Resteverwertung ist im Zeitalter der Nachhaltigkeit (zu Recht) en vogue und wer von Euch hat nicht schon mal „Das ist doch noch gut“ zu irgendetwas gesagt. Was bei Haushaltswaren allerdings mitunter seltsam und bei Lebensmitteln fragwürdig erscheint, gestaltet sich bei Bits und Bytes wesentliche einfacher.
Dachte sich auch Microsoft, ging einfach noch mal seine alte Festplatte durch und stieß dabei auf ein paar XBLA-Titel, die sich wohl nicht mehr ganz so verkaufen, aber halt „noch gut sind“. Eine kleine Preissenkung und schon sind die ehemaligen virtuellen Ladenhüter wieder vorne mit dabei. Bleibt die Frage, ob Ihr hier Ramsch für immer noch zu viel Geld oder wirklich kleine Perlen für einen geringen Obolus erhaltet.
Billiard-Simulationen sind nicht sexy. Sie liefern einfach nicht das richtige Ambiente, außer Ihr spielt es in einer verrauchten Kneipe mit Freunden und Bier. Und dann würdet Ihr Euch wahrscheinlich eher an das Original halten als die teure Xbox der Wirtshausatmosphäre auszusetzen.
Könnt Ihr aber auch Zuhause gar nicht vom Queue lassen, bietet Bankshot Billiards 2 eine solide Alternative. Zahlreiche Spielmodi, brauchbarer Online-Spaß, eine ausgesprochen gelungene Ballphysik und ein wunderbar echt klingendes Klacken der Kugeln, wird die harten Fans des „Sports“ unter Euch häufig genug an die Konsole zurückholen. Alle anderen gehen dann doch lieber zum Billiardsalon um die Ecke…
Wertung: 5/10
Okay, der Preis für das Basis-Spiel wurde von dreisten 15 auf vertretbare 10 Euro gesenkt. Aber was ist mit den ganzen Erweiterungspacks? Für den initialen Download erhaltet Ihr einen wie so üblich gefährlich abhängig machenden Tetris-Ableger, in dem Ihr Klötzen zu größeren Klötzchen baut, seht, wie sie verschwinden und sich in Punkte verwandeln. Das in seiner Reinstkultur nennt sich Challenge und das bekommt Ihr auch mit diesem Download.
Dann gibt es aber noch die Spielmodi vs. CPU oder den brillanten Puzzle-Modus. Hier werdet Ihr mit einem Level nur angefixt und dürft danach shoppen gehen und Punkte lassen. Dann kommt da noch der Booster-Pack, der Tokyo-Club-Pack und, und, und… Von der immer noch hohen Preisschwelle abgesehen, erhalten die Klötzchenfallenlasser unter Euch eine gute und unterhaltsame Beschäftigung für Wochen. Und dafür kann doch kaum ein Preis zu hoch sein. Oder etwa doch?
Wertung: 8/10
Marble Madness. With a Twist. Das ist es im Prinzip. Ihr steuert eine zerbrechliche Murmel über eine ganze Reihe verschiedener Areale und versucht, heil ans Ziel zu kommen. Was das eher schlichte und seit Amiga-Zeiten hinreichend bekannte Spielprinzip wie immer zum Leben erweckt, ist die Art, wie GarageGames mit der Physik spielt, Euch fieseste Hindernisse in den Weg legt und Eure grauen Zellen rotieren lässt.
Nein, so geht das nicht, vielleicht so, wohl auch nicht…Es muss doch möglich sein, diese $%§&-Kugel über diesen Abgrund zu bekommen! Ein kleines schnelles und ungemein suchterzeugendes Vergnügen, das Euch für gerade mal 400 Punkte gut unterhalten wird.
Wertung: 8/10
Eigentlich sollte Small Arms der perfekte Mehrspieler-Spaß sein. Zwei bis vier witzige Figuren mit unwahrscheinlich großen Knarren, finden sich in einer von der Seite gezeigten Arena und beharken sich hüpfenderweise auf Teufel komm raus. Eigentlich. Während jeder auch im Laufe einer fortgeschrittenen Party das Spielprinzip noch registriert, wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit an der überkomplizierten Steuerung scheitern.
Beide Sticks und ein paar Buttons wollen gemeistert werden, damit Ihr vor allem im Online-Mode eine ernste Chance habt - und diesen Zeitaufwand rechtfertigt die geringe Spieltiefe einfach nicht. Schade, aber auch für gerade mal 400 Punkte eher nur witzig als wirklich gut.
Wertung: 4/10
Ein wahrlich innovatives Spielprinzip: Verbindet drei Steine gleicher Farbe und sie verschwinden! Ok, das ist vielleicht nicht ganz so neu, Spaß bringt es aber fast immer. In Zuma hockt in der Mitte eines Steingartens ein Steinfrosch, der farbige Kugeln auf eine durch den Garten laufende Kette schießen kann. Den Frosch dreht Ihr um 360 Grad und solltet Ihr eine Kette von drei Kugeln bilden, verschwinden sie.
