PC: Star Trek Online
Schalke oder Dortmund, hübsch oder klug, Wolfgang Petry oder die Flippers. Manchmal im Leben muss man sich entscheiden und das gilt auch für Science Fiction-Universen. Sprich Star Wars oder Star Trek. Unter Profi-Nerds gibt es da kein UND, da gibt es nur ODER und böse Blicke. Die Star-Wars-Fans beschimpfen die Trekkies als Space-Hippies, die Star-Trek-Fans antworten einfach nur Jar Jar Binks. Diese Rivalität existiert schon seit den Siebzigern und ein Ende ist nicht abzusehen. Abzusehen aber ist, wo die nächste Runde dieses Kampfes statt finden wird. Nämlich genau hier, mittels Computerspielen, oder genauer gesagt mittels zweier MMOs. Und während über Star Wars: The Old Republic eigentlich schon seit dem Tag seiner Ankündigung jede Menge gesagt und noch viel mehr Hoffnung rein projiziert wurde, wirkt das Projekt Star Trek Online dagegen fast etwas müde und mitgenommen. Kein Wunder, es ist ja erschreckender Weise auch schon seit stolzen fünf Jahren in Entwicklung. Nur wurde es zwischen 2004 und 2008 noch von einer Firma namens Perpetual Entertainment entwickelt, die aber dummerweise irgendwann einfach Bankrott ging. Und erst da übernahm Cryptic die Lizenz und musste mit ihrer Arbeit angeblich komplett von Null starten. Dieser Neuanfang versetzte die sensiblen Fans zum Teil in Schockstarre. Denn, ein MMO zu entwickeln, das dauert - und so war schnell die Rede von einem Release in all zu unbestimmter Zukunft. Doch plötzlich ist alles anders, plötzlich sind die Sorgen vergessen. Die Präsentation auf der gamescom überraschte mit einer weit fortgeschrittenen Version, die auch noch live vorgespielt wurde - der angebliche Beta-Start im diesem Jahr könnte also wirklich klappen. Das Wichtigste zuerst. Seit dem Star Trek Online in Entwicklung ist, gibt es zwei vermutete Wege, die das MMO nehmen könnte. Quasi zwei Philosophien. Erstens: die Peace-Lichterketten-Variante. Dabei übernimmt jeder Spieler einen einzelnen Teil der gesamten Crew. Einer ist Steuermann, einer Kommunikationsoffizier, einer Will Wheaton. Ohne Teamwork geht hier gar nichts und nur zusammen kann der weite Weltraum erforscht werden. Aber genau das Star-Trek-Spiel wollte Cryptic ausdrücklich nicht kreieren. Niemand soll zwanzig Stunden am Transporter stehen, langsam seinen Hoch- und Runterschiebe-Skill verbessern und auch noch monatlich dafür zahlen. Egal wie gut und episch die Idee klingt, Star Trek Online wird Variante zwei. Und die lautet: Jeder ist ein Raumschiff-Captain. Die Sternzeit lautet 2409. Dreißig Jahre nach dem (eher unangenehmen) Film Star Trek: Nemesis ist das Universum in Aufruhr. Die Romulaner haben keinen Heimatplaneten mehr, die Borg sind wieder zurück und der Friedensvertrag zwischen der Föderation und Klingonen, auch als Khitomer-Vertrag bekannt, ist aufgelöst. Alle Zeichen stehen auf Krieg und die Sternenflotte, genauso wie die Klingonen, braucht jede Menge neue Kapitäne. Zunächst einmal gilt es sich aber zu entscheiden, welchen Schwerpunkt die Karriere eures Charakters haben soll. Die drei möglichen Felder lauten: Ingieneur (Scotty), Wissenschaft (Spock) oder Taktik (Sulu). Alles drei weitläufige Bereiche, die natürlich nur eine generelle Richtung festlegen. Denn Star Trek Online wird ein skillbasiertes System benutzen. Keine fest vorgegebene Entwicklung von Anfang an, sondern die Fähigkeit, in die ihr Punkte reingebt, wird auch besser. Ganz ohne Level kommt man trotzdem nicht aus, nur heißen sie hier Ränge. Ein Leutnant 6ter Klasse - irgendwie hört sich das auf Deutsch immer blöd an -, also nochmal: ein Lieutenant 6th Class ist der sechste Level der Lieutenant-Klasse. Kombiniert mit den 5 verschiedenen Rängen, bis hoch zum Admiral, macht das ziemlich genau 50 Level. Aber auch wenn jeder ein Captain sein wird, ohne Crew geht dann doch nur wenig auf einem Raumschiff. So ist die Frage nach den Offizieren bei STO essentiell und soll eine entscheidende Rolle einnehmen. Los geht das schon mit dem Äußeren: ihr könnt euren Offizieren Namen geben, ihr zieht sie an, ihr levelt sie hoch und wählt auch, was für Skills sie neu dazu bekommen. Und diese Entscheidung ist natürlich wichtig. Denn auf dem ersten Schiff, dem Newbie-Schiff, gibt es nur genau drei Offiziersplätze auf der Brücke. Einen taktischen, einen technischen und einen wissenschaftlichen. Die Zahl der Leute, die aber im "Inventar" zur Verfügung stehen, ist meistens größer als die offenen Stellen. Die Auswahl der Offiziere wird so taktische Entscheidung und verschiedene Kombinationen von Leuten ergeben verschiedene Builds. Die Wichtigkeit zeigt sich im Kampf. Dort stellen die Crewmitglieder ihre Skills zur