Der Pate II

Review
Plattform
PS3
Vertrieb
Electronic Arts
Entwickler
Electronic Arts
Genre
Andere
PS3: Der Pate II

Gesamtwertung

6/10

PS3: Der Pate II

Der Coup war ein voller Erfolg. Zumindest erfolgreich genug, um ein kleines Fest für die Familie zu rechtfertigen. Auch Don Cappuccino, mein enger Verbündeter ist eingeladen. Bisher ist von ihm allerdings keine Spur. Die Stimmung ist überschwänglich, unzählige Schultern werden geklopft. Mit vollen Geldbeutel feiert es sich eben besonders gut.

Ich zünde mir eine Zigarre an, als der erste Molotowcocktail durch die Fensterscheibe bricht. Während Luigi noch geistesabwesend den perlenden Champagner einschüttet, prasseln Gewehrkugeln in Körper und Wände. Mit meinem stets griffbereiten Colt und einer Handvoll mutiger Männer bahne ich mir einen Weg nach draußen. Ich kann fliehen. Viele andere hatten weniger Glück. Unter ihnen einige gute Männer, ein paar Freunde. Sie sind dem dreckigen Anschlag zum Opfer gefallen. Noch während wir flüchten, schwöre ich, dass das räudige Heißgetränk büßen wird. Ich schwöre es bei meinem kochenden Blut.

Das ist der Stoff, aus dem Mafiageschichten gemacht werden. Oder sollte man besser sagen „zusammengepuzzelt“? Macht, Intrigen, Gewalt, kleine Gefallen und das große Geld - die Zutaten, die immer wieder durchgeschüttelt und umformiert werden. Heraus kommt stets eine kleine Variation bekannter Erzählungen. Und der Der Pate II ist da leider keine Ausnahme. Natürlich, die Story des Videospiels ist teils stark an die berühmte Vorlage angelehnt und der auftretende Wiedererkennungswert ist ganz nett, ein wenig mehr Mut beim Storytelling wäre aber dennoch anregend gewesen.

Wahre Wunder hätte beispielsweise ein überraschender Seitenstrang wirken können. Stattdessen werden stur alle gängigen Klischees bedient. Vom verräterischen Verbündeten bis zum obligatorischen Geheimdienstkontakt, dem man nie so recht trauen mag. Klingt nicht nur uninspiriert, sondern wirkt auch immer wieder ziemlich aufgesetzt.

Kaum ein Protagonist ist authentisch, niemand fällt auch nur mal ein bisschen aus dem Rahmen eines perfekten Film-Gangsters. Besonders ärgerlich, da den Charakteren obendrein auch die Gesichtsmuskulatur schlaff in der Visage hängt. Emotionen gibt es im Reich der Mafia eben nicht. Auf die müsst Ihr als Spieler folglich ebenso verzichten.

Trotzdem reduziert sich das Leben eines Dons nicht auf stumpfe Gewalt und gewiefte Erpressung - jedenfalls nicht in punkto Gameplay. Denn gerade weil Electronic Arts mit dem Spielprinzip erneut in die übergroßen Fußstapfen eines Grand Theft Auto tippelt, hat man sich Gedanken dazu gemacht, wie man sich von der heftigen Konkurrenz im Action-Genre abgrenzen könnte. Was dabei herumgekommen ist, sieht auf den ersten Blick wirklich viel versprechend aus.

Zunächst wäre da der Aufbau einer eigenen Familie. Im Spielverlauf dürft Ihr zu diversen Gelegenheiten nämlich neue Leute anheuern, um auf diese Weise Stück für Stück Euren kleinen Mafiastammbaum aufzustocken. Das Schöne dabei ist, dass es sieben verschiedene Arte von Spezialisten gibt, die Euch auf ganz unterschiedliche Weise bei Euren Machenschaften unter die Arme greifen. Bombenleger können beispielsweise Autos mit Sprengsätzen versehen oder gleich ganze Gebäude in die Luft jagen, Safeknacker sorgen durch das diskrete Öffnen von Geldschränken für zusätzliche Einnahmen, und Sanitäter flicken im Gefecht ausgeschaltete Kollegen wieder zusammen. Leider kann man diese besonderen Fähigkeiten aber nicht nach Belieben einsetzen. Nur an dafür vorgesehenen Stellen dürfen Wände gesprengt, Zäune zerschnitten oder Brände gelegt werden. Ein ausgewogenes Team bei sich zu haben, schadet natürlich trotzdem nicht.

