Need for Speed ProStreet

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Vertrieb
Electronic Arts
Entwickler
Electronic Arts
Genre
Andere
PS3: Need for Speed ProStreet

PS3: Need for Speed ProStreet

Früher war die Need For Speed-Reihe für mich das Nonplusultra an Rennspielspaß. Mit irrwitzigen Geschwindigkeiten um die Kurven schleudern und dabei die Kontrolle über den Wagen behalten, ein bisschen am Wagen herum schrauben und sich durch die Wettbewerbe fahren. Das machte Spaß! Mit dem Beginn der Underground-Reihe schwand mein Interesse aber.

Immer nun Nachts unterwegs sein, pseudocoole Typen in illegalen Rennen schlagen und so viel Zeit mit Tunen verbringen, dass es einen anödete – das war nichts für mich. Zudem gab es die letzten vier Teile kaum Neuerungen und die Reihe trat auf der Stelle. Umso mehr freue ich mich auf den nächsten Need for Speed-Teil, der endlich wieder einen großen Schritt macht. Sowohl nach vorne, als auch zurück – was aber in keinem Fall negativ ist.

Der Underground-Szene haben die Entwickler von Black Box nun den Rücken zugekehrt. Man hat die Beobachtung gemacht, dass aufgemotzte Karren längst nicht mehr nur in illegalen Rennen bei Nacht auftauchen - das Tunen der Mittelklassewagen ist salonfähig geworden. Deshalb gibt es in Need For Speed ProStreet keine Polizei mehr, die Euch bei Übertreten der Geschwindigkeit hinter herdüst, das ist nämlich gar nicht mehr nötig. Statt des Nachts illegal auf der Straße, gebt Ihr nun auf abgesperrten Rennstrecken Gummi.

Einmal um die Welt

Die Story hat sich entsprechend geändert, auch wenn das Endziel das Gleiche geblieben: Der König der Straße zu werden – oder besser gesagt „Street King“, wie es die Entwickler nennen. Dazu gewinnt Ihr Rennen und qualifiziert Euch so für die so genannten Showdownrennen, die Ihr ebenfalls erfolgreich abschließen müsst, um weiter zukommen. Schließlich kommt es zum direkten Duell mit dem Showdown-King, welcher den weltbesten Fahrer einer der vier Renndisziplinen darstellt. Wenn Ihr allen Showdown-Kings Eure Karre von hinten gezeigt habt, ist das Ziel erreicht. Kurz gesagt: Gewinnt einfach alle Rennen und erfreut Euch an den netten Zwischensequenzen.

Die Rennen werden übrigens nicht mehr in nur einer Stadt gefahren: Die Strecken sind über den ganzen Globus verteilt. Europa, Japan und Nordamerika sind die Orte, an denen das Gummi überstrapaziert wird. Von Rundkursen durch die Stadt bis zu Ausflügen in die staubige Wüste ist alles dabei. Durch diese Globalisierung fällt ein Feature der vorherigen Teile weg: Die frei befahrbare Stadt.

Statt zwischen den Rennen die Straßen unsicher zu machen und über Handy neue Rennveranstaltungen zu erfahren, klickt Ihr Euch nun bequem durch die Menüs und wählt die nächsten Rennen aus. Dabei gilt es - wie schon erwähnt - zwischen vier Disziplinen zu unterscheiden. Die Vielzahl an Modi aus den Vorgängern, die sich dann doch alle recht ähnlich waren, sind klar definierten Rennarten gewichen: Grip Racing, Drag Mode, Tandem Drift, und Speed Challenge.

Grip Racing ist die klassische Rennvariante: Runde um Runde wird gedreht, immer darauf bedacht, am Schluss als Erster durchs Ziel zu flitzen. Der Drag Mode dürfte Kennern der letzten Teile ebenfalls bekannt sein: Hier gilt es, auf einer geraden Strecke so gut wie möglich zu schalten und so mit einer wahnwitzigen Geschwindigkeit als erster im Ziel anzukommen. Driftgeile kommen derweil auf den gewachsten Strecken des Tandem Drift Modus auf ihre Kosten.

Neu ist der Speed Challenge, der wie eine Art Checkpointrennen verfährt. Die Fahrer starten zeitversetzt und müssen an den Kontrollpunkten die höchsten Geschwindigkeiten erzielen. Wer sich einen Fehler erlaubt, wird gnadenlos von seinen Hintermännern überholt.

