Wet

Preview
Vertrieb
Sierra Entertainment
Entwickler
Artificial Mind & Movement
Genre
Andere
X360: WET

X360: WET

"Finger weg", schoss es mir durch den Kopf, als sich fremde Hände um das Joypad legten und Rubi durch die ersten beiden Präsentationen führten. Tatenlos und sichtlich neidisch musste ich zusehen, wie sie mit ihren Glubsch-Fingern die hübsche Leder-Lady missbrauchten und sie ballernd, springend und schnetzelnd durch Horden von Gegner jagten. "Lasst mich ran", wollte ich schreien, aber keine Chance.

Dabei steht und fällt ein Action-Spiel wie WET doch mit der Steuerung der Protagonistin. Wie soll ich denn abschätzen, ob sich die komplexen Bewegungen, Angriffe und Spezialattacken präzise genug nutzen lassen? Geht einem die ständige Zeitlupe und das Dauerfeuer nicht irgendwann auf den Keks? Dinge, die ich beim Zuschauen nur erahnen konnte. Erst nach der lang erwarteten, ausführlichen Anspiel-Session konnte ich mir einen echten Eindruck machen.

Gespielt wurden die Levels der letzten Präsentation (hier die passende Vorschau zu WET (eurogamer.de)) sowie zwei kleine Bonus-Abschnitte. In der ersten Mission muss Auftragsmörderin Rubi einen seltsamen Koffer an sich bringen, der gerade zwischen zwei Gangster-Gruppierung für viel Geld den Besitzer wechselt. Nach einer Zwischen-Sequenz mit derben Sprüchen, wildem Geballer und vielen Toten, bleiben nur noch die chinesischen Triaden übrig. Rubi springt von ihrem Aussichtsplatz, durchschlägt das Oberlicht und landet mitten im Tutorial.

Meine erste Erkenntnis nach 5 Minuten Third-Person-Action: Dosierte Schüsse sind unnötig. Nutzt ihr die aufrüstbaren Standard-Pistolen kann beziehungsweise muss sich euer Finger kontinuierlich um den rechten Abzug legen. Denn die Zeitlupe wird nur bei gedrücktem Abzug aktiviert und die beiden Colts müssen nicht nachgeladen werden. Schade, mir persönlich fehlt diese taktische Komponente.

So untermalt das fast meditative Stakkato der Schüsse die ersten Hechtsprünge, Bodenrutscher und Wandläufe, die ihr mit einfachen Befehlen auslöst. Bei jeder dieser Aktionen verlangsamt sich die Zeit und ihr könnt zielgenau die Gegner ausschalten. Eine der beiden Waffen steuert ihr direkt ins Ziel, die zweite wird automatisch anvisiert.

Zu Beginn fällt es noch schwer, die verschiedenen Bewegungen miteinander zu verbinden. Viele Kombinationen müssen erst nach und nach freigeschaltet werden, trotzdem entsteht ein Spielfluss, der für ein paar ansehnliche Momente sorgt. Rubi rennt an den knallroten Seidentapeten-Wänden entlang, rutscht über gedeckte Tische und weicht durch kraftvolle Hechtsprünge den gegnerischen Kugeln aus. Die Klon-Gegner rennen zwar immer noch mit einer Wagenladung grauer Anzüge durch die Gegend, doch zumindest Gesicht und Figuren sind nun deutlich abwechslungsreicher.

Überhaupt hat die Grafik zugelegt. Neue Spezialeffekte, mehr Details und flüssigere Animationen verwöhnen geplagte Spieleraugen. Hier und da könnten die Bewegungen noch etwas flüssiger sein und der Übergang zwischen den Aktionen natürlicher wirken, doch unterm Strich hat Entwickler Artificial Mind & Movement das Spiel seit der letzten Präsentation gehörig aufgemotzt. Laut anwesendem Producer sieht der neuste Build sogar noch besser aus.

Mit jedem Abschnitt des Tutorials wächst die Move-Palette der aparten Schönheit. Ihr lernt mit dem Schwert umzugehen, rutscht kopfüber eine Leiter hinunter und regeneriert eure Lebensenergie durch einen kräftigen Schluck Whiskey. Im großen Finale, auf einem Platz mitten in Chinatown, verwandelt sich der lineare Shooter in eine Art Baller-Tony-Hawk.

