Gesamtwertung8/10 |
Ryu Hayabusa ist flink, elegant und tödlich. Direkt aus der Deckung geht der Ninja zum Gegenangriff über und überrumpelt seinen Gegner mit einem schnellen Schnitt – der bezahlt seine Unachtsamkeit mit seinem rechten Arm. Schnell wechselt Ryu zu tödlichen Stahlklauen und tötet einen weiteren Gegner mit Hieben und Tritten. Doch der erste Feind gibt trotz seiner Verstümmelung nicht auf. Von hinten schleicht sich der tödlich verwundete Gegner an, um Ryu in einer Suizidattacke mit ins Jenseits zu nehmen. Daraus wird freilich nichts, mit einer schnellen Kombination bringt Ryu seinen Widersacher zu Fall und schlägt ihm von hinten den Kopf von den Schultern. Mit einem Drachen-Ninja ist eben nicht zu spaßen.
Szenen wie diese erlebt ihr in Ninja Gaiden Sigma 2 immer wieder in mannigfaltigen Variationen. Hier verliert ein Gegner einen Arm, da mal ein Bein und besonders grob geht es bei den Finishern zur Sache. Auf der Xbox360 führte das zum Release-Verzicht seitens Microsoft und schließlich zur Indizierung. Der weltweit auf die gleiche Art modifizierten PS3-Umsetzung bleibt dieses Schicksal erspart, die hat nämlich die USK-Schranke anstandslos passiert und steht nun mit einer 18er-Freigabe in den Läden. Ausschlaggebend war dabei nur eine kleinen Modifikation. Verstümmelt und gemetzelt wird hier genauso wie beim Vorbild. Wo der Gegner im indizierten Xbox-Spiel bei harten Treffern aber blutete wie ein Rasensprenger im Hochsommer, spritzt hier kaum rote Soße, dafür quillt bläulicher Rauch aus der Wunde.
Um mal bei der Gewalt und der Reduktion eben dieser zu bleiben: War das wirklich nötig? Als in der indizierten Xbox360-Fassung das Blut in großen, roten Fontänen spritzte, dann wusste der kulturell gebildete Spieler, hier geht es nicht ums tumbe Aufgeilen an der Gewalt, hier sehen wir das Erbe von Kabuki-Theater und Chambara-Filmen. Die stilisierten, stark symbolhaften Blutfontänen, die schon bei Quentin Tarantinos Kill Bill Vol. 1 so mancher Zuschauer als unfreiwillig komisch aufgefasst hat, entstammen dieser japanischen Theater- und Film-Tradition und fanden hier im Videospiel ihre jüngste Ausprägung. Und dieses wichtige Stilmittel fehlt hier eben, und dieser Mangel kostet Ninja Gaiden Sigma 2 leider auch einen Teil seines Charmes und seiner haptischen Wucht.
Denn die ist es, die Ninja Gaiden so auszeichnet. Ninja Gaiden ist schwer, anspruchsvoll, aber gleichzeitig so befriedigend wie kein anderes Spiel vergleichbarer Machart. Kriegsgott Kratos, Lederfreak Dante oder Samurai Samanosuke, sie alle schnetzeln sich durch toll anzusehende Action-Abenteuer. Aber in Sachen Spieltiefe, Herausforderung und Komplexität kann keiner von ihnen mit Ryu Hayabusas Eskapaden mithalten.
Während sich die genannten Konkurrenten durch hordenweise billiges Kanonenfutter schnetzeln, um sich schließlich mit den wehrhafteren Bossen zu duellieren, ist bei Ninja Gaiden jeder Scherge bereits auf der einfachsten Stufe eine echte Gefahr, mit der man rechnen muss. Unaufmerksamkeit wird bestraft. Nur wer blockt wie ein Weltmeister, im richtigen Moment zum Gegenangriff übergeht und weiß, welcher Gegner gegen welche Waffe besonders anfällig ist, kommt voran.
