Gesamtwertung8/10 |
Eine Sammelleidenschaft hat wahrscheinlich jeder von uns schon einmal für sich entdeckt. Ob es sich dabei nun um Weinflaschen, Kronkorken oder Aschenbecher handelt, ist völlig egal. Denn obwohl sich die Objekte der Begierde deutlich unterscheiden, bleibt eine Tatsache bestehen: Sammeln macht süchtig. Wer einmal mit der Anhäufung bestimmter Dinge angefangen hat, kann so schnell nicht wieder aufhören. Die Motive dahinter mögen verschieden sein, der Drang nach neuen Schätzen vereint uns jedoch alle.
Dieser Gedanke dürfte maßgeblich bei der Entwicklung zu Pokémon beigetragen haben. Sammeln, tauschen und kämpfen heißt hier die Devise. Bereits in der ersten Generation, die mittlerweile über zehn Jahre auf dem Buckel hat, zog einen dieses Prinzip gnadenlos in seinen Bann. Wer damals alle 151 Taschenmonster einfangen wollte, hatte einiges zu tun.
Ein kleiner Trick sorgte hierbei für erhöhte Umsätze. Anstatt bloß ein Spiel auf den Markt zu werfen, produzierte Nintendo zwei fast inhaltsgleiche Titel, in denen es aber einige unterschiedliche Pokémon gab. Um wirklich jedes einzelne Tierchen sein Eigen nennen zu dürfen, musste man entweder beide Versionen besitzen oder mit Freunden tauschen.
Damit aber nicht genug. Nachdem etwas Zeit ins Land gezogen war, brachte man erneut ein Spiel auf den Markt, das die zuvor veröffentlichten Abenteuer vereinigte und zudem ein paar weitere Neuerungen barg. Weil sich das Konzept als erfolgreich herausstellte, wiederholte man den Vorgang bei den nächsten Generationen und dementsprechend auch bei der aktuellsten. Was für die rote sowie blaue Edition also die gelbe Ausgabe war, ist für Diamant und Perl die kürzlich erschienene Platin-Edition.
Bevor ich jedoch die Änderungen erläutere, hier ein kurzer Überblick für alle Neulinge. Bei der Pokémon-Reihe handelt es sich um leicht verdauliche Rollenspiele. Ihr fangt die kleinen Monster in freier Wildbahn ein und trainiert sie dann, um schließlich gegen andere Trainer antreten zu können. Euer übergeordnetes Ziel ist dabei recht simpel.
Schlagt die acht Arenaleiter des Landes, um Zugang zur Top-Vier zu erhalten, die Ihr natürlich auch besiegen müsst. Dafür reist Ihr von Stadt zu Stadt und macht nebenbei die Machenschaften einer bösen Organisation zu Nichte. Leider ist der Ablauf immer noch recht trocken und linear. Viel interessanter sind da schon die Kämpfe. Alle Pokémon sind einer bestimmten Klasse, einem Element wie Wasser, Feuer oder Stein zugeordnet. Jeder Typus hat Stärken und Schwächen. So sind Wasserpokémon sehr effektiv gegen Steinpokémon, die wiederum einen Vorteil gegenüber Elektropokémon aufweisen. Das klingt zunächst ziemlich simpel, ist aber weitaus komplizierter als ein erweitertes Schere-Stein-Papier Konzept.
Jeder Trainer kann bis zu sechs verschiedene Taschenmonster in den Kampf schicken, die allesamt vier Attacken gleichzeitig erlernen können. Dadurch bieten sich unzählige Kombinationsmöglichkeiten und keine Auseinandersetzung gleicht der nächsten. Im Spiel selbst bleibt alles noch sehr einfach und man kann sich leicht auf seinen Feind einstellen. Kommt es aber zu Kämpfen mit menschlichen Kontrahenten, sieht die Sache schon anders aus.
Hier kann ein kleiner Vorteil über Sieg und Niederlage unterscheiden. Das faszinierende daran bleibt, dass das Kampfsystem leicht zu durchschauen, aber nur schwer zu meistern ist. Anfänger erzielen schnell die ersten Erfolge und kommen mit genügend Training problemlos ans Spielende. Steigt man hingegen tiefer in die Materie ein, zeigt sich plötzlich die erstaunliche Anzahl an Möglichkeiten. Das Problem hierbei ist, dass sich diese Vielfalt erst spät entwickelt. Zu Beginn haben Eure Pokémon bloß zwei Attacken und sind auf einem niedrigen Level. Außerdem gibt es nur eine Handvoll Arten, die sich in den Anfangsgebieten herumtreiben. Die taktischen Möglichkeiten sind daher arg begrenzt.
Somit stromert Ihr in der Gegend herum, besiegt die immergleichen Tierchen und steigt allmählich im Level auf. Viele werden hier den Schlussstrich ziehen oder haben dies bereits in den älteren Teilen getan. Das muss aber jeder für sich selbst entscheiden.