Es gilt, drei Generatoren und einen ganzen Haufen Chinesen auszuschalten. Das Wie ist dabei egal. Ehrgeizige Zocker versuchen die perfekte Route zu erarbeiten, die die meisten Kombo-Punkte und die schnellste Zeit verspricht. Das Spiel wird immer anspruchsvoller, aber nie zu schwer.

Dazu passend durften wir einen Ausflug in den Arena-Modus wagen. In einem Basketball-Hinterhof-Abschnitt, der an die Massen-Prügel-Szene aus Matrix Revolutions erinnert, galt es so viele Punkte wie möglich zu ergattern, bevor uns die ständig neu auftauchenden Klon-Chinesen überrannten.

Durch schnelle, spektakuläre Kills steigt hier der Kombo-Meter, der auch eure Lebensenergie-Regeneration steuert. Lasst ihr euch zu viel Zeit, sinkt dieser wieder auf Null und ein Highscore rückt in weite Ferne. Trotzdem ist dieser Modus nicht mehr als ein nettes Addon.

Komplett anders spielten sich dagegen die beiden nächsten Abschnitte. Die Verfolgungsjagd auf dem Highway über Fahrzeug-Dächer samt Quicktime-Events und kurzen Balleranlagen sollen etwas Abwechslung liefern. Mit einer dicken Portion Hollywood-Flair werden hier Autos im Sekundentakt zerlegt. Spielerisch wenig anspruchsvoll, setzt AM2 dabei voll auf den Schaueffekt.

Auch der Rage-Mode, bei dem sich der Grafikstil mit einem Schlag in Richtung Sincity verändert, liefert nur stumpfe Baller- und Schnetzelaction ohne große taktische Herausforderung. Dank der schicken Optik natürlich schade, dass es dieser Modus nicht in den regulären Spielverlauf geschafft hat.

Als deutlich aufregender entpuppte sich der erste Endgegnerkampf in der Diva Hall. Untermalt durch Japano-Rock, der nicht umsonst an Kill Bill erinnert und deutlich weiter hinten im Spiel angesiedelt, kann Rubi hier auf nahezu alle Moves und eine breite Waffenpalette zugreifen. Endlich kann man auf den Knien rutschend das Schwert einsetzen, die verschiedenen Bewegungen miteinander kombinieren und so geschickt den durchschlagkräftigen Waffen der Gegner ausweichen. In der Offensive sorgen Schrotflinten, Mini-Armbrüste mit Explosionspfeilen und Maschinenpistolen für etwas mehr Freiraum, um eine Gegnerwelle nach der anderen abzuwehren.

Feuerkraft, die ihr spätestens beim Endgegner dringend benötigt. Denn der Triaden-Boss rückt unserer Lederlady mit einem M60-Maschinengewehr auf die Pelle. Unterstützt durch Dutzende Schergen, muss Rubi blitzschnell reagieren, um die Horde samt Obermotz in die Knie zu zwingen. Ein harter Kampf, der mehrere Versuche benötigte, aber auch die Gameplay-Qualitäten von WET zutage brachte. Die schnelle, wilde Daueraction funktioniert und scheint dank dem funktionierenden Kombo-System auch nach mehr als einer halben Stunde noch jede Menge Spaß zu machen.

Rubi ist und bleibt eine coole Sau. Mal ganz abgesehen von den spielerischen Talenten, begeistert mich immer wieder das stilsichere Design dieses ungewöhnlichen Shooters und seiner hübschen Hauptdarstellerin. Und nachdem ich endlich selbst Hand angelegt habe, bin ich mir sicher, dass WET was werden könnte. Die Steuerung funktioniert über weite Strecken hervorragend, das Kombo-System sorgt für Dauer-Motivation und die Kämpfe werden mit der Zeit immer anspruchsvoller. Selbst die Grafik hat seit der letzten Vorführung einen großen Schritt nach vorne gemacht.

Trotzdem wird es sich erst zum Release herauskristallisieren, ob es am Ende für einen Hit reicht. Denn einigen Gameplay-Entscheidungen (Rage-Mode als Extra-Level, unendliche Munition) stehe ich noch immer skeptisch gegenüber und die vielen Klon-Gegner gehen einem nach einer Weile gehörig auf die Nerven. Es wird Zeit, dass Advanced Mind & Movement die Katze aus dem Sack lässt und mal etwas anderes zeigt, als Chinatown-Overkill und langweilige Triaden-Gegner. Das hat Rubi nun wirklich nicht verdient.

WET erscheint am 18. September 2009 für Xbox 360 und PS3.

 

 

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