Skate It

Review
Plattform
WII
Vertrieb
Electronic Arts
Entwickler
Elecctronic Arts
Genre
Strategie
WII: Skate it

Gesamtwertung

7/10

WII: Skate it

Ich hoffe ernsthaft, dass Motion Plus für die Wii bald erscheint. Nicht weil Skate It es brauchen würde, aber weil die Balance-Board-Unterstützung klar macht, wie lange es dauert, ein neues Accessoire zu etablieren. Beinahe acht Monate ist es jetzt her, dass Wii Fit zum separat verkauften Systemseller schlechthin aufstieg. Und erst jetzt beginnen langsam alle Spiele, in denen es Sinn oder Unsinn macht, das Brett zu nutzen.

Für Skate It sollte man meinen, dass es eine ideale Kombination sein müsste. Skater stehen auf einem Brett, Balancer auch. Nur leider stellen sich manche Ehen im Nachhinein dann als nicht ganz perfekt heraus. Es beginnt bei der Lenkung des Skateboards. Ein richtiges Board lässt sich mit minimalem Kraftaufwand sehr genau dirigieren, da es unter den Füßen zu beiden Seiten ein wenig nach oben und unten auf seinen Achsen kippen kann. Das Balance-Board liegt dagegen steif wie das sprichwörtliche Brett und gibt keinen Millimeter nach. Und der Effekt ist beachtlich.

Statt sich auf dem mit der Seite zum Bildschirm liegenden Board lässig ein wenig vor und zurück zu neigen, leichteste Änderungen mit den Füßen allein zu dirigieren, artet jede Bewegung zu einer wilden Kurskorrektur aus. Es fällt ohne den Spielraum deutlich schwerer, präzise kleinere Gewichtsverlagerungen durchzuführen und die Sensibilität des Balance Boards hilft da nicht unbedingt. Egal, wie Ihr den Regler für die Empfindlichkeit einstellt, das Board tut zuerst fast nichts, um dann unvermittelt in wilde Lenkmanöver überzugehen. Absolute Präzision wäre hier gefragt, welche durch die sich eher unnatürlich anfühlende Bewegung erst mühsam antrainiert werden muss.

Das Schwungholen wurde auf die Mote verlagert, da ein Absteigen mit dem Fuß das Dilemma wohl ins Unerträgliche gesteigert hätte. Die Lösung funktioniert unspektakulär und gut und auch die Tricks lassen sich mit ein wenig Übung auf dem Board weit besser ausführen als eine einfache Lenkbewegung. Per Tastendruck schaltet das Board in den Trickmodus und auf acht Zonen verteilt führt Ihr beinahe präzise Ollies, Nollies und Manuals aus. Nicht immer trefft Ihr den richtigen Punkt, aber im Großen und Ganzen klappt es. Wenn halt nur das Lenken nicht wäre…

Das soll aber keinesfalls bedeuten, dass die Steuerung von Skate It generell unbrauchbar wäre, ganz im Gegenteil. Stellt das Balance-Board in seine Ecke und holt das Nunchuck heraus. Gesteuert wird jetzt mit dem Stick und eine Vielzahl von Gesten mit der Mote sind für die Stunts zuständig. Mote-Nase nach oben beschert Euch einen Ollie, nach unten führt einen Nollie aus, diverse Dreh- und Kippbewegungen sind für Shuvits und Flips verantwortlich.

Und auch wenn ich so gelegentlich meine Zweifel ob der Präzision der Erkennung der Bewegungen bei der Mote habe: Skate It gehört zu den absoluten Positiv-Beispielen, dass es doch funktionieren kann.

Seien es nun Standards oder komplexe Grabs – auszulösen durch den B-Button -, an keiner Stelle hatte ich den Eindruck, dass mir das Spiel etwas verweigerte. Ich werde hier nicht einmal anfangen, es mit den Flick It–System von skate zu vergleichen. Es mag sein, dass es gewisse Ähnlichkeiten bei der Bewegungsrichtung von Stick und Mote gibt, letztlich fühlt sich die Handhabung von Skate It aber so unterschiedlich an, dass ein besser oder schlechter nicht der richtige Ausdruck wäre. Anders und für sich gelungen muss es wohl heißen.

Variante Drei solltet Ihr allerdings noch mehr als das Board meiden. Nur mit der Mote allein durch Kippbewegungen zu lenken und dabei noch präzise die Tricks zu koordinieren, gehört nicht nur in die „Kann man machen, sollte man aber nicht“-Ecke, sondern in das Reich der Sagen und Legenden.