Mit den Jungs gibt es allerdings ein weiteres Problem. Eigentlich keine große Sache, manchmal verpasst es der Atmosphäre aber Betonschuhe: Alle paar Sekunden erscheinen die Kumpanen hinter einer anderen Ecke, scheinen sich quasi wild durch die Gegend zu teleportieren. Und selbst wenn in einem Fahrzeug mal nicht genug Platz für eine vierköpfige Mannschaft sein sollte, ist das kein Hindernis. Die Zurückgelassenen sind beim nächsten Halt wie durch ein Wunder augenblicklich zur Stelle.

Ein Glück, dass man diese Sprunghaftigkeit auch zu seinem direkten Vorteil nutzen kann. Mit nur wenigen Mausklicks habt Ihr ein paar der Kerle zu der Übernahme eines feindlichen Geschäftes abkommandiert und stecht Eure Erzfeinde auf diese Weise aus, ohne Euch selbst die Finger schmutzig zu machen. Wird hingegen eines Eurer eigenen Unternehmen angegriffen, kann zuvor eingesetztes Wachpersonal wahre Wunder bewirken. Möglich macht diese Art der Kontrolle die sogenannte Don-Ansicht. In einer hübschen, stilisierten Übersicht dürfen angehende Paten hier die dreckigen Geschäfte in ihrer Stadt überwachen und koordinieren. Diese Form des Management ist zwar mit ein paar wenigen Optionen auf das Wesentliche beschränkt, vermittelt aber dennoch ein nettes “Ich bin der Boss”-Gefühl.

Das kommt bei den unzähligen Schießereien und Schlägereien in den rauen Straßen New Yorks ansonsten eher selten auf. Als Don aber darf man kurzerhand gegnerische Etablissements sprengen und Mitglieder verfeindeter Familien umlegen lassen. An der passenden Spritzigkeit mangelt es dennoch. Man hat eher das Gefühl, unliebsame Aufgaben zu delegieren, als wirkliche Coups zu planen und schickt seine kampferprobten Männer irgendwann lediglich von einem Standort zum nächsten, während man selbst der Haupthandlung folgt.

Besonders lukrativ allerdings: Könnt Ihr alle Geschäfte eines bestimmten Kartells erobern und somit unter Eurem Namen einen, erhaltet Ihr saftige Extras. Das reicht von günstigerem Wachpersonal über praktische Munitionsgürtel, bis zu gepanzerten Fahrzeugen. Doch die Kartellübernahme ist nicht immer so einfach, wie es wohl scheint. Welche Familie gibt schon gerne zahlende „Geschäftspartner“ auf? Mal ganz abgesehen davon, dass die Unternehmen in insgesamt drei verschiedenen Städten ansässig sind.

So führt Euch die Storyline vom guten, alten New York in das sonnige Florida und schließlich ins brodelnde Havana, wo Revolutionäre gerade erst die Macht ergriffen haben. Ein stetiges Pendeln zwischen diesen Orten bleibt letztlich nicht aus, um den eigenen Einfluss international zu festigen. Allerdings ist das die meiste Zeit nicht so spannend, wie es klingen mag.

Obwohl Der Pate II noch ein paar Extras in Form von kaufbaren Fähigkeiten für Eure Gefolgsmänner oder gar Miniaufträge, die Euch Gefälligkeiten oder Geld einbringen, bereit hält, kommt das erwünschte Open World-Feeling nie wirklich auf. Zu eintönig und starr wirken die Metropolen, in denen eine Ecke der anderen gleicht. Keiner der drei Schauplätze verfügt über charakteristische Stadtviertel und abwechslungsreiche Lokalitäten. Ohne Karte fällt die Orientierung somit äußerst schwer und viel zu erkunden gibt es abseits der Aufträge ohnehin nicht.

