Tom Clancy's EndWar

Review
Plattform
XBOX 360
Genre
Strategie
X360: Tom Clancy's EndWar

Gesamtwertung

8/10

X360: Tom Clancy's EndWar

Schere, Stein, Papier. Ein Prinzip, das sich in Hunderten Strategiespielen bewährt hat und so etwas wie den kleinsten gemeinsamen Nenner darstellt. Es ist leicht zu verstehen, schnell umzusetzen und wirft nur wenig Balancing-Probleme auf. Leider schränkt es gleichzeitig etwas die Taktiken ein, da es für jede Angriffsvariante eben nur eine Verteidigungsmöglichkeit gibt. Viele Strategie-Titel, zum Beispiel World in Conflict, maskieren diese Problematik mit mehreren Einheiten pro Klasse. Durch einen unterschiedlichen Kostenfaktor entstehen so neue Varianten und man erreicht nicht so schnell das Ende der Fahnenstange.

Bei Tom Clancy's EndWar sind die Entwickler laut Game Director de Plater ganz bewusst dieses Risiko eingegangen und haben sich auf sieben Einheiten konzentriert. Ihr Ziel war es, ein leicht verständliches, gut funktionierendes und vor allem Konsolen-taugliches Strategiespiel auf die Bein zu stellen, was ihnen auch eindrucksvoll gelungen ist. Dank gut funktionierender Sprachsteuerung, einer recht überschaubaren Einheitenauswahl und dem Verzicht auf Basen, spielt sich EndWar auf der Konsole fast genauso komfortabel wie ein vergleichbares PC-Spiel.

Mit etwas Übung und einem einigermaßen sauberen Headset entsteht ein beachtliches Schlachtfeldgefühl. Unterstützt durch ein gelungenes Interface werden in Sekundenschnelle Befehle erteilt und selbst entlegene Truppenteile über den Bildschirm gescheucht. Dank schicker Grafik und netter Effekte gibt es immer genug zu Staunen und man reißt bei Orbitalangriffen überrascht die Augen auf. Trotzdem stellt man sich schon nach wenigen Minuten die Frage, ob diese einfachen Elemente wirklich einen ganzen Dritten Weltkrieg lang tragen können.

Der Grund für das erneute Kräftemessen im Jahr 2020 ist mal wieder das schwarze Gold, das langsam aber sich dem Ende zugeht. Ohne entsprechende Ersatztechnologien bricht ein Kampf um die letzten Ressourcen aus, der selbst ehemalige Verbündete, wie Europa und die USA, in einen bewaffneten Konflikt führt. Neben diesen beiden Streithähnen macht sich auch Russland auf die Welt zu erobern, die erstmals nicht davon bedroht wird in einem atomaren Winter zu versinken.

Als letzte gemeinsame Handlung wurde eine Raketen-Schild installiert, der jeden Atomschlag im Keim erstickt. Trotzdem kreisen mächtige Lasersatelliten im Weltraum, um im Notfall Tod und Verderben auf die Feinde nieder regnen zu lassen. Euer Job ist es, einem dieser Streitkräfte unter die Arme zu greifen. Nach einem Tutorial, das Euch die unterschiedlichen Parteien näher bringt, müsst Ihr Euch schon für eine Seite entscheiden und mit ihr den Dritten Weltkrieg bestreiten.

Zwei Faktoren spielen dabei eine wichtige Rolle: Erstens besitzen alle Fraktionen die gleichen Einheiten – Gewehrschützen, Ingenieure, Transporter, Panzer, Hubschrauber, Kommando-Fahrzeug und Artillerie. Unterschiede gibt es nur im Detail. Die Russen sind etwas durchschlagkräftiger, die Europäer etwas schneller und die USA präziser. Auf dem Schlachtfeld merkt Ihr davon kaum etwas. Dafür ist das Schere-, Stein-, Papier-Prinzip zu stark und es treten viel zu selten gleiche Einheiten gegeneinander an. Außerdem werden diese Werte durch Upgrades weiter differenziert, die Ihr wiederum für Siege einbauen dürft.

Zweitens entspricht die Single-Player-Kampagne im Prinzip dem Online-Modus 'Theatre of War', nur dass Ihr die Kämpfe gegen Menschen austragt und Ihr den Ort des Angriffs nicht so genau bestimmen könnt. Stattdessen werden alle Ranglisten-Kämpfe eines Tages ausgezählt und wer mehr Siege für sich verbuchen kann, bekommt das jeweilige Terrain zugesprochen. Dieser konsistente Online-Modus, der alle zwei bis drei Wochen neu gestartet wird, ist auch das größte Pfund von EndWar. Während die Gefechten im Single-Player ohne spezielle Missionen, überraschende Angriffe oder Zusatz-Funktionalität schnell etwas eintönig werden, brennt Online die Luft.

Wir konnten uns zwar erst ab dem gestrigen Tage in das Multiplayer-Treiben stürzen - die Server blieben bis zum 5. November offline -, doch gerade hier scheint der Titel seine Qualitäten auszuspielen. Über 45 wunderschön designte Karten führen Euch über den gesamten Globus. Oft spielen sich die Kämpfe in strategisch wichtigen Industriegebieten oder an einer Raketenabschussrampe ab. Manche Karten begeistern dabei mit einer hervorragenden Beleuchtung und beeindruckenden Gebäuden. Lediglich das etwas langweilige Einheitendesign trübt das verwöhnte Strategieauge. Der Missionstyp wird dabei von den benachbarten Gebieten und dem jeweiligen Angreifer bestimmt. Versucht Ihr zum Beispiel im Hinterland Nachschubverbindungen auszuschalten, gilt es, entsprechende Gebäude zu zerstören. Wollt Ihr dagegen ein Gebiet erobern, müsst Ihr innerhalb kurzer Zeit strategisch wichtige Uplinks einnehmen.

