Gesamtwertung8/10 |
Na das hat ja gedauert. Sollte Rainbow Six Vegas nicht ursprünglich bereits zum Release der PlayStation 3 in Deutschland erscheinen? Waren die Entwickler alle im Urlaub oder auf »Feldstudien« in der Stadt der Sünde? Jedenfalls wurde diese Umsetzung kein Rainbow Fix. Aber besser spät als nie und besser gut als schlecht. Denn, so richtig spektakuläre Action-Knaller sind für George Foremans Gemüsegrill… ääh Sonys Next Gen-Konsole bislang noch nicht erschienen. Doch das ändert sich mit dem Einsatz des Rainbow-Teams in Las Vegas.
Wie? Wo sind wir denn hier? Wo sind die glitzernden Lichter, wo die leicht bekleideten Mädels und wo die Haiwaihemd beschürzten Amis an den Spielautomaten? Statt Neonglitzer gibt’s zu Beginn in Rainbow Six Vegas nur eine heruntergekommene Stadt in Mexiko, als musikalische Untermalung irgendwelche nervige Mariachi-Musik. Das ist man schon froh, wenn einem zur Abwechslung mal ein paar blaue Bohnen um die Ohren pfeifen. Der Anfang der Solokampagne entspricht 1 zu 1 den Vorlagen von PC und Xbox 360. Größtenteils durchstreift man allein ein mexikanisches Terroristennest, das zudem als Tutorial dient. Und es kommt, wie es auch auf den anderen Systemen kommt: Die Mission geht schief…. Und in Las Vegas ist plötzlich der Teufel los.
Ab geht es mit dem Hubschrauber in die lasterhafte Wüstenstadt. An Bord bekommt man in Echtzeit immer die neuesten Infos und rüstet das Team auch gleich mit dem passenden Waffenequipment aus. MP, Sturmgewehr, Rauch- und Splittergranaten, alles dabei. Es werden keine Kosten und Mühen gescheut, unser Team adäquat auszustatten.
Das ist aber auch bitter nötig, denn in Rainbow Six Vegas bekommen wir es mit extrem kniffligen und cleveren Gegnern zu tun. Die sind alles andere als Kanonenfutter und versuchen gar schon mal unsere Truppe zu umgehen. Allerdings gilt auf der PS3 dasselbe wie auf PC und Xbox: Ist ein Raum geschlossen, bekommen die Gegner darin komischerweise von der Action draußen nichts mit. Ein Punkt zum aufregen? Nicht wirklich, denn man hat auch so selbst auf dem einfachsten von zwei Schwierigkeitsgraden genug zu tun, um sein Team heil durch die Einsätze zu bringen.
Apropos eigenes Team: Meist wird man von zwei Kollegen begleitet, die sich ganz geschickt anstellen. Nur sehr selten, meiner Meinung nach sogar einen Tick seltener als auf der Xbox 360, verhakeln sie sich an einer fiesen Ecke. Das kommt aber wie gesagt äußerst sporadisch vor und lässt sich leicht korrigieren. Per Knopfdruck rücken die Burschen, mittels Pad weist man ihnen die neue Position zu, und schon laufen die beiden los. Feinde nehmen sie dabei automatisch unter Beschuss.
Wird einer der Mitstreiter getroffen und geht zu Boden, kann man ihn per Spritze wieder ins Leben zurück holen. Allerdings nur, wenn die Aktion nicht zu lange dauert. Ansonsten verblutet er und es heißt tatsächlich Game Over. Danach geht es beim letzten Rücksetzpunkt von vorn los.
Auch unser eigener Held verträgt nicht unendlich viel Schaden. Allerdings gibt es nach wie vor keine Trefferleiste. Stattdessen wird das Sichtfeld immer verschwommener, je öfter man getroffen wird. Zu viele Treffer führen ebenfalls zum vorzeitigen Aus - unsere Kameraden können uns dummerweise nicht per Spritze zurückholen. Die Rücksetzpunkte sind, wie in den beiden anderen Versionen auch, zwar vor jeder großen neuen Herausforderung gesetzt. Allerdings liegen sie trotzdem meist viel zu weit auseinander. Das führt dazu, dass man oft nach Minuten vorsichtigen Vorrückens und Gegnerausschaltens noch mal spielen muss. Mich persönlich frustriert so was ungemein. Ich verstehe nicht, warum man kein freies Speichern eingebaut hat. Oder zumindest für die PlayStation 3-Version noch ein paar zusätzliche Punkte integrierte. Sehr ärgerlich!
