Halo 3

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Microsoft
Entwickler
Bungie
Genre
Shooter
X360: Halo 3

Gesamtwertung

9/10

X360: Halo 3

Halo ist ein Mythos, der sich nur schwer in Worte fassen lässt. Rein nüchtern betrachtet tritt der Science-Fiction-Epos seit dem ersten Teil spielerisch auf der Stelle. Innovationen waren im Nachfolger Mangelware und auch der dritte Vertreter ist da keine Ausnahme. Klar wurde mit Halo 2 ein wirklich außergewöhnlicher Multiplayer-Modus eingeführt, doch den gab es auch schon bei einem Quake 3 auf der Dreamcast. Ja, die Grafik setzte Zeichen, trotzdem konnte sie nicht mit optischen Meisterwerken wie Chronicles of Riddick mithalten. Was also fasziniert die Leute so an diesem simpel gestricktem Ballerspiel?

Zum einen ist es ganz sicher die Perfektion, mit der Bungie an die Arbeit geht. Egal ob Steuerung, Design, Schwierigkeitsgrad oder künstliche Intelligenz, die amerikanischen Entwickler erlauben sich kaum einen Fehler. Was sie anpacken machen sie richtig. So gelang es ihnen mit Halo 1 die Ego-Shooter-Steuerung für Spielkonsolen zu revolutionieren. Im zweiten Teil wurde mit einem ausgeklügeltem Multiplayer-System das Online-Spiel auf einer Konsole salonfähig.

Halo 3 dagegen wird sich die gewaltige Fangemeinschaft zunutze machen und durch intelligente Tools so viel User-generated Content liefern, dass der Titel wahrscheinlich noch in 6 Jahren ausgiebig gespielt wird. Doch wie sieht es abseits der unendlichen Online-Welten aus, werden auch Offline-Spieler mit dem Titel glücklich?

Groß Worte, große Taten

Nach dem fast schon dreisten Cliffhanger aus dem zweiten Teil soll Halo 3 die Geschichte abschließen. Und ja, es ist ein richtiges, ein großes Ende geworden. Der Kampf um die Zukunft der Menschheit findet einen würdigen Abschluss. Viel mehr wollen wir zu der Story nicht erzählen, sondern nur Eure Erinnerung auffrischen. Denn man muss selbst die Kämpfe und Zweifel des Master Chiefs miterleben. Seine Sorge um die verschollene Cortana, seine Probleme, die Alien-Allianz als Partner zu akzeptieren und seine ständigen Kämpfe mit der neuen, alten Gefahr.

Diese Show gehört ihm ganz allein, das Alien aus Halo 2 wird nur ein Nebendarsteller, ein Helfer in der Not, den im Koop-Modus übrigens ein Mitspieler übernehmen kann. John 117, so hieß der Master Chief, bevor er zu einem Spartan wurde, erlebt eine spannende, aber doch auch sehr bekannte Geschichte rund um Intrigen, drastische Maßnahmen und falsche Verbündete.

Schon der Einstieg knüpft nahtlos an die Geschichte des Vorgängers an und befördert den Master Chief zurück auf die Erde. Die Alien-Allianz ist nun auf der Seite der Menschheit und der Prophet der Wahrheit und die Brutes sind der wahre Feind. Von da an entführt Halo 3 Euch auf eine wilde Achterbahnfahrt voller Action, epischer Fahrzeuggefechte und taktischen Indoor-Ballereien. Viele Innovation werdet Ihr auf dem Weg durch die zehn, thematisch sehr unterschiedlichen Regionen nicht entdecken. Bungie hat zwar an vielen Details gearbeitet, doch am bewährten Gameplay wurde kaum etwas verändert.

Noch immer zieht der Spartan-Soldat Master Chief manchmal mit Kameraden, aber oft allein in die Schlacht. Geschützt durch ein starkes Kraftfeld, das sich nach einer Feuerpause auflädt, kann er zwei unterschiedliche Waffen mit sich führen, ein paar Granaten und neuerdings auch einen Ausrüstungsgegenstand. Doch dazu später mehr. Ohne taktische Befehle, Deckungsmanöver oder Upgrade-Funktionalitäten entspricht Halo 3 dem Inbegriff eines klassischen Ego-Shooters. Gejagt von intelligenten Gegnern und immer wieder auf Fahrzeuge zurückgreifend, bestreitet er einen abwechslungsreichen Kampf um das Schicksal der Menschheit.