Ninja Gaiden ist knackig, steil und extrem dynamisch. Team Ninja macht es euch nie einfach, aber in dieser Version kommt euch zumindest entgegen. Wo der erste Teil Sonntagsspieler und Buttonmasher bereits beim ersten Boss gnadenlos gegen die Wand laufen ließ und dessen indizierte XBox-Fortsetzung mit ein paar ziemlich unfairen Stellen nervte, zeigt sich diese Episode überraschend spielerfreundlich. Die härtesten Gegner des Vorbilds wurden entschärft, frustige Stellen einfach entfernt und dank Ryus regenerierbarer Energieleiste wird dem Spieler das Ninja-Dasein doch ordentlich erleichtert. Ein Zuckerschlecken ist Ninja Gaiden deshalb aber noch lange nicht. Und das ist gut so, nichts anderes würden die Fans akzeptieren.
Habt ihr erst einmal die Grund-Manöver verinnerlicht, dann schneidet sich Ryu durch seine Gegner wie ein heißes Messer durch Butter. Aus dem kruden Gehacke der ersten Spielminuten wird ein eleganter Ninja-Tanz des Todes, an dessen Ende nur noch ein Kämpfer steht. Mit der richtigen Prise Fingerspitzengefühl entlockt ihr Ryu nicht nur enorm effektive und elegante Manöver im Kampf, ihr legt auch zwischen den Scharmützeln mit Ninjas, Magiern, Werwölfen und anderem Gezücht ein paar ziemlich spektakuläre Stunts aufs Parkett.
Besonders Aktionen wie der flinke Sprint über eine Wasseroberfläche oder der immer wieder beliebte Wall-Run fühlen sich einfach nur gut an. Die Levels sind dabei so entworfen, dass ihr stets eine Ahnung habt, wie und wo es weitergeht und ihr all die schönen Manöver auch tatsächlich braucht, um die gelegentlich doch recht ausladenden Szenarien zu durchqueren. Neu auf der PS3 ist dabei die Möglichkeit, auf Knopfdruck direkt gezeigt zu bekommen, wohin Ryus Weg führt. Trotzdem solltet ihr nicht auf etwas Eigeninitiative verzichtet. Nur wer genau hinschaut und sucht, findet nützliche Extras wie Heilkräuter und Erweiterungen der Energieleiste.
Aber gerade Heilmittel habt ihr durch einen etwas fragwürdigen Kniff ohnehin im Überfluss. Denn wo ihr zuvor noch ordentlich virtuelle Währung in das lebenswichtige Aufrüsten eurer Waffen investieren musstet, arbeitet Schmied Muramasa jetzt umsonst – dafür aber nur einmal pro Stage. Das führt zum einen dazu, dass ihr wirklich gut überlegen müsst, welche der zahlreichen und ausnahmslos extrem spaßig zu führenden Waffen ihr verbessern wollt. Zum anderen zu einem absoluten Überfluss an Geld, das ihr jetzt ausschließlich in verschiedene Heilmittelchen investiert. Das nimmt so manchem Kampf ein wenig arg den Biss. Anstatt die Taktik eines kniffligen Bosses zu analysieren und flink zu reagieren, pumpt ihr euch, nachdem ihr ein paar Hiebe eingesteckt habt, mit Heilmitteln voll und hackt einfach weiter auf ihn ein, ohne euch um seine Treffer allzu viele Sorgen machen zu müssen.
Auch ein paar andere Schwächen haben sich leider in Ryus aktuelles Abenteuer geschlichen. Neben manch atmosphärischer Stage, anspruchsvollem Boss, toll modelliertem Monster und butterweicher Animation findet man immer wieder ein paar dröge Szenarien: Graue Höhlen oder Gänge tauchen leider einen Hauch zu häufig auf. Dem guten Spielgefühl an sich tut das kaum Abbruch, das Auge freut sich dagegen weniger, aber zum Glück werden die Sinne des Spielers meist bereits nach kurzer Zeit wieder mit neuen Leckerbissen entschädigt. Überhaupt geht es auf der PS3 ein gutes Stück hübscher zur Sache als auf der Microsoft-Hardware. Die neuen Bosse sind spielerisch keine Offenbarung, sehen aber ziemlich schick aus und der generell etwas dunklere Look mit detaillierteren Texturen kommt der Stimmung klar zu gute.
