Gesamtwertung7/10 |
Wer sich ein wenig mit dem Warhammer-Universum beschäftigt und fleißig unsere Webseite liest, dem wird aufgefallen sein, dass ich mir als Hardcore-Fan bei den passenden Texten immer besonders viel Mühe gebe. Mal zitierte ich berühmte, fiktive Persönlichkeiten (eurogamer.de), ließ die Orks zum Thema Spielqualität Stellung nehmen (eurogamer.de)oder ergründete die Untiefen einer Fanseele (eurogamer.de). Doch so langsam gehen mir, genau wie den Entwicklern, die Ideen aus.
In der Vorschau (eurogamer.de)war ich ja noch ganz angetan von den neuen Rassen und den Möglichkeiten der Flugeinheiten des dritten Addons zu Warhammer 40.000: Dawn of War, doch im fertigen Spiel sind die Ähnlichkeiten zum direkten Vorgänger zu auffällig und ermüdend. Dabei hat Relic ja den bösen Buben an das inzwischen dicht gemachte Iron Lore Studio abgegeben. Als letzte Auftragsarbeit wickeln sie mit Soulstorm nicht nur Dawn of War endgültig ab, sondern setzen damit auch ein eher unrühmliches Ende unter ihre Entwickler-Karriere.
Dies bedeutet nicht, dass Soulstorm wirklich schlecht geworden ist, aber mit dem dritten Addon wird im Prinzip die Vorgänger-Version aufgewärmt und mit ein paar neuen Features als Innovation verkauft. Besonders enttäuschend ist hierbei der Eroberungs-Modus, der zwar geschickt auf mehrere Planeten verteilt wurde, doch dessen Gameplay genau wie die Story nahezu 1zu1 dem Vorgänger Dark Crusade entspricht.
Statt zum Beispiel die Einheitenauswahl in den ersten Runden etwas einzuschränken, gibt es erneut von Anfang an die gesamte Waffenpalette. Das langsame Kennenlernen der detaillierten Figuren und Fahrzeuge, wie beim Hauptprogramm, sucht man auch diesmal vergebens. Gleich in der ersten Mission mit einer neuen Rasse könnt Ihr jede Einheit und jedes Upgrade erwerben. Die Entwickler verschießen also viel zu schnell ihr gesamtes Pulver.
Wie gehabt müsst Ihr alles erobern und vernichten. Runde für Runde zieht Ihr dazu auf einem Risiko-artigen Spielfeld Eure Truppen durch die Gegend und versucht, Länder mit speziellen Bonusattributen einzunehmen. Die Verteilung auf verschiedene Planeten ist dabei Augenwischerei. Es gibt weder einen besonderen Bonus für die Einnahme eines ganzen Planeten, noch spiegelt sich dieses System umgreifende Gefecht anderweitig im Gameplay wider. Verbunden werden die Planeten durch Sprungtore, die auch zu kleineren Monden und ähnlichen Sondergebieten führen.
Die einzelnen Kämpfe bestehen zu 90 Prozent aus der Vernichtung des gegnerischen Hauptquartiers, nur wenn Ihr die zentrale Basis einer Rasse angreift, werden die Aufträge ein wenig variiert, ohne aber wirklich spektakuläre Ausmaße anzunehmen. Gerade hier und im Bereich Storytelling hätte man sich gegenüber Dark Crusade einen Sprung nach vorne gewünscht. Es ist zwar schön, dass neue taktische Varianten die Spieltiefe weiter erhöhen, aber was Geschichte und Abwechslung angeht, ist Soulstorm eine absolute Nullnummer.
Neu ist immerhin der Zukauf von Gebäuden, um Euch so einen kleinen Vorsprung vor dem Feind zu verschaffen. Leider verfallen damit im Gegensatz zu Dark Crusade vorher gekaufte Gebäude auf schon eroberten Karten. Die im letzten Spielzug mühselig aufgebaute Basis ist also im nächsten Spielzug wieder dem Erdboden gleich gemacht. Bei Soulstorm müsst Ihr jedes Mal wieder von vorne anfangen, außer Ihr habt genug Geld, um Euch Gebäude dazu zu kaufen. Das Verteidigen wird dadurch deutlich schwerer, der Angriff im Gegenzug umso leichter.
Leider entpuppen sich auch ein paar der guten Ideen aus der Vorabversion am Ende als zu schwach. Die Flugeinheiten zum Beispiel besitzen nicht nur den Nachteil, dass Ihr lediglich maximal vier davon bauen könnt, sondern ihre Werte sind sich leider zu ähnlich. Während einige Einheiten wie die Landspeeder der Space Marines per Updates auf die jeweiligen Anforderungen angepasst werden können, müsst Ihr bei anderen ohne Upgrades klar kommen.
