Space Siege

Preview
Vertrieb
Sega Of Europe
Entwickler
Gas Powered Games
Genre
RPG
PC: Space Siege

PC: Space Siege

Space Siege. Dungeon Siege. Ähnlicher Name, gleiches Entwicklerteam. Da liegt der Verdacht nahe, dass es sich bei Gas Powered Games jüngstem Werk um einen im Weltall angesiedelten Nachfolger handeln könnte. Oder zumindest um ein Spiel, das von den vorangegangenen Fantasy-Actionrollis inspiriert wurde. Weit gefehlt, wie ich Anfang der Woche bei einer ersten Präsentation feststellen musste.

Space Siege hat mit Dungeon Siege in etwa so viel gemein wie ein Medizinball mit einer Wassermelone. Die Form weist analoge Züge auf, der Inhalt ist jedoch komplett ein anderer. Space Siege bietet Euch keinerlei Inventar, die Hatz nach Set-Items oder legendären Ausrüstungsgegenständen fällt flach, ebenso das Zusammenspiel mit einer Gruppe.

Hier ist alles auf den schnellen, brachialen Solo-Actionspaß ausgelegt, der Freude am Zerstören. Und auf eine, wie Chris Taylor nicht müde wurde zu betonen, „dynamische, humorvolle und spannende Story mit zahlreichen Wendungen“.

Eine Story, die Euch während des Plots oft vor die Frage stellt, wie weit Ihr Euer Alter-Ego, namentlich Seth Walker, verändern wollt. Nicht hinsichtlich seiner regulären Fähigkeiten, die Ihr über lediglich einen Skilltree festlegt, aufgeteilt in Kampf- und Engineer-Techniken. Sondern in Bezug auf seine menschliche Seite, seinen Körper.

In regelmäßigen Abständen offeriert man Euch kybernetische Implantate, die Euch im Kampf gegen die Alien-Invasoren einen gehörigen Vorteil verschaffen, den Spielverlauf spürbar einfacher gestalten. Mal ein kybernetisches Auge für eine schärfere Sicht, mal gestählte Beine, mal ein künstliches Rückgrat. Je mehr Ihr allerdings von diesen Modifikationen einsetzt, umso Cyborg-artiger mutet Seth an und umso mehr kippt die Geschichte einem alternativen Ende zu. Oder besser gesagt: Einem von vielen.

“Verglichen mit Dungeon Siege ist Space Siege ein sehr, sehr leichtgewichtiges Rollenspiel. Dieses Spiel fokussiert sich auf die Story, den Kampf und den Charakter. Man muss es sich wie Half-Life in einer Action-RPG-Umsetzung vorstellen“, gibt Chris zu Protokoll. „Es ist unser eigener Popcorn-Film, ähnlich True Lies. Es nimmt sich nicht all zu ernst, bietet jede Menge Action und macht Spaß. Außerdem trifft man viele Entscheidungen. In Robocop etwa wacht der Protagonist auf und stellt fest, dass er verändert wurde. Hier bestimmt man selbst, wie viel Kybernetik eingesetzt wird.“

Laut Aussage animieren Euch zu Beginn sogar einige NPCs dazu, die Erweiterungen zu nutzen, einen kleinen Teil Eurer Menschlichkeit abzulegen. Übertreibt Ihr es mit dem Modifizieren aber, raten sie Euch schnell wieder vom künstlichen Pfusch ab. „So wie bei einem übergewichtigen Freund, den man zum Sport drängt“, führt Chris an, „Irgendwann kommt er an den Punkt, an dem er über das Ziel hinaus schießt, fast schon wie Arnorld Schwarzenegger aussieht. Und dann sagt man ihm 'Hey, mach mal langsam'.“

Besagtes „über das Ziel hinaus schießen“ wird unter anderem damit geahndet, dass Euch gewisse Charaktere den Rücken zukehren. Beziehungsweise ein romantisches Tet-a-Tet, ja, so etwas bringt die Story auch mit sich, nicht zustande kommt. Das findet sich nur ein, spielt Ihr das über den Daumen gepeilt 15 Stunden lange Abenteuer als 100 prozentiger Mensch.

Wie bereits erwähnt, verzichtet Space Siege auf ein Inventar und die Suche nach besserer Ausrüstung. Stattdessen regnet es nach jedem Feindkontakt respektive der Zerstörung diverser Computer, Lagerkisten oder sonstigen Frachtstücken eine mehr oder minder große Anzahl an „Teilen“, die Ihr wiederum in die Aufwertung Eurer Waffen und kybernetischen Erweiterungen investiert. Und in den Ausbau von HR-V (sprich: Harvey), Eurem treuen Roboter, der Euch mit zahlreichen Kampftechniken zur Seite steht.

