Gesamtwertung8/10 |
Liebe. Rücksetzpunkte. Autosave. Drei Dinge, die man erst vermisst, wenn sie nicht mehr da sind. Nummer eins ist kompliziert und hat auch nicht so viel mit dem Thema zu tun, also konzentrieren wir uns auf zwei und drei. Zwei Bequemlichkeiten, die Ihr in der letzten Dekade lerntet, als Selbstverständlich hinzunehmen. Und jetzt denkt zurück. Ganz weit, bis 1991, als die Erde jung und Final Fantasy IV – bzw. II in den USA – neu waren. Tote Party heißt Hauptmenü, nicht gespeichert heißt verlorene Lebenszeit. Kein Autosave und keine Rücksetzpunkte. Und Junge, vermisse ich sie!
Zwei Situationen stießen sofort und schon zu Beginn so bitter auf, dass ich mir ein paar nicht druckfähige Worte kaum verkneifen konnte. In der zweiten Stadt begann ich ein wenig zu leveln und war damit nach einer Dreiviertelstunde auch zu annehmbaren Ergebnissen gekommen. Leider vergaß ich zwischendurch mal zu speichern. Der zufällig erscheinende Super-Wüstenwurm tauchte auf und fraß meine Party. Ein Happs und weg waren sie. Inklusive 45 Minuten meines Lebens.
Situation zwei ereignete sich ein wenig später. Ein sich selbst sprengender Endgegner erfordert eine spezielle Strategie, damit er nicht regelmäßig die gesamte Truppe mit in den Untergang reißt. Bis ich sie hatte, vergingen vier Versuche. Vier Starts, die jedes mal am Fuß des Berges begannen, durch einige Screens führten, ein paar Zufallsmonster anlockten und Zeit ohne Wert fraßen. Es hätte nicht weh getan, mich einfach vor dem Endgegner starten zu lassen. Es ist nicht so, dass Euch auf dem Weg etwas großartig gefährlich werden könnte.
Sollten Euch solche Situationen zur Weißglut treiben, genießt Ihr Squares aktuellen Ausflug, umgesetzt von den Matrix-Studios, in die 16-Bit-Tage besser mit Vorsicht. Zwei andere Old-School-Unsitten finden sich auch in diesen Beispielen. Reagiert Ihr allergisch auf Zufallsbegegnungen im ganz ernst gemeinten Drei-Sekunden-Takt, haltet Ihr besser einen Stressball bereit. Oder lasst es gleich bleiben, denn ohne gelegentliches Level-Grinding – welch ein schickes Modewort – geht hier nicht viel. Ihr braucht all die Begegnungen, egal, wie sehr Ihr sie hasst.
Ihr lest trotz dieser Widrigkeiten weiter? Sehr gut, Final Fantasy IV entlohnt Euch für diese Bürden. Und das mit dieser Version mehr als je zuvor. Die Optik fällt als erstes ins Auge. Mit dem 2D-Baustein-Look der SNES- oder der GBA-Umsetzung hat das hier nicht mehr viel gemein. Genau wie Teil 3 erstrahlen Höhlen, Schlösser und Städte in ansehnlichem und zeitgemäßen 3D. Lediglich das Design der Kopffüßler verwirrt. Seltsam hochgewachsen und alienesk stolzieren sie durch die Lande. Besonders Held Cecil erinnert in seiner Rüstung an eine außerirdische Vogelart. Aber keine Sorge. Ihr werdet Euch schnell daran gewöhnen.
Und lasst Euch ja nicht von irgendwelchen Niedlichkeiten bei der Optik täuschen. Unter all den liebenswerten Figuren, ein klein wenig neuer Zugänglichkeit und Minimum an Komfort bei Einkauf und Charakterverwaltung schlummert eines der härtesten Rollenspiele überhaupt. Viele der Zufallsfeinde, gerade in der zweiten Hälfte, bedrohen nicht nur einen kleinen Teil Eurer Ressourcen auf dem Weg zum nächsten Boss, sondern sind durchaus selbst in der Lage, Euch zurück in die Erde zu schicken.
Den Autokampf könnt Ihr schon bald vergessen. Jeder Bösewicht verlangt nach einer ganz persönlichen Taktik. Stärken und Schwächen gegenüber Elementen sind lebenswichtiges Wissen und können Euer Untergang oder das Ticket zum Sieg sein. Und darin liegt auch Final Fantasy IVs größte Stärke. Es ist nicht schwer um seiner selbst willen, nicht der Zufall entscheidet, ob Ihr am Ende triumphiert. Entweder Ihr erkennt die richtige Taktik und wählt die passenden Angriffe oder Ihr geht sang- und klanglos unter. Mitunter hart und frustrierend, aber es lässt Euch nie unmotiviert zum Ausschalter greifen.
