Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Disney Interactive
X360: Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian

X360: Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian

Ich mag meinen A-Knopf auf dem Pad. Den B-Knopf auch, aber eigentlich ist mein Liebling A. Er ist leicht erreichbar, ein treuer Diener in allen Spielen und lächelt mich in freundlichem grün an. Und deshalb spiele ich Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian nicht ganz so gerne.

Nicht weil Travellers Tales, die Schöpfer der hinreißend charmanten Lego-Spiele, den A-Knopf ignoriert hätten, sondern ihn weit über die Gebühr beanspruchen. So sehr, dass Ihr durchaus Sorgen haben müsst, er könnte nach dem Durchspielen vielleicht einfach nicht mehr ganz der Alte sein. So viel sinnloses Buttonsmashing habt Ihr noch nie in einem einzigen Spiel erlebt.

Es sind nicht einmal die Kämpfe, sondern die Schalter und Kisten. Jede Kiste, derer nicht gerade wenige in Narnia verteilt wurden, müsst Ihr erst mit B greifen und dann durch zwanzigmaliges Drücken auf A öffnen. Hebel finden sich noch mehr und verlangen das gleiche Prozedere. B greifen, A bearbeiten. Immer und immer und immer und immer wieder.

Als Abwechslung bei derlei Aktionen wird ein interessanter Wechsel angeboten, sobald es darum geht, eine Brücke mit einem Enterhaken zu sich zu ziehen. Hier drückt Ihr erst A und dann endlos B. Wahrscheinlich stellte Travellers Tales irgendwann fest, dass kein normales Pad eine Runde Prinz Kaspian überstand und musste die Last ein wenig verteilen.

Wiederholung ist dann auch das große Motto für das Spieldesign an sich. Sechs große Areale unterteilen sich in jeweils drei bis vier Sublevel, in denen Ihr meist eine recht spezifische Aufgabe bekommt. So müsst Ihr bei einem Angriff auf eine Burg eine Reihe von Wachtürmen einnehmen, bevor es den Wächtern gelingt, Warnglocken zu schlagen und so Eure Mission zu vereiteln. Beim ersten Mal noch reizvoll, lässt die Aufregung beim zweiten, fast identischen Turm nach. Und beim fünften übernahm die Routine längst das Ruder.

Dabei sind einige der Rätsel nicht einmal wirklich schlecht, selbst wenn es sich meist nur darum dreht, einen Hebel zu finden und einen neuen Weg zu öffnen. Ein paar Dunkelheitsbarrieren hier, ein kleines Spiegelrätsel da, nichts, was die Welt des Action-Adventures weiterbewegen wird, aber doch grundsolide. Wenn es sich nur nicht permanent und in direkter Folge wiederholen würde!

Eine Aufgabe ein paar mal über ein ganzes Spiel zu verteilen, ist eine Sache und die meisten Entwickler praktizieren solches Recycling. Euch aber drei bis fünf Mal hintereinander ein und dieselben Arbeitsschritte vorzusetzen, verwandelt es in genau das: Arbeit statt Spaß. An einer Stelle gilt es, eine Schlucht zu überqueren. Dazu müsst Ihr eine Kurbel und einen Heben finden und nutzen. Beim ersten Mal ist es das Übliche. Beim zweiten Durchgang direkt danach hatte ich ein Gefühl von Deja Vu, und als direkt im Anschluss es noch einmal verlangt wurde, blieb kein Spaß mehr übrig.

Ähnliche Szenen wiederholen sich häufig genug und was Euch beim ersten Anlauf erfreute, wird durch die direkte Wiederholung schnell schal. Und es ist jetzt nicht gerade so, dass die Rätseln und Aufgaben an sich große Ansprüche stellen würden. Prinz Kaspian lässt Euch stets wissen, dass die Zielgruppe von zwischen 8 und 15 Jahre alt ist und relativ genaue Kenntnisse aus Buch und Film mitbringt.

