Final Fantasy Tactics: The War of the Lions

Review
Plattform
Sony PlayStation Portable
Vertrieb
Square Enix
Entwickler
Square Enix
Genre
RPG
PSP: Final Fantasy Tactics: The War of the Lions

Gesamtwertung

9/10

PSP: Final Fantasy Tactics: The War of the Lions

Sind zehn Jahre genug? Habt Ihr bereits all die Ereignisse in Ivalice vergessen? Habt Ihr vielleicht nie die Welt von Final Fantasy Tactics besucht, die Square uns Europäern zu Zeiten der ersten Playstation vorenthalten hat? Oder erinnert Ihr Euch noch, als wäre es gestern gewesen, dass Ihr in langen Schlachten und durchwachten Nächten den Krieg der Löwen zu einem siegreichen Abschluss bringen konntet? So oder so, nach einer Dekade ist es an der Zeit zurückzukehren zu Final Fantasy Tactics: The War of the Lions.

Der PSP-Umsetzung des Klassikers haftet ein wenig das Stigma des schnellen Geldmachens an. Square Enix verspürte offenbar keine Lust, nach so langer Zeit endlich einen echten Nachfolger zu kreieren und verlässt sich stattdessen auf die unbestreitbaren Qualitäten des legendären Originals. Ein paar Änderungen für die Rückkehrer werden natürlich geboten, den meisten Spaß werden aber mit Sicherheit all die unter Euch haben, die noch nie den Chocobo in die Schlacht geritten haben.

Und an Schlachten wird es keinen Mangel geben, während Ihr Euch durch die großartige und jetzt auch großartig erzählte Geschichte eines Kampfes zweier großer Häuser schlagt. Angereichert mit den üblichen Elementen eines solchen Konflikts, namentlich Liebe, Verrat, Freundschaft, Ehre und Betrug. Die alte US-Übersetzung litt mehr als nur ein wenig darunter, dass die Mitarbeiter bei Square offensichtlich besser japanisch als englisch sprachen. Die PSP-Version wird Euch nicht mit gelegentlich wechselnden Namen für ein und dieselbe Person verwirren und auch zuvor schwer verständliche Passagen stehen nun in einem kohärenten Kontext.

Dies kann angesichts der verschlungenen Pfade, auf denen die Ritter Ramza und Delita wandeln, als absolute Notwendigkeit betrachtet werden. Aber auch so schon solltet Ihr beim Spielen Pausen von mehreren Tagen oder gar Wochen vermeiden. Anderenfalls könnte es Euch durchaus schwer fallen, die zahllosen Haupt- und Nebenakteure und Ihre vielschichtigen Motivationen auseinander zuhalten. Wer aber dabeibleibt, wird in dem unglaublich dichten Geflecht der detailliert ausgestalteten Fantasywelt Ivalice, zuletzt bekannt aus Final Fantasy XII, geradezu versinken.

All dies bot sich – wie schon zu Beginn gesagt - auch schon auf der PS1 vor langer Zeit dar und in der Essenz lies man bei Square Enix die Geschichte unangetastet. Um Veteranen dann aber doch noch ein klein wenig mehr zu bieten, wurden einzelne Momente in der Geschichte mit Leben und Spielbarkeit angereichert. Wo Euch zuvor nur in einem Gespräch von fernen Ereignissen berichtet wurde, schlagt Ihr jetzt einige dieser Schlachten selbst. Trennen sich beispielsweise die Wege von Ramza und Delita, wurde im Original nur die Handlung des ersten verfolgt. Auf der PSP erfahrt Ihr ein wenig mehr über die Ereignisse auf Delitas Wegen.

Man kann dies kaum eine Revolution im Design von War of the Lions nennen, es gibt der ohnehin schon aufwendig ausgearbeiteten Handlung aber noch mehr Tiefe, ohne dabei aufdringlich zu sein. Auch die weiteren Neuerungen bewegen sich in ähnlich dezenten Dimensionen und sollte es da draußen jemanden geben, der das Original aus welchen Gründen auch immer verachtete, können ihn selbst zwei neue Berufe für die eigenen Kämpfer, zwei freischaltbare Charaktere und ein ganzer Schwung neuer Items nicht zurück an Ivalices Gestade locken.

Diese Person muss dann allerdings wirklich eine schwere Abneigung gegen Taktik-Rollenspiele mitbringen, denn War of the Lions in seinen Kernstärken zu schlagen, dürfte auch nach zehn Jahren den allermeisten Genrevertretern schwer fallen. Nirgendwo werdet Ihr derzeit ein solch ausgefeiltes Job- und Klassensystem finden wie hier. Eure bis zu 24 Streiter starten das Heldendasein allesamt als Squire, also ein Ritteranwärter, oder als Chemist, dessen Profession mehr mit Tränken und Items und weniger mit blankem Stahl zu tun hat.

