Gesamtwertung8/10 |
Light Gun Rail Shooter sind hohl. Stimmt, aber damit habe ich kein Problem. Shoot´em´Ups mit kleinen Raumschiffen sind auch hohl, aber das hat mich nie davon abgehalten, sie 20 Jahre und immer noch zu spielen.
Light Gun Rail Shooter haben keine Story, die der Rede wert wäre. Was uns zurück zu 20 Jahren Shoot´em´Ups bringt.
Light Gun Rail Shooter sind entweder extrem kurz oder so unfair schwer, dass die Motivation genauso schnell flöten geht. Das stimmt wohl…
Und im ersten Anlauf scheinen sich auch bei House of the Dead: Overkill alle Vorurteile zu bestätigen. Der Story-Modus – zum Wörtchen Story darin später mehr – verzeiht Euch vieles, sogar, dass Ihr nicht die Fixesten seid, sobald es darum geht, einen Zielcursor über Euren Screen zu bewegen und auf heranwankende Zombies zu richten. Und solltet Ihr doch mal sterben, Continues gibt es so viele Ihr wollt. Alles was Ihr dafür tun müsst, ist die Hälfte Eures Scores zu opfern. Punkte, wie uninteressant. Hier nimm. Und jetzt lass mich weiterballern.
Bis Ihr merkt, dass Punkte nicht nur Zierde, sondern Währung sind, mit der Ihr Euer Waffenarsenal ausbaut. Plötzlich wird der Zähler trotz der Abwesenheit eines Onlinescoreboards richtig interessant. Wer will schließlich nicht mit einer Automatik-Shotgun die lebenden Toten in die toten Toten zurückverwandeln. Also heißt es punkten und damit lernt Ihr auch das brillante Kombosystem von Overkill kennen.
Ok, so wahnsinnig brillant ist es gar nicht. Es geht nur darum, dass Ihr Zombies trefft und zwischen zwei Zombies keine Kugeln in die Wände zwischen den Zombies setzt. Was meistens gar nicht mal so schwer ist angesichts des Ansturms an Zombies. Zombie ist ein tolles Wort. Deshalb schreibe ich gerne Zombies. Ich bin mir der Wiederholung des Wortes Zombies bewusst. Zombies. Mit diesem kleinen Anfall wollte damit auch nur ausgleichen, dass Overkill nie das Z-Wort in den Mund nimmt. Hier sind es Mutanten. Und für mich und den Rest der Welt Zombies.
Zurück zum Sache. Der Fun liegt in der Steigerung des Counters bis zum Metzel-Nirvana-Überstatus „Goregasm“, der Euch in eine wahre Punktetrance versetzt. Ein gutes altes, handgemachtes Arcadefeeling macht sich breit, es fehlt eigentlich nur noch der Zigarettenqualm, der etwas siefige Geruch und das Krachen des zu laut eingestellten SEGA Rally-Automaten nebenan und Ihr wärt wieder zurück, 1999 in dieser Spielhalle, mit dem House of the Dead–Automaten.
Nur, dass Overkill weit besser aussieht. Man muss einfach neidlos anerkennen, dass Entwickler Headstrong Games und SEGA die Wii im Griff haben und bei der Kalkulation der Production Values in keiner Weise knauserten. Grandios designte Umgebungen, Massen von sehr individuellen Zombies, die Ihr einzeln ins Herz schließen könnt, bevor sie einer Symphonie aus Rot herab regnen, ein spaßiges Artdesign und zwei Protagonisten, mit denen ich im nächsten Grindhouse-Flick keine Probleme hätte. Overkill ist endlich mal ein Spiel, bei dem man nicht sagen muss, dass es „für die Wii-Verhältnisse“ gut aussieht. Das hier würde auf jeder Konsole eine gute Figur machen, zum Teufel mit den 720p, solange Agent G und Detective Washington das Haus rocken.
