Gesamtwertung7/10 |
Eigentlich bin ich ja der völlig falsche Mensch, um ein Mechspiel zu testen. Eigentlich hätte ich Tanjas Angebot aus moralischen Gründen ablehnen müssen. Eigentlich… Warum? Nun, als ich Battletech-Erfinder Jordan Weisman vor ein paar Jahren traf, verstand ich mich auf Anhieb gut mit dem Mann. Wir kamen ins Gespräch und diskutierten viel über die Reihe, ihren Weg vom Brettspiel zum Computer- und schließlich Konsolentitel. Zum Abschied versprach Jordan mir »Ich schicke Dir ein nettes Paket mit ein paar wirklich seltenen Battletech-Sachen. Nimm mich beim Wort, sonst darfst du alle Battletech-Spiele verreißen.« und notierte sich sogar meine Adresse. Das ist jetzt gut sechs Jahre her… gekriegt habe ich das Päckchen nie.
Gern rede ich mir ein, dass es wahrscheinlich noch irgendwo auf dem Atlantik treibt. Hilflos und allein. Wahrscheinlicher ist, dass mich Mister Weisman bereits vergessen hatte, als er um die nächste Ecke gebogen ist. Tja, jetzt müsste ich eigentlich MechAssault: Phantom War verreißen… Aber ich will nicht. Denn das allererste Mechspiel setzt auf dem DS tatsächlich Maßstäbe – auch wenn einige Macken übrig bleiben.
Renderintros sind auf dem DS ja mittlerweile nicht mehr so selten. Welche mit Sprachausgabe auch nicht. Aber dass das komplette Spiel durchgängig vertont und mit bewegten Bildern ausgestattet ist, hat tatsächlich Seltenheitswert. MechAssault: Phantom War versucht das Kunststück an die Vorlagen auf den »großen« Konsolen und dem PC anzuschließen. Bevor man als Mechkrieger im Cockpit seines Stahlkolosses Platz nimmt, wird man von einer für DS-Verhältnisse schmucken Introszene auf die Story eingestimmt. Dazu nur so viel: Ein Virus unterbindet die Kommunikation innerhalb der Reiche der inneren Sphären. Ein interstellarer Krieg droht und nur wir können das Universum retten. Reicht doch auch als Aufgabe für die nächsten paar Tage.
Und schon sehen wir unseren Mech von hinten, den wir in unser allererstes Gefecht schicken. Also los. Doch Moment, wie kämpft man mit dem Ding eigentlich? Wer mag, kann das dicke Fragezeichen auf dem Touchscreen anwählen und erfährt in ellenlangen Texten, was wie auszulösen geht, wie man Gas gibt und so weiter und so fort.
Schneller funktioniert es durch simples Ausprobieren. Per Steuerkreuz bewegen man sich vor, zurück, nach links und rechts. Die Y- und A-Tasten drehen den Torso, gefeuert wird per rechter Schultertaste. Mhhmm… reichlich gewöhnungsbedürftig. Vor allem das Torsodrehen, wodurch gleichzeitig die Ziele angewählt werden, ist ein unpräzise Angelegenheit. Der erste Bildschirmtod ereilt uns schnell.
Zwei Missionen und gefühlte 200 Versuche später reicht es mir. Ich mag nicht mehr! Die Missionen bis hier waren zwar spannend, ich sollte einen Panzer vor herannahenden Feinden schützen, doch die Torsodrehung habe ich immer noch nicht richtig drauf. Also ab ins Optionsmenü und oh Wunder, man kann sich auch eine deutlich intuitivere Methode aussuchen. Davon erwähnen weder das Handbuch noch die überlangen Hilfetexte etwas. Wohl dem, der mit dem Stift trotzdem einfach auf »Optionen« tippt.
Und auf einmal geht es. Ich steuere die Drehung nämlich einfach per Stylus, was deutlich präziser funktioniert und zudem auch noch intuitiver ist. Auch an Linkshänder wurde dabei gedacht. So lassen sich die gegnerischen Panzer, Elementals (gepanzerte Krieger) und natürlich Mech deutlich schneller und sicherer anvisieren und in Altmetall verwandeln. Ebenfalls per Stift schaltet man die Waffensysteme um und wählt diverse Abwehrmaßnahmen aus. So, jetzt geht das deutlich flotter von der Hand, MechAssault ich komme.
Okay, so ganz ideal ist die Steuerung immer noch nicht. Verdecke ich mit meinen Stiftfummeleien doch gerade den Teil des unteren Bildschirms, auf dem die Gegner als Radarblips angezeigt werden. Doch daran gewöhnt man sich schnell. Ab geht’s in die nächste Mission und dabei entdecken wir ein ganz neues Spielelement Denn ab und an müssen wir unseren Mech verlassen und zu Fuß Terminals ansteuern, die es zu hacken gilt.
