Soul Calibur: Broken Destiny

Review
Plattform
Sony PlayStation Portable
Vertrieb
Namco Bandai
Entwickler
Namco Bandai
Genre
Andere
PSP: Soul Calibur: Broken Destiny

Gesamtwertung

8/10

PSP: Soul Calibur: Broken Destiny

Soul Calibur 4 ist ein echtes High-End-Monstrum. Fantastisch detaillierte Kämpfer, üppige Hintergründe, butterweiche, elegante Animationen und effektgeladene Attacken stellen von vornherein klar: Wer Soul Calibur 4 spielen will, der kommt um aktuelle HD-Hardware nicht herum. Bis vor kurzem hätte ich das dann auch so unterschrieben. Aber das war, bevor ich Soul Calibur: Broken Destiny für die PSP gespielt habe. Denn das steht dem großen Vorbild in kaum etwas nach.

Man kann nur Mutmaßungen anstellen... wie haben die fleißigen Japaner diesen üppigen Epos nur auf die kleine PSP bekommen? Wie vor ein paar Jahren schon mit Tekken 5: Dark Resurrection reizen die Namco-Bandai-Entwickler die nicht mehr ganz so taufrische PSP hier bis zum Letzten aus und bringen die HD-Prügelei mit nur kleinen Abstrichen und Kompromissen auf den kleinen Handheld-Bildschirm. Aber genau wie Tekken ist auch Soul Calibur auf der PSP keine simple Umsetzung, sondern ein ordentlich erweitertes und verändertes Fast-Sequel.

Zunächst fällt auf: Die Star-Wars-Figuren der großen Versionen mussten das Lichtschwert wieder einpacken und nach Hause gehen, weder Yoda noch Darth Vader noch der Schüler aus The Force Unleashed kreuzen hier die Klingen mit Mitsurugi, Xianghua, Nightmare und den anderen Helden und Schurken. Aber die drei Kämpfer aus einer weit, weit entfernten Galaxis wurden nicht ersatzlos gestrichen, zwei neue Figuren füllen die freien Plätze souverän.

Da wäre zum einen der Dieb Dampierre, der es sich zum Ziel gesetzt hat, es mit dem gefürchteten Nightmare aufzunehmen. Dampierre wirkt mit seinen gestreiften Hosen, dem gezwirbelten Bart und seinem Zylinder zunächst nicht allzu bedrohlich. Mit zwei ausfahrbaren Klingen an den Unterarmen ist er jedoch ein exzellenter Nahkämpfer und kann seinen Gegner mit seinen unorthodoxen Manövern ordentlich verwirren. Viele Spezialangriffe führen dazu, dass Dampierre das Gleichgewicht verliert und sich der Länge nach hinlegt, aber auch diese scheinbar unterlegen Positionen kann das ausgemachte Schlitzohr zu überraschend agilen Angriffen nutzen.

Das exakte Gegenstück zu Spaßvogel Dampierre stellt der grimmige Kratos dar. Ja, genau der Kratos aus Sony brachialen God-of-War-Spielen hat es als Gastkämpfer in die jüngste Soul-Calibur-Episode geschafft. Verbissen wie eh und je, ist Kratos mit seinen Klingen der Athena, zwei mächtigen Schwertern, die mit Ketten an seinen Armen befestigt sind, ein gemeingefährlicher Distanzkämpfer. Ein gut gespielter Kratos kann seinen Gegner mit gezielten Manövern stets auf Abstand halten und ihn dank großer Reichweite und Icarus-Flügeln mit vernichtenden Luft-Kombos zur Weißglut treiben.

Natürlich wurde auch der Rest der insgesamt 28 Figuren leicht überarbeitet, um für bessere Balance zu sorgen. So könnt ihr mit der feschen Hildegard von Krone nicht mehr ganz so einfache Ring-Outs erzielen und auch das Kombo-Timing fühlt sich bei manchen Figuren eine Spur genauer und exakter an, im Großen und Ganzen entspricht die Spielbarkeit aber Teil 4.

Auch eine kleine, aber hochinteressante spielerische Neuerung wurde hinzugefügt: Wie in Soul Calibur 4 können geschickte Kämpfer Stück für Stück die Rüstung des Gegners zerstören, um ihm schließlich in einem Critical Finish mit einem einzigen Schlag den Rest zu geben. Dagegen kann man sich jetzt wehren. Per Active Purge entscheidet ihr euch selbst dafür, die verbleibenden Rüstungsteile abzustoßen. Das bedeutet zwar, dass ihr von gegnerischen Attacken größeren Schaden erleidet, gleichzeitig verhindert es aber, dass der Gegner seinen Critical Finish anbringt.

Eine tolle Sache, könnt ihr doch nun selbst entscheiden, ob ihr lieber auf Nummer sicher geht und dafür etwas Verteidigung opfert, oder ob ihr volles Risiko spielen wollt. Natürlich ist für angehende Modedesigner auch wieder der exzellente Kämpfer-Editor mit von der Partie – eure Lieblingskämpfer könnt ihr da zwar nur noch umfärben, aber nicht mehr neu ausstaffieren, dafür dürft ihr aber wieder von Grund auf neue Recken erschaffen, die nötigen Ausrüstungsgegenstände und die erforderliche Kleidung spielt ihr nach und nach frei. Im Gegensatz zum HD-Vorbild wirkt sich aber die Ausrüstung nicht auf die Perfomance der Kämpfer aus, sie ist hier lediglich schmückendes Beiwerk.

