Gesamtwertung8/10 |
Es gibt diverse Spiele, die mir so viel Spaß machen, dass ich über etwaige Schwächen getrost hinwegsehen kann. Halo 3 zum Beispiel. Fast perfektes Gameplay, aber dafür grafisch nicht ganz auf der Höhe der Zeit. Und die deutsche Synchronisation wurde diesem Blockbuster kaum gerecht. Gears of War wäre ein weiterer Kandidat. Erstklassige Nutzung des Deckungssystems, doch im Gegenzug enttäuscht die Story. Beide haben noch etwas gemeinsam. Sie konzentrieren sich auf eines oder mehrere Elemente, die wahrlich aus der Masse herausstechen und Makel überdecken. Halo 3 hat sein hervorragendes Shooter-Gameplay und sucht im Genre in Sachen Fahrgefühl seinesgleichen, Gears die schon angesprochene Deckung und die brachialen Kämpfe.
Und Fracture kommt nun ebenso mit einem solchen Feature daher, das mich die durchaus vorhandenen Kritikpunkte in den Hintergrund rücken lässt. Geländeverformung heißt das Zauberwort. Die Möglichkeit, das Terrain fast gänzlich nach Belieben zu verformen, zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Spiel. Mit dem Standardwerkzeug, dem Verformer, gibt man über die beiden Schulterbuttons einen Schuss ab und erhöht den Grund beziehungsweise senkt ihn ab. Natürlich nur in einem vorgegebenen Rahmen. Einen neuen Mount Everest wird man daher kaum aus dem Boden stampfen können.
Ganz auf diese Funktion ausgerichtet sind die vier Sprengstofftypen. Stachelgranaten erzeugen eine große Säule aus geschmolzenem Fels, die einen nicht nur praktisch auf eine höhere Ebene befördern. Sie dienen weiterhin zur Lösung verschiedener Rätsel, legen etwa versperrte Luken frei und machen Brücken wieder passierbar, indem man das gute Stück unter den eingestürzten Teil wirft. Die Säule bahnt sich daraufhin ihren Weg nach oben und drückt den Übergang in die richtige Position. Ultraschall- und Tekton-Granaten verfügen indes über ähnliche Eigenschaften wie der Verformer. Sie heben die Erde an oder erzeugen eine Senke. Gleichzeitig beschädigen sie nahe Feinde im Umkreis und schleudern sie weg. Optisch eindrucksvoll und tödlich zugleich ist das letzte Exemplar im Arsenal: Die Vortex-Granate. Das unscheinbare Stück Technik erzeugt einen magnetischen Wirbel, der umstehende Feinde und Objekte ansaugt, wild durcheinander wirbelt und schlussendlich mit einer großen Explosion ordentlich Schaden anrichtet.
Und nun stellt Euch vor, das passiert ständig und überall. Die Terrain-Deformation sorgt in den Gefechten stets für eine dynamische Veränderung des Schlachtfelds. Ein tödliche MG-Stellung stellt ein Hindernis dar? Einfach schnell per Verformer ein paar Hügel erzeugen und über die Flanke umgehen. Überhaupt kracht und knallt es in Fracture an allen Ecken. Ruhepausen gibt es in diesen zukünftigen, völlig veränderten Vereinigten Staaten von Amerika kaum.
Verantwortlich dafür ist unser guter Freund namens „Globale Erwärmung“. Die Polkappen schmelzen. Der Meeresspielgel seigt. Ganze Landstriche werden überflutet. Mit Hilfe der Technologie zur Geländeverformung kann man Ost- und Westküste retten, allerdings haben die mittleren Staaten kein solch großes Glück und trennen fortan beide Landesteile voneinander. Auch andere Klimaveränderungen sind die Folge. Die Golden Gate Bridge in San Francisco führt beispielsweise nicht mehr über das Wasser, sondern über bewaldete Landstriche. Von diesem Moment an gehen beide Parteien unterschiedliche Wege. Die Pazifikaner experimentieren in ihren Laboren fröhlich mit der menschlichen DNS herum und wenden sich schließlich von Amerika ab. Auf der anderen Seite steht die Atlantische Allianz, die mit ihrer Kybernetik ein passendes Gegenstück entwickelt und die Zivilbevölkerung vor der Bedrohung durch die ehemaligen Mitbürger schützen will.
