Dead Space

Preview
Vertrieb
Electronic Arts
Entwickler
Electronic Arts
Genre
Action
X360: Dead Space

X360: Dead Space

Ein gleißender, mehrere Hundert Meter breiter Strahl trifft mit einem satten Krachen auf die Oberfläche des Planeten GF7. Während sich der Bohr-Laser immer tiefer schneidet, wird der Abraum langsam, kaum gebremst durch die schwache Anziehungskraft, in Richtung Orbit befördert.

Dort lauert im Planetenschatten die USG Ishimura, um das wertvolle Geröll in ihren stattlichen Laderaum zu befördern. Sie ist ein Monster von Raumschiff, das seiner Typen-Bezeichnung, Planeten-Knacker, alle Ehre macht. Ein gewaltiger Moloch von mehr als einem Kilometer Durchmesser und 1.200 Seelen an Bord, der die Menschheit mit dringend benötigten Ressourcen versorgt.

Fünfhundert Jahre in der Zukunft ist der eigene Planet schon lange bis auf den letzten Tropfen ausgesaugt. Also schickt die Erdregierung diese gigantischen Bergbauschiffe los, um den Bedarf nach Produktionsmaterial zu sichern. Eine Routinejob, bis die Crew auf der Oberfläche ihres nächsten Opfers ein seltsames Artefakt findet. Ein schwarzes, verdrehtes Steinmonument steht verloren mitten in einer Staubwüste des eigentlich unbewohnten Planeten und verzögert den Abbau.

Eine dunkle, unheilvolle Macht strömt von ihm aus, die schon nach kurzer Zeit alle in ihren Bann zieht. Danach überschlagen sich die Ereignisse. Menschen drehen durch und beginnen, das außerirdische Objekt anzubeten. Es gibt erste Tote, dahingemetzelt durch die eigenen Kollegen. Panik bricht aus, ganze Abschnitte der Ishimura werden verwüstet. Innerhalb von Tagen verwandeln sich die düsteren Hallen des Raumschiffs in ein Schlachthaus. Ein verzweifelter Notruf wird abgesetzt. Dann herrscht Stille.

Schnitt – EA-Event München

“Wir wollen Euch mit Dead Space so richtig Angst machen.“ Mit dieser Kampfansage empfängt uns Associate Producer Derek Chan von EA Redshore in den dunklen Hallen eines alten Kesselhauses in München. Zwischen den Rohrleitungen der alten Maschinen warten Anspielstationen mit dem viel versprechenden Survival-Horror-Titel darauf, uns von der „herausragenden Qualität und der einmaligen Atmosphäre zu überzeugen.“

Erfrischend, mit welchem Selbstbewusstsein der Entwickler seinen Titel präsentiert. Zumindest die Location hätte man nicht besser wählen können. Das dunkle Gemäuer in Kombination mit der Eiseskälte und einem spontan einsetzenden Platzregen bringt uns schon mal so richtig in Stimmung.

“Der Code befindet sich noch im Pre-Alpha-Stadium. Es gibt also noch ein paar Bugs, das Gameplay ist aber schon komplett drin und bis zum 31. Oktober haben wir sie alle ausgemerzt.“ Das haben wir schon oft gehört, doch bei Dead Space könnte das zutreffen. Das Spiel sieht schon jetzt fantastisch aus. In der halbstündigen Hands On-Session konnte man die Fehler an einer Hand abzählen und über weite Strecken wirkte der Titel wie frisch aus dem Presswerk.

„Die beiden Versionen befinden sich wirklich genau auf dem gleichen Stand. Das Spiel erscheint pünktlich.“ Er hat recht, auf den ersten Blick lassen sich keine Unterschiede erkennen, beide Versionen präsentieren sich trotz eigener Engine und kleinem Team im absoluten Top-Zustand. Die PC Version soll genauso gut aussehen, wurde aber vor Ort nicht gezeigt. Leider.

Schnitt – USG Ishimura

Der Held der Geschichte ist kein gestählter Soldat, sondern ein einfacher Kommunikationstechniker namens Isaac Clarke. Gehüllt in seinen Raumanzug soll er herausfinden, wo das Problem der Ishimura liegt und sie mit seinem Team wieder flottmachen. Doch irgend etwas stimmt nicht. Die Funksprüche werden nicht beantwortet, obwohl das Schiff voller Leben zu sein scheint.

