Golden Axe: Beast Rider

Preview
Vertrieb
Sega Of Europe
Entwickler
Secret Level
Genre
RPG
X360: Golden Axe: Beast Rider

X360: Golden Axe: Beast Rider

„Inspiriert von“ kann heutzutage und gerade in der Medienbranche alles heißen. Es rechtfertigt, die Ilias und den Film Troja in einem Satz zu nennen. Die Musical Mamma Mia, Queen Rocks oder Die Hexen (!) von Oz zeigen, dass „inspiriert von“ in der Übersetzung meistens das bedeutet: „Wir wissen, dass es nichts taugt, aber so dürfen wir wenigstens einen bekannten Namen draufklatschen und gehen in Marketingautopilot.“

Es ist also kein gutes Zeichen, wenn der Pressetext zu Golden Axe: Beast Rider mit den Worten „Inspiriert vom Arcade Klassiker Mitte der 80er“ beginnt. Zumal ein anderer Satz von SEGA das nicht unbedingt positiv zu bestätigen scheint: „Zum Guten oder Schlechten, wir haben keinen CoOp im Spiel.“

Das ist ein heftiger Schock für jeden der noch überlebenden Fans von Golden Axe. Vor 20 Jahren schweißten sich die Begriffe Golden Axe und CoOp zusammen. Immer noch bestreiten auf Xbox Arcade und Virtual Console tapfere Krieger gemeinsam die Level des ersten Teils. Und jetzt werden sie in Golden Axe: Beast Rider ganz allein losgeschickt. Auf der Suche nach dem „Warum“ dieser Entscheidung ließ sich leider nicht so viel finden. Irgendwas in der Richtung, dass man sich entschied, nicht in diese Richtung zu gehen. Na dann.

Man wandte sich aber von noch mehr ab. Ohne einen CoOp erschien wohl auch die Wahl zwischen den drei Charakteren etwas überflüssig. Gilius Thunderhead und Ax Battler sind nicht mehr mit von der Partie. Ein Golden Axe, in dem ich nicht Gilius, den „Unsterblichen Spalter von Tausend Schienbeinen“, spielen werde. Dass ich das noch erleben muss. Zeit diesen Titel abzuschreiben, sich schnell mit einem Mega Drive tief in der Vergangenheit einzugraben und nur keinen Blick auf die Veränderung werfen? Nicht unbedingt, denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Die beiden Männer treten wenigstens als Nichtspielercharaktere gelegentlich auf und die eigene Heldin ist keinesfalls eine Unbekannte. Amazone Tyris Flare schwingt schon seit Teil 1 das Schwert und nie sah sie besser oder leichter bekleidet aus als in Beast Rider. Und natürlich wird sie in 3D gezeigt. Wie alles andere auch. Also eine letzte Warnung an die ganz harten Retrofans, die irgendwelche Hoffnungen für einen viertes Sidescrolling-Gemetzel hatten: Golden Axe ist optisch in der aktuellen Next Generation angekommen.

Und es scheint sich ein wenig bei SEGAs Wikingern umgesehen zu haben. Nicht nur, dass Euch eine große Spiellandschaft mit Raum für Entdeckungen erwartet, auch Freunde expliziter Gewaltfreuden werden gut auf ihre Kosten kommen. Tyris beherrscht eine ganze Reihe ausgesprochen schmerzhaft wirkender Finishs, die sie aber erst nach einem harten und ebenfalls blutigen Kampf ansetzt.

Der Kampf selbst erscheint auf den ersten Blick ähnlich. A und X lösen leichte und schwere Hiebe aus, Y lässt Tyris rennen und diverse Kombination münden in durchsetzungsstarken Kombos. So weit, so Vikings. Der neue Kniff liegt in den Triggertasten. Mit ihnen könnt Ihr entweder parieren oder einfach einem Hieb ausweichen. Dabei erfordert jede Situation und jede Waffe, mit der der Feind auf Euch einstürmt, die richtige Wahl. Um diese treffen zu können, achtet Ihr auf den Gegner, der Euch mittels einer in verschiedenen Farben leuchtenden Aura verrät, ob Ihr jetzt besser blocken oder doch lieber eine Schritt zur Seite machen solltet.

Gelingt das Manöver, kommt Euer Gegenüber aus dem Tritt und lässt Euch Raum für den sofortigen Todeshieb. Im Prinzip bleibt also das Drei-Knöpfe-System des Mega-Drive Pads erhalten, angereichert mit einem kleinen Twist für die Verteidigung und schnelle Kills bei geschicktem Timing. Nah genug am Original, um vielleicht doch den Namen zu Recht zu tragen, wenn man drüber nachdenkt.

Und auf Magie wurde natürlich auch nicht verzichtet. Alle drei Elementarklassen, früher verteilt auf die drei Kämpfer, vereinen sich jetzt in Tyris. Was sie aber genau mit Feuer, Blitz und Donner anstellt, wurde noch nicht gezeigt. Ganz im Gegensatz zu den ersten Reittieren. Was wäre schließlich ein Golden Axe ohne gewaltige, Feuer spuckende Reittiere. Hier holt SEGA alles auf, was sie ansonsten herauskürzten. Dabei sind es nicht einmal viele, gerade mal fünf. Aber zu sagen, das wäre ja nichts, käme ungefähr so, als würde man behaupten, dass Tokio nicht in Gefahr sei, weil Godzilla ja nur vier Freunde mitbrachte.