Zugegeben, die geschichtlichen Hintergründe sind sehr gut ausgearbeitet, wirklich fesselnd kommt die Story jedoch kaum zur Geltung. Vor diesem Hintergrund hätte man aus dem Szenario und den beteiligten Hauptfiguren noch weit mehr rauskitzeln können. Schlecht ist die durch allerlei Cutscenes und Einblendungen im Stil einer Nachrichtensendung präsentierte Erzählung keineswegs, etwas wirklich Besonderes aber ebenso wenig. Gute Standardkost eben.
Im Trubel dieser chaotischen Situation spielt Held Jet Brody eine tragende Rolle, soll er doch den Chef der Pazifikaner dingfest macht, nachdem dieser sich seiner Festnahme widersetzt hat und nun die Vernichtung der Allianz in die Wege leitet. Im Kampf mit seinen Schergen vertraut Brody unter anderem auf die Kybernetik. Ein Energieschild á la Halo, der sich selbstständig wieder auflädt, sorgt zum Beispiel für kurzfristigen Schutz. Sobald diese Hilfestellung aufgebraucht ist, sollte man schnellstmöglich Deckung suchen. Je mehr Schaden man nimmt, desto farbloser wird das Bild. Kurz vor dem Tod ist die Anzeige fast gänzlich schwarz-weiß, während Brodys Herz im Hintergrund rasant pocht. Jetzt kann praktisch jeder Treffer das Ableben bedeuten.
Seine Kybernetik ist abgesehen davon noch zu weit mehr fähig. Im Spielverlauf schaltet das Hauptquartier weitere Modifiktionen frei, die etwa die Leistung des Schildes erhöhen. Einerseits verbessert man den Verformer, der dann zwar keine größeren Löcher in den Boden reißt, aber durch doppelte Betätigung des Sprungknopfes einen Schuss nach unten abgibt.
Selbiger „Rocketjump“ befördert Jet ein gutes Stück weiter in die Luft und kann ausschließlich auf normalem Grund verwendet werden. Betonplatten verhindern dementsprechend die Ausübung dieser Fähigkeit. Im Zusammenspiel mit dem Sprung kommt die Stärkemodifikation zum Zuge. Erreicht man die nächste Stufe in diesem Bereich, verwandelt sich der Hüpfer auf Wunsch in eine Waffe. Dazu betätigt man im Flug lediglich die Taste für den Nahkampfangriff. Die Folge: Brody rast gen Erde und befördert schwache Feinde in unmittelbarer des Einschlagortes Nähe gleich ins Jenseits. Des Weiteren hat man natürlich noch Zugriff auf eine Auswahl an mehr oder weniger normalen Schießeisen. Vom einfachen Maschinengewehr über Raketenwerfer bis hin zum Scharfschützengewehr sind so ziemlich alle gängigen Arten vertreten. Selbst eher ungewöhnliches Inventar führt man in den Kampf, etwa das ST-4.
Es feuert ein Geschoss ab, das sich in den Boden bohrt und unter eben jenem wie ein Torpedo in Richtung Ziel rast. Man muss das explosive Paket dann nur noch zur richtigen Zeit zünden. Das Magnetitgewehr arbeitet hingegen wie eine schwächere Variante der Vortex-Granate. Nach dem Einschlag erzeugt die Munition einen kleinen Wirbel, der zwar Objekte und Gegner in der Nähe anzieht, eine abschließende Explosion jedoch vermissen lässt. Nichtsdestotrotz können Feinde natürlich von den umherfliegenden Kisten erschlagen werden.
Jet trägt zusätzlich zu seinen Granaten stets zwei Waffen bei sich. Munition ist praktisch immer in ausreichenden Mengen vorhanden, zumal man fallen gelassene Kanonen der Kontrahenten jederzeit aufsammeln darf. Und wenn das nicht reicht, stehen immer wieder Kisten mit Waffen oder Granaten in der Gegend rum.
In Sachen Gegnertypen bietet Fracture leider nur wenig Variation. Es kommt im Verlauf der Geschichte immer mal wieder ein neuer Recke hinzu, letztendlich ähneln sich diese in Aussehen und Farbe ein wenig zu sehr. Bis auf wenige Ausnahmen betreten so gut wie keine wirklich außergewöhnlichen Vertreter das Schlachtfeld, wie man es in Folge der Genexperimente vielleicht erwarten könnte. Zudem sind Fahrzeuge in der Zukunft wohl recht selten anzutreffen. Gelegentlich bekommt man es mit einem feindlichen Transportgleiter und dessen Maschinengewehr zu tun, das war es dann aber auch schon.