Verfügung und hat euer taktischer Offizier das Talent Torpede-Salve, feuert ihr bei der Aktivierung plötzlich drei statt nur einem langweiligen Torpedo ab. Kombiniert man das jetzt vorher noch mit einem Wissenschaftler, der einen Tachyon-Strahl aktivieren kann (so was, das weiß der gebildete Trekkie, neutralisiert gegnerische Schilde extrem schnell), hat man eine schlagkräftige Kombo an Deck. Klingt nach Star Trek, ist auch Star Trek. Genau wie der optische Eindruck des Raumkampfes. Hier sind Raumschiffe bekanntlich keine kleinen Kampfschiffe, die die Nonstop-Loopings und Kamikaze-Manöver fliegen. Wir reden über riesige Kreuzer, mit mehreren hundert Crewmitgliedern. Deshalb geht es bei den Gefechten auch weniger um schnelles Ausweichen und genaues Zielen, sondern um die beste Strategie. Diese besteht aus der richtigen Balance der Energieverteilung (z.B. zwischen Schilde und Phasern) in Kombination mit den eben genannten Talenten der Bordcrew. Eure Crew ist im zweiten großen Element in Star Trek Online ebenfalls zentral. Auch in eurem Away-Team, also auf den Planeten, gilt es wieder eine sinnvolle Truppe zusammen zu stellen. Dabei besitzen die vier Begleiter eine simple KI. Sie folgen euch, sind aggressiv oder beschützend, greifen aus der Distanz an oder suchen lieber Deckung. Das Ergebnis soll ein bewegterer und dynamischerer Kampf sein, als das Standard-Monstergekloppe bei der Konkurenz. Run and Gun ist das Motto. Also Öffnungen in der Verteidigung suchen, seine Position verändern und zielen, schießen, wieder weiter laufen und den Gegner mit seinem Team flankieren. Hört sich gut an, sieht aber in der Präsentation noch etwas chaotisch aus. Denn selbst wenn alles sehr bewegt scheint, kommt es an mehreren Stellen zur unfreiwillig komischen Situation, dass sich zwei Personen direkt gegenüber stehen und sich lustig mit Phasern beschießen. Das dritte große Standbein soll das Modewort Customization, also individuelle Gestaltungsmöglichkeit, bringen. Hierbei kann fast alles irgendwie vom Spieler modifiziert beziehungsweise einzeln festgelegt werden. Die üblichen Verdächtigen spielbaren Aliens langweilen euch? Kein Problem mit dem Alien-Generator. Eure Enterprise sollte eine andere Untertasse bekommen? Ok. Wieso auch nicht? Von dem Aussehen der Rassen, über die Uniformen bis hin zu Namen und Abzeichen ist alles veränderbar. Aber es ist eine andere Idee aus Star Trek Online, eine Idee, die bisher nur am Rande erwähnt wurde, die unter den richtigen Umständen deutlich revolutionärer sein könnte als guter Raumkampf. Und die Idee heißt Erforschung. Der Weltraum, die angeblich unendlichen Weiten, sollen bei Star Trek Online im Moment aus nicht ganz unendlichen 500 Planeten bestehen, die man ansteuern und mit seinem Team erkunden kann. Hier die Besonderheit: Eine Vielzahl der Planeten sind dabei nicht in Handarbeit gebaut worden, sondern mit einem Tool, das die Welten zufällig zusammen setzt. Das soll aber erst der Anfang sein. Funktioniert das und die vom Computer generierten Schauplätze machen auch den Spielern genug Spaß, (zugegeben, das gilt es erst mal zu beweisen) könnte der Erforschungs-Content in Zukunft erstellt werden, während die Server laufen, und das, ohne große zusätzliche Entwicklungskosten. Natürlich birgt das System genau so viele Gefahren wie Möglichkeiten, trotzdem wird der Ansatz vielleicht neuen Türen für die Generierung von Inhalten bei MMOs aufgestoßen. Nach der 30minütigen Präsentation ist klar, Star Trek Online ist zurück, auch wenn es nie wirklich weg war. Es handelt sich weder um Vaporware noch um lieblose Lizenzverwertung. Was in Köln zu sehen war, gerade unter Berücksichtigung der kurzen Entwicklungszeit, ist beeindruckend. Grafisch sieht vor allem der Weltraum fantastisch aus und auch der Schiffskampf wirkt wie 100% Star Trek. Wie sich das Geschehen auf dem Planeten am Ende spielt und ob sich die Quests nach TV-Episoden anfühlen, statt nach Abarbeiten von Aufgaben, bleibt im Moment weiterhin offen. Doch kämpfen und questen kann ich in jedem beliebigen MMO und deshalb ist das interessanteste Element der Erforschungspart. Vermutlich auch deshalb, weil er so sehr das widerspiegelt, wofür Star Trek seit 42 Jahren steht. Gelingt Cryptik das Kunststück, die Erforschung von wirklich fremden Welten (da der Computer sie ja gebaut hat) spannend zu gestalten, könnte Star Trek Online gegenüber dem direkten Konkurrenten Star Wars: The Old Republic sehr viel Meter gut machen. Star Trek Online soll nächstes Jahr erscheinen. Die Beta startet angeblich noch 2009. Unter Startrekonline.com (http://www.startrekonline.com) könnt ihr euch ab sofort dafür anmelden.