Wobei letztere trotz diverser Tötungs- und Einschüchterungsmaßnahmen unglücklicherweise ständig nach den gleichen Schemata ablaufen. Wenn Ihr nicht gerade schlichtweg alle Gegner abknallen müsst, gilt es meist, zu einem bestimmten Ort zu fahren, um ein kleines Gespräch zu führen. Da übt die Motivation auf Dauer jedenfalls keinen mafiamäßigen Spielzwang mehr aus. Erst wenn schon ein großer Teil der Spieldauer verstrichen ist, kommt mal ein wenig Abwechslung in die dreckigen Machenschaften. Dann wird plötzlich geschlichen, gefahndet und geflohen. Ein richtiger Spaßschub, der außerdem die lang ersehnte Atmosphäre aufkommen lässt. Leider eine ganze Ecke zu spät.

Ein solches Defizit kann auch der gut gemeinte Multiplayer nicht Seidenanzug-glatt bügeln. Neben dem üblichen Teamdeathmatch und einem Sturm-Modus, bei dem es die Basis des gegnerischen Teams zu sprengen gilt, warten hier lediglich zwei nahezu identische Modi auf Euch. Wer im jeweiligen Spieltyp zuerst eine gewisse Anzahl an Tresoren knackt oder genug Benzintanks in Flammen setzt, hat gewonnen.

Anfangs ganz nett, prickelt die Online-Erfahrung aufgrund fehlender Dynamik aber nicht sonderlich lange. Somit verpufft relativ schnell sogar das wohl interessanteste Feature des Mehrspieler-Modus. Denn in den Matches verkörpert Ihr keinen Standardcharakter, sondern stets ein Mitglied Eurer Familie, das somit an Erfahrung gewinnt und infolgedessen mit neuen Waffenlizenzen aufgewertet werden darf. Immerhin ist eine gute Idee, die Erfolge On- und Offline miteinander zu verknüpfen.

Schon für den Release ist übrigens ein kostenloser Download zu einem neuen Spielmodus angekündigt, in dem Ihr Eure hart erarbeitete Kohle nutzt, um als Don strategische Gefechte zu kontrollieren. Sieg und Niederlage sollen dabei über Profit oder Verluste bestimmen. Vielleicht ein Schlag in die richtige Kerbe, der sich jedoch erst noch beweisen muss.

Letztendlich kann Der Pate II jedoch auf keinem Gebiet wirklich Macht demonstrieren. Atmosphäre, Storytelling, Fahrvergnügen und Spielwelt sind alles Aspekte, in denen ein Grand Theft Auto oft gleich um mehrere Längen intensiver, packender, spaßiger und vielseitiger ist. Und mit einem solchen muss sich EAs neues Werk trotz Don-Ansicht weiterhin messen, schließlich ist der Kern des Spiels immer noch der mächtigen Konkurrenz nachempfunden. Dabei sind die individuellen Ansätze vom taktischen Planungselement und den spezialisierten Teamkameraden durchweg positiv zu bewerten. Nur wurde hier lediglich am vorhandenen Potential gekratzt, statt diese Besonderheiten komplex und abwechslungsreich ins Spielgeschehen einzubinden.

Die Corleones müssen sich folglich mit einer eher mäßigen Wertung zufrieden geben. Absolute Pate-Fans und solche, die die Zeit zum kommenden Mafia II unbedingt überbrücken müssen, könnten vielleicht noch eine Spur mehr Spaß damit haben. Alles in allem macht Euch EA mit Der Pate II aber kein Angebot, das Ihr nicht auch ablehnen könntet.

Ab dem 10.04. könnt Ihr für eine kleine Summe Zaster Partner der Corleones werden

 

 

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