Company of Heroes: Opposing Fronts

Review
Plattform
PC
Vertrieb
THQ
Entwickler
Relic Entertainment
Genre
Strategie
PC: Company of Heroes: Opposing Fronts

Gesamtwertung

9/10

PC: Company of Heroes: Opposing Fronts

Während des Zweiten Weltkrieges mussten die Soldaten oft durch die Hölle gehen. In den Niederlanden sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Der zwischen Eindhoven, Veghel und Grave gelegene Highway 69 erhielt nämlich nicht umsonst die Bezeichnung Hell's Highway. Die Ereignisse rund um die damit im Zusammenhang stehende Operation Market Garden spielen auch in der Company of Heroes-Erweiterung Opposing Fronts eine wichtige Rolle. Und dessen Hauptprogramm überzeugte schon durch höllisch gutes Gameplay.

Im Gegensatz zu Gearbox Softwares kommendem Shooter Brothers in Arms: Hell's Highway macht Ihr nicht mit den Briten einen Abstecher nach Holland, sondern mit der deutschen Kampfgruppe Lehr. Die soll natürlich den Vormarsch der Alliierten stoppen und somit das Vaterland schützen.

Ganz andere Pläne haben verständlicherweise die Jungs von der Insel. Die marschieren in ihrer Kampagne nämlich durch Frankreich und wollen die Stadt Caen erobern. Auf dem Weg dorthin nehmen sie nebenbei noch Vororte, einen Hügel sowie ein Flugfeld mit. Da bleibt wenig Zeit für eine Teatime.

Um es vorweg zu nehmen: Opposing Fronts bietet praktisch alles, was man von einem Add-On erwartet. Neue Kampagnen, Missionen, Einheiten, Talentbäume und weitere Features. Na schön, es sind vielleicht keine riesigen Innovationen, aber lieber sinnvolle Verbesserungen als umfassende Neuerungen, die später nur mittelprächtig funktionieren.

In Sachen Gameplay vertraut Entwickler Relic daher auf bekannte Mechanismen. Abseits der für die Story oder Mission relevanten Ziele erobert Ihr auf Eurem Weg wieder zahlreiche Nachschubpunkte, um die Versorgung mit Truppen, Munition und Treibstoff zu sichern, während einige wenige Gebäude neue Einheiten ausspucken. Natürlich nur solange die maximale Truppenstärke noch unerreicht ist. Die Aufteilung Eurer Soldaten will also wohlüberlegt sein.

Beide Kampagnen verlaufen ebenfalls nach bekanntem Schema. Die ersten Aufträge dienen eher zur Einführung und sind noch vergleichsweise leicht zu absolvieren, spätere Missionen verlangen hingegen schon nach etwas mehr Taktik. Unfaire Situationen gibt es dennoch so gut wie gar nicht.

Vor allem die britischen Truppen können auf eine starke Verteidigung mit Panzerabwehrkanonen oder Artillerie zurückgreifen, im Gegenzug sind ihre Panzer weniger effektiv als die der Deutschen Panzer Elite. Wenn man etwa einem Königstiger und zwei Jagdpanthern zugleich begegnet, dann hat man besser eine gute Strategie zur Hand. Ansonsten verarbeiten diese die eigenen Truppen im Handumdrehen zu Altmetall. In ihrer Mobilität und Kampfkraft liegt nämlich die Stärke der Panzer Elite.

Apropos Panzer. Die virtuellen Fahrer in den Blechkisten verhalten sich selbst in Opposing Fronts manchmal dumm wie Stroh und agieren zuweilen recht selbstmörderisch. Wer fährt schließlich schon freiwillig mit dem Heck auf den Gegner zu und dreht das Gefährt erst ein paar Meter vor ihnen um? Vor allem bei einer gut gerüsteten Verteidigung kann dies schnell tödlich enden. Und von Panzern, die nach dem Überqueren eines von Soldaten errichteten Schützengrabens ein paar Meter in die Luft fliegen, wollen wir erst gar nicht reden. Es kommt sogar vor, dass Einheiten oder Geschütze durch den Boden hindurch feuern. Zum Glück nur relativ selten.

Generall kann man jedoch sagen, dass sich die neuen Truppen perfekt ins Geschehen einfügen und gut aufeinander abgestimmt sind. Für zusätzliche Abwechslung sorgen wieder die Spezialfähigkeiten. Die dafür notwendigen Erfahrungspunkte verdient Ihr weiterhin durch das Ausschalten von Gegnern.

Anschließend freut Ihr Euch über zahlreiche nützliche Verbesserungen, beispielsweise starke Panzer, Luftunterstützung oder Sprengladungen, die von den eigenen Soldaten an Gebäuden oder Nachschubpunkten angebracht werden. Sobald sich ein Gegner nähert, erhält er eine explosive Begrüßung.

