Gesamtwertung8/10 |
Für die meisten Spieler steht Final Fantasy für Bombastgrafik, üppige Videosequenzen und androgyne Antagonisten mit nihilistischer Ader, die aus diesem oder jenem Grund die Welt zerstören wollen. Wer auf diese Elemente gesteigerten Wert legt, der macht lieber einen gepflegten Bogen um Final Fantasy IV: The After Years. Wer die Serie aber bereits seit 8 und 16-Bit-Tagen kennt und schätzt, der könnte im WiiWare-Sequel zum ersten 16-Bit-Final Fantasy genau die Art von Spiel finden, die er seit Jahren auf Konsolen vergeblich sucht.
Denn für The After Years folgt Square Enix jetzt dem von Capcom und anderen erfolgreich beschrittenen Weg der Rückbesinnung auf alte Stärken: Genauso wie Capcoms Mega Man 9 die Maxime „weniger ist mehr“ mit Nachdruck und fantastischem Ergebnis betonte, so wirft auch Square Enix jetzt Renderhintergründe, Polygonfiguren, Kameraschwenks, FMV-Sequenzen und all den anderen modernen Firlefanz über Bord und gibt den Fans der Klassiker die Chance, ein echtes neues 16-Bit-Final Fantasy zu erleben.
Ungeachtet der Tatsache, dass Final Fantasy IV: The After Years in Japan noch ein episodisches Download-Spiel für Mobiltelefone war, beweist Square Enix Chuzpe. Anstatt naheliegenderweise auf DS, der ja eine der letzten Zufluchtsstätten handgezeichneter 2D-Grafik ist, zu konvertieren, bringt Entwicklerstudio Matrix das mehrteilige Abenteuer als WiiWare-Download auf die großen Bildschirme!
18 Jahre sind in der Spielwelt und im wirklichen Leben ins Land gezogen, seit Cecil, Rosa, Kain, Rydia und Edge dem üblen Zeromus einen Scheitel gezogen haben. Cecil und Rosa sind glücklich verheiratet und haben einen Sohn namens Ceodore. Für den beginnt jetzt der Ernst des Lebens: Um ein Ritter und ein vollwertiges Mitglied der Red Wings, der Luftschiffflotte des Königreichs Baron, zu werden, muss er eine harte Prüfung bestehen. Die meistert er auch, doch anstatt mit stolz geschwellter Brust nach Hause zurück zu kehren, beginnt hier erst das Abenteuer.
Baron wird von einer geheimnisvollen Macht angegriffen, ein mysteriöses Mädchen verwandelt die mächtigen Eidolons in Stein und plötzlich taucht wieder ein zweiter Mond am Himmel auf – die vor 18 Jahren stattgefundenen Ereignisse scheinen sich zu wiederholen! Zeit für alte und neue Helden, sich erneut der Gefahr entgegen zu stellen.
Durch die bekannte Welt und die bekannten Figuren bietet The After Years schon ein gutes Maß an Recycling. So manche Stadt und so mancher Dungeon hat sich seit 1991 architektonisch kein Stück verändert. Trotzdem fahren Square Enix und Matrix keinen kompletten Sparkurs. So mancher auf den ersten Blick vertrauter Ort wurde vergrößert und verändert.
Dementsprechend muss sich Ceodore beim obligatorischen Trip durch die Höhlen ins Dorf Mist auf einmal durch völlig neue Gänge schlagen, nachdem er ungeschickterweise in eine Spalte fällt, und ein Felssturz macht den ehemals mühelosen Treck über einen Berg zur gefährlichen Kletterpartie. Die Änderungen wurden sorgfältig und stimmig implementiert und wirken nicht zu aufgesetzt – die Welt ist im Großen und Ganzen die Gleiche wie im Original.
Ähnlich sorgfältig wie die Spielwelt selbst wurde auch die Grafik aufbereitet. Die Hintergründe orientieren sich weniger an den spartanischen Szenarien des SNES-Originals als an den überarbeiteten Settings der Handheld-Remakes – mehr Details und schönere Kampf-Hintergründe reißen unterm Strich zwar auch noch niemanden vom Hocker, kommen aber allemal schöner daher als im 16-Bit-Klassiker.
Die größten Änderungen haben die Figuren erfahren: The After Years verzichtet auf die Futzelsprites des Originals und verwendet dafür den Grafikstil von Final Fantasy VI. Die etwas größeren Sprites sind im Kampf und auf der Oberwelt die gleichen. Witzigerweise fällt das Spiel bei Rückblenden aber in den alten Look zurück – ein clevere Idee der Designer!
Musikalisch werden zu 95% Nobuo Uematsus fantastische Original-Kompositionen von 1991 beibehalten – und damit kann ich gut leben, ist der Soundtrack von Final Fantasy IV doch einer der besten RPG-Scores überhaupt. Aber auch hier wurde sorgfältig aktualisiert: Für die Fortsetzung haben die Entwickler neue Arrangements spendiert. Die neuen Samples gefallen und verbessern den Klang, ohne den 16-Bit-Charme der Musik zu zerstören, auch die wenigen neuen Kompositionen fügen sich gut ins Gesamtbild ein. Die Soundeffekte sind einfach, aber stimmig, Attacken haben im Kampf die passende akustische Wucht.