Sind dann die ersten Jobpunkte gesammelt, könnt Ihr bis ins Kleinste für jeden Eurer Krieger bestimmen, was er als nächstes lernen soll. Eine neue Schwertfertigkeit vielleicht? Oder doch lieber die Möglichkeit, mit diesem Charakter einen weiteren Trank in der Stunde der Not nutzen zu können? Oder sollte gar die Zeit gekommen sein, ganz die Profession zu wechseln? Auch dies stellt fast nie ein Problem dar, zumal Ihr dank der Möglichkeit, den aktuellen Beruf als „Nebenjob“ weiter praktizieren zu dürfen, geradezu dazu eingeladen werdet.

Solltet Ihr Euch also schon seit einer ganzen Weile an den Fertigkeiten eines Ninjas feilen, dann aber mehr Lust auf die Karriere eines Diebes verspüren, müsst Ihr nicht auf alle Vorzüge des vorigen Jobs verzichten. Dieser kleine Trick erleichtert das Leben ungemein und ermuntert Euch, mit den nicht weniger als 22 teilweise sehr unterschiedlichen Professionen zu experimentieren. Darin liegt dann auch in einer Vielzahl der Kämpfe der Schlüssel zum Erfolg. Es spielt keine Rolle, was sich Euch in den Weg stellt, mit mehr als fünf Kämpfern in Eurer Gesamttruppe gleichzeitig, werdet Ihr ihm nicht gegenübertreten. Der Grund dafür bleibt nebulös, aber so liegen nun einmal die Dinge...

Diese Auserwählten werden für jeden Kampf neu aus dem Pool handverlesen und in einer mehr oder weniger wohl überlegten Startaufstellung auf dem Feld platziert. Ein kurzer Schwenk über das aus quadratischen Feldern zusammengesetzte Schlachtareal, das Euch die Opposition präsentiert, und schon beginnt die erste Runde. Ihr dürft in Eurer Runde alle Eure Truppen bewegen, anschließend darf der Gegner ziehen, bevor Ihr dann wieder weitermacht.

Die KI zeigt sich als ebenbürtiger Opponent und nutzt alle Standardstrategien effizient und geschickt aus. Sie wird versuchen, Eure Heiler und Magier zuerst auszuschalten. Schnelle taktische Rückzüge mit anschließender Heilung und die Konzentration auf eine Eurer Figuren in einer Runde werden bei jeder Gelegenheit eingesetzt. Darüber hinaus verlässt sich der Computer auf die fast immer gegebene Übermacht auf seiner Seite, sowohl bei den reinen Zahlen als auch den höheren Hitpoints seiner Streiter.

Für Euch bedeutet dies meist ein wohl überlegtes Vorgehen und wer einfach seine Mannen und Weiblein in alle Windrichtungen losschickt und sie in Einzelgefechte verwickelt, wird schnell einen Besuch in der örtlichen Heldengilde antreten müssen, um die ausgedünnten Reihen neu mit unerfahrenen Rekruten zu befüllen. Mit Ausnahme einiger Hauptcharaktere, deren Tod das vorzeitige Spielende bedeutet, darf in War of Lions jeder sterben und wird dies, einmal niedergestreckt, nach drei Runden auch tun. So lange habt Ihr Zeit, einen gefallenen Krieger wieder auf die Beine zu bringen oder er wird „kristallin“.

Auch gefallene Feinde hinterlassen solche Kristalle, die Ihr einsammeln könnt. Mal findet Ihr Gold, mal Fertigkeiten des Ehemaligen und somit besteht für Profis ein nicht unbeachtlicher Teil der Strategie darin, vom Tod der Gegner zu profitieren. Wer über ein Herz aus Stein verfügt, kann auch die Kristalle der gefallenen Mitstreiter einsammeln, vorausgesetzt, der Opponent kommt Euch nicht zuvor.

Zu viel Mitleid solltet Ihr Euch auch gerade zu Beginn von War of the Lions nicht erlauben. Die Welt von Ivalice stellt für eine unerfahrenen Truppe ein gefährliches, um nicht zu sagen, häufig tödliches Pflaster dar. Vor allem die Zufallsbegegnungen werden Euch früh in eine Reihe von schlicht unfairen Kämpfen verwickeln, von denen Flucht dummerweise unmöglich ist. So hilft es nur, die Zähne zusammenbeißen und sich an dem Wissen aufzubauen, dass es sich lohnt, wenn man es denn überlebt. Später dreht sich das Ganze drastisch und mit einem Pulk von über 20 gut ausgebildeten Helden zur Auswahl, stellt kaum ein Feind noch eine allzu ernste Bedrohung dar.