Und weil das Auge bei Soul Calibur immer mitspielt, wurden auch sämtliche Hintergründe leicht überarbeitet. Bis auf die neuen Szenarien von Dampierre und Kratos kennt ihr die zahlreichen Stages schon aus dem Original, die meisten wurden jedoch für die Broken-Destiny-Erweiterung leicht modifiziert. So ist im winterlichen Pavillon jetzt auf einmal der Frühling angebrochen, Kämpfe auf dem zerstörten Segelschiff finden im Abendrot statt und im Sumpf kämpft ihr bei Nacht, dafür müsst ihr dann auf die Nilpferde, die eurem Treiben im Original noch interessiert zugesehen haben, verzichten.

Aber nicht nur hier müsst ihr als PSP-Schwertkämpfer Abstriche machen, selbst bei so manchem lieb gewonnenen Spielmodus des Vorbilds wurde kräftig das Messer geschwungen: Der knackige Tower of Lost Souls ist nicht mehr auf der UMD auffindbar und auch der klassische Story- sowie der Arcade-Modus zogen von Dannen – Verständnis für diese willkürlichen Kürzungen ist schwer aufzubringen, gerade weil auch der Online-Modus des Vorbilds fehlt, fühlen sich notorische Einzelgänger ein wenig unbeachtet. Denen bleibt dann vor allem der „Schnelles Spiel“-Modus, im dem sie einen von zahllosen KI-Gegner auswählen, die in Name und Auftreten die an Online-Erfahrung des Originals erinnern sollen.

Der Modus „Spießroutenlauf“ ist dagegen ein sehr umfangreiches Tutorial, das euch mit allen Feinheiten das Kampfs vertraut macht und nebenbei noch eine ausgesprochen alberne – und laut dem Spiel selbst sehr unzuverlässig überlieferte – Geschichte erzählt, bei der ihr so manchen Soul-Calibur-Veteran von einer ganz neuen Seite kennen lernt. Man muss schon ein arger Griesgram sein, um hier nicht gelegentlich einmal zu schmunzeln.

Was einem klassischen Arcade-Modus am Nächsten kommt, ist der Prüfungs-Modus, in dem ihr nacheinander Gegner um Gegner vermöbelt, um am Ende gegen Obermotz Algol anzutreten. Zu dumm nur, dass sich die KI hier selbst verrät. Bei jedem Kampf wird angezeigt, ob der Gegner defensiv agiert, ob er bevorzugt Ausweichkonter einsetzt, oder ob er euch pausenlos mit wilden Attacken einheizt... aber wozu?

Früher galt es in einem Beat´em Up noch, selbst herauszufinden wie der Gegner agiert und wie er tickt, und hier wird es bereits von einer Einblendung verraten? Erschwerend kommt dazu, dass es nach einer Niederlage Game Over heißt und man wieder von vorne beginnen muss – Continues gibt’s nicht. Das macht natürlich Sinn, da man hier vor allem auf High-Scores spielt, aber trotzdem - ein ganz normaler Arcade-Modus mit kurzen Abspännen hätte es schon sein dürfen.

Wenig überraschend fiel natürlich auch der Online-Modus von Soul Calibur 4 der Schere zum Opfer, Multiplayerfreuden sind folglich nur über die klassische Ad-hoc-Verbindung möglich. Und auch wenn so mancher Modus fehlt und so manche Designentscheidung vielleicht etwas fragwürdig ist, das Wichtigste überhaupt hat sich Soul Calibur erhalten – seine absolut herausragende Spielbarkeit.

Auch auf der PSP bewegen sich die Kämpfer mit konkurrenzloser Eleganz, und nach wie vor ist und bleibt Soul Calibur ein wunderbar einsteigerfreundliches Beat´em Up, mit dem auch der blutigste Anfänger schnell seinen Spaß hat. Die Spielbarkeit steht dem großen HD-Bruder in nichts nach und ist dank verbesserter Balance sogar teilweise noch einen Tick besser. Für Profis bietet Soul Calibur: Broken Destiny mehr als genug Komplexität und Tiefgang, sodass ihr euch über Wochen hinweg mit den Feinheiten und Tricks eurer Lieblingskämpfer befassen könnt.

>Allerdings nehmen gesellige Spieler mit PSP-bewehrten Mitstreitern im Freundeskreis unterm Strich mehr mit als eingefleischte Solospieler. Die ärgern sich dafür über das Fehlen so mancher Spielmodi und bleiben vielleicht doch lieber beim Konsolenspiel mit Online-Modus. Aber unterm Strich zählt nicht die Anzahl an Spielmodi, sondern der Spielspaß – und den bietet Broken Destiny in rauen Mengen. Dass es grafisch mit der aktuellen PSP-Grafik-Referenz God of War gleichzieht, ist da nur noch das Tüpfelchen auf dem i.

Bleibt nur noch ein letzter Wunsch: Wäre es nicht nett, wenn Namco Bandai demnächst dann die überarbeiteten Stages und zumindest den witzigen Dampierre per Download auch den Fans der großen Version zugänglich macht? Aber solange wir darauf warten, kann man sich bestens mit dieser gelungenen Handheld-Konvertierung amüsieren.

Soul Calibur: Broken Destiny ist für PSP im Handel erhältlich.

 

 

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