Dann wird es Euch auch freuen, dass gleich zu Beginn die Belagerung der Burg durch die Telmarer und der Niedergang Narnias in einer epischen Schlacht ausgespielt werden. Auch einige andere Stellen zeigen manches ausführlicher als der Film, wenn Ihr Euch auch nicht immer des Verdachtes erwehren könnt, dass dies weniger aus künstlerischen Aspekten geschah. Mehr ging es wohl darum, ein wenig Strecke zu produzieren. Denn so schick wie der erste Abschnitt geriet keine der weiteren Ausführungen.

Solltet Ihr die Vorlagen nicht kennen, wird es Euch nicht gerade leicht fallen, die mit großen Handlungssprüngen zusammengeschnittenen Filmszenen in einen sinnvollen Kontext zu bringen. Da ist was mit einem Königreich, seltsamen sprechenden Tieren, Barbaren mit osteuropäischem Akzent und vier Kindern, die Potter-Style plötzlich in dieser Fantasywelt landen. Bis zum Schluss reimt Ihr Euch vieles zusammen. Trotzdem bleiben große Lücken, die durch die andren Medien zu füllen sind.

Nicht nur das große Ganze bleibt etwas dunkel, auch einzelne Aufgabenstellungen werden erst dann wirklich klar, wenn Ihr sie erledigt habt. Die meiste Zeit gibt es keine Zweifel, was gerade zu tun ist. In anderen Momenten hilft nur das permanente Schielen auf die kleine Karte, ob dort vielleicht ein Hinweis gegeben wird, wie denn jetzt das Missionsziel gemeint sein könnte. Gerade bei dem Kinderanspruch der Zielgruppe könnte dies für ein paar Frustmomente sorgen.

Der Kampf dagegen sollte Euch vor solchen recht sicher verschonen. Spätestens sobald Ihr verstanden habt, dass die epischen Schlachtfelder mit gefühlten Hundertschaften auf beiden Seiten wenig mehr sind als ein Hintergrundgemälde. Ihr dürft das Gewusel nicht nur ignorieren, Ihr müsst es sogar, denn sich hier durchzumetzeln würde Euch keine Vorteile bei den eigentlichen Aufgaben bieten und nur die Lebensenergie verschleißen. Ihr sollt Euch um Schlüsselstellen kümmern. Zerstört ein paar Kriegsmaschinen, erledigt eine Gruppe von Bogenschützen oder benutzt einen Riesen als Reittier. um ein paar Säulen zum Einsturz zu bringen.

Es ist schon ein deutlicher Atmosphäreeinbruch, wenn Ihr Euch einfach so durch das Gemetzel mogeln könnt, ohne dass das die Feinde groß stören würde. Ihr selbst werdet am Ende aber sowieso wenig Lust auf eine Konfrontation haben. Ihr schlachtet mit Euren gerade mal zwei Angriffen wild durch die Massen, ohne genau zu sehen oder zu wissen, wen Ihr gerade trefft oder was passiert. Augen zu und durch. In den koordinierteren Adventure-Abschnitten zeigen sich die Mängel des Kampfes noch deutlicher.

Alle Animationen wurden fertig eingetütet und auf Knopfdruck abgespult - ob es nun passt und trifft oder auch nicht. Der gute Schwertmann weiß, dass der Stich immer den Hieb besiegt. Irgendjemand sollte es der Narnia-Truppe verraten, während sie mal wieder Saltos schlagend mit weit ausholenden Hieben am Widersacher vorbei animieren. Der Mangel an jeglichen Kombos oder irgendeiner Art von spielerischer Tiefe reduzieren das Ganze auf traurigstes Bearbeiten der Tasten ohne Taktik oder Können.

Erst die Endgegner retten das Gesamtbild. Brutale Kraft hilft hier nicht weiter, Ihr müsst schauen, welche Dinge so in der Umwelt herumstehen und Euch dienlich sein können. Weicht ihren Spezialangriffen aus, nutzt die Schwächen in ihrer Verteidigung, es fühlt sich an wie gutes Spielen und macht sogar richtig Spaß. Leider gibt es viel zu wenige solcher Begegnungen, die dann auch einen interessanten Einsatz der Mitläufer erfordern.