Schon nach den ersten Schritten an Deck des äußerlich nahezu unversehrten Molochs wird klar, dass hier eine Katastrophe stattgefunden hat. Überall finden sich Blutspuren, das Mobiliar ist vernichtet und er hat den Kontakt zu seinem Team verloren. Lediglich bewaffnet mit einem Plasma-Schneider tastet er sich Schritt für Schritt voran, passiert aufgerissene Tote und wirre Schmierereien.

Auf dem Weg zur Krankenstation wird der Zustand der Gänge immer unheimlicher. Das Licht beginnt zu flackern, dann bewegt sich plötzlich eine der Leichen. Der Kopf steht in einem unmöglichen Winkel vom Körper ab und statt Armen besitzt das Wesen messerscharfe Klauen. Mit abgehackten Bewegungen trottet es auf Isaac zu und versucht, ihn zu zerreißen.

Isaac reagiert blitzschnell und trennt mit seinem Plasma-Schneider die Beine ab. Doch das Wesen hat noch nicht genug, zieht sich mit den Armen weiter und hackt ihm die Krallen in den Oberschenkel. Verzweifelt tritt Isaac mit seinen schweren Stiefeln zu und haucht dem Mutanten endlich sein unwirkliches Leben aus.

Schnitt – EA-Event München

„Auf dieses Feature sind wir besonders stolz: Das strategische Zerstückeln der Gegner. Im Gegensatz zu einem normalen Shooter genügt es nicht, den Kreaturen Kopfschüsse zu verpassen oder ihnen die Beine abzuschneiden. Lieber strategisch korrekt zerstückeln, dann ist das Monster schnell Geschichte. Außerdem ist diese Erfahrung sehr befriedigend“, erklärt Derek Chan mit einem Grinsen – ein wenig Wahnsinn gehört scheinbar zu der Entwicklung eines solchen Shockers mit dazu. Der Gore-Faktor erreicht bei Dead Space neue Höhen und dürfte eine USK-Einstufung äußerst schwer machen, weil die Entwickler laut Eigenaussage keine Schnitte dulden werden.

Gesteuert wird der blutige Spaß aus der inzwischen fast zum Standard gewordenen Schulterperspektive. Die Waffen zeigen über Laserpointer genau ihren Wirkungsradius an. Um im Kampf besonders effektiv vorzugehen, muss die Schneiderichtung des zweckentfremdeten Werkzeugs auf Knopfdruck um 90 Grad gedreht werden. So wird erst mit der vertikalen Ausrichtung die Arme und dann mit der horizontalen Variante Kopf und Beine abgeschnitten. Zurück bleibt ein blutiger Haufen, dem Ihr zum Abschluss noch mit den Stiefeln zu Brei verarbeiten könnt. Jedes der deformierten Monster besitzt andere Schwachstellen und die Munition ist zu knapp, um immer die gleiche Taktik zu verwenden.

Eure Schießprügel bestehen zum größten Teil aus umfunktionierten Werkzeugen, die aber tadellos ihre Aufgabe erfüllen. Neben dem kleinen Plasmaschneider gibt es zum Beispiel auch eine extrabreite Variante, die gleich zwei bis drei Gegnern nebeneinander die Beine abschneiden kann. Sind alle Waffen leer, könnt Ihr im Notfall auch damit zuschlagen.

Als einzige richtige Waffe gab es bei der Demo einen futuristisches Sturmgewehr zu bestaunen, das einen witzigen Alternativ-Feuermodus besaß. Auf Knopfdruck geht Isaac damit in die Knie und der Lauf knickt um 90 Grad ab. Auf einen weiteren Knopfdruck beginnt sich der Lauf nun um 360 Grad zu drehen und Kugeln zu spucken. Seid Ihr umzingelt, verschafft Ihr Euch so ganz schnell Raum zum Atmen.

Schnitt – USG Ishimura

Immer wieder fällt die Energie aus. Lichter flackern und werfen schreckliche Schatten an die Wand. Die Dunkelheit scheint zu leben und sich ausbreiten zu wollen. Wenn Isaac diesen Wahnsinn überleben möchte, muss er das Schiff wieder auf Vordermann bringen. Er begibt sich in Richtung Antrieb, wo die ersten Schwerkraftgeneratoren ausgefallen sind.

Nur dank seiner Magnet-Stiefel treibt er nicht unkontrolliert durch die Gegend. Mit ihnen kann er unbesorgt die Wände lang gehen und im Notfall sogar ein wenig herumfliegen. Einfach die Magnete deaktivieren, springen und auf der anderen Seite wieder aktivieren. Die Decke wird so zum Boden und umgekehrt.