Aus einer entsprechenden Größenordnung scheint auch der Mirigore abzustammen. Ein monströses Ungetüm, das spontan Assoziationen an einen haarlosen Riesengorilla weckt. Und sich perfekt eignet, um in der näheren Umgebung so richtig aufzuräumen. Mehr an die Saurier-Laufvogel-Kombi des alten Spiels erinnert da der Abrax. Mit einer geschätzten Schulterhöhe von drei Metern geriet er klein, spuckt Feuer und kann sich mit seiner 180 Grad Rundum-Attacke Respekt verschaffen.

Der Lynth bringt das Tempo einer Raubkatze mit. Einer Raubkatze, die sich wie der Predator tarnen kann und dabei auch so schick in der Sonne schimmert. Ganz ungefährlich ist der Trick aber nicht, denn der eher schwächliche Lynth wird von einmal aufmerksamen Feinden schnell zerlegt. Das wird dem Raptor sicher nicht passieren. Mit der Größe und Form eines T-Rex findet er es eher schwierig, sich anzuschleichen. Aber die Notwendigkeit dafür dürfte sich bei seiner Durchschlagskraft auch nicht groß ergeben.

Nur verdeutlicht er gut die Beziehung zwischen Tyris und ihren Tierchen: Sie sind nichts mehr als ein paar Werkzeuge. Ihr füttert sie nicht, Ihr hegt sie nicht, Ihr schnappt sie Euch, benutzt sie und werft sie wieder weg. Auf zum Nächsten. Um das Raptor-Ungetüm steuern zu können, rammt sie ihm das Schwert in die Wirbelsäule und dirigiert, als wäre die Klinge ein Joystick. Die Bestie verkraftet solche Misshandlung nicht ewig und stirbt Euch unter dem Amazonenhintern einfach weg. Außer Ihr schafft es schnell genug für Frischblut zu sorgen und Euch konstant durch die Feindeshorden zu futtern.

Der Grad an Gewaltfreude liegt sicher weit über den Arcade-Games, der Aufbau einzelner Abschnitte erinnert dagegen stellenweise und trotz 3D frappierend an vergangene Zeiten. Ihr könnt nicht weiter, solange Ihr nicht einen Pulk von Gegnern zerstückelt oder gefressen habt. Zwischengegner findet Ihr häufig und sie haben einen ganzen Tross kleiner Bösewicht dabei. Im Gegensatz zur allgemeinen Weisheit solltet Ihr nicht erst den Kopf des Anführers einholen. Statt in Panik zu verfallen, treibt ein solcher Akt die Lakaien in einen Beserker-Rage, die Euch nicht gut bekommt.

Ganz so simpel gestaltet sich dann aber nicht der ganze Spielablauf. In den drei großzügigen Arealen der Hochländer von Dyiar, der Stadt der Toten und dem Pfad zu Death Adders Reich – Uups, gespoilert. Ja er ist zurück. – verbergen sich genug Abzweigungen und Verstecke, um Euch ein wenig links und rechts des Hauptpfades zu unterhalten. Sogar ein paar Elemente allgemeiner Itemsammelwut haben sich eingeschlichen. Neue Waffen bis hin zur legendären Goldenen Axt und immer zweckentfremdetere Rüstungen, wie etwa der „Legendäre Bikini der Beinahe Vollständigen Entkleidung“, lassen sich freischalten und verbessern.

Und endlich dürft Ihr es den kleinen Gnomen, die Euch nachts die Tränke klauen, so richtig heimzahlen. Die Zeit der zarten Tritte ist vorbei, holt weit aus und hackt die Biester endlich mal in kleine Stücke. Darauf habt Ihr doch all die Jahre nur gewartet!

Aber Spaß und Sadismus gegenüber Gnomen beiseite, der Verzicht auf CoOp drückt die Erwartungshaltung bei einem Spiel, das in der Vergangenheit so den mit Abstand meisten Spaß brachte, deutlich. Die Festlegung auf die Amazone wirkt ebenfalls halbherzig. Und doch ist da etwas. So gar sehr viel davon. Ist es der Charme mit riesigen Monstern Orkarmeen zu dezimieren? Die epischen Fantasylande aus dunklen, Howard'schen Fantasien? Die einfache Freude, durch das Blut der Feinde zu waten? Amazonen in Bikinis? Schwer zu sagen, aber es könnte ein Fehler sein, Beast Rider als „Ist nicht so wie früher“ abzuschreiben und ihm die kalte Schulter zu zeigen. Möglich, dass es durchaus trotz „inspiriert von“ und vielleicht sogar deshalb richtig gut wird. Selbst wenn Ihr es nur allein herausfinden werdet.

Bereits am 26. September soll Golden Axe: Beast Rider für PS3 und Xbox 360 bei uns in den Läden stehen. Ob geschnitten oder nicht, werden wir wohl in den nächsten Wochen erfahren.

 

 

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