Die Necrons müssen sogar ganz auf Lufteinheiten verzichten, stattdessen kann sich ein Necron-Lord als Alternative auch in den Gaukler verwandeln, eine mächtige Gottheit, die sich auf Täuschung und Betrug spezialisiert hat. Angesichts der langweiligen und viel zu schwachen Flieger hätte man sich solch eine zusätzliche Bodeneinheit auch für die anderen Völker gewünscht.
Allein die beiden neuen Rassen sind ein echter Glücksgriff und spielen sich durch ihre zusätzlichen Ressourcen – Seelen bei den Dark Eldar, Glaube bei den Kriegsschwestern – erfrischend anders. Auch die optische Umsetzung wurde mit viel Liebe zum Detail vorgenommen. Beim Anblick halbnackter, in Ketten gelegter Sklavinnen bei den sadistischen Dunkelelfen oder der wunderschönen, vollbusigen Heiligen, die in der Wartepause Tauben in die Freiheit entlässt, wird es Nerds wie mir richtig warm ums Herz.
Rein Balance-mäßig ist Soulstorm eine echte Meisterleistung. Neun, zum Teil wirklich sehr unterschiedliche Rassen so ausgeglichen hin zu bekommen, grenzt an ein Wunder, wo doch andere Studios selbst bei drei Rassen so ihre lieben Probleme haben. Vor allem im Multiplayer macht sich diese Detailarbeit bezahlt und dürfte auch diese Version zu einem der beliebtesten Online-Strategie-Titel machen.
Wieso es aber erneut keinen Rundenstrategiemodus für die Internet-Schlachten gibt, wissen nur die Entwickler. Selbst das viele Jahre alte Command & Conquer: Tiberium Sun besaß ein solche packendes Strategieerlebnis, das perfekt zu der umfangreichen, aber auch etwas abwechslungsarmen Singleplayer-Kampagne gepasst hätte.
Bei der Ingame-Grafik kann man natürlich keine großen Sprünge erwarten. Genau wie beim Gameplay limitiert die Dawn of War-Engine die Kreativität der Entwickler. Man kann es also gar nicht oft genug wiederholen: Es wird ganz dringend Zeit für einen richtigen, zweiten Teil mit der Grafikengine von Company of Heroes. Texturen und Spezialeffekte wurden zwar einigermaßen auf dem neusten Stand gehalten, aber ohne Physikengine und zeitgemäße Schlachtfelder wirkt der Titel oft wie aus einem anderen Grafik-Jahrhundert.
Nach der Pflichterweiterung Winter Assault ließ ich mir Dark Crusade gefallen, weil es neben zwei frischen Rassen vor allem einen unverbrauchten Spielmodus bereit hielt. Bei Soulstorm sind die Änderungen aber zu klein, um das gleiche Spielprinzip noch einmal aufzuwärmen. Die vielen Gameplay-Verbesserungen sind zwar gelungen, doch was hilft das strategisch ausgeklügelste Spielprinzip, wenn sich die Missionen so abwechslungsarm spielen? Vor allem das Thema Story kommt deutlich zu kurz, wodurch das Abarbeiten der gigantischen Strategiekarte fast in Arbeit ausartet.
Ohne wirkliche Höhepunkte kämpft man sich Schritt für Schritt zur Weltherrschaft, erobert Spezialfähigkeiten und macht aus dem Helden ein nahezu gottgleiches Wesen. Doch leider gabs das alles schon im Vorgänger. Das Gefühl der Innovation ist weg. Echte Fans werden mit der Erweiterung aber trotzdem ihren Spaß haben, denn die neuen Rassen sind hervorragend und machen den Multiplayer noch abwechslungsreicher. Wer also gern eine Online-Partie spielt, sollte bei dem günstigen Preis auf jeden Fall zuschlagen. Der Rest muss sich gut überlegen, wie viele Standard-Schlachten man ertragen kann, ohne sich königlich zu langweilen. Mir persönlich reicht es auf jeden Fall...
Dawn of War: Soulstorm ist für den PC erhältlich.
Warhammer 40,000: Dawn of War - Soulstorm im Test.
Was halten Sie vom neuen Spiel von Relic Entertainment?
Teilen Sie Ihre Meinung mit anderen Yahoo!-Usern.