X360: Frontlines: Fuel of War
Seit über einem Jahrhundert hält das schwarze Gold die Menschheit in seinem tödlichen Griff. Trotz gewaltiger Errungenschaften und neuen Technologien wird die Abhängigkeit vom Öl auch im 21. Jahrhundert von Jahr zu Jahr größer. Mit dem steigendem Transportaufkommen der boomenden Weltwirtschaft wird der Rohstoff trotz rekordverdächtiger Fördermengen zu einem raren Gut, mit steigenden Preisen und sinkenden Reserven. Schon heute werden deshalb viele blutige Kriege geschlagen, um auch in den nächsten 100 Jahren den Zugang zu sichern. Doch wie sieht es dann erst in der Zukunft aus? Was passiert, wenn es keine neuen Funde mehr gibt und die letzten Quellen versiegen?
Wenn es nach den Entwicklern der Kaos-Studios geht, wird dann die Welt im Chaos versinken. Die beiden großen Machtblöcke Red Star Alliance (Russland, China) und die Western Coalition (Europa, USA) prügeln sich in einem konventionellen, weltweiten Krieg um die letzten Energiereserven. Familien werden zerrissen, das öffentliche Leben zerbricht und alles versinkt im Unrat der Zivilisation. Eigentlich ein interessanter Ansatz, aus dem man ein mächtiges Fanal gegen die Ausbeutung der Welt machen könnte. Doch auch bei Frontlines: Fuel of War fungiert er nur als hübsch bebilderter Hintergrund für die gewaltigen Schlachten eines militärischen Konflikts.
Die spielerischen Ähnlichkeiten zu der Battlefield-Reihe kommen dabei nicht von ungefähr. Die Kaos Studios waren einmal Teil der DICE Familie. Sie schufen die beliebte Battlefield 1942- Modifikation Desert Combat und waren an der Entwicklung von Battlefield 2 beteiligt. Die Übernahme durch EA schmeckte dem Team jedoch nicht so recht. Sie wollten ihren eigenen Weg gehen und machten sich selbstständig. Nun haben sie die Chance, unter der Flagge von THQ mit ihrem neuen Taktik-Shooter Frontlines: Fuel of War den ehemaligen Platzhirsch vom Thron zu stoßen und damit ihre ehemaligen Kollegen aus dem Feld zu schlagen.
Technologisch begibt sich das Team dabei nicht ganz so weit in die Zukunft wie beim direkten Konkurrenten Battlefield 2142. Statt gewaltiger Kampfroboter und fliegender Festungen gibt es Drohnen, ferngesteuerte Panzer und reaktive Panzerungen. Seltsamerweise ist auch diesmal die Sensor- und Computer-Technik im 20. Jahrhundert stecken geblieben. Setzt Ihr Euch in einen der hochmodernen Fahrzeuge, werden Eure Schüsse nicht etwa von modernen Leitsystemen ins Ziel gelenkt, sondern Ihr müsst mit viel Augenmaß vorhalten. Schade, dass auch Kaos hier keinen sinnvolleren Weg gefunden hat, das Gameplay trotz Hochtechnologie interessant zu gestalten.
Deutlich überraschender war die Ankündigung einer aufwändigen Single-Player-Kampagne, die nicht nur ein paar Bots auf Mehrspielerkarten wirft. Kaos versucht den Spagat zwischen der Freiheit eines Battlefield-Gefechtes und der intensiven Action eines Call of Duty 4. Ein Glücksgriff, wie es nach dem Spielen der Demo erscheint, gelingt es doch diesem einen Level wirklich, Lust auf mehr zu machen. Wie beim Klassiker Joint Operations oder dem recht ähnlichen Quake Wars gibt es Online wie Offline die namensgebenden Frontlinien, die sich mit dem Schlachtverlauf ständig verschieben.
Die Ziele sind dabei mehr als simple Flaggen, die es durch Anwesenheit zu erobern gilt. Jedes Missionsziel repräsentiert zum Beispiel ein Munitionsdepot, die Kontrolle über Fahrzeuge oder zusätzliche Sensoren. Manche müsst Ihr wie beim berühmten Conquest-Modus mit mehreren Soldaten einnehmen, bei anderen müsst Ihr Euch in das System hacken oder das Missionsziel mit einer Sprengladung ausschalten.
Diese Abwechslung in Kombination mit den sich nach und nach öffnenden Kampfgebieten kommt vor allem dem Einzelspielermodus zu Gute. Es gelingt den Kaos Studios, zumindest im Demo Level, das Spielgeschehen so weit zu verdichten, dass Ihr nie das Gefühl habt, Euch in einem seelenlosen Mehrspieler-Gefecht zu befinden.