Innovativ sind, wie schon erwähnt, lediglich die Ausrüstungsoptionen, die man auch im Mehrspielerbereich nutzen kann. Darunter defensive Blasenschilde, die vor Feindfeuer schützen, Energieabsauger, um Feinde zu entblößen oder hilfreiches Equipment, wie etwa einen Gravitations-Lift, um an versteckte Extras und Waffen zu geraten. Natürlich haben auch das Arsenal und der Fahrzeug-Hangar ein obligatorisches Update bekommen. Einige Waffen, wie der gewaltige Spartan-Laser, sind schon aus der Beta bekannt. Neu ist zum Beispiel der mächtige Gravitations-Hammer, der für die spaßigsten Momente des Spiels sorgt.

Mit jedem Schlag löst sich nämlich eine Energiewelle, die Gegner, Fahrzeuge und Level-Inventar durch die Gegend schleudert. Wer also auf Nahkampf steht, wird mit diesem Prügel jede Menge Spaß haben. Wie schon das Energieschwert, besitzt aber auch diese mächtige Waffe eine begrenzte Ladung, die irgendwann aufgebraucht ist. Danach kann man nur noch eine einfache Nahkampfattacke durchführen, die weit weniger durchschlagkräftig ist.

Sehr kraftvoll ist auch der Brute Spiker, der obendrein beidhändig getragen werden kann. Speziell in Kombination mit dem neuen Einhandschrotgewehr kann man damit sowohl auf Entfernung als auch im Nahkampf mächtig austeilen. Ziemlich böse sind zudem die stationären Geschütze, die man erstmals aus ihrer Verankerung reißen kann. Danach verlieren sie zwar ihre unendliche Munitionszufuhr, im Gegenzug verwandelt man sich aber in einen laufenden Panzer. In diese Fußstapfen tritt zu guter Letzt der Flammenwerfer, der nicht nur wunderhübsch anzuschauen ist, sondern auch in engen Räumen gleich dutzende Gegner auf einmal rösten kann.

Bei den Fahrzeugen wählte Bungie einen ähnlichen Weg. Neben dem VTOL-Kampfjet „Hornet“, der mit seinen mächtigen Raketen aus gegnerischen Fliegern in Sekundenschnelle Kleinholz macht, kann vor allem der „Brute-Chopper“ begeistern. Das überdimensionierte Zweirad erfordert zwar einiges Geschick, dafür ist es auch extrem stark und sieht verdammt cool aus.

Mit dem unbewaffneten, aber extrem schnellen Moongoose-Quad wird die Fahrzeugpalette der UNSC vervollständigt, wodurch reine Fahrzeuggefechte sich endlich ausgeglichen spielen. Leider ist es im Mehrspieler-Modus nicht möglich, auf den Scarab sowie eine Handvoll Spezialfähigkeiten aus der Kampagne zurückzugreifen. Ebenso darf man das vierbeinige Monster im Solistenpart nur töten, nicht steuern.

Auf dem „normalen“ Schwierigkeitsgrad braucht man die nützliche Ausrüstunh aber kaum. Noch stärker als in den Vorgängern ist dieser Spielmodus für die Casual Gamer unter den Halo-Fans reserviert. Die Gegner verhalten sich zwar einigermaßen intelligent und besitzen auch eine dicke Panzerung, doch wer jemals vorher ein Joypad in der Hand gehalten hat, wird auch in der Lage sein, diesen Modus zu meistern.

So ist es kaum verwunderlich, dass erfahrene Spieler nach gerade mal 7 bis 8 Stunden das Hauptmenü wiedersehen. Echte Fans sollten also lieber mit „Heroisch“ einsteigen, denn erst hier entfalten die spannenden Feuergefechte ihre perfekt choreographierte Dynamik.

Die Brutes sind nämlich in einer streng hierarchischen Struktur organisiert. Häuptlinge mit prachtvoller Rüstung und mächtigen Waffen verteilen Aufgaben an die einfachen Soldaten. Wenn es eng wird, wird Hilfe herbeigerufen und Flankenangriffe gehören zur Standardtaktik.

Hier gewinnt das Spiel vor allem im Koop-Modus eine beeindruckende Intensität. Gleichzeitig wird klar, warum Bungie an dieser erfolgreichen Formel kaum Hand anlegte. Durch die Erfahrungen aus den Vorgängern können echte Halo-Cracks direkt auf „Legendär“ einsteigen, ohne sich mit dem niedrigeren Schwierigkeitsgrad herumzuschlagen. Im Koop-Modus ist das übrigens Pflicht, da selbst die höchste Stufe mit vier erfahrenen Spielern zu einem Spaziergang wird. Während man allein auf legendär noch locker 10 Stunden einplanen muss, ist man zu viert schon nach 4 bis 5 Stunden durch.