Mittels der Zusatzfunktion des Kommando-Fahrzeugs wechselt Ihr mit einem knappen „Sitrep“ in eine klassische Strategieperspektive. Während die Kamera sonst direkt über den Einheiten schwebt und so die Action ansprechend in Szene setzt, hilft die Übersichtskarte auch große Armeen in den Griff zu bekommen. Bis zu fünf Truppen lassen sich dank einfacher Tastenbelegung und der stilbildenden Sprachsteuerung von jedem Punkt der Karte aus ins Ziel führen. Erst bei größeren Gefechten kommt man kaum um das Taktikdisplay herum.

Neue Einheiten bekommt Ihr durch so genannte Kommando-Punkte. Erobert Ihr ein Missionsziel oder vernichtet einen Feind, könnt Ihr im Gegenzug Nachschub besorgen. Je nach Missionstyp könnt Ihr zerstörte Einheiten wieder auf das Schlachtfeld schicken. Wurden sie lahm gelegt, holt ein VTOL-Transporter die Überreste ab und befördert sie ins Hauptquartier. Der Sieger eines Feuergefechtes muss deshalb abgeschossenes Material umständlicherweise per Extrabefehl zerstören, um ein Squad komplett aus dem Spiel zu nehmen.

Geratet Ihr ins Hintertreffen, wird nach einer Weile Defcon 1 ausgerufen und Ihr dürft auf einen vernichtenden Orbitalangriff zugreifen. Der Führende sollte dann schnell seine Truppen verteilen, sonst kann der Unterlegene mit einem Schlag das Kriegsglück herumdrehen. Wie schon erwähnt, hat Ubisoft Shanghai viel Zeit in die Spracherkennung investiert, was bei einem guten Headset mit der schnellen Ausführung der Befehle belohnt wird. Trotz guter Sprachkenntnisse spielt sich der Titel in Deutsch wesentlich flüssiger. Selbst mit ungewöhnlichen Dialekten scheint EndWar zurecht zu kommen.

Da sich meine Imitationsfähigkeiten im Rahmen halten, kann ich nicht für Hardcore-Schwaben und Super-Sachsen sprechen. Aber selbst im Idealfall kann es immer mal wieder zu Fehlinterpretationen kommen. Hilfreich ist hier eine genaue Kalibrierung zu Beginn, um das System auf den eigenen Ton einzustimmen. Nur die dämlichen Blicke der Freundin muss man in diesem Moment wohl oder übel über sich ergehen lassen.

Die Befehle sind sehr einfach aufgebaut. Wer, Was, Wo. So einfach bestimmt Ihr, was sich auf dem Schlachtfeld abspielt. Im Notfall könnt Ihr wirklich alles per Sprache steuern. Sogar das Zusammenfassen von Truppenteilen, das Auslösen von massiven Orbitalwaffen und Spezialfähigkeiten lässt sich durch das einfache System in die Tat umsetzen. Theoretisch können somit auch Spieler mit bestimmten körperlichen Defiziten jede Menge Spaß haben, nur die Auswahl auf der Weltkarte erfordert Daumen und Zeigefinger.

Damit die einfache Steuerung und die recht übersichtliche Einheitenauswahl nicht auf Kosten der Spieltiefe geht, stehen insgesamt 150 Upgrades zur Verfügung. Kaufen könnt Ihr die hilfreichen Verbesserungen mit verdienten Credits und erspielten Erfahrungspunkten. Neben mehr Angriffskarte, mehr Panzerung und einer höheren Fortbewegungsgeschwindigkeit stehen Spezialfähigkeiten und mehr Lebensenergie auf dem Programm. Da Ihr zusätzlich noch eine taktische Grundausrichtung wählen dürft, entwickelt sich unter der recht simplen Oberfläche ein taktisch anspruchsvolles Strategie-Gerüst.

Ubisoft Shanghai darf sich auf die Schulter klopfen. Ihr Ziel, ein leicht zugängliches, für alle verständliches Konsolen-Strategiespiel auf die Beine zu stellen, haben sie mit Bravour erreicht. Innerhalb weniger Minuten hat man das Prinzip verstanden und stürzt sich in blitzschnelle Auseinandersetzungen. Vor allem Online glänzt der Titel mit einer konsistenten Welt und viel Upgrade-Potential. Es macht einfach Spaß, sich mit anderen Spielern die Köpfe einzuschlagen und seine Truppen wie ein Feldheer mit knappen Befehlen über den Bildschirm zu hetzen.

Außerdem sind die kurzen Gefechte ideal, um sich für eine halbe Stunde an die Front zu werfen und nicht für eine Partie, ähnlich der PC-Konkurrenz, gleich einen ganzen Nachmittag in den Sand zu setzen. Viel Lob, das sich jedoch leider nicht so überschwänglich auf den Singleplayer-Part übertragen lässt. Hier fehlen echte Highlights und eine richtige Story, um EndWar über einen besseren Skirmish-Modus zu heben. Zudem mangelt es an Aufbaukomponenten, die Offline-Spieler etwas länger bei der Stange halten könnten. Ohne neue Einheiten und Spezialattacken krankt es schlicht an Abwechslung, was eine Beförderung an die Genre-Spitze verhindert. So macht sich zumindest Offline nach einigen Stunden eine gewisse Übersättigung mit Strategie-Fastfood bemerkbar. Wer also keine Lust auf den Online-Modus hat, sollte einen Punkt von der Wertung abziehen. Das Spiel steht und fällt mit seiner Internet-Komponente.

Tom Clancy's EndWar erscheint am 7. November für Xbox 360 und PS3.

 

 

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