Denn grobe Schnitzer beim Fahren werden nicht mehr so leicht verziehen. Das Fahrgefühl ist nun etwas realistischer geworden. Wer über einen kleinen Hubbel fährt, muss bei der Landung ein gutes Gefühl für seinen Wagen haben – wenn Ihr das Lenkrad verreißt, landet Ihr im Straßengraben. Es ist also nicht sehr ratsam, mit einem Affenzahn jede Unebenheit anzusteuern - auch wenn der Flug durch die Lüfte cool ist -, Abbremsen ist besser.

Außerdem macht es nun einen merklichen Unterschied, auf welchem Untergrund Ihr Euch befindet. Der Übergang von der asphaltierten Straße auf die sandige Piste ist mehr als nur gewöhnungsbedürftig und erfordert viel Fahrgeschick, wenn Ihr genauso schnell weiterfahren wollt. Arcardefans sollten aber keinen Schreck kriegen, das nächste GTR wird hier nicht entwickelt. Wer alle Fahrhilfen aktiviert, kommt auch weiterhin gut um die Kurven.

Begleitet werdet Ihr auf den Strecken von einer weiterentwickelnden KI, die sich von Fahrer zu Fahrer unterschiedlich verhält. 18 verschiedene Persönlichkeiten will Black Box erstellen, jede mit ihren ganz eigenen Macken und Vorzügen. Vom Bleifuß mit Hang zur Selbstzerstörung über den vorsichtig Fahrenden bis hin zum intelligent Agierenden darf man alles erwarten. Macht Euch also schon einmal auf gewagte Überholmanöver, fiese Drängler und saftige Crashs mit viel fliegendem Blech gefasst.

Es scheppert wieder!

Ja, Ihr habt richtig gelesen: In Need For Speed ProStreet dürft Ihr das nun endlich wieder integrierte Schadensmodell bewundern. Es kostete einige Überredungsarbeit seitens EA, doch die Autohersteller waren schließlich damit einverstanden, dass ihre Wagen virtuell zu Schrott gefahren werden dürfen. Es macht also nun durchaus etwas, wenn Ihr Euren schicken Mazda RX-7 gegen den nagelneuen BMW M3 Eures Mitstreiters rammt.

Über kleine Lackschäden, die unschöne Kratzer hinterlassen, kann man ja noch hinwegsehen. Wenn Ihr allerdings mit 250 gegen die Bande brettert, ist der Wagen nur noch ein geknautschtes Häufchen Elend, das physikalisch korrekt in den Ruhestand befördert wurde. Denn die unschönen Zusammenstöße verändern Euren Wagen nicht nur optisch. Während bei kleineren Crashs „nur“ die Lenkung schwammiger wird oder der Wagen einen Rechtsdrall bekommt, ist bei harten Frontalzusammenstößen verständlicherweise ganz Schluss und Ihr müsst neu laden. Alternativ könnt Ihr auch mit einem Eurer anderen Autos sofort auf die Strecke zurück, während das eben zu Schrott gefahrene repariert wird.

Mehrere Wagen sein Eigen zu nennen, ist aber nicht nur ratsam, um schnell weitermachen zu können und nicht ewig in der Werkstatt auf die Reparatur des Autos zu warten. Die Rennmodi verlangen individuell getunte Boliden. Black Box hat beim Tuningpart nun den Schritt hin zum Performancetuning gemacht. Es ist nicht mehr nur möglich, seinen Wagen außen mit Tausenden von Teilen zu versehen, auch unter der Haube dürfen jetzt einige Feineinstellung vorgenommen und Teile verbaut werden.

Das zieht nach sich, dass es nun nicht mehr den Allrounder für alle Modi gibt. Bei den Driftwettbewerben kommt es zum Beispiel mehr auf das Aussehen und die Kurvenlage des Autos an, während bei den Dragrennen die Aerodynamik entscheidend ist. Die könnt Ihr mit Hilfe des hinzugekommenen Windkanals gleich beim Tunen testen und den Wagen fast wie die Formel-1-Ingenieure bis zur Perfektion trimmen. Natürlich darf auch weiterhin äußerlich nach Herzenslust geschraubt werden. Eine Fülle an lizensierten Tuningteilen ist zu erwarten.