Gleich nach einem hübschen Story-Einstieg geht es mit Eurem Squad und einem VTOL-Transportflugzeug Richtung Front. Die Optik besticht dank der allgegenwärtigen Unreal Engine 3 mit schicken Effekten und gestochen scharfen Texturen. Das Design der Figuren und Fahrzeuge wirkt zwar im ersten Moment etwas plump, doch dafür präsentiert sich Frontlines als stimmige Welt, die mit ihren verschmutzten Städten fast Endzeitfeeling aufkommen lässt. Auch Animationen und Spezialeffekte sind fantastisch und gestalten das Spielgeschehen extrem lebendig.
Nach dem Absetzen des Teams kommt es gleich beim ersten Missionsziel zu einem heftigen Gefecht. Zoom, Waffenwechsel und Granaten entsprechen dem Standard. Leider entpuppt sich das Sturmgewehr als unzuverlässig. Nach dem ersten Schuss verzieht es so brutal, dass eine gezielte Salve nur schwer anzubringen ist. Angesichts der militärischen Entwicklung hin zu immer rückstoßfreieren Waffen eine seltsame und unrealistische Entscheidung.
Dafür funktionieren die restlichen Standardwaffen recht ordentlich. Scharfschützengewehr, Raketenwerfer und Maschinenpistole verrichten brav ihren Dienst, wirklich Aufsehen erregend sind aber die kleinen Extras, die an den verschiedenen Stützpunkten auf ihren Einsatz warten. Fahrbare Drohnen mit eingebautem Anti-Tank-Sprengsatz, fliegende Sensor-Drohnen und schwer bewaffnete, ferngelenkte Angriffsfahrzeuge verwandeln die Front in ein gefährliches Pflaster. Außerdem erhöhen sich damit drastisch die Möglichkeiten, die dem Spieler zur Verfügung stehen und sorgen für ein extrem abwechslungsreiches Gameplay.
Gleich an der nächsten Straßenecke lauert zum Beispiel ein gegnerischer Panzer. Nun könnte man einfach todesmutig in dessen Schussfeld sprinten und versuchen, ihm einen Sprengsatz anzuheften. Weitaus ungefährlicher ist es da, sich einen Raketenwerfer zu schnappen und ein handliches Loch in die Blechdose zu stanzen. Wer die Sache aber wirklich elegant lösen möchte, steuert eine der fahrbaren Drohnen per Armbandcomputer unter das Metallmonster und jagt sie mit einem gewaltigen Knall in die Luft.
Allein das Fahrzeughandling wirkte auf den ersten Blick noch etwas umständlich. Mal abgesehen von der eingangs erwähnten, recht archaischen Zieltechnik, steuert sich der Panzer deutlich sperriger als beim großen Konkurrenten Battlefield. Außerdem gibt es keine Anzeige, wie der Turm zum restlichen Fahrzeug ausgerichtet ist. Gerade in der Egoperspektive braucht Ihr viel Feingefühl, um das Gefährt dorthin zu führen, wo es wirklich gebraucht wird. Über die Flugsteuerung lässt sich noch ebenso wenig sagen wie über den Multiplayer-Modus. Die gezeigten Qualitäten lassen aber keine negativen Überraschungen erwarten.
Es wird natürlich nicht einfach für Kaos, den etablierten Platzhirschen vom Thron zu stoßen. Dazu ist die Marke schon zu lange auf dem Markt und kann auf eine gigantische Fangemeinde bauen. Trotzdem könnte Frontlines: Fuel of War gerade auf den Konsolen eine echte Alternative darstellen, die vor allem im Singleplayer deutlich mehr als langweilige Botgefechte zu bieten hat.
Lediglich beim Szenario hätte ich mir etwas mehr Einfallsreichtum gewünscht. Gesellschaftskritik hin oder her, irgendwie gibt es in letzter Zeit zu viele ähnliche Szenarien ohne jede Form von Originalität – Endwar, Battlefield 2112, Quake Wars... Stattdessen hätte ich gern mal ein paar richtige Außerirdische oder gleich ein ganz anders Zeitalter. Immer nur mit dem Sturmgewehr herum rennen und auf Panzer schießen, ist doch mit der Zeit wirklich ermüdend.
Frontlines: Fuel of War erscheint am 15. Februar 2008 für die Xbox 360, die PS3 und den PC. Auf Xbox Live ist eine Einzelspieler-Demo erhältlich.