Der Schwierigkeitsgrad ist nach wie vor recht hoch angesiedelt. Jeder Schritt will wohl überlegt sein. Forsches Voranstürmen wird sofort mit dem Tod bestraft. Die Terroristen befinden sich fast immer in Deckung, oder aber in einem gut gesicherten Raum. Der beste Freund ist auch auf der PS3 der L1-Knopf, mit dem man sich an Hausecken und hinter Vorsprüngen verbirgt. Per linkem und rechtem Analogstick kann man sich vorbeugen und entweder die Feinde gezielt unter Feuer nehmen. Oder aber blind reinballern, damit die Teamkollegen vorrücken können. Sehr schön: Man kriegt sehr schnell mit, wann einer der Terroristen gerade nachlädt. Das ist immer die beste Situation, um selber vorzuspringen und den Gegner zu beseitigen.
Ebenfalls sehr nützlich: Man kann mit einer Spionagekamera unter der Tür durchzulugen. Hier hat man auf der PlayStation 3 die Möglichkeit, die Sixaxis Bewegungs-Steuerung zu benutzen, um die Kamera zu bewegen. Doch diese Methode ist nicht nur gewöhnungsbedürftig, sondern unpräzise und bringt absolut keine Vorteile. Intuitiver und präziser funktioniert es über den rechten Analogstick.
Wer zu spät kommt… wird manchmal vom Leben belohnt. Zumindest wer sich beherrscht und auf die PS3-Version von Rainbow Six gewartet hat, darf sich über den zusätzlichen Inhalt der Red und Black-Packs freuen, die für die Xbox 360 separat angeboten wurden. Also gibt es hier von vornherein 20 Mehrspielerkarten und zehn Spielmodi, darunter die spannende Möglichkeit, zu viert die komplette Solokampagne durchzuspielen. Alle Erfolge werden online gespeichert, nach und nach bekommt man sogar neue Ausrüstung freigeschaltet.
Widmen wir uns der Grafik der PS3-Fassung. Die sieht der Xbox 360-Version zum verwechseln ähnlich. Was bedeutet, dass die Texturen immer noch sehr schön und stimmig sind. Allerdings matschen die Texturen beim Näherherankommen deutlich ein. Hier hat die PC-Fassung definitiv die Nase vorn. Und auf keinen Fall die 1080iger Auflösung wählen. Dabei ruckelt sich Sonys Next Gen-Konsole die Seele aus der Lade, und zu allem Überfluss flimmert das Elend auch noch. Dafür sind auf beiden Konsolen die Charaktere und Gegner etwas schicker und geschmeidiger gestaltet. An der einen oder anderen Stelle gibt es auf der PlayStation 3 allerdings mal einen kleinen Ruckler. Das passiert aber auch recht selten.
Etwas ärgerlicher: Manche Gegenstände poppen erst sehr spät auf. Zudem sind teilweise die Bloom-Effekte in allen drei Versionen deutlich zu übertrieben geraten. Und was ich gar nicht verstehe: Die Ladezeiten zur Xbox 360-Version sind absolut identisch, obwohl die PS3-Version angeblich den Festplattencache nutzt. Merkwürdige Sache das.
Rainbow Six Vegas ist und bleibt ein klasse Shooter, eben gerade weil es kein reinrassiges „Ziel drauf und knall es ab“-Spiel ist. Hier braucht man wirklich mal Köpfchen, muss stets den besten Weg auswählen und hat immer wieder genügend Freiraum, um mit der eigenen Taktik ans Ziel zu gelangen. Allerdings, und das habe ich ja schon ausführlich erklärt, geht mir das Speicherpunktesystem gehörig auf den Zeiger. Freies Speichern wäre deutlich spielerfreundlicher. Zumindest hätte man für die PS3-Version diese Punkte enger zusammenlegen können. So kommt es immer wieder mal zu Tobsuchtsanfällen, wenn mal irgendwo einen Gegner übersehen hat, oder man todmüde morgens um halb drei eigentlich ins Bett will, aber noch zehn Terroristen wegknipsen muss, bevor der Spielstand das nächste Mal gesichert wird.
Deshalb - und in Anbetracht der technisch etwas schwächeren Version - neige ich zu einem kleinen Abzug in der Wertung. Obwohl natürlich ansonsten nichts gegen die 9 spricht, die Rainbow Six Vegas auf der Xbox 360 erhalten hat. Das sind aber auch auch tatsächlich die einzigen Mankos. Für mich ist Rainbow Six Vegas definitiv das mit Abstand beste Action-Spiel für die PS3.
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