Das erstmals in Need for Speed Carbon verwandte Autosculpt-Feature, das Euch das Erstellen eigener Tuningteile erlaubt, ist ebenfalls mit von der Partie. Aber nicht mit den Äußerlichkeiten übertreiben: Selbst kleine Verzierungen können die Windschnittigkeit des Wagens beeinträchtigen. Insgesamt soll es über 10.000(!) Tuningteile geben. Wer aber wie ich lieber Gas gibt, anstatt sich stundenlang mit Zahlen und Karosserieteilen herumzuschlagen, kann auch vorgefertigte Tuningkits der Entwickler verwenden, die aber natürlich nicht das Beste aus den Boliden rausholen.

Alternativ könnt Ihr auch die Tuningkits von anderen Spielern aus dem Internet herunterladen und in Euren Wagen einbauen. Wenn Ihr dann ein Rennen fahrt, steht nicht nur der Name des Fahrers, sondern auch der Name des Ingenieurs neben der Platzierung. Echte Tuningprofis können sich dann sogar online in einer speziellen Rangliste wieder finden. Sowieso will man dem Mehrspielermodus diesmal mehr Beachtung schenken. Genaues wurde noch nicht verraten, doch wollen die Entwickler die Onlineplattform wesentlich persönlicher gestalten. Es geht eben nicht nur ums Fahren …

Das zeigt sich auch an den Events vor und nach dem eigentlichen Rennen. Zur Erklärung: Die Rennwochen, die Ihr besucht, sind nicht nur dröges Anreisen, Fahren und Abreisen – nein, es wird auch richtig gefeiert. DJs reisen an und legen auf, hunderte Rennanhänger tanzen und erfreuen sich an der gebotenen Show. Je nach Veranstaltungsort und –art ändert sich dabei die Musikuntermalung.

Bei den coolen Driftevents ist zum Beispiel eher Hip-Hop zu erwarten. So will Black Box den Livestyle der Szene glaubhafter gestalten. Momentan gelingt das noch nicht ganz, dafür fehlt einfach noch die Atmosphäre. Das liegt auch an der teils noch unausgereiften Grafik. Die Animation und Darstellung der Fans ist eher bedürftig, und die Umgebung der Strecken ist auch noch nicht das gelbe vom Ei – macht aber nichts, die Entwickler haben schließlich noch bis November Zeit.

Richtig klasse sehen dagegen schon jetzt die Autos aus. Coole Vyinls zieren die polierte Karosserie, der Chrom blitzt und die getönten Scheiben spiegeln das Sonnenlicht wieder; man könnte fast meinen, die Autos wären echt. Einmal in Bewegung, schleudern sie mit Stil um die Kurven und die Reifen qualmen. Physikalisch korrekt versteht sich: Die Entwickler haben sich extra viel Zeit für die korrekte Darstellung des Rauchs gelassen, der von den quietschenden Reifen aufsteigt. Das Ergebnis ist ein Augenschmaus – solange man es nicht übertreibt: Der Bildschirm ist schneller zugequalmt, als man denkt.

Mit NFS ProStreet kehrt EA gewissermaßen zu den älteren Need For Speed Teilen zurück. Es ist nicht mehr so arcardelastig, das Schadensmodell ist endlich wieder intergriert und die frei befahrbaren Städte sind Geschichte. Gleichzeitig machen die Entwickler einen großen Schritt nach vorne, was Grafik und Atmosphäre angeht.

Wenn EA das Versprochene gebührend umsetzt, erwarten uns coole Events zwischen den Rennen und eine atemberaubende Optik während den Rennen. Ansonsten wird auf Altbewährtes gesetzt: Viel Action, eine Menge Tuningteile und eine gute Musikuntermalung. Und genau diese Mischung macht Need For Speed für mich endlich wieder interessant. Diesen November könnte EA den eher durchwachsenen letzten NFS-Teil vergessen machen.

NFS Pro Street erscheint für Xbox 360, PC, PS3, PS2, PSP, Wii und Nintendo DS und Handy. Wie sich die Versionen unterscheiden werden, ist noch nicht klar. Allerdings sollen die PC- und Xbox 360-Version identisch sein

 

 

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