Das Geheimnis hoher Scores liegt wie immer in den Kombos, so dass es sich häufig lohnt, erst genau hinzugucken, geschickt seine Kugeln zu verteilen und dann alles am besten auf einen Schlag abzuräumen. Nein, neu ist das wirklich nicht. Aber wisst Ihr was? Es macht immer noch unglaublich viel Spaß!
Wer also gerne Trinitäten bildet und zuguckt, wie sie verschwinden, sollte keine Sekunde zögern, besonders nicht bei dem neuen Preis. Da lässt sich dann sogar der fehlende Multiplayer verschmerzen.
Wertung: 8/10
Viel Spaß für jetzt noch weniger Geld also im XBLA-Bereich, wie sieht es mit dem neuesten Feature aus, das Euch erlaubt, alte Xbox-Spiele herunterzuladen? Ein neuer Menüpunkt im Marktplatz lässt einen im Xbox Grün-Schwarz designten Screen aufgehen, der Euch die sechs Spiele zeigt.
Leider seht Ihr nur die Cover, eine kleine Vorschau oder gar eine Demo der Spiele bekommt Ihr nicht. Und da vielleicht nicht alle Spiele aus der ersten Microsoft-Phase heute noch sofort bekannt sind – na gut, bei Halo besteht da keine Gefahr –, geben wir Euch hier einen kleinen Überblick, wo sich die Punkte lohnen.
In den USA werden übrigens schon die Handbücher und die Belegung der Steuerung für alle Downloadspiele angeboten. Hierzulande ist man wohl leider noch nicht so weit und deshalb findet Ihr bei jedem Spiel einen Link zu der englischen und nicht der deutschen Dokumentation. Wahrscheinlich besser als nichts.
Es musste sein, hier ist es, der Grund, warum die erste Xbox nach dem ruppigen Start dann endlich überhaupt in die Gänge kam. Halo nüchtern als einen Ego-Shooter zu betrachten, fällt im Rahmen des Hypes, Kults und zahlloser Fans nicht gerade leicht. Mach ich aber trotzdem. Und hier zeigt sich, dass vieles die beinahe fanatische Begeisterung einiger Fans durchaus rechtfertigt.
Halo 2 und 3 mögen schöner, größer und überhaupt sein, das wundervolle Gefühl mit dem Warthog den ersten Roadkill am Strand zu feiern, gab es aber nur einmal - und das war hier. Vor allem die späteren, sich endlos wiederholenden Passagen schmälerten aber schon seinerzeit das Vergnügen ab einem gewissen Punkt.
Trotzdem, eine Legende und ein auch heute noch hübscher, lohnender Trip auf den Ring.
Wertung: 8/10
Fable „sollte“ alles werden, was wir uns jemals von einem Rollenspiel wünschten. Eine riesige Welt, echte Charakterentscheidungen mit freien Gesinnungen, eine tiefgehende Geschichte und noch vieles mehr. Und ein Name schien alle unsere Hoffungen tragen zu können: Peter Molyneaux.
Leider bekamen wir dann zum Schluss doch nur ein weiteres ziemlich normales Action-Rollenspiel. Aber ein verdammt gutes! Die Welt von Fable ist alles andere als frei begehbar, setzt sich dafür jedoch aus unglaublich liebevollen Arealen, Städten und lauschigen Dörfern zusammen, in denen Ihr Monster töten, Häuser kaufen oder Frauen und Männer ehelichen könnt. Oder Ihr lasst Euch einfach nur in der Kneipe vollaufen.
Die netten Details solltet Ihr auch bis zur Neige auskosten, denn die eigentlich Handlung geriet alles andere als episch und nach gerade mal 6 bis 8 Stunden werden die fixeren unter Euch den enttäuschenden Oberbösen niederstrecken. Trotzdem bleibt eine sehr lebendige und unmittelbare Spielerfahrung.
Wertung: 8/10
Warum hassten Xbox-Spieler 3D-Jump´n´Runs? Psychonauts muss man einfach einmal in seinem Leben gespielt haben. Trotzdem ließen es viele links liegen und zockten noch eine weitere Runde Halo. Schande auf sie. Microsoft roch den Braten des finanziellen Flops und lies das Spiel von Day of the Tentacle–Schöpfer Tim Schafer fallen. Majesco hob es zwar auf, gab sich dann aber alle Mühe, es vor den Käufern versteckt auf den Markt zu bringen.