Mehr kann man zum Singleplayer kaum sagen, ohne zuviel von der Story zu verraten. Wer die beiden ersten Teile mochte, wird auch diesmal zufrieden sein. Dank Generalüberholung bei der Grafik und beeindruckenden Lichteffekten sieht der Titel natürlich deutlich besser aus, aber am Gameplay-Konzept wurde kaum etwas verändert. Leider gibt es auch in diesem Teil ein paar alte Probleme, die Bungie nicht wirklich in den Griff bekommen hat. So leidet oft die Orientierung in den Indoor-Abschnitten, die auch in der 'Nächsten Generation' ein wenig mit langweiligen Texturen zu kämpfen haben. Gemessen an den wunderschönen Außenbereichen ist die Detailknappheit in den gigantischen Gebäuden fast schmerzhaft.

Überhaupt ist die Grafik ein zweischneidiges Schwert. Bei der Beleuchtung hat Bungie eine Meisterleistung vollbracht. Wenn zartes Licht durch die Dschungelhölle Westafrikas bricht und die Blätter im Vorbeigehen zu Seite gedrückt werden, befindet sich Halo 3 atmosphärisch zumindest für eine kurze Zeit auf einer Augenhöhe mit Titeln wie Bioshock.

Auch der Detailreichtum in den Zwischensequenzen kann mit einer solchen Pracht mithalten, doch im eigentlichen Spiel werden kleinere Brötchen gebacken. Nur in den zahlreichen Zwischensequenzen kann die Engine ihre ganze Stärke ausspielen und wie schon beim Vorgänger mit einer perfekten Inszenierung begeistern.

Um eine gute Performance zu sichern, bewegen sich die Modelle in Bezug auf Polygone und Texturen nur knapp über dem Niveau des zweiten Teils. Die grafische Brillanz der Unreal Engine 3-Titel wird eher selten erreicht. Dafür bleibt die Framerate relativ konstant bei 60 Frames und auch eine 1080p Unterstützung wurde integriert. Das Spiel wirkt rund und flüssig, zeigt nahezu keine grafischen Fehler und unterstützt perfekt das schnelle und dramatische Gameplay. Halo 3 hat damit die optische Vormachtstellung eingebüßt, doch liefert die perfekte Grundlage für das so besondere Halo-Feeling.

Doch genug gejammert, kommen wir nun zu dem perfekten Teil von Halo 3. Ohne zu arg mit der Lobkeule zu schwenken: Im Multiplayer-Bereich haben die Entwickler alles richtig gemacht. Das beginnt mit der perfekten Koop-Unterstützung für bis zu vier Spieler, setzt sich mit einem Dutzend perfekt modellierter Karten fort und endet mit einem genialen Editor-Tool, das die Community für Wochen beschäftigen wird.

Doch auch viele andere Details, wie die schon in unserer Multiplayer-Vorschau

präsentierte Replay-Funktion, ergänzen das sowieso schon nahezu perfekte Mehrspielererlebnis. Echte Fans können die Replay-Funktion auch mit der Kampagne nutzen und so jedes Detail der epischen Kämpfe noch einmal erleben. Komplexe Ranglisten, Dutzende Spielmodi – unter anderem Showdown, Oddball, Territorien - und detaillierte Anpassungsmöglichkeiten für den eigenen Online-Charakter ergänzen dieses perfekte Paket. Doch der eigentliche Höhepunkt des Halo-Universums wartet unter dem unscheinbaren Namen „Schmiede“.

Schon die Videofunktion eröffnet den Halo-Fans ungeahnte Möglichkeiten, doch die Schmiede macht aus Halo 3 ein mächtiges Entwicklertool, das auf Grundlage der bestehenden Elemente der Kreativität der Spieler Flügel verleiht. Gemeinsam mit bis zu 16 Freunden können sie jede beliebige Karte bis ins kleinste Detail verändern. Die geometrischen Rahmenbedingungen sind von dieser Radikalkur ausgenommen. Eine Änderung der Grundstruktur hätte ein enormes Vorwissen der Spieler erfordert, doch die Veränderung bestehender Karten und Konzepte dürfte eine gigantische Zielgruppe ansprechen. Gestartet wird eine Schmiede-Sitzung recht klassisch. Die Spieler werden auf die Karte geworfen und können sich abschießen.

Neben den klassischen Objekten sind überall seltsame Symbole auf dem Boden verteilt, die sich erst im Kreativ-Modus von selbst erklären. Mit einem einfachen Knopfdruck kann sich jeder Kämpfer in ein so genanntes Orakel verwandeln. Diese fliegende Kamera kann sich frei im Level bewegen, per Knopfdruck Levelobjekte packen oder gar neue generieren. Abgesehen von etwaigen Waffen und Kisten kann man auch Startpunkte, Ausrüstungsteile und Fahrzeuge platzieren. Dadurch kann man den Charakter eines Level komplett auf den Kopf stellen und gar neue Spielmodi erfinden. In einem weiteren Arbeitsschritt kann man sogar Siegbedingungen, Gravitation oder Lebensenergie verändern. Mit etwas Arbeit ist es so selbst für unerfahrene Zockernaturen ein Leichtes, ihre eigenen Gamedesign-Ideen auf den Bildschirm bringen.