Und wie Tarantino und Rodrigues ist sich Overkill sehr bewusst, dass Story nicht schlecht, aber Stil unverzichtbar ist. Das offensichtliche Vorbild für dieses Gemetzel ist die Pulp-Renaissance des letzten Jahrzehnts und man hält sich dabei nicht mit schöngeistiger Ironie oder subtilen Anspielungen aus. Frei nach dem Motto, dass das Leben zu kurz für Gesellschaftskritik sei, tobte man bei Headstrong Games einfach los und machte ganz offensichtlich, wonach einem gerade war.
Und das beinhaltet eine krude Mischung aus Planet Terror, Dusk Till Dawn und offensichtlich auch einem ganzen Schwung verschiedener Buddy-Cop Dialoge über die Wichtigkeit von Musik im Leben eines Mannes, die richtige Art mit Frauen zu sprechen oder die angemessene Verwendung des F-Wortes. An diesem gibt es nämlich keinen Mangel und es dürfte keine Übertreibung sein, zu sagen, dass es hier in einer halben Stunde über das Spiel verteilter Szenen häufiger genutzt wird als in jedem Film. Pulp Fiction und Burn after Reading eingeschlossen.
So wahnwitzig cool, meist auch noch witzig und immer stylisch das alles rüberkommt, es entkräftet nicht meinen anfänglichen Vorwurf, dass ein Rail Shooter meist kurz oder schwer ist. Overkill scheint sich für ersteres entschieden zu haben, während Ihr es bequem durchzockt und entspannt den Storymodus beendet. Dreieinhalb Stunden sind für ein Spiel dieses Genres eine Ewigkeit, für den geforderten Vollpreis wäre es trotzdem nicht gerade der Deal des Tages. Das hilft es auch nur bedingt, dass Overkills hervorragendes Leveldesign zu einer zweiten und auch dritten Runde verleiten kann.
Diese Extrarunden könnt Ihr Euch aber für ein Weilchen aufsparen, denn Overkill ist besser als das. Nach dem ersten Durchlauf zieht der Abspann seines Weges und gerade als Ihr das Spiel in diese besondere „war geil. aber ist durch“-Ecke des Regals stellen wollt, fällt Euer Blick auf den fast verschämt freigeschalteten Director's Cut.
Neue Wege, neue Stage-Abschnitte, toughere Zombies und nur drei Continues für jeden der Level. Und plötzlich kommen einem die 20 bis 30 Minuten eines solchen richtig lang vor, während Ihr mit klammen Fingern die Mote umkrallt und erste Schweißperlen sich schnell bilden. Das ist der Modus für die Profis, die die Eingangsrunde als kleine hübsche Aufwärmung betrachteten.
Ein wenig schade scheint es, dass Könner gezwungen werden, wenigstens einmal durch den einfachen Weg zu ballern und sie so ein wenig gelangweilt vorzeitig dem 70s-Grinder-Horror-Flair erliegen sollen. Bis Ihr hier durch den Director's Cut seid, dürften ein paar mehr Stunden ins Land gezogen sein, selbst wenn Ihr in dieser zweiten Runde die Zwischenszenen abbrechen dürft. Aus der Kombination von Normalen und Director's Cut, plus die Jagd nach Punkten und Waffen, ergibt sich eine für diese Art von Spiel unerreichte Langzeitmotivation.
Natürlich nur, sofern Ihr Euch dafür begeistern könnt, dem erzwungenen Pfaden und Tempo zu folgen. Aller Stil und Reiz ändert nichts an der schlichten Strickweise des Genres. Ich kann und will das dem Spiel gar nicht ankreiden, Ihr solltet Euch dessen einfach bewusst sein. Für Kenner aber bietet sich hier ein interessanter Shift, wenn es um die Waffen geht.
Dadurch, dass Punkte plötzlich wichtig und Kombos notwendig sind, zumindest solange Ihr gelegentlich den Waffenshop besuchen wollt, bringen die normalerweise bevorzugten UZIs und MGs weit weniger. Sicher, ihren Zombie-Blast-Effizienz berührt es nicht, aber einen Swipe über den Screen zu vollführen, ohne den Kombo-Beat einzubüßen, dürfte unmöglich sein. Die einfache Pistole gewinnt massiv an Bedeutung und die Shotgun dürfte schnell Euer bester Freund werden.