Diese ungeschickte Balance macht auch das Erkunden der Landkarte Anfangs weit mehr zu einer Bürde als es eigentlich sein sollte. Nur einmal kurz zur Stadt zum Einkaufen zurücklaufen, endet schnell in einem Treffen mit vier wilden Chocobos, vier Löwen und zwei Kobolden. Für eine frisch gestartet Truppe kann dies frühzeitig für Frustmomente sorgen.

Wer aber trotz solcher Hürden dabei bleibt und auch die ausgesprochen steile Lernkurve nimmt, die sich Unterstützung beim eher mäßigen Handbuch holt, wird mit 40 sehr abwechslungsreichen Stunden Taktikscharmützeln erfreut. Sollte Euch das nicht reichen, hat Square beim Langzeitspaß mit Hilfe des neuen Onlinemodus kräftig nachgelegt. Das alte PS1-Spiel verschwand nach der umfangreichen Solo-Kampagne schnell im Schrank. Mit der PSP könnt Ihr Euch auf die Suche nach einem anderen Besitzer des Spiel machen.

Für den Spaß zu weit erdachte Square zwei Spielmodi, das Melee und das Rendezvous. Ersteres lässt zwei handverlesene Fünfer-Teams gegeneinander antreten, das Rendezvous stellt Euch einen gemeinsamen Kampf gegen einen Trupp Monster in Aussicht. Nach einer überstandenen Runde erhält der Sieger seine Beute in Form von Gold und Items. Je besser er sich schlug, desto erstrebenswerter fällt die Belohnung aus.

Der Onlinemodus, leider nur per Ad-Hoc und nicht über das Internet verfügbar, stellt sicher genau wie die bessere Übersetzung oder den Mehrwert in Form neuer Berufe und Questen einen netten, wenn auch dezenten Fortschritt zum Original dar. Traurigerweise gibt es auch ein paar Wolken, die den so blauen Himmel über Ivalice trüben. Man sollte ja eigentlich meinen, dass eine Firma von der Größe von Square Enix es als persönlichen Affront betrachten würde, wenn das Remake auf einer leistungsfähigeren Konsole plötzlich unter Slow-Downs leidet. So etwas würden die doch bestimmt nicht auf sich sitzen lassen! Oder vielleicht doch...?

Man muss schon ein sehr pedantischer Connoisseur sein, um die Verzögerungen, die sich besonders bei aufwendigen Zaubern bemerkbar machen, als wirkliches Manko zu betrachten. Peinlich und unverständlich sind sie aber genauso sehr wie die ebenfalls nicht gewaltige, aber durchaus merkliche Asynchronität von Soundeffekt und Handlung an einigen Punkten.

Diese Schnitzer trüben ein wenig ein ansonsten auf scheinenden Hochglanz poliertes Spiel, das Euch mit kräftigen Farben, schön gezeichneten und charakterstarken Figuren sowie einigen der artistisch wertvollsten Videosequenzen auf der PSP verwöhnt. Letztere nutzen eine ausgesprochen sehenswerte Cell-Shading-Technik, die Akihiko Yoshidas Figuren plastisch zum Leben erweckt. Selbstverständlich wurde all dies für das Widescreen-Display angepasst und zusammen mit einem der besten Soundtracks der Final Fantasy – Serie werdet Ihr nur sehr selten daran erinnert, dass Ihr eigentlich ein zehn Jahre altes Spiel vor Euch habt.

Man könnte Final Fantasy Tactics: The War of the Lions wegen seiner ärgerlichen, wenn auch winzigen technischen Mängel abwerten. Aber letztendlich sind diese komplett unbedeutend. Ein gewichtigerer Vorwurf bietet sich in Form des Gedankens, dass Square Enix hier nur sehr, sehr wenig Neues und statt dessen ein mehr als eine Dekade altes Playstation-Spiel für eine andere Konsole zum Vollpreis anbietet.

Andererseits: Na und? Die Zeit biss sich glatt einen Zahn an einem Spieldesign aus, das sich auch heute noch solide wie Granit zeigt. Story, Umfang und Spieltiefe wetteifern miteinander und stacheln sich gerade zu gegenseitig zu Höhenflügen auf und wer auch nur einen einzigen Tropfen adligen Taktik-Rollenspielerblutes in seinen Venen verspürt, wird hier besser bedient, als auf jedem anderen PSP-Schlachtfeld. Und er wird nicht ruhen, bis die letzte Schlacht geschlagen, der letzte Beruf ergriffen und alle Freunde im Multiplayer in ihre Schranken gewiesen wurden.

Final Fantasy ist ab sofort für die PSP erhältlich. Wer möchte, kann auch versuchen, das Original für sehr viel Geld als US-Playstation Spiel zu ergattern...

 

 

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