X360: Warhammer: Mark of Chaos - Battle March
“Ich wollt' da Entwicklaz platt treten. Blödez Programiraz habens Spiel kaputt gemacht. Da bin iche mit Spalta ins Studio gegangens und habse überredet, Spiel wieder ganz zu machen. Nachdem ein paar Köppe gerollt sind, hat ez dann auch wieda funktioniert. Doch Gorbash war nicht zufriedens. Gorbash wollte selbst in das Spielez. Da hab ich mir den Boss dort geschnappt und mit der Fauzt zugeschlagen. Daz hat ihn überzeugt. Nun is Garbaz Hauptdarsteller von neuez Spiel. Endlich könnenz wir richtig Köppe einschlagez.“ Schwarzork Waaghboss Gorbashs.
Kein Wunder, dass der Ork nicht glücklich war. Warhammer: Mark of Chaos war in der Verkaufsversion eine Katastrophe. Fehlende Beschreibungen, ein nur mittelprächtig integriertes Spielsystem und Dutzende Grafikfehler machten den Titel zu einer Qual. Besonders hart traf es dabei die Einzelspielerkampagne, die zum Teil kaum spielbar war. Doch auch im an sich gelungenen Multiplayer sorgten Verbindungsabbrüche und das miserable Balancing für viele wütende Fans - und natürlich Orks.
Erst nach dem vierten oder fünften Patch erreichte der Titel dann ein paar Wochen später die Reife eines vernünftigen Endproduktes. Mark of Chaos war damit zwar noch immer keine Warcraft 3 Konkurrenz, für Fans des Warhammer-Universums aber durchaus spielbar. Unsere Kritik
fiel natürlich dementsprechend durchwachsen aus, auch wenn ich persönlich dem Titel nach den ganzen Patches etwas mehr geben würde. Deshalb war ich auch der einzige, der sich bereitwillig auf das Addon stürzte, das mit zwei neuen Rassen und einer großen Kampagne jede Menge Warhammer-Nachschub versprach.
Gleich zu Beginn die Entwarnung: Unsere Vorabversion lief einwandfrei und hatte keinen einzigen Fehler. Das ist eben der Vorteil, wenn man ein Addon produziert, die gröbsten Fehler sind schon aus dem Spielsystem raus und man muss nur noch den zusätzlichen Kontent entwerfen. Bei Battle March handelt es sich dabei um die Rassen Orks und Dunkelelfen, die Ihr in der Kampagne auf ihrem mörderischen Zug durch das Imperium begleiten könnt - und angeblich um neue Einheiten für die bestehenden Rassen, von denen es aber in der vorliegenden Version noch nichts zu sehen gab.
Wie gehabt bewegt Ihr in der Kampagne Euren Helden auf einer Übersichtskarte von Stadt zu Stadt, erfüllt Nebenaufträge und belagert Städte. Im Gegensatz zu anderen Echtzeitrollenspielen gibt es keinen Aufbaupart. Stattdessen wählt Ihr vor einer Mission Eure Truppe aus und müsst dann währenddessen mit Eurer Wahl zurechtkommen. In der Schlacht müsst Ihr dann Eure Truppen richtig positionieren, sie rechtzeitig zurückziehen und Spezialangriffe einsetzen.
Eine besonders wichtige Rolle nehmen dabei die Helden ein, die Ihr ganz wie bei einem Rollenspiel hochleveln und ausrüsten könnt. Später nehmen es die Waaghbosse, Schamanen und Echsenritter locker mit ganzen Kompanien auf, nur ein anderer Held im Duell kann ihnen gefährlich werden. Diese besondere Form des Kampfes aktiviert Ihr per Knopfdruck und werdet mit Eurem Gegner in einen magischen Kreis transportiert. Dort schlagt Ihr dann mit Spezialattacken aufeinander ein, während die Schlacht ungebremst weiter wütet. Hilfreich sind hier Lebensenergie Tränke und die Spezialisierung eines Helden auf die Duelle. In der Kampagne trefft Ihr aber selten auf wirklich schwere Duell-Gegner.
Dafür haben es die normalen Missionen faustdick hinter den Ohren. Nur selten gelingt es auch im Addon die Aufgabe im ersten Anlauf zu lösen. Unvorhersehbare Ereignisse können die Taktik mitten im Spiel komplett ändern, fair geht es dabei aber selten zu. Wie auch bei anderen Vertretern dieses Genres müsst Ihr eine Proberunde wagen, um Euch dann eine passende Strategie auszudenken.
