No More Heroes

Preview
Vertrieb
Rising Star Games
Entwickler
Grasshopper Interactive
Genre
Action
WII: No more Heroes

WII: No more Heroes

Wenn Quentin Tarantino, Regisseur von 'Pulp Fiction' und 'Kill Bill', ein Computerspiel designen würde, sähe es wahrscheinlich so aus wie No More Heroes. Unkonventioneller Look, Schwerter und jede Menge Gewalt im Comic-Cineasten-Gewand. So über die Grenze, dass die Gewalt genau wie in 'Kill Bill' eigentlich nicht berührt, denn jeder noch so sittsame Tugendwächter erkennt, dass dies nichts mit einer Abbildung der Wirklichkeit zu tun hat.

Um die Gewaltdarstellung in No More Heroes wird derzeit auch die größte Debatte geführt und Deutschland wird nur einen Bruchteil des Pixelblutes sehen, das die US-Kids in 2008 erwarten dürfen. Ausnahmsweise heißt der Grund dafür aber mal nicht Kunst mit der Schere zugunsten von Jugendfreiheit, sondern vielmehr kriegen wir die Originalversion aus Japan. Nur für den offenbar wesentlich gewaltfreundlicheren US-Markt gibt es statt der zu Staub zerfallenden Kontrahenten noch zusätzliche meterhohe rote Fontänen. Wo 'Saw' und 'The Hills Have Eyes' die Billboardcharts anführen, braucht man das wohl.

Warum überhaupt Menschen zu Staub oder zu Deckenpfützen werden, lässt sich im Gegensatz zu dem sehr, sehr indirekten Vorgänger Killer 7, ebenfalls vom Tokioter Entwickler Grasshopper Manufacture, schnell erzählen. Setzte Euch Killer 7 eine wirre Melange aus beliebten Verschwörungstheorien, angereichert mit tiefenpsychologischen Wahnvorstellungen und verstörenden Sprachfetzen vor, hält man es diesmal einfach. Aber nicht weniger verrückt.

Ursprünglich sollte der Titel erst Heroes heißen, nachdem man dann aber den Hauptcharakter Travis Touchdown erst mal vom Reißbrett nahm, wurde Grasshopper wohl schnell klar, dass dies nicht so passend wäre. Eher das Gegenteil. Travis geht eines netten Abends in einen Club, auf der Suche nach ein wenig Geld, um seinen Videospieleladen am Laufen zu halten und tötet mehr oder weniger zufällig einen Assassinen. Schon kurz darauf folgt der Anruf einer netten Frauenstimme, die Travis verkündet, dass er die Nr. 11 der weltweiten Liste der Super-Attentäter erledigt hat und jetzt dessen Platz einnimmt.

Jemand, der Travis Touchdown heißt, gibt sich aber nicht mit Nr. 11 zufrieden. Alles unter Nr. 1 ist nicht akzeptabel. Also zieht Ihr im GTA-Stil durch die Straßen von Santa Destroy, einer Gegend, in der Ihr sicher sein könnt, dass es keine Unschuldigen, sondern nur Zivilisten gibt. Die UAA - das könnte vielleicht United Assassins Association heißen, sicher bin ich mir da nicht - nimmt für Kämpfe gegen ihre Besten aber auch eine Menge Geld und dieses hat Travis natürlich nicht.

Also müsst Ihr das machen, was Killer eben so tun, wenn sie gerade nicht irgendwelche Leute inhumieren. Ich gebe zu, dass ich mir diese Art von Leben etwas glorreicher ausmalte: Mehr wilde Partys und weniger Rasenmähen, Kokosnüsse sammeln und Zweitjobs an der Tankstelle. Ihr dürft allerdings auch ein paar Scheine in freien Kämpfen verdienen, die an vielen Punkten der Stadt „angeboten“ werden. Einen großen Sinn oder Plot haben diese Miniaufgaben allerdings nicht. Es geht wirklich nur darum, Geld für den nächsten großen Kampf zu sammeln. Kein Killer 7–Mysterium hier.

Bei den Bosskämpfen zeigt dann No More Heroes wieder deutlich seine Wurzeln. Der von Grasshopper erdachte Cast an den wahnsinnigsten, durchgeknalltesten und abgedrehtesten Figuren, die Ihr seit langer Zeit in Spiel, Comic oder Anime sehen durftet, muss einfach begeistern. Jeder der 'Zehn' wurde komplett eigenständig und unterschiedlich designt und ob es nun der Marvel-Comic-Superheldenfreak, der androgyne Überkiller mit den Silberpistolen oder das rachsüchtige Samurai-Mädel ist, dessen Vater Travis auf dem Gewissen hat, spielt keine Rolle. Großartig überzeichnet sind sie alle.