„Space Siege ist ein sehr zugängliches Spiel“, klärt uns Chris auf und verdeutlicht es mit einem Blick in das Charaktermenü. Relativ schlicht gehalten, mit großen Buttons versehen, die ein Verklicken unmöglich machen. Frust ist nämlich das Letzte, was Chris mit seinem SciFi-Rolli generieren will.

“Es ist ein Titel, den man einfach starten und eine kurze Zeit spielen kann. Es wird einen nicht frustrieren oder verärgern. Wie Ihr vielleicht gehört habt, nahm ich vor nicht langer Zeit zum Thema Spiele Stellung. Darüber, dass Spiele wieder mehr Spaß machen, Entspannung bringen müssen. Man sollte keine Spiele spielen und dabei frustriert sein, egal, wie kompliziert der Verlauf ist."

"Spiele müssen Unterhaltung sein, so wie Filme und Bücher. Ich habe kürzlich einen Titel eine Weile gespielt, bin an einer Stelle gestorben und musste einen riesigen Abschnitt wiederholen. Und so etwas ist frustrierend. Space Siege ist folglich eher wie ein Film aufgebaut. Ein Film, der einfach nur Spaß machen soll.“

Dementsprechend sind auch die Speicherkammern nah beieinander gesetzt, lassen sich durch simples Vorbeirennen aktivieren. Stellt man sich hingegen in solch eine Kammer, regeneriert sie obendrein Lebenspunkte sowie Energie, die man für Spezialangriffe benötigt. „Die Healthstations sind eine Art Gimmick für Fans von BioShock. Wir fanden sie in dem Spiel großartig und wollten sie auch bei uns integrieren. Wir haben viele dieser Inspirationen. Manche Sachen in Space Siege erinnern an BioShock und manche wiederum an F.E.A.R..“

Abseits des gewohnten Klickorgien, die getreu Dungeon Siege in der zoombaren Isoperspektive von Statten gehen, gliedern sich diverse Rettungsaktionen in den Missionsverlauf ein. Oder man soll gewisse Apparate wieder in Gang bringen, sich mit speziellen Personen treffen, ein Kommando zu einem Ort führen und so weiter und so fort. Das Abenteuer bestreitet man trotz kurzzeitiger NPC-Unterstützung aber auf eigene Faust. „Wir kamen zu dem Entschluss, dass wir Multicharakterteams nicht mehr mögen. Es ist einfach viel zu viel zu managen und lenkt vom eigentlichen Helden ab“, erläutert Chris.

Ein weiterer Schnitt betrifft den KoOp-Modus. „Wir haben das in Dungeon Siege 2 ausprobiert und bekamen nicht das erhoffte Ergebnis. Also beschränkt sich der Space Siege-Mehrspielermodus (Anm.d.Red: Für bis zu vier Spieler) auf puren Spaß, Level für Level. Gemeinsam Sachen wegpusten, durch die Hallen des Raumschiffs rennen, Gegenstände in die Luft sprengen. Es ist wie der Multiplayer in Dungeon Siege 1, mit dem wir großen Erfolg bei den Spielern hatten. Nach diesem Vorbild haben wir ihn modelliert", so Chris, gefolgt von einem, „Space Siege ist eben ein Spiel für Jedermann.“

Ob Space Siege letztendlich wirklich ein 'Spiel für Jedermann' ist, wage ich stark zu bezweifeln. Für all jene, die ihre wahre Freude daran haben, die Umgebung in Schutt und Asche zu legen, einer humorvollen – und laut Aussage – spannenden Story zu lauschen, Feinde hops zu nehmen und dabei kein großartiges Charaktermanagement betreiben wollen, ist Space Siege vermutlich exakt der Genre-Vertreter, auf den sie lange gewartet haben. Die Actionrolli-Liebhaber von Diablo 2 und Co., bei denen die Itemhatz klar im Vordergrund steht, werden ob des fehlenden Inventars und der nur modifizierbaren Ausrüstung allerdings etwas trüb aus der Wäsche schauen. Ob es dennoch den versprochenen Spaß bringt, wird der September zeigen.

Space Siege soll bereits im September über die heimischen PCs wüten. Findet sich ein Publishing-Deal für eine Konsolenversion, ist Gas Powered Games auch einer Umsetzung nicht abgeneigt. Mehr dazu in unserem Interview zu Space Siege (eurogamer.de).

 

 

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