Leider ist der Ausgang zum Generator versperrt. Die Türelektronik ist ausgefallen. Doch im Raum schwebt ein Energiemodul, das für das Öffnen genügen könnte. Mit seinem Gravitationshandschuh schnappt er sich das Teil und bewegt sich langsam in Richtung Tür-Mechanismus. Aber er ist nicht allein. Ein Wesen mit viel zu vielen Armen hat sich an der Decke fest gesaugt und bewegt sich schmatzend auf ihn zu. Isaac muss das Modul los lassen und schießen. Treffer auf den Kopf zeigen keine Wirkung, also schießt er die Tentakeln ab, die das Wesen am Deck festhalten. Ein Treffer, zwei Treffer und die Mutation schwebt durch den Raum.

Aus der sicheren Entfernung kann Isaac das Wesen nun in handliche Stücke zerschneiden, das Modul wieder aufnehmen und die Tür aktivieren. Kaum tritt er ein, rauscht die Luft aus der kleinen Kammer. Eine zweite Tür geht auf und Isaac steht mitten im Weltraum. Durch ein Loch in der Außenhülle bestaunt er den mächtigen Planeten, dessen Oberfläche schon erste Spuren der Bearbeitung zeigen. Ein majestätischer Anblick, der dem einfachen Techniker den Atem raubt.

Schnitt – EA-Event München

“Beindruckend, oder? Ich bin froh, dass ich Euch heute auch unser Zero-G-System präsentieren kann. Denn auf dieses einmalige System sind wir besonders stolz.“ Naja, ganz so innovativ wie Derek dies behauptet, ist das System nicht. Schon bei Prey gab es ähnliche Spielereien. Das Dead Space-Team hat der Geschichte aber einen neuen Dreh verpasst. Diesmal gibt es echte Schwerelosigkeit, während bei Prey vor allem Schwerkraftumkehrer zum Einsatz kamen.

“Es gibt viele Rätsel und Physik-Spielereien. Der Titel besteht nicht nur aus Kampfsequenzen.“ Viele Aufgaben werden dabei mit einem Anti-Gravitationshandschuh gelöst, der ähnlich wie die Gravitations-Kanone bei Half-Life 2 funktioniert. Damit könnt Ihr schwere Gegenstände bewegen und so einen Durchgang schaffen, herumliegende Bauteile als Waffe missbrauchen oder schlicht einen Schalter aktivieren. Wie einige andere Funktionen des Anzugs müsst Ihr das entsprechende Bauteil aber erst finden. Am Anfang müsst Ihr ohne dieses Feature auskommen.

Auch eine Art umgekehrte Bullet-Time wurde ins Spiel integriert. Euer Anzug kann einem Zielobjekt für kurze Zeit die Geschwindigkeit rauben, während sich die Umgebung normal weiter bewegt. Zum Beispiel verlieren schnell zuschlagende Türen so ihren alles zermalmenden Schrecken. Einfach ein Portion Stasis-Energie abgeben und in Ruhe hindurch spazieren. Auch auf einzelne Gegner wirkt diese Funktion Wunder. Während sie sich durch die Verlangsamung kämpfen, könnt Ihr sie Stück für Stück auseinander nehmen.

Schnitt – USG Ishimura

Kaum jemand ist mehr am Leben. Auf der Krankenstation hat eine irre Ärztin einen Verletzten ohne Narkose ausgeweidet. Ein weiterer armer Bursche wurde von einem fliegenden Wesen angegriffen. Die ledrigen Schwingen der Kreatur haben sich um seinen Schädel gelegt, der Kopf der Kreatur in seinem Gesicht festgebissen. Seine Bewegungen wurden immer langsamer, bis er still da lag und die Alienfledermaus durch einen Lüftungsschacht verschwand. Dann kam wieder Leben in seine Glieder. Sein Körper deformierte sich, seine Arme verwandelten sich in Krallen und Isaac musste ihn von seinem Leiden erlösen.

Umso näher die Operationssäle kommen, umso wahnsinniger wird die Umgebung. Embryonen schwimmen durch Tanks, Schreie werden lauter, dann herrscht auf einmal Stille. Im Kern der Krankenstation sind automatische Operationstische aufgestellt, die von gewaltigen Generatoren flankiert werden. Doch noch etwas anderes ist im Raum, etwas großes, mächtiges. Als Isaac die Zentrale betritt, erscheint ein gewaltiges Wesen.

