Blazing Angels: Secret Missions of World War II

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Ubisoft
Entwickler
Ubisoft
Genre
Kampf
X360: Blazing Angels 2: Secret Missions of WWII

Gesamtwertung

7/10

X360: Blazing Angels 2: Secret Missions of WWII

Beim Film gibt es eine seltsame Regel, die besagt: „Eine Fortsetzung ist nie so gut wie das Original!“ So hat es zumindest Randy aus dem selbst-referenziellen Horror-Shocker „Scream 2“ zusammengefasst. Wenn man aber schon eine Horror-Fortsetzung dreht, braucht man mehr Tote, brutalere Tötungsszenen und einen unsterblichen Killer. Eine einfache Formel, aber lässt sie sich auch auf Spiele anwenden? Fest steht nur, dass Randy in „Scream 2“ verzweifelt eine bessere Film-Fortsetzung suchte und versagte. Bei Videospielen wird man da schon eher fündig.

Dank der technischen Entwicklung ist es hier viel einfacher, einen Titel auch spielerisch zu verbessern. Bestes Beispiel Half Life 2, aber auch WarCraft III, Grand Theft Auto: Vice City oder das fantastische Diablo II. Doch wie sieht es mit der Fortsetzung des mittelmäßigen Blazing Angels aus, das auf die gleiche Technik wie der Vorgänger setzt?

Zumindest was die Grundregeln angeht schlägt sich der Titel recht gut. Dank schlagkräftigerer Waffen erzielt man deutlich mehr Abschüsse. Neue Effekte sorgen für schickere Zerstörungsorgien und Hitler ist ja bei den Zweite Weltkriegs-Spielen sowieso nicht tot zu kriegen. Klingt doch alles schon recht vernünftig, mal sehen was am Ende unter dem Test steht.

Manchmal können zu hohe Erwartungen einem Spiel zum Verhängnis werden. Bei Blazing Angels 2 tritt genau der umgekehrte Fall ein. Angesichts der mäßigen Qualität des Vorgängers, der zwar nette Luftschlachten, aber nur wenig Abwechslung bot, werden viele Spieler den zweiten Teil links liegen lassen. Dabei setzt er doch auf ein Erfolgskonzept, das auch schon bei einigen anderen Titeln zu einer deutlichen Qualitätssteigerung geführt hat. Statt das Spiel auf die ausgetretenen Pfade des historischen Zweiten Weltkriegs zu lenken, wurde ein kleines „Was wäre, wenn“-Szenario verwendet, das sich zwar grob an die realen Zusammenhängen hält, aber auch ein paar Prototypen bereitstellt.

Die Secret Missions führen Eure geheime Fliegertruppe um die ganze Welt, wo sie nach und nach alle Geheimwaffen der Deutschen ausschalten muss. Die Hintergrundgeschichte wird mit hübsch gezeichneten Bildern im Comic-Stil erzählt und macht so die Charaktere deutlich glaubhafter. Da Ihr zu dieser Spezialeinheit gehört, stehen Euch nicht nur die Flugzeuge der Alliierten zu Verfügung, sondern auch jedes Beuteflugzeuge, das Euch in die Hände fällt.

In den 18 Missionen ist man deshalb meistens mit irgendwelchen schrägen Fluggeräten unterwegs, die nur selten einen simplen Propeller-Antrieb aufweisen. Vor allem Jets gibt es eine ganze Menge, auch wenn die in der Realität erst im letzten Kriegsjahr eingesetzt wurden. Das gleiche Bild zeigt sich bei Waffen und Ausrüstung. Ubisoft Rumänien hat tief in die Mottenkiste gegriffen und ein paar abgefahrene Waffen aus dem Hut gezaubert, die so nur auf dem Papier existierten – zum Beispiel Schall-gelenkte Zielsuchraketen, Kabel-gelenkte Flugbomben und Hochgeschwindigkeitskanonen.

Doch nicht nur bei Story und Ausrüstung haben sich die Entwickler kräftig ins Zeug gelegt, auch das Gameplay wurde komplett auf den Kopf gestellt. Klar, die ganze Fliegerei-Sache ist natürlich geblieben, aber sonst spielt sich der zweite Teil erfrischend anders. Dies liegt zum einen an den neuen Flugzeugen, die mit Jets und Doppelrotoren noch etwas flotter unterwegs sind. Zum anderen an den neuen Defensiv-Waffen, die das ewige Rumgekreise für eine bessere Schussposition unnötig machen. Am Heck der Maschinen sind lustige Geräte, wie ein gigantischer Blitz, ein Motor-erstickender Rauchgenerator oder aber gleich ein Tesla Werfer angebracht.

Damit werden die Gegner dann geblendet, der Motor abgewürgt oder aber ihre Elektrik ausgeschaltet. Hinterher ist es dann kein Problem, die hilflosen Flugzeuge aus dem Himmel zu pflücken. Manchmal hat man sogar Glück und die führerlosen Flieger knallen frontal in eine Felswand.