Die Veränderungen bei der Benutzerführung erscheinen anfangs klein und unscheinbar. Die Möglichkeit, das Kampfmenü so anzupassen, dass Ihr einen einzelnen Zauber nicht mehr erst aus der Liste picken müsst, wirkt nett, aber was solls. Bis Ihr an eine Stelle kommt, wo Feuer das einzig Wirksame ist und auch noch so schnell es nur irgend möglich geht ausgelöst werden will. Dann macht Ihr Euch die Mühe und belegt die Menüpunkte um. Und gewinnt. Endlich und nach vielen Runden. Und vollführt kleine Freudentänze, denn so zufrieden wie dieses Modul lässt Euch kaum ein Rollenspiel nach einem endlich erlegtem Oberfiesling zurück. Ihr habt alles richtig gemacht, seine Schwächen genutzt und es hatte nichts mit Glück zu tun.
Einen Bonus im Vergleich zum Original bieten die Augments, spezielle Fertigkeiten, die Ihr nur einmal erhaltet und die an dem Charakter, dem Ihr sie zuweist, ewig haften bleiben. Auto-Potion macht den Anfang. Einmal belegt, vergisst Euer Charakter nicht mehr, in kritischen Momenten einen Heiltrank einzuwerfen. Danach kommen die guten Sachen. Monsterverteidigung halbiert, Magie mal 1,5 und, der Beste, keine Zufallskämpfe mehr! Hier findet Ihr einen fairen und gelungenen Ausgleich für den leicht angezogenen Härtegrad und sogar eine Motivation, das Spiel nach dem ersten Durchgang vielleicht erneut anzufassen. Alle Augments bleiben im folgenden Plus-Spiel erhalten.
Diese werdet Ihr auch brauchen, um die neuen Super-Bosse zu bezwingen und ein paar frische Nebenquests zu bestehen. Vor Euch entfaltet sich in der zweiten Runde kein anderes Spiel, aber das nun überhaupt ein Anreiz da ist, kann man durchaus im Genre der Retro-Rollis hoch anrechnen. Es funktioniert ebenso gut als Aufwertung alten Glanzes, etwa wie die Auflockerung durch ein paar nette Stylus-Minispielchen. Genießt sie oder ignoriert sie, Spaß machen sie zum Teil durchaus. Ok, Rydias Mathe-Game würde ich nicht mit einem langen Stock anfassen, aber Cecils Goblin Gauntlet macht es locker wett. Diese kleinen Anpassungen fügen sich unauffällig genug ein. Ein Bonus, der kaum die Spielerfahrung an sich verändert, aber trotzdem erfreut.
Diese Erfahrung besteht beim Rollenspiel neben all den Kämpfen natürlich in erster Linie in einer guten Storyline und es erstaunt, wie gut der Plot den Test der Zeit bestand. Natürlich ruft er Klischees ab. Da ist der böse Weltenunterjocher, da ein Haufen Helden. Der Hauptcharakter ist in bester Square-Manier zuerst gar nicht so gut und bevor sich das Ende nähert, muss er die Katharsis eines Lebens erreichen, auf das er nicht stolz sein kann. Das war 1991 neu, heute kennen wir solche Probleme häufiger. Es resultiert am Ende aber immer noch in einem guten Plot.
Verlust und Bewältigung sind die dominanten Themen in dem kleinen Subplots der plastischen Figuren. Und dank einer frischen Übersetzung ließt sich das auch bei weitem nicht mehr so schmerzhaft und partiell unverständlich wie auf dem SNES. Mit den Schwergewichten wie Lost Odyssey kann es Final Fantasy IV nicht ganz aufnehmen, für den kleinen Screen wird Euch aber eine Menge geboten.
Und solltet Ihr dieses Game ebenfalls bis zum Ende durchleben, dürft auch Ihr Eure Spielerseele als geläutert und rein betrachten. Härteste Bosskämpfe, frustrierende Dungeonpassagen, wenig moderner Komfort. Es ist ein tiefes und dunkles Tal, durch das Ihr gehen müsst, aber es wird sich für Euch lohnen. Final Fantasy IV verwechselt einen hohen Schwierigkeitsgrad nie mit stumpfer Brutalität, es schickt Euch auf die Suche nach der richtigen Taktik. Jeden wichtigen Sieg werdet Ihr stolz auskosten, anschließend dem lohnenden Plot weiter folgen und vielleicht dank der Möglichkeit des Plus-Spiels noch eine weitere Runde wagen.
Und so schön das auch alles ist: Hätte es geschmerzt, ein wenig mehr Bequemlichkeit zu bieten? Der Boss wäre immer noch eine Herausforderung, wenn Ihr direkt den Kampf wiederholen könntet. Ein automatischer Speicherpunkt beim Verlassen und Betreten von Städten und Dungeons sollte doch nicht im Bereich des Unmachbaren sein. Der eingeschlagene Weg der Reanimation des goldenen Final Fantasy-Zeitalters ist der richtige. Nur ein paar Konzessionen an die Entwicklung der letzten 20 Jahre des Spieldesigns sollte es schon geben. Sie würden der immer noch hervorragenden Erfahrung an sich keinen Abbruch tun.
Final Fantasy IV ist ab sofort für das DS zu haben.
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Final Fantasy IV im Test.
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