Die Moral des Fußvolks lässt sich derweil durch einen Leutnant oder Captain verbessern. Per Tastendruck hängt Ihr diese an ein bestehendes Squad an, dem sie zukünftig überall hin folgen und für zusätzliche Motivation sorgen.

Gerade beim Erkunden der Stadt Caen sollte man übrigens vorsichtig sein, ansonsten sprengen die Verteidiger etwa eine Mauer, die daraufhin zur Seite fällt und einige nebenan stehende Soldaten unter sich begräbt. Besonders schön anzusehen ist darüber hinaus das Wettersystem, was sich speziell durch Stürme und ihre Auswirkungen bemerkbar macht. Die Verteidigung der gerade noch eroberten Stadt findet zum Beispiel bei Nacht und entsprechendem Sauwetter statt. Dank der schlechten Witterung wird die Sichtweite der Einheiten ein wenig behindert, allerdings gibt es da zum Glück ja noch die Blitze. Eben jene erhellen das Schlachtfeld logischerweise durch ein grelles Leuchten und zeigen des weiteren für die Dauer des Lichtblitzes alle feindlichen Einheiten auf der Minikarte an.

Technisch gibt es bei Opposing Fronts wenig zu meckern. Speziell aus der normalen Perspektive sieht das Spiel weiterhin sehr hübsch aus, was vor allem an den eindrucksvollen Explosionen und Animationen liegt. Da fliegt jede Menge Staub in die Luft, Soldaten hechten durch die Gegend und Fahrzeuge zerspringen in ihre Einzelteile.

Bei näherer Betrachtung (vor allem in den Zwischensequenzen) fällt dann jedoch auf, dass die Texturen nicht mehr ganz so scharf sind, wie es zunächst den Eindruck hat. Aber es spielt ja sowieso niemand in einer Kameraperspektive, die sich einen Meter über dem Boden befindet. Abgesehen davon lässt sich die Umgebung (bis auf einige Ausnahmen) erneut Stück für Stück auseinander nehmen, Truppen nutzen weiter herumliegende Trümmerteile zum Schutz vor Feindfeuer und als Sahnehäubchen obendrauf bietet man sogar noch DirectX 10-Effekte an, natürlich nur sofern die passende Grafikkarte vorhanden ist.

Da die Testversion in Englisch war, lässt sich zur deutschen Synchronisation leider nichts sagen. Perfekt ist die englische Vertonung dennoch keineswegs. Zumindest, wenn es um den Part der deutschen Truppen geht. Während diese im Intro der passenden Kampagne noch in deutscher Sprache reden, ändert sich das schon direkt nach dem kurzen Einführungsfilm. Fortan darf man sich an englischen Stimmen mit deutschem Akzent "erfreuen". Klingt ein wenig merkwürdig und stört die ansonsten tolle Atmosphäre, denn die Vertonung der Briten sowie der Soundtrack bewegen sich wie gewohnt auf durchgehend hohem Niveau.

Selbstverständlich dürft Ihr mit den neuen Parteien ebenfalls im Multiplayer-Modus antreten. Da Opposing Fronts auch alleine lauffähig ist, funktioniert das sogar ohne Company of Heroes. In dem Fall habt Ihr dadurch nur Zugriff auf die beiden im Add-On enthaltenen Fraktionen. Die volle Ladung erhält man also nur mit dem Besitz des Hauptprogramms. Neue Spielmodi für den Online-Part sucht Ihr leider vergeblich, aber immerhin lassen sich Wetterbedingungen und Tageszeit für jedes Schlachtfeld einstellen.

Wie schon auf der ersten Seite gesagt: Opposing Fronts hat all das zu bieten, was man sich von einem Add-On erhoffen kann. Das Gameplay ist nach wie vor grandios und überzeugt selbst nach einem Jahr noch vollstens. Ein wenig störend wirken lediglich kleinere Bugs (Schüsse durch den Boden), eine zuweilen merkwürdige KI (mit dem Heck in Richtung Gegner) und die vermasselte Sprachausgabe der deutschen Truppen in der englischen Version.

Das sind freilich keine allzu großen Mankos, die den Spielspaß entscheidend beeinflussen könnten. Dafür treten sie schlicht zu unregelmäßig auf, zumindest in Bezug auf KI und Bugs. Aus diesem Grund bleibt mir lediglich noch eins zu sagen: Wer Company of Heroes geliebt hat, wird auch um Opposing Fronts nicht herumkommen.

Company of Heroes: Opposing Fronts könnt Ihr bereits im Handel erwerben. Zahlreiche Screenshots findet Ihr in unserer Galerie

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