Tarantino hätte seinen Spaß an dieser Truppe kompletter Irrer, deren Dialoge das Ganze dann noch toppen. So viele Coolness-Klischees in so wenigen Spielauszügen kommen auch dem abgebrühtesten Anime-Fan selten unter. Der Grad der Menschenverachtung scheint hoch, aber es ist eine Verachtung, die mit einem seltsamen Eherencodex wie in 'Kill Bill' vermischt wird. Nur die, die es verdient haben, kommen hier zu ihrem mal mehr, mal weniger unrühmlichen Ende. So hält sich auch das eigene schlechte Gewissen ob solch rabiater Kost in engen Grenzen und der Spaß an der politischen Unkorrektheit setzt schon beim bisher Gezeigten ein.

Wie viel Spaß das eigentliche Spiel machen wird, kann man schon schwerer einschätzen. Zunächst einmal lässt es insoweit hoffen, als dass No More Heroes von vornherein auf die Wii-Steuerung zugeschnitten wurde. Bei den Minispielen gibt es die wenigsten Sorgen, das Hauptaugenmerk liegt auf den Kämpfen. Hier kommt es Mote und Nunchuk sicher entgegen, dass Travis Waffe der Wahl ein futuristisches Lichtschwert ist, welches Ihr mittels Mote schwingt. Drei Höhen gilt es zu beachten und die Wii merkt, ob Ihr Schläge hoch, tief oder mittig ansetzt.

Bei den zahlreichen Kombos kommt dann der A-Button zum Einsatz. Es dauert nicht lange, zumindest bei den No-Name-Gegnern, bis der Screen sich dann für das Finale ein wenig dunkler färbt und Euch die Bewegungen für das Finish anzeigt. Kriegt Ihr die richtig hin, werdet Ihr mit etwas belohnt, was eine gewisse Prügelspielreihe mal als Fatalities bezeichnete.

Das Timing bei den Kämpfen, besonders denen gegen eine ganze Gruppe voller Standardfeinde, wirkt jetzt schon ausgesprochen rasant. In bester Hong Kong–Manier werdet Ihr Euch mit unglaublich flüssigen Bewegungen durch die Opposition schnetzeln und in Pose, den Rücken zu den ehemaligen Feinden und aktuellen Leichen, verharren, ein leichtes Lächeln im linken Mundwinkel.

Der einzige Punkt der Steuerung, an dem Grasshopper noch ein wenig feilen muss, ist die Kontrolle von Travis überdimensioniertem Motorrad. Dieses schlingert noch etwas bockig durch die Straßen. Da es hier für Euch aber sowieso nicht viel zu tun gibt und auch die Landschaft vom technischen Standpunkt her weit hinter dem überstylischen Look der Kämpfe hinterherhinkt, werdet Ihr sowieso schnell den nächsten interessanten Punkt ansteuern und absteigen.

Auf der Straße zeigen sich die technischen, tja was eigentlich genau, Mängel will ich nicht sagen, nennen wir es Grenzen, am deutlichsten. Auf den Konkurrenzkonsolen von Sony und Microsoft hätte es diese geringe Sichtweite, diese ziemlich toten Straßen, beinahe frei von Verkehr und Fußgängern, wohl so nicht gegeben. Auch würde die Auflösung nicht bei 480p stehen bleiben. Stellt dies für den Gesamteindruck von No More Heroes zum jetzigen Zeitpunkt ein Problem dar? Nö.

Wie schon Killer 7 lebt das Spiel nicht von HDR-Tricks, sondern dem artistisch wertvollen Cell-Shading Charakteren, dem Spiel mit Farben und harten, minimalistischen und umso wirksameren Einsatz von Licht und Schatten. Bei dem Tempo, dass die Kämpfe an den Tag legen werden, passiert auch so schon genug auf dem Screen und innerhalb von Sekunden werdet Ihr die technischen Einschränkungen der Wii vergessen haben. Ja, Markus Fenix ist der grafische Overkill. Aber Travis Touchdown wirkt cooler. Und das will was heißen.

No More Heroes scheint der vorpubertäre Gewaltraum eines Animefans in Bits und Bytes zu werden. Es zelebriert wie kaum ein anderes den Spaß an dieser überdrehten Art der Brutalität in einem verschrobenen Setting und in vergleichbarer Form. Zusammen mit dem hier in der Mache befindlichen ästhetischen Anspruch, gab es das bisher nur auf der großen Leinwand. Und auch da nicht sehr oft. Die spielerische Substanz scheint nicht die starke Seite dieses Titels zu werden und auch mit den aktuellen Grafikschwergewichten wird man sich vielleicht nicht ganz messen können. Wenn es aber um Stil und Wahn geht, macht den Jungs von Grasshopper wohl so schnell keiner was vor. Für Kinder über 18.

No More Heroes erscheint Anfang 2008 ausschließlich für die Wii. Umsetzungen sind nicht geplant, Blutseen gibt es nur in der US-Variante, nicht in Japan oder Europa.

 

 

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