Zum Beispiel müsst Ihr in der ersten Mission des zweiten Kapitels mit einer Dunkelelfenarmee ein Hochelfenlager umstellen. Dabei dürft Ihr nicht erwischt werden, also setzt Ihr erst einmal kleinere Trupps ein. Anschließend tauchen Patrouillen auf, die Ihr komplett vernichten müsst. Wer also nur einen Zauberhelden losgeschickt hat, steht hier schnell auf verlorenem Posten. Habt Ihr diese Hürde gemeistert, werden auf einmal Botenreiter losgeschickt, um Verstärkung zu holen. Die sind aber so schnell, dass Ihr mit normalen Fußtruppen nicht hinterherkommt. Wer also nicht an jedem Ausgang einen Helden mit Angriffszauber oder ein Bogenschützenteam platziert, hat erneut verloren. Nur wenn Ihr geschickt Eure Truppen verteilt, habt Ihr wirklich ein Chance.
Diese Spielmechanik an sich ist natürlich kein Beinbruch, aber sie macht den Unterschied zwischen einem guten und einem sehr guten Spiel aus. Gerade Blizzard hat immer wieder bewiesen, dass es kein Zeichen von Schwäche ist, wenn ein guter Spieler eine Mission auf Anhieb schaffen kann. An den recht abwechslungsreichen Missionen ändert dieser Umstand natürlich nichts.
Von Geheimauftrag mit Spezialtruppen, Eskort- und Vernichtungsaufträgen, einfache Feldschlachten bis hin zu Missionsziel-Bewachung und Burgbelagerung ist eigentlich alles im Programm. Ihr müsst natürlich mit der recht langsamen Spielgeschwindigkeit klar kommen, bekommt aber im Gegenzug sehr taktische Gefechte, die durch Köpfchen und nicht durch schnelle Reaktionen entschieden werden.
Optisch ist der Titel natürlich nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Die Texturen sind zwar hochaufgelöst und die Modelle sehr detailliert, dafür gibt es unterirdische Spezialeffekte und eine viel zu magere Farbauswahl. Auch die spielerisch sinnvolle und extrem hohe Zoomstufe trägt nicht gerade zum Augenschmaus und der Übersichtlichkeit bei. Das Addon ist aber sowieso mehr etwas für Liebhaber als für vollkommene Neueinsteiger.
Diese hätten im Online-Modus sowieso große Probleme, ihren Mann zu stehen. Denn dort trefft Ihr auf gestählte Veteranen, die sich mit den Feinheiten des Balancings genau auskennen. Erfahrenen Recken werden sich dagegen darüber freuen, dass die neuen Rassen nichts durcheinander bringen - auch wenn sie im gigantischen Warhammer-Universum eine eher langweilige Alternative darstellen. Beim nächsten Mal darf es also ruhig etwas exotischer sein. Ob Bestien des Chaos, Echsenmenschen, Vampire oder Gruftlords, es gibt genug attraktiveres Material.
Auf die angeblich gleichzeitig erscheinende Xbox-Version konnten wir schon seinerzeit auf der Games Convention einen Blick werfen. Die Grafik entsprach dabei fast 1 zu 1 dem Original. Neben dem Addon wird hier auch das Hauptprogramm in einer voll gepatchten Version mitgeliefert.
Die Steuerung wurde sehr geschickt gelöst und wirkte dank des fehlenden Aufbauparts und der langsam Geschwindigkeit sehr effektiv. Mark of Chaos: Battle March könnte damit vielleicht die Versprechen einhalten, die bei anderen Titeln wie Command & Conquer 3 gemacht wurden und das Strategiegenre ohne große Verluste auf die Konsole übertragen. Wir halten Euch natürlich auf dem Laufenden.
Schon die Preview-Version spielte sich erfreulich bugfrei und damit Klassen besser als das Hauptprogramm. Battle March wird ein routiniertes Addon, das Fans glücklich macht und ihnen neue taktische Optionen zur Vefügung stellt. Ich persönlich hätte mir zwar andere neue Rassen gewünscht, doch wenn dadurch ein perfektes Balancing gewährleistet wird, gebe ich mich auch mit den Orks und Dunkelelfen zufrieden.
Die Kampagne macht Spaß, liefert jede Menge spannender Gefechte und besitzt sogar ein sehr schickes Intro. Wer das Hauptprogramm im ersten Frust nicht verkauft hat, sollte auf jeden Fall einen Blick darauf werfen. Richtig spannend wird es aber für Xbox-Besitzer: Dank niedriger Spielgeschwindigkeit und dem fehlenden Basenbau steht hier eine echte Strategie-Überraschung vor der Tür. Oder wie es Gorbash sagen würde: "Gutez Spiel mit vielz Ork. Waaagh!"
Warhammer: Mark of Chaos – Battle March erscheint im März 2008 für den PC und die Xbox 360.