Neben der verbesserten Balance und der schöneren Präsentation sind die neuen Missionen und der Mehrspieler-Modus der wichtigste Mehrwert der PS3-Fassung. In den ersteren freuen wir uns über optionale Figuren: Lederbraut Rachel aus dem Vorgänger, die starke Momiji und die wieselflinke Ayane geben sich in drei neuen Levels die Ehre. Speziell Kunoichi mit dem lila Haar aus Dead or Alive spielt sich ganz vorzüglich und ist noch mal ein gutes Stück flinker als der ohnehin schon agile Ryu. Schade, dass die neuen Figuren und die Extra-Missionen erst mit fortlaufender Spieldauer freigeschaltet werden und auch nicht für das reguläre Spiel zur Verfügung stehen.
Die Multiplayer-Missionen, die ihr entweder alleine mit einem KI-Kumpanen oder einem menschlichen Mitspieler angeht, rangieren zwischen „flottes Gemetzel am Nachmittag“ und „heiliger Strohsack, wie soll man DAS schaffen?!“ und sind durchaus mal für eine kleine Runde nebenbei gut. Mehr als zwei Dutzend Herausforderungen erwarten euch und liefern dramatische Kämpfe gegen Horden von Gegnern und Bosse, bei denen oft Teamwork wirklich weiterhilft. Gemeinsame Magie-Attacken und die Möglichkeit, einen gefallenen Kameraden zu reanimieren, überzeugen ebenso wie die Möglichkeit, als Ryu, Ayane, Momiji oder Rachel anzutreten. Eine schöne und sehr willkommene Ergänzung.
Ninja Gaiden Sigma 2 verärgert den Kenner mit lästiger Selbstzensur, versöhnt aber mit verbesserter Balance, entfernten Fruststellen, weniger Backtracking und etwas stimmigerer Präsentation. Die wie üblich manchmal nicht ganz optimale Kamera ist dank Zentrierung auf Knopfdruck etwas besser in den Griff zu kriegen und der Mehrspielermodus ist zwar keine abendfüllende Angelegenheit, aber allemal eine amüsante Abwechslung. Deswegen ist mir Ninja Gaiden Sigma 2 unterm Strich auch eine etwas höhere Wertung als das Orginal wert.
Ryus bestes Abenteuer, den inzwischen auch als Download erhältlichen Xbox-Titel Ninja Gaiden Black, erreicht Ninja Gaiden Sigma 2 dann aber doch nicht ganz. Eine Schande ist das aber nicht, wird Ninja Gaiden Black doch bis heute mit Recht als eines der besten Actionspiele aller Zeiten angesehen. Und wenn ihr dann etwas Erfahrung habt und tatsächlich durch Können und nicht nur durch dumpfes Buttonmashing eine gegnerische Übermacht elegant und genüsslich zerlegt, oder wenn ihr erkennt, wie man einem vorher fast unbesiegbar scheinenden Boss doch Paroli bieten kann, dann ist euch das sowieso egal. In Sachen Komplexität, Spielfluss und Eleganz verteidigt Ryu Hayabusa auch auf der PS3 souverän seinen Spitzenplatz.
Ninja Gaiden Sigma 2 ist exklusiv für die PS3 in Deutschland erhältlich.
Bei XBlaster ist die Welt, wie wir sie kennen, Vergangen- heit. Als Mechpilot kämpfst Du zur Belustigung der Menge und monatlich 10.000 € zum Spiel...
Ninja Gaiden Sigma 2 im Test.
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