Vielleicht dachten sie, dass ein solcher abgedrehter und immer auf den Punkt sitzender Humor keine Werbung bräuchte… Würde ich auch denken, reichte trotzdem nicht. Hier ist also der nächste Versuch, Euch eines der besten und vor allem lustigsten Plattform-Spiele aller Zeiten und fast ganz sicher der gesamten ersten Xbox-Ära zu bieten. Los endlich, gebt dem Spiel eine Chance, es hat sie sich redlich verdient!
Wertung: 9/10
Das Lineup für den Start der Xbox-Resteverwertung kann sich insgesamt rein qualitativ also bislang durchaus sehen lassen. Problematisch wird es nur mit der Kosten-Nutzen-Rechnung. Solltet Ihr jetzt nicht zu den Käufern der Elite-360 gehören und mit immerhin über 100 GB Festplattenplatz relativ reich ausgestattet sein, stellen dauerhaft belegte 3 bis 4 GB auf der alten Platte ein echtes Problem dar.
Psychonauts bekommt Ihr heutzutage für einen Zehner im Internet. Eine 120er-Platte belastet Eure Börse um ca. 170 Euro. Es ist nur ein Gedanke nebenher, aber einer, über den Ihr grübeln solltet, wenn Ihr die schicken Spiele von „Gestern“ neu erleben möchtet.
Bill Gates persönlich hat diesem Xbox-Start-Titel ein frühes Grab geschaufelt. Wer will schon ein Spiel haben, von dem Bill sagt, dass es sein Lieblingstitel für die Box wäre? Dementsprechend floppte 2001 Fuzion Frenzy fröhlich vor sich hin.
Dabei kann das Spiel als der guter, sauberer Familienspaß für vier Spieler gleichzeitig durchaus überzeugen. In sechs Arenen absolviert Ihr ca. 50 Minispiele, alle kurz, knackig und sofort verständlich. Lediglich ein wenig mehr Feintuning bei Technik und Steuerung fehlen auch heute noch und so bleibt dies eher ein Titel zur Bespaßung der Kleinen. Aber auch für die muss ja was da sein.
Wertung: 6/10
Hier ist ein Beitrag, der mich persönlich freute. Fahrenheit gehört in die traurige Riege der Spiele, die richtig gut sind, von Kritikern in den Himmel gelobt werden und die die Käufern links liegen lassen. Das mag in diesem Falle an dem Spielansatz liegen, der weniger Wert auf ein besonders ausgetüfteltes oder actionhaltiges Gameplay legt – obwohl in dieser Richtung immer noch genug vorhanden ist –, sondern eine fast schon cineastische Erfahrung bietet.
Die ausgefeilte Story um Ritualmorde, einen Kult mit Weltbeherrschungsphantasien und die Aufklärung, bedient sich im besten Sinne beim Horror von Filmen wie Angel Heart und Jakobs Ladder. Löscht das Licht und genießt diesen seinerzeit weitgehend verschmähten Trip in die dunkle Psyche. Ihr werdet es nicht bereuen.
Wertung: 8/10
Die Crash Bandicoot-Serie befindet sich seit dem erfrischenden ersten Teil auf der Playstation in einer langsamen, aber stetigen Spirale nach unten. Im Gegensatz zum aktuellen, ausgesprochen mittelmäßigen Crash, bietet man Euch hier aber immerhin noch Hüpfkost aus dem gehobenen Mittelfeld. Die klassischen Jump-Level werden die Fans des Nasenbeutlers – das heißt nämlich Bandicoot übersetzt - zufriedenstellen, ohne aber jemals spitze Kiekser der Verzückung hervorzurufen zu können.
Da Travellers Tales damals schon bemerkte, dass Jumper auf der Xbox nicht so gut laufen, wechseln sich diese Passagen regelmäßig mit Abschnitten ab, in denen Ihr Crash in irgendeiner Art Fahrzeug lenkt und die Gegnerhorden beharkt. Ebenfalls nett, ohne jemals zu wahrer Größe zu finden. Und das gilt für das ganze Spiel.
Wertung: 6/10
Luftpiraten, ein lebendiges Alternative-Welt Szenario, Zeppeline, jede Menge Dogfights, harte Männer, schöne Frauen. Was, Ihr seid nach diesen Zutaten noch nicht losgeflitzt und habt Crimson Skies heruntergeladen? Ok, dann lege ich mal nach.
Eine tadellose Steuerung der Flieger aus der Verfolgerperspektive, ein wilde, unglaubwürdige und ungemein spaßige Handlung sowie zahlreiche gelungen ausgetüftelte Missionen. Was, das reicht Euch immer noch nicht? Was wollt Ihr denn noch, vielleicht etwa einen umfangreichen und immer noch sehr lebendigen Onlinepart oder eine auch heute noch ansehliche Optik, mit einem der schönsten Soundtracks überhaupt als Bonus? Sollt Ihr bekommen, wenn Ihr Euch auf dieses Spiel einlasst. So, wenn Euch das nicht genügt, seid Ihr selber schuld.
Wertung: 9/10