Apropos Fahrzeuge. In zwei Abschnitten des Spiels darf man selbst am Steuer eines Buggy-ähnlichen Vehikels Platz nehmen. Abgesehen von der an Halo 3 erinndernden Steuerung über die Sticks kann dieser Part der Konkurrenz nicht das Wasser reichen. In den engen Tälern mit ihrem unebenen Boden kommt das Fahrgefühl aufgrund des sich unruhig verhaltenden Wagens nur schwer an Bungies Shooter heran. Im Vergleich zum restlichen Spiel stellen diese kurzen Ausflüge auf vier Rädern somit leider einen großen, negativen Kontrast dar.
Von der Optik lässt sich das ganz gewiss nicht behaupten. Letzte, durch die Präsentation auf der Games Convention verursachte Zweifel räumt Fracture eindrucksvoll aus dem Weg. Scharfe Texturen. Schicke Effekte. Große Level. Flüssiger Ablauf. Zumindest größtenteils. Vor allem bei Nutzung der Vortex-Granaten treten mitunter schon mal kleinere Slowdowns auf. In der Regel ist das jedoch nur dann der Fall, wenn explosive Objekte in den Sog des Wirbels geraten und darin in einem Feuerball verglühen. Insgesamt bewegt sich das Spiel auf einem konstant hohen Niveau. Mir persönlich hat es dabei vor allem der dichte Schneefall (ich liebe Schnee!) angetan.
Für die wenigen Sprecher in Fracture hat man sich durchaus passende deutsche Stimmen ausgesucht, allerdings ist von Lippensynchronität manchmal keine Spur zu erkennen. In einigen Situationen wird etwa schon geredet, obwohl der Mund noch geschlossen ist. Das trübt ein wenig die Atmosphäre, stört aber nicht übermäßig. Der gelungene Soundtrack stammt indes von Michael Giaccino. Seinen Stil, der speziell Serien wie Lost, Alias oder Fringe untermalt, hört man als Kenner der Serien immer wieder heraus.
Nach den maximal zehn Stunden der Kampagne steht Euch der Multiplayer-Part für zahlreiche Gefechte offen. Hinsichtlich der Spielmodi hat man das Standardrepertoire in petto. „Frei für alle“ und „Königsmacher“ (abgestecktes Gebiet so lange wie möglich halten) bietet man sowohl in „Jeder gegen jeden“- als auch Team-Varianten an. Wer gerne Fähnchen klaut, wird dank normalem „Capture the Flag“ und „Capture the Flag“ mit nur einer Flagge glücklich. Bei „Einbruch“ erobert man eine feindliche Basis und hat die Aufgabe, den dortigen Einnahmepunkt so lange wie möglich halten.
Ganz ähnlich läuft es in „Ausgrabung“ ab. Die beiden Teams müssen auf der Karte verteilte Bereiche erobern. Dazu senken sie in den markierten Abschnitten den Boden ab, bis ein großer Stachel in der Farbe der jeweiligen Seite aus dem Boden schießt. Der Gegner ist in der Lage, diesen zu zerstören und anschließend selbst Anspruch auf die Stelle zu erheben. Auch online hat man also Zugriff auf die Geländeverformung, was immer wieder für spannende und unvorhersehbare Gefechte sorgt.
Ja, die Story könnte besser sein. Ja, der Fahrzeug-Part wirkt mehr gewollt als gekonnt. Und ja, es könnten mehr Gegnertypen durch die Gegend rennen. Doch die Terrain-Deformation bereitet in den Gefechten so viel Spaß, dass man alles andere einfach vergisst und mit dem umfangreichen Waffenarsenal herumspielt. Die Schlachtfelder sind schlicht und ergreifend keine langweiligen Schauplätze mehr, die sich nur geskriptet verändern, sondern in stetiger Bewegung. Fracture ist ein hervorragendes Action-Feuerwerk, bei dem man einwandfrei den grauen Zellen eine Ruhepause gönnen und seine Freude haben kann. Bitte mehr davon, das Story-Potential ist schließlich vorhanden.
Fracture steht seit heute für Xbox 360 und PlayStation 3 in den Händlerregalen.
Bei XBlaster ist die Welt, wie wir sie kennen, Vergangen- heit. Als Mechpilot kämpfst Du zur Belustigung der Menge und monatlich 10.000 € zum Spiel...
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