Fünf Meter hoch und mit vier Krallen ausgerüstet rast es auf den verdutzten Techniker zu. Zwei Schüsse kann er noch abgeben, dann wird er von der ersten Kralle getroffen. Seine Lebensenergie-Anzeige schwindet. Weitere Treffer werfen ihn zurück, dann ist es zu Ende. Das Wesen spießt ihn mit zwei seiner Mordwerkzeuge auf und hackt ihm genüsslich Arme und Beine ab. Zum krönenden Abschluss zerreißt ihn das Monster in der Mitte. Game Over.

Schnitt – EA-Event München

“Das war der erste Boss, der Hunter“, erklärt Derek. „Dieses Wesen verfolgt Euch das ganze Spiel hindurch. Wird es besiegt, verschwindet es und taucht das nächste Mal noch stärker wieder auf.“ Erinnerungen an Nemesis aus Resident Evil werden wach. Es wird aber noch andere Boss-Fights geben, die jedes Mal einer andere Strategie erfordern. Besonders stolz sind die Entwickler auf die Todessequenzen von Isaac. Jedes Monster und jeder Boss zerlegt den Helden auf einer andere Art und Weise. Viel brutaler geht es nicht.

“Um den Titel in einen spielbaren Horror-Film zu verwandeln, haben wir auf störende Anzeigenelemente verzichtet. Auch Zwischensequenzen werden komplett im Spielgeschehen präsentiert, um die Illusion aufrecht zu erhalten.“ Und er hat recht. EA Redshore hat es wirklich geschafft, alles direkt im Spiel unterzubringen. Lebens- und Stasisenergie werden direkt auf dem Rücken ausgegeben. Verbleibende Munition wird an der Waffe angezeigt und statt einem Fadenkreuz besitzen die Schießprügel einen Laserpointer.

Wollt Ihr einen Blick auf die Karte oder in das Inventar werfen? Dann projiziert der Anzug die entsprechenden Elemente mitten in das Spielgeschehen. Da das Spiel dabei nicht pausiert, sind Heilorgien wie bei Resident Evil unmöglich. Ihr müsst Euch immer einen ruhigen Platz suchen, um Euer Hab und Gut zu sortieren. Leider verdecken ab und an Spielobjekte die Anzeigen, hier sollte EA also noch etwas Zeit in das Feintuning stecken. Sonst funktioniert dieser Ansatz hervorragend und gibt der Atmosphäre einen Extra-Kick.

Auf die Spielzeit angesprochen, verriet uns Derek, dass man ca. 15 Stunden unterwegs sein wird. Neben der USG Ishimura wird es Euch auch auf den Planeten verschlagen. Derek Chan wollte uns das Geheimnis nicht preisgeben, doch Game Director Glen A. Schofield verriet uns diese Information in unserem Interview zu Dead Space (eurogamer.de). In punkto Abwechslung braucht Ihr Euch also keine Sorgen machen. Dead Space spielt nicht nur in dunklen Raumschiffgängen und Stationen.

Auf den ersten Blick wirkt Dead Space wie ein Sammelsurium von geklauten Gameplay- und Story-Ideen. Hier eine Prise Alien, dort ein Feature aus Half-Life 2 und für die besondere Würze eine riesige Portion Resident Evil, schon hat man die Blaupause für einen beeindruckenden Science Fiction-Survival-Horror zusammen. Nicht wirklich originell, aber spannend. Alles kommt einem vertraut vor, wirkt nie langweilig. Dank der einmaligen Produkt-Qualität ist die Summe deutlich größer als die einzelnen Bestandteile. EA Redshore hat schon mit der Demo bewiesen, dass sie ihr Handwerk verstehen.

Grafik, Atmosphäre und Steuerung wirken wie aus einem Guss. Selten gab es so viele geniale Schock-Effekte und Pixelblut auf einem Haufen. Die heftigen Metzelorgien wirken nie wie Selbstzweck, sondern passen perfekt zur surrealen Spielwelt. Das Gespielte liefert spannende Kämpfe, eine packende Story und eine nahezu perfekte Inszenierung. Intime Gefechte und epische Sequenzen ergeben ein fantastisches Gesamtbild, nach dem sich Fans des Genres und der Alien-Reihe die Finger lecken werden. Für mich schon jetzt mein ganz persönliches Highlight des Jahres. Die zwei gezeigten Level reichen natürlich noch nicht für ein finales Urteil, aber wenn nichts mehr schief geht, steht uns ein blutiges und spannendes Halloween bevor.

Dead Space erscheint am 31. Oktober für PC, Xbox 360 und Playstation 3.

 

 

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