Ikaruga

Review
Plattform
Vertrieb
Atari
Entwickler
Treasure
Genre
Shooter
GC: Ikaruga

GC: Ikaruga

Ein Meer von schwarzen und weißen Energiebällen breitet sich über den Bildschirm aus. Auf den ersten Blick chaotisch, entsteht bei näherer Betrachtung ein Muster. Wege, Möglichkeiten und Gefahrenzonen bilden sich heraus. Wie ein Surfer gleitet Euer Raumschiff hindurch, absorbiert sie, weicht ihnen aus oder scheitert. Aus einem Shooter wird ein Puzzle mit Aufgabenstellungen und Lösungswegen. Nur wer das System versteht und einen Ausweg sieht, hat eine realistische Überlebenschance.

Jede Sekunde ist Eure Aufmerksamkeit gefordert. Selbst auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad ist Treasures Vertikal-Shooter Ikaruga ein forderndes Biest, das Casual Gamer zum Frühstück verspeist. Ihr müsst Sturkturen auswendig lernen, zentimetergenau Pfade abfliegen und in sekundenschnelle Euren Schild anpassen.

Wer nicht bereit ist, mehrere Stunden Training in das Spiel zu stecken, um auch nur den letzten der fünf Level zu erblicken, kann genau an dieser Stelle aufhören zu lesen. Die Genialität erschließt sich erst durch viel Übung, ein blitzschnelles Reaktionsvermögen und gestählte Nerven.

Dabei basiert Ikaruga, wie alle erstklassigen Spiele, auf einer simplen, aber genialen Grundidee. Im Gegensatz zu anderen Shootern bedeutet ein Treffer nicht unbedingt das Ende. Nein, er kann Euch sogar Energie für mächtige Smartbombs geben.

Ihr müsst nur Euren Schild modellieren, der genau zwei Varianten kennt: Schwarz und weiß. Ein Treffer mit der falschen Farbe und Euer mächtiges Raumschiff fliegt spektakulär in die Luft. Habt Ihr die richtige Variante gewählt, lädt der feindliche Angriff eine Energieleiste auf, die Ihr wiederum in Form von Lenkwaffen auf die feindliche Armada loslassen könnt.

Auch Eure Laserkanonen ändern mit der Modularität ihre Farbe. Schwarze Schüsse verursachen bei weißen Gegnern doppelt so viel Schaden und umgekehrt. Zusätzlich rächen sich gleichfarbige Gegner auf dem normalen Schwierigkeitsgrad mit einer Salve Energiekugeln, wenn Ihr sie ins digitale Nirvana befördert.

Auf leicht gibt es diesen Angriff gar nicht, auf schwer sorgt jeder Abschuss für solch eine Attacke. Wenn Ihr Euch also geschickt anstellt, könnt Ihr auf den höheren Schwierigkeitsgraden deutlich häufiger die vernichtenden Raketen einsetzen.

Für Punktejäger ist es außerdem hilfreich, so genannte Chain-Combos zu nutzen. Vernichtet Ihr nämlich mehrfach hintereinander Gegner des gleichen Farbtyps, steigt die Punktzahl deutlich an. Echte Profis picken dazu aus dichten Formationen die richtigen Feinde heraus und erreichen damit Ihre phänomenalen Punktzahlen. Statt einer halben Millionen können es schon im ersten Level zwei Millionen werden, die Ihr für die Weltspitze auch dringend benötigt.

Falls Ihr den Klassiker nicht zuvor auf der Dreamcast oder dem Gamecube antesten konntet, werdet Ihr in den ersten Minuten angesichts des knackigen Schwierigkeitsgrads erst einmal schwer schlucken. Schon im zweiten Level gibt es Momente, in denen Ihr ohne geschicktes, ständiges Wechseln der Schildarten keinen Schritt weiter kommt.

Nicht jede Situation ist dabei allein mit einem guten Reaktionsvermögen zu bewältigen. An vielen Stellen müsst Ihr das Muster erkennen, verinnerlichen und beim nächsten Durchgang wieder abrufen. Hilfreich kann auf Eurem Weg zur Erleuchtung die eingebaute Replay-Funktion sein. Einfach den Weltranglistenersten auswählen und sein abgespeichertes Video herunter laden.

Im Abspiel-Center könnt Ihr dann seine Taktiken und Strategien bewundern, Eure eigenen Schlüsse daraus ziehen und sie in Euer Spiel integrieren. Dazu kommt eine Online-Rangliste, ein spaßiger, wenn auch nicht ganz fehlerfreien Online-Coop und Dutzende Einstellungsmöglichkeiten.

Das Problem beim Online-Coop: Ihr könnt Euch keine Region aussuchen und werdet so oft mit Amerikanern in ein Team gesteckt. In den ersten Leveln könnt Ihr die Latenz noch einigermaßen ausgleichen. Doch spätestens im dritten Level, wird die Verzögerung für viele, unnötige Tode sorgen.

Wenn das Mikrofon bei Eurem Partner an ist, fragt am besten gleich nach seiner Nationalität und sucht im Zweifelsfall erneut, das erspart viel Ärger. Wer mit einem drehbaren PC-Monitor spielt, kann übrigens das Spielfeld auch horizontal ausrichten und so echtes Automatenfeeling erreichen.

Aber keiner Sorge: Selbst auf normalen LCD-Fernsehern sieht der Titel angesichts seiner sieben Jahre fantastisch aus. Dank der speziellen Farbgebung und dem reduzierten Design ist Ikaruga in Würde gealtert. Gerade die Endgegner sind beeindruckend fantastisch und selbst mit Hunderten Objekten auf dem Bildschirm gibt es keine Ruckler zu beklagen. Dank einer höheren Auflösung und einer 16:10 Option bekommt Ihr auch optisch die beste Fassung geliefert und könnt damit Eure sündhaft-teure Dreamcast-Version endlich ins Regal verbannen.

Wenn ein Klassiker wie Ikaruga erscheint, ist es schwer, sich dem Hype zu entziehen. Dutzende, Hunderte Texte wurden über das einmalige Design, die geniale Simplizität der Spielidee und die perfekte Inszenierung formuliert. Inzwischen gibt es zwar ähnliche Titel, wie das noch härtere Bangai-O, doch Ihr spürt, welch einen Meilenstein der Titel darstellt. Für Shooter-Fans geht damit also ein Traum in Erfüllung, der aber Gelegenheitsspieler in den Wahnsinn treibt.

Auch bei mir stellt sich nach mehreren Stunden die Ermüdung ein. Vielleicht bin ich zu alt für das pixelgenaue Abfliegen eines durchchoreographierten Shooter-Szenarios. Vielleicht besitze ich auch nicht mehr die richtigen Reflexe oder den Willen, mich auf ein so schweres Spiel einzulassen. Deshalb gibt es von mir nicht die absolute Höchstwertung, auch wenn Ikaruga als Vertikal-Shooter nahezu perfekt ist. Fans des Genres sollten also keine Sekunde verlieren und sofort zugreifen. Hobby-Piloten dürfen gern mal Ihr Glück in der Demo versuchen, vielleicht entdecken sie ja ein verborgenes Talent.

Alle Wahnsinnigen können Ikaruga über den Xbox Live Marktplatz erstehen. Alternativ gibt es eine extrem teure Dreamcast-Variante und eine technologisch gleichwertige Gamecube-Version.

 

 

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