt.
Einen Multiplayer-Part wird Assault on Dark Athena ebenfalls bieten, leider war dieser in der Preview-Version noch nicht anspielbar. Man darf sich aber auf traditionelle Modi und andere Varianten freuen, zum Beispiel „Pitch Black“. Fünf Söldner jagen Riddick in einer dunklen Umgebung, wobei lediglich ihre Taschenlampen ausreichend Licht spenden.
Wer Riddick erlegt, wird fortan selbst zum Gejagten. Klingt spannend, allerdings bleibt zumindest in diesem Punkt noch ein kleiner Unsicherheitsfaktor. Starbreeze hatte bei The Darkness anfänglich mit massiven Multiplayer-Problemen zu kämpfen. Lags beispielsweise. Hoffentlich hat man seine Lektion gelernt und macht es bei Riddick von Anfang an besser.
Verfechter einer guten Synchronisation wird es indes wahrscheinlich erfreuen, dass Atari auf eine deutsche Vertonung verzichtet und lediglich auf Untertitel setzt. Neben Vin Diesel hört man somit außerdem noch Lance Henriksen (Aliens), Michelle Forbes (Star Trek: The Next Generation, Battlestar Galactica), Wade Williams (Prison Break) sowie Morgan Sheppard (Star Trek VI, Transformers) im Original.
Ich persönlich zähle zu denjenigen, die Escape from Butcher Bay damals nicht gespielt haben. Umso mehr freue ich mich daher auf diese Mischung aus Remake und Fortsetzung, bekomme ich dadurch doch die Gelegenheit, den alten Teil gleich nebenbei in schicker Optik nachzuholen. Die fünf spielbaren Level aus Assault on Dark Athena hinterlassen einen größtenteils einwandfreien Eindruck. Und was noch wichtiger ist: Sie machen Lust auf mehr.
Wenn es Euch ähnlich wie mir geht und Ihr Riddick schon immer mal spielen wolltet, ist Assault on Dark Athena vermutlich genau das Richtige für Euch. Und auch für Besitzer des ersten Teils dürfte sich dieser Titel lohnen, zumal Atari neben dem Facelifting des Vorgängers mehr als zehn Stunden neue Spielzeit verspricht. Ob das Gesamtpaket letztendlich so weitestgehend makellos daherkommt wie es derzeit aussieht, wird erst der Test zeigen. Bei Starbreeze bin ich aber zuversichtlich, dass sie ein sehr gutes Spiel abliefern werden. Assault on Dark Athena ist jedenfalls mein persönliches Most-Wanted-Highlight für die nächsten Monate.
The Chronicles of Riddick: Assault on Dark Athena erscheint voraussichtlich im März für PC, PlayStation 3 und Xbox 360.