Zu einem guten Skate-Spiel gehört aber nicht nur eine gelungene Steuerung(svariante), sondern auch ein passendes atmosphärisches Drumherum. Und selbst wenn ich für den nächsten Satz Ärger mit Nintendo-Wii-Jüngern einhandeln werde: Für ein Wii-Spiel sieht Skate It gar nicht mal schlecht aus. Mit skate kann es nicht konkurrieren, aber die Areale sind detailliert genug, haben an keiner Stelle mit Pop-Ups oder Nebelbildung zu kämpfen und ziehen flüssig an Euch vorbei. Was vielleicht auch daran liegt, dass Ihr die fiktive Stadt von San Vanelona komplett und gänzlich für Euch allein habt.

Ein etwas dusseliges Intro berichtet mit Kindermalzeichnungen und einer missratenen Fox News–Interpretation von großen Katastrophen, die die Stadt verwüstet und unbewohnt zurück ließen. Statt jetzt Kriegsrecht zu verhängen und in postapokalyptische Depressionen zu verfallen, schnappen sich die letzten Bewohner – Euer Skater und sein ständig aus dem Off quasselnder und sonst unsichtbarer Kameramann – ihre Bretter und machen ihr Ding. Ganz für sich allein.

Das gibt massive Atmosphäreabzüge, die auch nicht durch die wie üblich nette Skate-Rock-Pop-Punk-Dub-Beat-Musikmischung oder die milde endzeitigen Kulissen wettzumachen sind. Gab Euch skate das Gefühl, durch eine lebendige Welt zu schaukeln, gerät es hier eher zur Simulation des Sports auf einem abgezäunten Gelände. Nicht einmal in den Mehrspielermodi seid Ihr zu zweit unterwegs. In den drei Varianten des Partyspaßes – Rennen, Punkte und Tricks – reicht Ihr brav nach absolvierter Leistung die Mote an den nächsten der bis zu vier Spieler. Online? Fehlanzeige.

In dem recht umfangreichen Karrieremodus könnt Ihr für eine Weile die Einsamkeit vergessen. Skate It hetzt Euch von einer durchaus knackigen Herausforderung zu nächsten und lässt Euch auf der etwa zehnstündigen Tour auch mal aus San Vanelona ausreisen. Barcelona, Paris und Shanghai sehen, von einigen wichtigen Landschaftsmerkmalen abgesehen, zwar nicht viel anders aus und sind trotz ausgebliebenen Weltuntergangs unbewohnt, aber Ihr dürft Euch zumindest vorstellen, in Frankreich zu skaten. Ein schwacher Trost im Vergleich zu dem Spaß, den Ihr im pulsierenden San Vanelona vergangener Tage hattet.

Lebenszeichen mögen auch hier Fehlanzeige sein, aber wie alle Orte sind sie vom Standpunkt reiner Skatebarkeit wohl durchdacht. Diese kluge Vorarbeit werdet Ihr mit dem My Spot–Feature zu schätzen lernen. Nach und nach trefft Ihr auf ein paar Skater-Größen, die allen Abonnenten des Thrasher wohl bekannt sein dürften. Durch sie schaltet Ihr Gegenstände frei – Rails, Rampen, Bänke, Zeugs in dieser Richtung –, die Ihr an Euch interessant scheinenden Orten nach Gutdünken positioniert.

Hier lassen sich dann wirklich wilde Stunts vollführen, die Ihr auch in Skate It bequem per Rekorder festhalten könnt. So nett der Editor auch hier ausfiel, bleibt er ohne die direkte Onlineanbindung doch ein wenig schal. In Skate It seid Ihr halt auf Euch selbst gestellt und zwar in jeder Hinsicht.

Skate It überzeugt, aber nicht auf der ganzen Linie. Die Balance Board-Steuerung erinnert weniger an Skateboardfahren als an das Lenken eines Supertankers mit den Füßen. Auch solltet Ihr nicht unter Eremophobie leiden – wieder ein Wort gelernt – oder überhaupt zu viele Freunde haben, mit denen Ihr permanent Online sein wollt.

Skate Its nicht zu verachtende Stärken liegen im Meistern der präzisen Mote-Chuck-Steuerung, um ganz für sich allein auf wohl durchdachten Parcours aberwitzige Punktzahlen zu häufen und diese zwecks späteren Angebertums in kleine Videos zu verpacken. Damit bekommt Skate It zwar die Essenz und das letztlich Wichtigste eines solchen Spiels gut hin, um zum großen hausgemachten Vorbild aufzuschließen, fehlt aber noch einiges. Trotzdem, ein guter Einstand auf der Wii für alle Skate-Freunde, die nicht an ihrem Balance Board festgewachsen sind.

Skate It gibt es ab sofort und zwar für Wii und DS. Bei Letzterem dann ohne Balance Boarding.

 

 

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