Spielerisch wandelt The After Years auf vertrauten Pfaden. Das ATB-Kampfsystem verrichtet zuverlässig seinen Dienst und wie bereits der Vorgänger verzichtet auch das Sequel auf ein komplexes Skill-System. Dennoch gibt es zwei stimmige Neuerungen: Dank des neuen Band-Elements können nun zwei oder mehr Helden eine besonders effektive Team-Attacke starten. Diese muss aber erst gelernt werden.
So manches Team-Manöver eignet ihr euch automatisch im Verlauf der Geschichte an, andere müssen erst durch Experimentieren gefunden werden. Der Schwierigkeitsgrad schwankt hier leider ein wenig. Oft sind Gegner kaum mehr als billiges Kanonenfutter, dann wieder zieht euch ein kniffliger Boss im ersten Anlauf gnadenlos die Hosen aus. Veteranen kommen aber auch ohne große Level-Up-Sessions gut durch das Abenteuer.
Ebenfalls neu sind die Mondphasen: Vollmond, abnehmender Mond, Neumond oder zunehmender Mond beeinflussen das Kampfgeschehen. Mal werden Attacken von Helden und Monster geschwächt und schwarze Magie gestärkt, mal ist es genau anders herum. Auch bestimmte Monster tauchen nur zu bestimmten Mondphasen auf und so mancher Dungeon ist im Neumond weit knackiger als bei Vollmond. Nach 30 Minuten Spielzeit oder einer Übernachtung in Zelt oder Herberge ändert sich jeweils die Mondphase.
Mit einer Dauer um die sieben bis acht Stunden ist Final Fantasy IV: The After Years mit 800 Wii-Punkten – also 8 Euro - nicht allzu teuer bezahlt, aber die erste Episode ist lediglich der Auftakt zu einem großen Abenteuer und endet mit einem veritablen Cliffhanger. Wer sehen will, wie es mit Ceodore und den anderen weiter geht, der muss für weitere Downloads seine Börse zücken. Jeder Hauptfigur wird ein separates Kapitel mit einer Spielzeit von je zwei bis drei Stunden gewidmet, diese schlagen mit jeweils drei Euro zu Buche. Das abschließende große Kapitel, in dem die Spielstände aller anderen Abenteuer für das große Finale übernommen werden, verlangt weitere acht Euro. Summa summarum kommt man auf 37 Euro, will man das ganze Abenteuer erleben.
Aber bevor jemand nun bei „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“ anruft: Für diese 37 Euro bekommt ihr den spielerischen Gegenwert eines vollwertigen Rollenspiels. Gut über 30 Stunden werden vergehen, bis Ceodore und Anhang ins große Finale ziehen. Zudem werden die neuen Kapitel über die nächsten Wochen hinweg veröffentlicht, da ist es durchaus nett, wenn man sich dann immer wieder auf das nächste Kapitel der spannend erzählten, wendungsreichen Geschichte freuen kann. Wie das eine bisher erhältliche Abenteuer Rydia´s Quest zeigt, funktioniert das episodische Format überraschend gut im Final-Fantasy-IV-Universum.
Eines gilt es aber zu beachten: Das Spiel kommt nicht nur ohne deutsche Texte daher, wer Final Fantasy IV selbst nicht kennt, sollte das dringend aufholen, bevor er sich auf The After Years stürzt. Auch wenn das Nötigste erklärt wird, so ist die Kenntnis von Handlung und Welt des Klassikers dem Spielspaß doch kolossal zuträglich. Dabei ist es dann auch egal, welche Fassung von Final Fantasy IV – SNES, PSone, GameBoy Advance oder Nintendo DS - ihr gespielt habt. Ich persönlich würde aber zur GameBoy Advance-Fassung raten, die ist nicht nur am dynamischsten, sie ist in Sachen Präsentation auch am nächsten an der Fortsetzung dran.
Final Fantasy IV: The After Years fühlt sich für mich wie Square Enix Geschenk an die alten Fans an. Das Spiel zeigt, dass ein zünftiges JRPG wunderbar ohne Endlos-Dialoge und Video-Overkill eine spannende Geschichte mit sympathischen Figuren erzählen kann. Die grafische Entschlackung kommt dabei dem Spielspaß nur zugute: Ein After Years-Kampf ist bereits vorbei, während manch anderes RPG gerade die üppige Kampf-Arena geladen hat.
Ich für meinen Teil gratuliere Square Enix und Matrix zu der mutigen Entscheidung, das eigene RPG-Flagschiff, das ja eigentlich seit Jahren für audiovisuellen Pomp in Reinkultur steht, so konsequent zu den spielerischen und grafischen Anfängen zurückzuführen. Final Fantasy IV: The After Years ist das perfekte Mittel gegen aufkommende RPG-Müdigkeit im Angesicht moderner Mammut-Rollenspiel-Epen. Ich empfehle dringend, zumindest einmal in die erste Episode reinzuschnuppern, die dafür fälligen acht Euro könnte man auch viel schlechter anlegen.
Final Fantasy IV: The After Years ist ab sofort für Wii online erhältlich.
Tauche ein in die Welt der Stars und bring Deine Fans auf der Bühne zum kochen. Neben Ruhm winkt einer der Megapreise im Gewinnspiel! zum Spiel...
Final Fantasy IV: The After Years im Test.
Teilen Sie Ihre Meinung mit anderen Yahoo!-Usern.