Wie Hacken? Und wie geht das jetzt? Auch hierzu gibt es einen langen Text, doch der ist genauso unbezeichnend wie wirr formuliert. Doch unsere Aktion »Bildung mit Eurogamer« lässt Euch nicht im Stich und erklärt kurzerhand wie es funktioniert. Ihr müsst lediglich die über den Bildschirm huschenden Symbole per Stift anklicken und auf die Position bugsieren, die auf dem oberen Screen angezeigt wird. Das natürlich unter Zeitdruck, der teilweise nicht von schlechten Eltern ist. Versagen ist aber kein Verlust. Man kann dieses Code-Symbol-Spielchen so oft wiederholen, bis es endlich geklappt hat. Dann öffnen sich zum Beispiel versiegelte Tore und weisen den Weg in bis dahin unerreichbare Gebiete.
Manchmal muss man aber gar nicht umständlich Türen öffnen, um weiter zukommen. Denn einige Mechs können ein kleines Stück weit oder hoch fliegen. Das reicht nicht, um die unüberwindlich scheinende Wand zu bezwingen? An einigen Stellen tritt man einfach nah an die Mauer heran, springt hoch und aktiviert per Stift die Haltekralle. Dadurch bleibt der Mech in einer gewissen Höhe hängen, von wo aus er sich weiter nach oben arbeiten kann. Zum Glück hat man an solchen Stellen auch genug Zeit für diese etwas fummelige Methode, denn beschossen wird man in solchen Abschnitten nie.
Und noch was Trickreiches: Immer wieder stehen schon mal herrenlose Mechs in der Gegend herum. Die können wir jederzeit kidnappen. Dazu stelle ich meinen Mechkrieger in den extra gelb markierten Bereich davor, aktiviere das Übernahme-Icon und… muss vorher wieder so ein Symbol-Auswahl-Minispielchen absolvieren. Erst wenn ich das gewonnen habe, gehört der Mech mir. Aber diese Aktionen lohnen sich, und man besitzt so plötzlich einen dick gepanzerten Kampfroboter mit einem reichhaltigen Raketensortiment an Bord.
Insgesamt gilt es 24 Missionen zu absolvieren, nach jedem erfolgreichen Einsatz wird zwischengespeichert. Das wäre aber kaum nötig, denn wenn man den Dreh mit der Stylussteuerung einmal raus hat, sind die meisten Missionen nicht sehr schwer. Lediglich bei Kämpfen gegen fliegende Einheiten wird’s schon mal heftig, weil man denen per Stift oft kaum folgen kann. Spätestens nach sechs, sieben Stunden ist die Kampagne aber durchgespielt. Dann bleibt noch der Mehrspielermodus für bis zu vier Mechkrieger. Dooferweise muss aber jeder ein eigenes Modul besitzen (dafür ein Pfui) und Spiele über Internet, sprich Wiifi funktionieren auch nicht (Doppelpfui).
Optisch darf man natürlich auf dem Nintendo DS keine Wunder erwarten. Die 3D-Grafik ist systembedingt blockig und nicht so richtig detailliert. Um so erfreulicher, dass die Mechs trotzdem recht schick aussehen und elegant übers Schlachtfeld walzen. Sehr bemerkenswert: Das ganze Spiel ist komplett vertont – leider nur auf Englisch. Wer die deutschen Untertitel lesen will, braucht ein flinkes Auge. Hier hätte Eidos gut daran getan, die Version vollständig zu lokalisieren. Mir ging das Akkordgelese schnell auf die Nerven und habe deshalb einfach auf die englischen Anweisungen gehört. Wer das nicht kann, hat es deutlich schwerer.
Ehrlich gesagt, ich hatte mir von MechAssault nicht viel versprochen. Das Nintendo DS erschien mir dafür das falsche System zu sein. Doch was das Majesco-Team da raus geholt hat, ist recht bemerkenswert. Die Steuerung (die mit dem Stylus) ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber letztlich doch präzise. Es gibt eine richtige Story, mit vielen Cutscenes, was der Atmosphäre gut tut. Nur leider ist alles recht schnell vorbei. Wenn man dann mal zu viert antritt, sind die Mechgefechte auch zu mehreren eine spannende Angelegenheit, allerdings muss man erstmal drei Freunde finden, die auch das Spiel gekauft haben. Alles in allem nette Battletech-Unterhaltung. Bei einem zweiten Teil (und den wünsche ich mir) würde ich um etwas mehr Missionen und Story bitten… und Internet-Unterstützung.
Die Mechs walzen bereits jetzt schon über das Schlachtfeld
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MechAssault: Phantom War im Test.
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