Zu Testzwecken habe ich mir einen Freund geschnappt und etwas an der Karte Hochebene herumgedoktert. Drei verschiedene Spielmodi sind dort anwendbar. Klassisches 'Deathmatch', ein einfaches 'Capture the Flag' und ein 'Bombmodus', der sehr an Counter-Strike erinnert. Das eine Team startet an einem lauschigen Strand, währen das andere direkt in einer Festung beginnt. Unser Ziel war es, eine Art Counter-Strike zu schaffen, bei dem jedes Team pro Runde nur einmal startet und es nur eine begrenzte Auswahl an Waffen gibt.

Dazu haben wir erst einmal alle Spawn-Punkte und Waffen entfernt. Für jeder Löschung bekamen wir eine bestimmte Summe auf ein virtuelles Konto transferiert. Um die Performance nicht zu beeinträchtigen, darf nämlich nur eine bestimmte Anzahl von Objekten auf der Karte platziert werden. Dies wird über Kosten pro Objekt geregelt und lässt eine ganze Menge Spielraum.

In einem zweiten Schritt haben wir alle Waffen an den Anfang gelegt, an dem sich die Spieler des Team für eine Waffe entscheiden müssen. Pro Runde liegen diese nur einmal bereit und tauchen auch nicht wieder auf. Ein paar schwere Geschütze auf beiden Seiten helfen den Vormarsch zu beschleunigen und einige Zugänge wurden so verbarrikadiert, das sie besser zu halten sind. Abschließend mussten noch die Startpunkte und das Bombenziel festgelegt werden, dann war unser Meisterwerk fast fertig. Wenn man dann damit eine freies Spiel generiert, muss man nur noch dafür Sorge tragen, dass jeder Spieler nur einmal startet, die Lebensenergie nach unten und die Gravitation nach oben korrigiert wird - schon besitzt man eine Counter-Strike-Modifikation.

Uns ist es natürlich gelungen, durch einen falschen Knopfdruck unser Schmuckstück zu löschen und ca. eine Stunde Arbeit zunichte zu machen. Als Ausgleich sind wir anschließend gemeinsam auf die Karte Walhalla gegangen und haben ein lustiges Schmiede-Deathmatch gespielt. Da die Spieler sich jederzeit in ein Orakel verwandeln können, ist es ohne Probleme möglich, sich immer die passende Waffe zu spawnen. Die Baukamera ist übrigens durch ein anderes Team zerstörbar, so entwickeln sich skurrile Schlachten mit Dutzenden Kampfjets der Marke „Hornet“ und fliehenden Orakeln, die vom Gegner durch den Level gehetzt werden. Halo 3 bietet damit genau die Spielwiese, die Little Big Planet uns 2008 auch auf der Playstation 3 bescheren wird. Nur eben mit Laserwaffen, Panzern und jeder Menge toten Soldaten.

Das Gesamtkunstwerk Halo 3 ist einmalig. Kein Spiel liefert so viel Spielspaß, Inhalte und Modifikationsmöglichkeiten. Speziell der Mehrspieler-Bereich lässt wirklich keine Wünsche offen und wird die Spieler noch viele Jahre beschäftigen. Mit der Schmiede wurde gleichzeitig ein fast übermächtiges Tool geschaffen, das die Spieler selbst zu Schöpfern macht. Für dieses Wunder verdient Halo 3 eigentlich die Bestnote. Tja, eigentlich, wäre da nicht noch der Solisten-Part.

Denn genau dort, wo Bungie mit dem ersten Halo Zeichen setzte, dominiert nun Stagnation. Immer wieder keimt das Gefühl auf, das alles schon einmal gespielt zu haben. Natürlich alles hübscher, fehlerfreier und noch ein wenig ausgeklügelter, doch wirklich herausragende, gänzlich frische Momente bleiben aus. Weder Grafik noch Gameplay können sich hier gegen die starke Konkurrenz behaupten, auch wenn die höheren Level nahezu perfekt choreographierte Kämpfe bieten, die echte Fans begeistern werden.

Kurzum: Hier hat sich Bungie einfach zu sehr auf seinen Kultstatus verlassen, statt ebenso einen großen Offline-Wurf zu landen und sich damit den Thron im Wertungsolymp zu sichern. Dennoch: Ein einmaliger, definitiv empfehlenswerter Titel.

Seit heute kann man auf der Xbox 360 den verzweifelten Kampf des Master Chiefs gegen die übermächtigen Feinde miterleben.

 

 

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