Der Trupp setzt sich nicht nur aus den vier Kindern, sondern auch noch aus dem namensgebenden Prinzen und einer ganzen Horde von Fabeltieren zusammen. Allein seid Ihr so gut wie nie und der schnelle Wechsel zwischen den Charakteren erfolgt bequem auf Knopfdruck. Manche sind Bogenschützen, andere haben einen Kletterhaken dabei, der Zentaur ist ein phantastischer Kämpfer, der Zwerg passt durch jede Lücke. Große Rätsel ergeben sich trotz des Potentials leider nicht. Ihr wisst immer, wer dabei ist und „Klippe + Typ mit Kletterhaken“ lässt sich halt doch zu schnell zusammenrechnen, als dass der Wechsel die Bezeichnung Rätsel verdienen würde.

Viel schwerer wiegt aber, dass der eigentlich interessante Cast im Spiel keine Art von Ausarbeitung erlebt. Ich habe eine fechtende Ratte dabei. „Wer ist sie“, „warum redet sie“ und „wieso überhaupt“ sind Fragen, auf die Ihr die Antworten hier nicht finden werdet. Und eine große Unterstützung im Kampf sind sie auch nicht gerade. Oft genug stehen sie friedlich in der Nähe, während Ihr Euch gegen drei Wachen behauptet. Zumindest daran könnt Ihr aber mittels eines schnellem Knopfdrucks auf dem zweiten Controller etwas ändern: Der CoOp lässt sich jederzeit und ohne Problem starten und auch wieder beenden.

Nur bietet er Euren Freunden nicht so viel Spaß, wie Ihr vielleicht erwarten würdet. Zum einen bewegt Ihr Euch auf demselben Screen und wehe, Ihr steht an unterschiedlichen Kanten oder wollt gar in unterschiedliche Richtungen. Das klappt nicht. Und eigentlich wurde der Schwierigkeitsgrad für einen aktiven Spieler schon recht niedrig angesetzt. Für den zweiten bleibt kaum etwas Sinnvolles übrig, was Ihr nicht auch so hinbekommen würdet. Also kann Euer Begleiter sich zurücklehnen und die Szenerie genießen.

Es gibt nur wenige optische Ausfälle in Narnia. Vor allem einige der Charaktermodelle wirken nicht gerade perfekt und der direkte Wechsel zwischen Film und Gameengine-Sequenz komplimentiert die Arbeit der Programmiere nicht gerade. Und eine feste Kameraansicht ist zwar nicht unbedingt zeitgemäß, aber wenn sie funktioniert, kann man damit leben. Tut sie hier leider nicht sehr oft. Immer wieder seht Ihr irgendeinen Teil der Landschaft statt des eigentlichen Geschehens. Ein deutliches Zeichen, dass Travellers Tales hier eine klare Deadline bei der Fertigstellung hatte.

Insgesamt bleibt ein schön anzusehendes Spiel mit lebendigen Szenarien, in denen viel passiert und Euch die Welt von Narnia in kräftigen Farben präsentiert. Und der Soundtrack, direkt übernommen aus der Vorlage, gehört derzeit zum Besten, was Euch das Fantasy-Kitsch-Genre bieten kann.

Das genügt aber bei weitem nicht für einen Hit, sondern nur für eine sehr verhaltene „Für Narnia Fans“-Empfehlung mit vielen Warnungen. Der Spielablauf definiert „repetitives Gameplay“ praktisch neu, indem es von Euch jede Aktion vielfach abverlangt. Das Kampfgeschehen bietet Euch keine Tiefe, dafür aber nur wenig Eleganz im Ablauf. Und das permanente, brutale Bearbeiten der A oder B Taste sollte eigentlich kein Stilmittel sein. Höchstens eine gelegentliche Strafe.

Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian zieht den verbleibenden Reiz aus dem Zusammenspiel der Charaktere, den schönen Landschaften und der allgemein runden Atmosphäre. Es legt Euch auf dem Weg zum Ziel keine große Steine in den Weg. Man kann es spielen, aber am Ende werdet Ihr Euch wie bei einem bedeutungslosen Film über Geld und Zeit ärgern, die er Euch kostete. Denn eine bleibende Erfahrung ist diese Umsetzung ganz sicher nicht.

Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian sind für alles aktuelle (PS3, Xbox 360, PC, Wii, DS, PS2) zu haben. Nur für PSP nicht.

 

 

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