Trotz aller Lobgesänge sollen die dunklen Seiten Overkills nicht verschwiegen werden. In erster Linie wären da die Bosse und mit ihnen in abgeschwächter Form auch die gesamte Balance der Schwierigkeit im Spiel selbst. Der erste Level ist der härteste und sein Boss die einzige Biatch – sorry, es scheint abzufärben –, an der Ihr richtig knabbern werdet. Der zweite reizt auch noch, danach scheinen dem Team ein wenig die Ideen für fair, aber knackig ausgegangen. Selbst der finale Übermutant reißt es einfach nicht, zu leicht durchschaut Ihr die Muster und spätestens im zweiten Durchgang werdet Ihr nicht einmal mehr allzu viel Energie, geschweige denn Continues verbrauchen.Und mit immer besseren Waffen wird jeder neue Level scheinbar etwas leichter.
Die Abwesenheit eines Onlinemodus enttäuscht, auch wenn man dafür weniger Headstrong Games verantwortlich machen kann. Auf der Wii ist es halt immer noch die Ausnahme. Zu zweit vor dem weißen Kasten ballert Ihr Euch durch die Story oder tobt Euch in einer Viererunde in drei kurzen Spielchen aus, in denen es letztlich immer auf Highscores durch massenhafte Zombie-Inhumierungen hinausläuft. Ein kurzweiliges Vergnügen und perfekt zum Erschrecken aller geeignet, die die Wii automatisch mit niedlich verbinden.
Und damit kommen wir hier zum Satz, auf den Ihr alle gewartet habt: House of the Dead: Overkill wurde genau das Splatter-Fest, auf das die Metzel-Fans unter Euch gehofft haben. Mit einem beunruhigend befriedigendem Schmatzer platzen Zombiehirne, Ihr dürft ihnen die Gliedmaßen einzeln entfernen, auf dass sie auf ihren dreckigen Zombiebäuchen angerobbt kommen. Was sie auch tun, um Eure leckeren Hirne zu verspeisen. Oder Ihr wählt die subtile Shotgun und lasst aus kurzer Distanz geschossen einen Blutregen über den Screen ergehen.
Dazu passt die eher handzahm startende und zum Ende hin ins grenzdebil-perverse abdriftende Story perfekt. Und weil es eben alles so unbedenklich weit in die Unglaubwürdig- und Trashigkeit überzeichnet wurde, habe ich damit auch kein Problem. Es wurde nicht als Spiel für Kinder konzipiert, sondern für Männer, Bier und anschließend Kaufhaus der Reitenden Leichen auf DVD. Einen echten, rundum gelungenen Luxus-Trashabend eben.
Bevor ich vor ein paar Tagen die Wii anwarf, gab es keinen Rail Shooter, den ich nicht bestenfalls als hohlen, kleinen Fun für Zwischendurch abgetan hätte. Spiel hätte ich die Dinger nicht genannt. Overkill änderte diese Einschätzung drastisch mit seiner Mischung aus höchster Produktionsqualität, witzigem Ambiente und dank Director's Cut und Waffenupgrades enorm gesteigertem Wiederspielwert. Sicher, es bleibt hohl wie die Nacht finster, kleine Mängel im Balancing trüben das Gesamtbild und das Script dürfte man wohl auf einer Margarita-Serviette irgendwo in der mexikanischen Provinz zusammengescribbelt haben. Das unterstreicht aber lediglich seine Authentizität und ändert nichts am Langzeitspaß. House of the Dead: Overkill ist keine Schießbude für Zwischendurch und auch nicht nur witziger Trash. Es ist ein richtiges Spiel. Und sogar ein verdammt gutes.
Kennt Ihr den schon: Da geht einer hin und fragt, wann House of the Dead: Overkill in Deutschland erscheint. Haha, was haben wir gelacht. In anderen Ländern, England zum Beispiel, ist das Spiel aber bereits erhältlich.
Du bist Gladiator, der Held der Spiele im Kolosseum. Besiege Deine Gegner und erkämpfe Dir die Cance auf 10.000 €. zum Spiel...
The House of Dead: Overkill im Test.
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