Kommen wir jetzt zu den Änderungen gegenüber der Diamant- und Perl-Edition. Als erste Neuerung erhaltet Ihr recht früh im Spiel den Kampfrekorder. Mit diesem seid Ihr in der Lage, Eure Kämpfe aufzuzeichnen und zu verschicken. Die Verwendungsweisen dabei beruhen auf unterschiedlichen Absichten. Wollt Ihr bloß mit Eurem Können prahlen, sendet Ihr das Video an alle Freunde und bestärkt damit Euer Ego. Vielleicht möchtet Ihr aber auch lieber den letzten Kampf genau untersuchen und feststellen, wo Euch der entscheidende Fehler unterlaufen ist.
Äußerst interessant finde ich die Möglichkeit, Aufzeichnungen Eurer Kontrahenten zu begutachten. Welche Arten benutzt er hauptsächlich und wie geht er generell in Kämpfen vor? Gelegenheitsspieler mag dieses Feature nicht einmal zu einem müden Lächeln bewegen, Profis hingegen wissen diese Funktion sicherlich zu schätzen.
Um ein erneutes Durchspielen spannender zu gestalten, hat Game Freak zudem die Zerrwelt - einen komplett neuen Bereich – in das Hauptspiel integriert, in der Ihr auf das Pokémon Giratina trefft. Im Vergleich zu den restlichen Gebieten hebt sich die Zerrwelt deutlich ab, da sie wesentlich komplexer gestaltet ist.
So lauft Ihr nicht nur über den Boden, sondern wandert an den Wänden, der Decke und auf einem Wasserfall entlang. Persönlich hat mir diese Welt sehr gut gefallen, da sie eine angenehme Abwechslung zum restlichen Ablauf darstellt und das monotone Orden-Ergattern auflockert. Ansonsten sind die Unterschiede im Singleplayer bloß beim genauen Hinschauen zu erkennen. Einige Arenen haben eine leicht andere Struktur, hier und dort liegt ein wenig mehr Schnee und beim Ablauf der Geschichte wurden ein paar Kleinigkeiten umstrukturiert.
Darüber hinaus hat der Pokétech eine weitere Taste spendiert bekommen, die das Umschalten zwischen den Bildschirmen erleichtert. Das ist nicht sehr viel, dennoch fühlt sich das Gesamtbild einen Tick stimmiger an. Der eigentliche Kaufgrund für erfahrene Trainer liegt bei den neuen Multiplayer-Optionen. In die Wi-Fi Arena passen nun 20 Personen, Ihr könnt mit anderen Leuten Beeren herstellen, Kampfvideos austauschen und auch die Suchfunktionen beim Pokémontausch erfuhren eine Verbesserung. Alles findet in der umbenannten GTS, dem Globalen Terminal, statt. Obendrein lässt sich überschüssige Zeit prima in drei neuen Minispielen überbrücken.
Sehr nützlich ist die hinzugefügte e-mail-Funktion. Ihr braucht Euch keine Sorgen mehr über einen Transfer oder Tauschangebot zu machen und deswegen ständig Euren Handheld aufklappen. Stattdessen bietet das Spiel an, eine Benachrichtigung an Eure Wii zu senden. Dennoch bleibt ein Wermutstropfen erhalten. Noch immer müsst Ihr die umständlichen Freundescodes in Euer Gerät tippen. Nintendo sollte allmählich mit der Zeit gehen und auf die Spielergemeinde hören. Der Online-Modus ist ja bereits eine deutliche Weiterentwicklung gegenüber älteren Spielen. Da ärgert einen die Zahlenfolge umso mehr.
Die abschließende Frage lautet wohl: Lohnt sich eine Neuanschaffung, wenn hinter Euch im Regal schon Diamant bzw. Perl verstaubt? Solange Ihr kein reger Benutzer der Online-Funktionen seid, sicherlich nicht. Dafür wurde einfach zu wenig getan und auch die Zerrwelt sowie andere Kleinigkeiten täuschen nicht darüber hinweg.
Ist Pokémon Platin-Edition deswegen ein schlechteres Spiel? Auf gar keinen Fall! Neulinge und Leute wie ich, die wieder einmal Lust auf einen Pokémon-Teil bekommen haben, können ohne Bedenken zugreifen. Dies ist der perfekte Zeitpunkt, um auf den Pokétrain aufzuspringen. Game Freak hat es geschafft, ein rundum gelungenes Abenteuer noch ein wenig zu verbessern. Zwar bleibt der Ablauf des Abenteuers weiterhin recht monoton und gepflastert mit den ewig gleichen Kämpfen, doch wer gerne sammelt und seine Monster mit Freude trainiert, kommt um dieses Spiel nicht herum.
Alle Fans und Neuzugänge finden Pokémon Platin-Edition in den Händlerregalen. Wir wünschen viel Spaß beim Sammeln, tauschen und kämpfen.
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