Rabiate Naturen wählen gleich ein Flugzeug mit Heck-Schrotflinte und brennen dem Gegner ein Muster in die Aluminium-Haut, wenn sie sich ans Heck geklemmt haben. Zusammen mit den neuen Sekundärwaffen und einem wirklich aufwändigen Upgrade-System, das man durch Abschüsse und Stunts finanziert, verändert das Spiel fast vollkommen seinen Charakter – zum Positiven!

Weiterhin hat sich einiges bei den Missionen getan. Neben neuen Missionstypen sind es vor allem die frischen Szenarios, die Euch an den Bildschirm ziehen. Ob im Himalaja, in Italien, den Alpen oder vor Los Angeles, auf der ganzen Welt fungiert Euer Squad als Feuerwehr. Auch die Missionsziele unterscheiden sich von Mission zu Mission. Neue Elemente, wie spezielle Gegner, die Munition liefern, und einige Spezialmanöver Eurer Squad-Kollegen, wie das Reparieren Eures Flugzeuges, verleihen dem Spiel eine Portion mehr Spieltiefe.

Klasse sind ebenso die ständig wechselnden Aufgaben innerhalb einer Mission, wobei diese mit bis zu 40 Minuten Umfang dann doch etwas zu sehr ausufern. So kann es passieren, dass Ihr zu Beginn einer Mission erst einmal die Luftverteidigung ausschalten müsst, dann einen Bomber klaut und diesen dann am Ende als Bordschütze aus einem Luftminenfeld befreien müsst. Leider gibt es innerhalb der Missionen immer unfaire Stellen und scheinbar unüberwindbare Hürden.

Mal wird ein Missionsziel nur ungenügend markiert, mal sorgt eine unklare Missionsbeschreibung für Verwirrung. Gerade unerfahrene Piloten werden sich genüsslich die Zähne ausbeißen und den Wunsch verspüren, ihre Flimmerkiste durchs Fenster werfen zu wollen. Und selbst gestandene Flieger-Asse müssen sich auf viele Neustarts einlassen, um alle 18 Missionen des Spiels zu bestehen.

Zur Optik gibt es nicht viel zu sagen. Die Entwickler haben an einigen Stellschrauben gedreht und nette Effekte wie volumetrische Wolken und diverse Lichtspielereien eingebaut. Die Flugzeuge an sich sind schon recht schick designt, mit der Perfektion eines Ace Combat 6 können sie aber nicht ganz mithalten. Bei den Bodentexturen und Fahrzeugen hat sich wenig getan, sie wirken oft wie Pappkameraden. Gerade die Schienen-artigen Bewegungen und die geringe Polygon-Dichte sorgt bei Tiefflug-Angriffen für Ernüchterung.

Auch auf hoher See erwartet man nach den schicken Wellen anderer Titel mehr als eine topfebene Wasserfläche. In den Dogfights bekommt man davon natürlich nichts mit und freut sich über das relativ ruckelfreie Spielvergnügen. Wirklich prächtig sind dagegen die coolen Nacht-Szenarios mit ihren markanten Suchscheinwerfern und blitzendem Flugabwehrfeuer.

Ohne Fehl und Tadel funktioniert hingegen die Xbox Live Anbindung. Wer sich in aufregende Dogfights stürzen möchte, kommt um die Blazing Angels-Serie sowieso nicht herum, aber auch Spielernaturen ohne einschlägiges Genre-Interesse sollten mal einen Ausflug wagen. Dank den taktischen Möglichkeiten und dem lagfreien Online-Vergnügen warten hier viele Stunden Spannung auf Euch – sofern sich ein passender Partner findet. Beim ersten Teil blieben die Server leider irgendwann leer und man konnte nur noch gegen den Computer antreten. Hoffen wir, dass sich diesmal eine größere Fangemeinde findet.

Blazing Angels 2 lässt seinen Vorgänger definitiv hinter sich. Gameplay, Grafik und Abwechslung bewegen sich auf einem deutlich höheren Niveau und hätten fast für eine Topnote gereicht. Ubisoft Rumänien hat damit erneut bewiesen, dass man auch ohne neue Technologie, aber mit viel Experimentierfreude eine fantastische Fortsetzung hinbekommen kann. Hätten die Tester nicht schlampig gearbeitet und den Schwierigkeitsgrad komplett in den Sand gesetzt, wäre ihnen eine absolute Überraschung gelungen. Trotzdem ist es schön, dass die Entwicklern dem ausgelutschten Weltkriegs-Szenario durch den Einsatz der Geheimwaffen doch noch etwas Neues abgewinnen konnten.

Seit dem 6. September könnt Ihr Euch auf der Xbox 360, der PS3 und dem PC mit Eurer tapferen Fliegerstaffel in die Lüfte schwingen.

 

 

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